Vorwort

Wu is datt mit use Platt?

Da verschwindet innerhalb einer Zeit von etwas mehr als einer Generation eine angestammte Sprache, die bis vor wenigen Jahrzehnten noch von der Mehrheit der ländlichen Bevölkerung in immerhin acht Bundesländern  im alltäglichen Miteinander gesprochen wurde…

Hier soll sich eine sprachgeschichtliche Betrachtungsweise entwickeln, die sich zunächst nur auf Nordwestdeutschland beschränkt und dann auch den gesamten norddeutschen Sprachraum ins Auge nehmen soll.

Gegen die Verwendung der plattdeutschen Sprache ist schon insbesondere im 19. Jahrhundert (etwa Dr. Goldschmidt/Oldenburg)  heftig argumentiert worden.

Siehe: http://www.watt-up-platt.de/dr-jonas-goldschmidt-wettert-1845-gegen-das-plattdeutsche/

Dennoch hat sie sich im ländlichen Bereich bis in die Nachkriegszeit flächendeckend gehalten. In den Bauerschaften, die nahezu ausschließlich von Landwirten und Heuerleuten bewohnt waren,  wurde fast durchweg platt gesprochen. Aber auch in den Kirchdörfern mit der dort lebenden Handwerker- und Kaufmannschaft war die niederdeutsche Sprache vorherrschend.

Selbst in den kleineren Kreisstädten sprach der überwiegende Teil der Kaufleute – schon aus Eigennutz – plattdeutsch mit der ländlichen Kundschaft.

In der Zeit des sogenannten Wirtschaftswunders  und direkt danach zu Beginn der 60er Jahre entwickelte sich eine starke Bewegung gegen die Weitergabe der plattdeutschen Sprache von den Eltern an ihre Kinder. Diese Bewegung ging von der Lehrerschaft aus.

Diese Entwicklung wurde stark gefördert durch die gravierenden wirtschaftlichen Veränderungen in den Dörfern.

Mehrere Wirkfaktoren bedingten sich dabei gegenseitig:

  • Die aufkommende Industrie bot attraktive Arbeitsplätze für die bisherigen Heuerleute.
  • Innerhalb von nicht einmal zehn Jahren – etwa beginnend in der Mitte der 50er Jahre – konnte sich diese  bevölkerungsstarke Schicht aus der engen wirtschaftlichen Abhängigkeit der Bauern lösen. Gerade in dieser Sozialisationsform der besitzlosen Landbevölkerung wurde ausschließlich die plattdeutsche Sprache gesprochen. Dort reifte  mit der nun errungenen wirtschaftlichen Freiheit deutlich die Erkenntnis, dass zu möglichem Aufstieg gute Kenntnisse in der hochdeutschen Sprache nötig waren.
  • Eine völlige Veränderung der Bauerschaften war die Folge. Den Bauern fehlten die Arbeitskräfte. Maschinen mussten angeschafft werden. Die Heuerhäuser standen nun leer und „vergammelten“. Flurbereinigungen griffen tief in die Natur ein, um eine „maschinengerechte” Landwirtschaft zu ermöglichen.
  • Etliche Höfe wurden aus den Dörfern ausgelagert, um Platz für Wohnbebauung und Industrie zu schaffen.
  • Die Bildungspolitiker reagierten schnell in der Erkenntnis, dass diese starken Veränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft eine deutliche Modernisierung und Effektivierung der schulischen und beruflichen Ausbildung nötig machten.
  • Und dieser Entwicklung – so war man nun mehrheitlich der Meinung – stand die plattdeutsche Sprache im Wege. Also folgte „eine sprachliche Flurbereinigung“

Gerade darüber will diese Website auch berichten und so den Schwund der plattdeutschen Sprache nach Möglichkeit zumindest teilweise erklären.

PS: Hier schreibt kein Sprachwissenschaftler, sondern ein ehemaliger Dorfschulmeister, der diese sprachlichen Nachkriegsentwicklungen hautnah in seinem persönlichen und später dann auch beruflichen Umfeld erlebt und gelebt hat.

Bernd  Robben                   brobben@t-online.de                       0591/49389                          01719800350

Karte: Brockhaus Konversations - Lexikon 14. Auflage