Dr. Franz Möller

Als Emsländer im Rheinland

Wenn ein Emsländer aus Bramsche bei Lingen/Ems seit 38 Jahren im Rheinland lebt und arbeitet, seit 24 Jahren Landrat des Rhein-Sieg-Kreises ist und 18 Jahre Abgeordneter des Deutschen Bundestages für diese Re­gion gewesen ist, dann sollte er die plattdeutsche Spra­che des Emsländers verlernt und das rheinische Platt gelernt haben.

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Beides ist nicht der Fall: Ich kann noch gut Plattdeutsch verstehen, weniger plattdeutsch reden; die rheinische Sprache kann ein Emsländer zwar gut verstehen, aber nicht sprechen!

Als ich nach Studium, Promotion und Examen im Rheinland heimisch wurde und nach beruflichen Erfol­gen kommunalpolitisch tätig wurde, dachte ich, daß meine Sprache mit erkennbar nordwestdeutschem Zungenschlag hier im Rheinland hinderlich sein könnte und sogar ein wenig lächerlich klingen würde. Für die Rheinländer war das aber offensichtlich kein Problem, denn meine Wahlergebnis­se sprachen immer für sich. Wahrscheinlich sind die Rheinländer mit einer etwas größeren Toleranz ausgezeichnet als wir geborenen Emsländer. Jedenfalls haben sie stets gelacht und Beifall gespendet, wenn ich in einer Rede ein/zwei Sätze in emsländischem Platt eingefügt habe, was sich für das Rheinland ja auch besonders lustig anhört.

Kurz nachdem ich zum Landrat dieses großen Rhein-Sieg-Kreises gewählt worden war (1974), glaubten die hiesigen Karnevalisten, mich auch zum „Ritter des rheini­schen Humors” küren zu müssen. Die telefonische Mitteilung über die hohe rhei­nische Auszeichnung konnte ich nur mit dem dankbaren Hinweis gegenüber der Presse kommentieren: „Was müssen die Siegburger Karnevalsfreunde für einen Humor besitzen, wenn sie einen Emsländer zum Ritter des rheinischen Humors machen!” So ist es auch! Mein Hochdeutsch mit plattdeutschem Einschlag hat mich im Rheinland nicht behindert.

Bedauert habe ich, daß sich im Bonner Raum keine Gruppe von Emsländern zu­sammengefunden hat, um plattdeutsch zu sprechen. Dabei gibt es hier viele Ems-länder, die in den Bundesministerien und in den Verbänden hervorragende Arbeit geleistet haben. Ein wenig Pflege der niederdeutschen Sprache wäre nötig gewe­sen, um die erste oder zweite Muttersprache nicht ganz zu verlernen.