Werner Beermann – Platt im Stahlwerk

  • 1934 geboren, aufgewachsen in Oesede südlich von Osnabrück
  • nach dem Besuch der Volksschule mit 15 Jahren als Anlernling im Hüttenwerk Georgsmarienhütte Arbeit aufgenommen
  • zwei Jahre Ausbildung als Hüttenwerker, drei Jahre Arbeit im Walzwerk
  • ab 1955 zusätzliche Lehre als Chemielaborant, danach Tätigkeit in Bremen und Wetzlar
  • anschließend bis 1989 Chemielaborant im Stahlwerk Georgsmarienhütte
  • durch die große Stahlkrise in diesen Jahren per Sozialplan in den vorzeitigen Ruhestand verabschiedet

Nun hatte Werner Beermann die passende Zeit für seine fotografischen Recherchen und Veröffentlichungen in der Regionalliteratur.

 

Otto Pötter: Esperanto Platt

 

Up Esperanto hett dat: „Ick küer Platt.” Esperanto, dat hät sick Ludwig Zamenhof 1887 uutdacht.  De Mann kam uut ne Judenfamilge un moss sick, üm dörtokuemmen, in sien Liäben immer wier mit ännere Spraoken quiälen. So kaim he up ne internassionale Spraoke, dat Esperanto. Siene Idee wör sicher guet, män dat Esperanto konn sick mit de Tiet nich dörsetten. Et is iäben nich, es use Platt, von binnen her uut Hiärt un Siäle wassen. Dat wieset us: De Kopp alleene mäck et nich.

Lück wat an Ähnlichkeiten wieset sick mi bi den „Turmbau zu Babel“ (1. Mos 11, 4 – 7). De Mensken wollen, wu man so sägg, „hauch heruut“. Nu ja, waorüm nich. Aower se wollen mit iähren gewölligen Bau sotosäggen an’ Hiemmel kieddeln. Doch bevör iähr dat heelmaol to Koppe steeg, greep Gott söwwst in un dreihde iähr grautmuulsk Gebäbbel dörneene … Dat will us, recht bedacht, nix änners säggen äs

Immer dann, wenn Mensken sick es Herrgöttkes upkröppt, geiht dat Werks in de Totten, et giff Striet un de Mensken verstaoht sick nich mehr. Könnt alle säggen wat se willt, schütt dat Praoten aower allto hauch haruut, versteiht antlest nich eenen mehr wat. Is dat vandage nich jüst noch so? Ick weet jä nich, wu di dat geiht, aower bi dat, wat ick manchs so höre, suuset mi bloß noch de Kopp. Nich von ungefähr, denn wenn dat Hiärt schwigg, helpet weder klook Latien noch Esperanto.

Well glöff, he härr mit sienen klooken Kopp usen Herrgott an’ lütken Tehnt (Zeh), de hät unversehns den Deibel bi ’n Stiärt. Well meint, he könn söllfeddig (nach eigenem Gutdünken, gebieterisch) üöwer Köppe wegküeren, wahrt änner Grenzen nich. Dao is auk Esperanto nich för to gebruuken.

Achtung, uppassen! Well kiene Grenzen wahrt, achtet auk de nich mehr, de änners sind, de änners praoten doot un änners denket. Dann is et nich mehr wiet bis gift’ge Worde un gefäöhrlicke Parolen.

Ännersiets düch et auk wier nich, üöwerfair alle Mensken üöwer eenen Kamm to scheren. Nä. Dat häbt nich bloß all de Kommunisten versocht. Dat mag jä noch so guet dacht sien, aower wenn se alle Mensken lieke maaken willt, spiellt sick jüst sücke Liekmaakers äs üöwerlieke Herrgöttkes up. Doch dann Gnade us Gott. Se wieset sick mehrst gau all äs de gröttsten Menskenquiäler!

wat wieset us dat? Wu man et auk dreiht, aower wer üöwer sick nix achtet, de achtet wuohl auk üöerhaupt ansüss nix mehr. Well daokeggen aower to Gott wuohl upkieken kann, kann up Mensken nich daale kieken.

Grenzen wahren, dat hett, mit Anstand (un Affstand) üöwer sick sömms haruutkieken. Daobi is nich schwuor uuttomaaken, dat nich eenen den ännern lieket. Waorüm also soll he nich auk änners praoten? Daorüm kann et vandage ruhig mehr un mehr up Englischk gaohn, üm sick internassional to verstännigen. Dat ist guet so, ümdat wi üöwer Grenzen weg guet terechte kuemmet. Un doch wieset us Naomen und Spraoken, dat jedereen von us heelmaol wat Besönners is. Well möch dat all missen? Dat is doch mehr äs schön, orre?

So is auk use Plattdüütsch heel wat Besönners. Un dat is schön so; schön dat et so wat (noch) giff. Drüm laot’ us dao auk schön wat an doon. Dann kann et mientwiägen auk ruhig noch Eperanto giebben. Waorüm nich? Hauptsaake et is nich eenen debi, de use Platt platt maaken will.  Daoför wör use Platt to schaa. Mi dai dat weh, denn ick praot gerne Platt. Up Esperanto hett dat: „Mi parola Platt”.

Süss noch wat?

Leinenbearbeitung up Platt

 

 

Die hohe Zeit des Flachses

 

In der Zeit vom 16. bis 18. Jahrhundert entwickelte sich der Flachsanbau und dessen Verarbeitung sehr stark. So erlangte sogar die Ausfuhr von Leinen eine große Bedeutung im Außenhandel.

Durch ein sich entwickelndes Verlagssystem mittels Fachhändler gelangte die die Ware auch über weite Entfernungen – sogar bis nach Übersee – an die Endkunden. Um dort einheitliche Qualitätsware anbieten zu können, mussten die angefertigten Leinenrollen in der Heimat auf sogenannten Leggen  (z. B. Osnabrück) zunächst kontrolliert werden. Erfüllten sie die Norm, wurden sie entsprechend gestempelt. Besonders geschätzt wurde das Osnabrücker Löwendlinnen.

Das bei der Beschau aufgeprägte Leggesiegel bestätigte wiederum dem Käufer des Stoffes, das dieser von guter Qualität war. In England und Amerika stand das Osnabrücker Leggesiegel für höchste Qualität. in Südamerika wurde „Osnabrücker Leinen“ wegen seiner Tropenfestigkeit geschätzt. Das Tuch gelangte über Holland, England und Spanien nach Nord-, Mittel- und Südamerika sowie in die Karibik (St. Domingo, St. Thomas und Havanna).

Auch die Osnabrücker Region profitierte also davon, wenn auf den Plantagen in der Karibik das Osnabrücker Leinen für die Herstellung der leichten Kleidung der Sklavenarbeiter benutzt wurde. Der günstige, strapazierfähige Stoff war als „true born Osnabrughs“ oder „Osnabrücker Hosen“ weltbekannt. Was Menschen aus dem Osnabrücker Raum hergestellt hatten, wurden also frühe „Jeans“ für Menschen, die für die harte Sklavenarbeit aus Afrika verschleppt wurden und ihre Heimat nie wieder sahen.

https://www.museumsquartier-osnabrueck.de/ausstellung/30-true-born-osnabrughs-osnabruecker-stoffe-zu-sklavenhosen/

Der plattdeutsche Spruch findet sich auf Seite223.