Erlebnisse zur Sprachentwicklung als Heranwachsender

Meine weitere sprachliche Entwicklung verlief so, dass ich auf dem Gymnasium neben der  anfänglichen Fremdsprache Latein, die mich bis zum Abitur begleitete, ab Klasse 7 Englischunterricht bekam.

Dazu gesellte sich im folgenden Schuljahr Altgriechisch – ebenfalls bis zum Abitur.

In meinen alltäglichen Begegnungen auf unserem Hof und in der Nachbarschaft wurde selbstverständlich weiterhin ausnahmslos plattdeutsch gesprochen.

Das änderte sich vor zwei Jahren (2016), als zu meinem Erstaunen die Schützenvereinsversammlung zum ersten Mal in der hochdeutschen Sprache abgehalten wurde. Nach meinem „vorsichtigen“ Protest  in der sich anschließenden Bierrunde bekam ich von etlichen jüngeren angestammten Dorfbewohnern die klare Ansage: Deine Generation hat ja mit ihren Kindern – also mit uns – auch hier im Dorf nicht mehr plattdeutsch gesprochen.

PS: Auf dem Gymnasium sprachen alle Schülerinnen und Schüler hochdeutsch – auch die “Plattdeutschen vom Lande”. Viele schämten sich sogar für ihre platte Herkunft.

Nur mein Klassenkamerad Heiner Wübbels und ich haben als Bauernsöhne durchgehend bis zum Abitur plattdeutsch miteinander gesprochen und halten es auch heute noch so.

Dr. med. Heiner Wübbels praktiziert als Arzt in Greven.

Mehrfach sind wir beiden  – auch ohne unsere Frauen – auf Bildungsreisen unterwegs gewesen. Durch unsere ausschließliche plattdeutsche Konversation fielen wir in der jeweiligen Reisegruppe auf…

Gerüchte kursierten: Seit wann nehmen Bauern an mehr akademischen Exkursionen im Ausland teil?

Nachdem die Neugier es aufgedeckt hatte, waren wir der Doktor und der Rektor und man suchte nun auch Kontakt zu uns – auf Hochdeutsch.

 

 

Fotos: Schulwappen Gymnasium Georgianum Lingen
       Dr. Wübbels privat