Zur Untersuchung von Prof. Dr. Dieter Stellmacher (GETAS)

Nach einem ersten Besuch im Niederdeutschen Institut in Bremen Ende der siebziger Jahre war ich dann auch in mehreren Folgejahren jeweils in Sommerferien dort, um neuere plattdeutsche Erscheinungen zu sichten. Insbesondere kleinere plattdeutsche Theaterstücke für den Schulunterricht waren dabei von besonderem Interesse.

Dabei habe ich die beiden Geschäftsführer Herrn Dr. Wolfgang Lindow  und Herrn Dr. Schuppenhauer kennen gelernt. Das waren jeweils aus meiner Sicht interessante Gespräche zwischen mir als Schulpraktiker aus einem plattdeutschen Umfeld und den Wissenschaftler mit vielseitigen Kontakten zu Fachleuten in ganz Norddeutschland und darüber hinaus.

Bei einer erneuten Erkundungstour im Jahre 1988 gab Dr. Lindow mir diese Untersuchung von Prof. Dr. Dieter Stellmacher mit, lediglich mit dem Hinweis, ich möge mir diese Enquete einmal vor dem Hintergrund meiner bisherigen Erfahrungen in der Schulpraxis anschauen.

Insbesondere nachfolgende Zeilen machten mich angesichts meiner Erfahrungen vor Ort stutzig und ich habe mir darauf eine weitere wissenschaftliche Untersuchung besorgt, um Vergleichsmöglichkeiten zu haben.

 Niederdeutsch ist nicht tot, die Sprache lebt und – wie die Vergleiche mit älteren Untersuchung erbracht haben – sie hat in den letzten 20 Jahren keineswegs an Boden verloren. Die Freude darüber ist auch Verpflichtung, das sprachliche nebeneinander zu erhalten und somit ein wesentliches Merkmal der norddeutschen Sprachkultur.

Die Sprachwissenschaft hat bei der Untersuchung des Niederdeutschen heute einen bemerkenswerten Versuch überregionaler, überinstitutioneller und interdisziplinärer Zusammenarbeit erfolgreich bestanden, sie hat auf diese Weise neue Einsichten zum Sprachgebrauch und zum Sprachwandel (der ja heute eher Funktionswandel als Sprachersetzung ist) gewonnen und ihr bleibt noch viel Material auszuwerten. Die niederdeutsche Kulturarbeit, insbesondere das Bremer Institut für niederdeutsche Sprache, weiß ich auf einem stabilen Grund und braucht nichts zu befürchten, ihren Gegenstand zu verlieren. Die politisch Verantwortlichen sollten dem Rechnung tragen, dass Millionen norddeutsche ihre alte Sprache sprechen und lesen, sie lieben und in vielfältiger Weise weitergeben möchten. (S. 47)

 

Diese nachfolgend wichtige Anmerkung, die die wissenschaftliche Wertigkeit und tatsächliche Aussagekraft dieser Untersuchung mit der nötigen Selbstkritik genau einordnet, wird nur in einer Fußnote eingebracht, die 8 Seiten später völlig ohne Bezug zum eigentlichen Text “versteckt” ist.

Auch ich habe diese Verbindung erst nach mehrfachem Sichten “entdeckt”…

Dabei wird nicht vergessen, daß alle Daten dieser Untersuchung auf Befragungen zurückgehen und Meinung und Eindrücke wiedergeben. Besonders in der Erp – Studie (siehe Anm. 14) wird immer wieder auf die hohe Subjektivität solcher Meinungsurteile hingewiesen, die nicht mit objektiven Messungen verwechselt werden dürfen. (S. 52)

 

Weitere Erläuterungen dazu finden sich in der Beschreibung zur meiner Untersuchung im Emsland 1989

Auf alle Fälle war die Ausdeutung der GETAS – Befragung durch Prof. Dr. Stellmacher eine wichtige Triebfeder für die umfangreiche Befragung im Emsland.

Im nachfolgenden Untermenü finden sich kritische Stellungnahmen zu GETAS von

  • Dr. Wolfgang Lindow ( ehemaliger Geschäftsführer Institut für Niederdeutsche Sprache in Bremen
  • Dr. Utz Maas (em.Universität Osnabrück)
  • Dr. Hubertus Menke (em. Universität Kiel)
  • Außerdem wird dort ein schematischer Vergleich vorgestellt zwischen der GETAS Untersuchung und der Enquete im Emsland 1989 (Robben)