Vita des Bernd Robben: In eine plattdeutsche Welt geboren – aber nicht ganz…

Im Juli des Jahres 1948 wurde ich als ältester Sohn auf einem Bauernhof im südlichen Emsland geboren, in eine durch und durch plattdeutsche Welt hinein.

Dennoch war das Plattdeutsche nur meine Vatersprache, meine Mutter stammte aus der Stadt Osnabrück und sprach mit mir und meinen jüngeren Geschwistern überwiegend hochdeutsch.

Allerdings waren die Sprach- und Sprechanteile in unserer  bäuerlichen Großfamilie ansonsten durchweg plattdeutsch geprägt.

Auch die Sprachkontakte mit meinen Altersgenossen fielen ausschließlich niederdeutsch aus in der abgelegenen Bauerschaft, die jeweils mehrere Kilometer vom nächsten Kirchdorf entfernt lag. Dorthin kam ich in der Regel nur sonntags zum Kirchgang, da wurde zu der Zeit die Messe – außer der Predigt – noch weitgehend in Latein abgehalten. Als Messdiener lernte ich dann das Confiteor und das Suscipiat auswendig, ohne zu wissen, was ich dort aufsagte.

Die ersten vier Schuljahre in der einklassigen Volksschule verstärkten den Zugang zum Hochdeutschen.

Allerdings zeigte sich später insbesondere im Deutschunterricht der Anfangsklasse am Gymnasium, dass ich durchweg plattdeutsch dachte – die Sprachwelt der bäuerlichen Großfamilie mit 12 Personen nebst “Gesinde” hatte meine Sprachentwicklung wohl überdeutlich bestimmt.

Die Muttersprache Hochdeutsch hatte also in den ersten 10 Lebensjahren offensichtlich wenig Möglichkeiten, an meiner Sprachentwicklung wesentlich Anteil zu nehmen.

So waren meine Aufsätze in den ersten zwei Jahren auf dem Gymnasium durchweg mangelhaft. Rückschauend betrachtet habe ich erst durch die lateinische Grammatik die Strukturen der hochdeutschen Sprache so verinnerlicht, dass sich von der Zeit an meine schriftlichen Leistungen im Fach Deutsch wesentlich verbesserten.

 

Fotos: Archiv Robben