Talk up Platt – mit einem Ordensoberen in Rom 2

 

Vom Plattdeutschen her kommend – Erfahrungen mit anderen Sprachen:

Zunächst zeigten sich also die Defizite in Deutsch in der Eingangsklasse auf dem Gymnasium. Nach dem Eltersprechtag erhielt ich zu Hause von meinem Eltern diese Meldung der Lehrpersonen:

  • Der Junge soll mehr hochdeutsche Lektüre lesen
  • Der Junge soll ein Heft führen mit deutschen Vokabeln
  • Der Junge soll sich gute deutsche Formulierungen notieren und immer wieder lesen

Deutsch war in der Zeit für mich wirklich problematisch.

Erst in meiner Zeit als Schulleiter des Gymnasiums in Handrup ist mir richtig bewusst geworden, dass die Schulnote “Deutsch” nicht einfach nur eine Note unter den anderen ist, die Kenntnisse in Deutsch dominieren eindeutig gegenüber den anderen Fächern, denn wenn man die Sprache nicht richtig beherrscht, nimmt das auch negativen Einfluss auf die übrigen Fächer.

In Klasse 7 begann der unproblematische  Lateinunterricht.

Mit dem Fach Englisch allerdings konnte ich mich nicht so recht anfreunden und so wählte ich es auch schon mit 13 Jahren wieder ab.

Ganz anders waren meine Erfahrungen mit der altgriechischen Sprache. Dort war ich hoch motiviert, denn so bekam ich den Zugang zu Plato, Sokrates und den anderen großen antiken Philosophen. Ich konnte sonntags nachmittags lesend in der Kuhweide liegen – das war meine Welt!

Einsatz an einer Jesuiten-Highschool in der New Yorker Bronx 

Da es ein Grundanliegen des Herz-Jesu-Ordens ist, sich besonders für die Bildung und Erziehung junger Menschen einzusetzen, unterrichtete Pater Wilmer ab 1997 für ein Jahr an der Jesuiten-Highschool in der New Yorker Bronx Deutsch und Geschichte.

Schulleiter am Gymnasium Leoninum in Handrup

Nach seinem Amerika – Aufenhalt kehrte er 1998 an die Schule ins Emsland zurück, an der er selbst ausgebildet worden war. Dr. Wilmer wird dort im Alter von 37 Jahren Schulleiter des Gymnasiums mit derzeit rund 1000 Schülern und ungefähr 70 Lehrkräften.

Dort erwirbt er sich einen ausgezeichneten Ruf  bei den  Eltern und Schülern aus dem südlichen Emsland und dem angrenzenden Osnabrücker Land.

Viele Ehemalige schwärmen noch heute von den besonderen Aktivitäten, die über den Schulallteg hinausgingen: So eine Pilgerreise der gesamten Schulgemeinschaft nach Santiago de Compostela. Später brach die komplette Schülerschaft mit vielen Eltern im Tross mit einer gewaltigen Busflotte nach Rom auf – dort war gerade das Konklave und der deutsche Papst Benedikt wurde gewählt.

Leiter der deutschen Ordensprovinz 

Nach neun Jahren erfolgreicher Schulleitertätigkeit übernahm Pater Wilmer die Leitung der deutschen Ordensprovinz der Herz-Jesu-Priester mit dem damaligen Sitz in Bonn. Nach einiger Zeit wurde dieser deutsche Hauptsitz nach Neustadt an der Weinstraße verlegt. Dr. Wilmer nannte sich nun Provinzial.

Hier ein Foto zum Provizialat in Neustadt:

 

 

 

“Superiore Generale” des Herz – Jesu- Ordens in Rom

An Pfingsten 2015 wird Dr. Heiner Wilmer in Rom vom Generalkapitel des Ordens mit goßer Mehrheit zum Generaloberen der Kongregation der Herz-Jesu-Priester  für die Amtszeit von sechs Jahren gewählt.

Damit ist er der „Chef“ über 2300 Patres in 43 Ländern dieser Erde.

Von der plattdeutschen Sprache her kommend spricht der polyglotte Ordensobere Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch – und Deutsch natürlich. Dazu kommen die „alten“ Sprachen Latein, Griechisch und Hebräisch. Portugiesisch versteht Dr. Wilmer weitgehend, eine Messfeier kann er in dieser Sprache (ab)lesen. Er predigt dann allerdings in spanisch.

Was ich in noch mehr Sprachen sagen kann, ist “Bier vom Fass”. Und dann versteht man mich…

Weitere interessante Informationen und Sprachbetrachtungen über Pater Dr. Wilmer auf der nächsten Seite:

 

 

 

https://www.herder.de/autoren/w/heiner-wilmer/

https://www.youtube.com/watch?v=h4xocvJcs38

Foto: Siegfried Wistuba

Schülerfragebögen

 

Die Originalfragebögen waren durchnummeriert. Somit wurde eine sichere Zuordnung insgesamt gewährleistet.

 

 

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Sprechtext der Toncassette zur Schülerbefragung „Plattdeutsch“ 3

Jetzt können wir mit dem zweiten Blatt beginnen. Ich erkläre euch, was ihr hier machen sollt:

Hier müssen hochdeutsche Wörter ins Plattdeutsche übertragen werden, schreibt also hinter die hochdeutschen Wörter die platt­deutsche Übersetzung. Dabei kommt es ausnahmsweise nicht auf die Rechtschreibung an, schreibt die plattdeutschen Wörter so, wie ihr es für richtig haltet, schreibt nur sauber, damit wir auch lesen können, was ihr meint.

Habt ihr noch Fragen? Wenn nicht, dann kann es weitergehen.

 

Pause

Hinweis für Kollegen/innen:

Ganz wichtig ist die Umsetzung des letzten Hinweises für die spätere Auswertung. Deshalb schalten Sie bitte zum Schluss noch einmal den Recorder ein.

Liebe Schülerinnen und Schüler, ihr habt es geschafft.

Nun haben wir noch eine Bitte an Euch: Klappt jetzt das oberste Blatt wieder zurück, so wie es zuerst war.

Die beiden oberen Blätter, die ihr bearbeitet habt, lasst diese bitte zusammen. Nur das unterste Blatt trennt ihr ab, das sollt ihr mit nach Hause nehmen. Wir würden uns sehr freuen, wenn eure Eltern den Fragebogen noch heute ausfüllen könnten, damit ihr dieses Blatt morgen wieder in der Schule abgeben könnt. Schreibt euch das an besten ins Hausaufgabenheft.

Die beiden oberen Blätter werden jetzt zusammen einge­sammelt.

Wir bedanken uns recht herzlich bei euch. Bald werdet ihr etwas über diese Umfrage in der Zeitung lesen können.

Sprechtext der Toncassette zur Schülerbefragung “Plattdeutsch” 2

Wir wollen euren Namen nicht wissen. Wir möchten nur erfahren, ob ihr Plattdeutsch verstehen könnt. Deshalb haben wir eine große Bitte an euch: Schaut nicht bei eurem Banknachbarn ab, es lohnt sich nicht: Ihr bekommt diesen Zettel nicht zurück und es gibt auch keine Zensur dafür. Über die Ergebnisse wird demnächst in der Zeitung berichtet. Ihr könnt dann ja in der Klasse einmal darüber sprechen.

Auf dem Zettel findet ihr jetzt die Namen von Jan und Grete und dahinter leere Zeilen. dort sollt ihr auf hochdeutsch das hin­schreiben, was Grete und Jan in plattdeutsch sagen. Wenn ihr etwas nicht versteht, dann macht ihr einfach einen Strich in die Zeile.

Wir wollen euch ein Beispiel geben:

Jan sagt: Et häv schneit

Ihr muht jetzt schreiben: Es hat geschneit.

Kann’s nun losgehen? Jan und Grete warten schon gespannt. Ihr nehmt euren Bleistift in die Hand? Viel Spaß beim Übersetzen.

Jan:     Ick prot platt – du ock?

Grete: Joah, man vertell mi äs, wekka di dat lehrt häv?

Jan:    Bi us in’n huse prot’ wi alle platt.

Grete: För füftig Joahr konnen boal alle Kinner in’t Emsland platt proten.

Jan:     Ick glöwe, vandage könnt: ne heele Riege junge Loe dat noch wall verstoahn.

Grete: Män’s dat? Use Opa vertellt mi eenmol inne Wecke Dönkes ut olle Tieten.

Jan:   Sodönnig  häs du mi wat förut.

Grete: Moal wat anners: Kaas du schwömmen?

Jan:   Jo, dat häff min ölte Süster mi lesten Sommer bibracht.

Grete: Jan, ick män, nu is’t genog. Wi häbt de Kinner genoch tagt.

Jan:   So, das war der erste Teil.

Einige von euch haben sicher etwas verstanden und übersetzen können.

Jetzt wollen wir das zweite Blatt bearbeiten. Lasst bitte die Blätter zusammengeheftet. Klappt nun das erste Blatt einfach nach hinten, eure Lehrperson zeigt es euch eben.

 

Pause

 

Sprechtext der Toncassette zur Schülerbefragung “Plattdeutsch” 1

 

Liebe Schülerinnen und Schüler des 4. Schuljahres!

Ihr werdet jetzt gleich ein Mädchen und einen Jungen kennen lernen, die beide auch eine 4. Klasse besuchen. Und diese beiden können etwas, was einige von euch auch können, sie sprechen plattdeutsch. Natürlich sprechen sie auch hochdeutscn, aber hört mal selbst:

Jan:        Guten Morgen, liebe Mitschüler, wir heißen Jan und

Grete:   und Grete. Ja, es stimmt, wir beide sprechen gleich zu euch plattdeutsch. Aber zuerst wollen wir                      euch in hochdeutsch erzählen, was wir heute mit euch durchführen wollen.

Jan:        Ja, wir hahen etwas vor mit euch, und wir hoffen, dass ihr gern mitmacht.

Grete: Wir wollen einen kleinen Test mit euch veranstalten. Nur bei diesem Test bekommt ihr keine                             Zensuren.

Jan:      Wir wollen euch auch verraten, warum wir diesen Test mit euch machen wollen.

Grete: Ihr wisst sicher, dass viele Erwachsene in unserer Gegend plattdeutsch sprechen können und                           auch häufig plattdeutsch sprechen.

Jan:     Nun soll untersucht werden, wie viele Schüler und Schüle­rinnen im Emsland diese Sprache                               verstehen und auch spre­chen können.

Grete: Eure Lehrperson schaltet jetzt den Recorder ab und ver­teilt die Befragungsblätter. Nehmt bitte                       einen Bleistift aus eurer Mappe.

Jan:     Und danach melden wir uns wieder, bis gleich.   

Jan und Grete melden sich jetzt gleich auf plattdeutsch bei euch. Vorher muß ich jedoch noch etwas erklären:

Ihr habt drei zusammengeheftete Blätter bekommen. Die lasst bitte zu­nächst auch zusammen. Die beiden oberen Blätter sind für euch be­stimmt, die braucht ihr jetzt gleich, der untere Fragebogen ist für eure Eltern. Ganz oben links tragt jetzt bitte euren Wohnort ein. Das ist für die Auswertung ganz wichtig. Ein Beispiel dafür: Wenn ein Schüler in Lingen-Baccum zur Schule geht, aber in Ramsel wohnt, dann trägt er auf seinem Zettel Ramsel ein.

Wenn ihr nicht genau wisst, was ihr hier eintragen sollt, eure Lehr­person erklärt es euch bestimmt. Dann muss der Recorder hier kurz gestoppt werden.

Pause

 

Region Ostfriesland

Aus dem im Norden an das Emsland angrenzende Ostfriesland liegt eine Studie aus dem Jahre 2009 vor, die durch die Befragung der Schülerjahrgänge 5 bis 13 an Kooperativen Gesamtschulen und Gymnasien ermittelt wurde.

Hierzu heißt es in der „Ostfriesen-Zeitung“ unter Aurich vom 18. September 2010:

Es läuft nur über Schule und Eltern
Für den Fortbestand der plattdeutschen Sprache müsse der Hebel vor allem bei den jetzt noch Plattdeutsch sprechenden Eltern angesetzt werden. Dabei gelte es, den Kulturwert der Heimatsprache zu verdeutlichen und die Eltern dazu zu bewegen, mit ihren Kindern auch Platt zu sprechen, forderte Joachim Strybny. Der pensionierte Norder Gymnasiallehrer hatte eine vielbeachtete Studie zum Gebrauch der plattdeutschen Sprache vorgelegt. Sein optimistisches Fazit: Das Platt sei auf der Ostfriesischen Halbinsel stärker verankert und präsent, als bislang vermutet. Wenn auch unterschiedlich ausgeprägt, so sei die Sprache doch in allen Teilen Ostfrieslands lebendig (1).

Die Werte der ostfriesischen Untersuchung sind eindeutig besser als im emsländischen Bereich, was die Plattdeutschkenntnisse und den Gebrauch der Sprache bei den Heranwachsenden angeht. Allerdings basieren die Werte ausschließlich auf Selbsteinschätzungen. Die Fehlerquellen bei diesem
Verfahren hat unsere obige Untersuchung ja belegt.

Doch Joachim Strybny sieht ebenfalls das grundlegende Kriterium für das Fortbestehen
des Niederdeutschen im Engagement der Eltern: Für die Bewahrung oder das Wiederbeleben des Plattdeutschen ist die Handlungsbereitschaft der Eltern heranwachsender Kinder die entscheidende Problemzone.
Oder an anderer Stelle: Die Eltern sprechen … mit ihren Kindern nicht (mehr) plattdeutsch (2).

Vielleicht gelingt es den für ihre urtümliche Art bekannten Ostfriesen ja, was bei uns schon vor etwa 30 Jahren hätte passieren müssen, wenn man das Plattdeutsche als Muttersprache hätte erhalten wollen:

Die „Mutter“ als Bild für die gesamte Familie muss die plattdeutsche Sprache wieder von Anfang an vermitteln.

1 Der Zeitungsartikel basiert auf: Joachim Strybny, Plattdeutsche Sprachlandschaften in
Ostfriesland. Auffinden sozial definierter Sprachräume über einen Index der Sprachverwendung,
ermittelt über eine Befragung der Jahrgänge 5 bis 13 an den Gymnasien und
den kooperativen Gesamtschulen der Region, Aurich 2009, S. 98-102.
2 Günther Niet, „Es läuft nur über Schule und Eltern“, in: Ostfriesen-Zeitung vom
18.9.2010 (zuletzt eingesehen in der Online-Version unter: http://www.oz-online.de vom
6.3.2011).

Telefonbefragung im Auftrag des “ins” 1

Untersuchung 2007

In Nachfolge der GETAS-Untersuchung von 2004 wurde nach dem Entwurf
der drei Geschäftsführer des Institutes für Niederdeutsche Sprache (ins) 2007 eine weitere Befragung im gesamten niederdeutschen Sprachgebiet, das die acht norddeutschen Bundesländer umfasst, in Auftrag gegeben. Die Zusammenfassung der Ergebnisse durch Dr. Frerk Möller überrascht den Leser:

Die vorliegenden Daten zur aktuellen Situation des Niederdeutschen vermitteln das Bild einer noch durchaus vitalen Sprache.(1)

Es wird also der Eindruck einer (noch) lebendigen Sprache erweckt. Der erste Teil des zweiten Satzes ist
auch sicherlich problemlos und passt in dieses angeblich positive Bild. Aber dann kommt die Überraschung:

Das Niederdeutsche ist in Norddeutschland bekannt und beliebt, auch wenn es eher eine verstandene als gesprochene Sprache ist. (2)

Wie soll der kritische Leser diese Aussage deuten?

Hier muss nun doch genau das als Resultat festgestellt werden, was in der Befragung der damals Zehnjährigen im Emsland zum Erstaunen vieler Fachleute herausgefunden wurde: Das Sprechvermögen ist nahezu weg, aber Plattdeutsch wird noch von etwa der Hälfte der Heranwachsenden verstanden.
Diese sind nun mittlerweile zwanzig Jahre älter. Und daher muss man doch als Kenner des Plattdeutschen eindeutig festhalten:

Wenn eine Sprache eher verstanden als gesprochen wird, wie kann man sie dann als noch vital bezeichnen?

Schauen wir uns die ermittelten Zahlen der jüngeren Untersuchung genau an, dann wird die ganze Misere deutlich: 14 Prozent der Befragten geben an, sehr gut bis gut Plattdeutsch sprechen zu können. Die Antworten zum tatsächlichen Gebrauch müssen dann aber den Plattdeutschfreund schocken. Auf die Frage

Wann haben Sie sich das letzte Mal plattdeutsch
unterhalten?

geben lediglich zehn Prozent der Sprecher „heute“ an. 50 Prozent der Befragten erklären jedoch, vor etwa einem halben Jahr zum letzten Mal Platt gesprochen zu haben. (3) Das heißt doch: Nur 1,4 Prozent
der Plattsprecher haben diese Sprache als Alltagssprache. Hier muss man dem auswertenden Sprachwissenschaftler Dr. Frerk Möller als einem der drei Geschäftsführer des INS eine unseriöse Deutung der eindeutigen wissenschaftlichen Kerndaten der Untersuchung von 2007 vorwerfen.

Das Plattdeutsche ist keine vitale Sprache mehr.

Wenn kaum noch jemand sie sprechen kann (14 Prozent) und noch erheblich weniger Sprecher sie im
Alltag wirklich benutzen (1,4 Prozent), dann nützt es nur wenig, wenn noch ein gewisser Anteil der Bevölkerung sie versteht. In einer ähnlich die Fakten beschönigende Art war ja Prof. Dr. Stellmacher bei der Auswertung der GETAS-Befragung 1984 vorgegangen.

An dieser Stelle taucht doch nun für den interessierten Laien die Frage auf: Warum interpretieren renommierte Sprachwissenschaftler eindeutige Untersuchungsergebnisse in dieser Art? Da erfährt man von Insidern hinter vorgehaltener Hand:

Hier geht es zum einen offensichtlich um die Erhaltung und Ausweitung von Sendeanteilen in Rundfunk und Fernsehen, zum anderen um Besitzstandwahrung.

An den Universitäten dagegen schaut man den Realitäten ins Auge. So sind beispielsweise in Göttingen und Greifswald die Lehrstühle für Niederdeutsch inzwischen gestrichen worden. Die niederdeutsche Philologie befand sich in den letzten zehn Jahren in einer schwierigen, aber auch spannenden Umbruchphase, die immer noch andauert. Wer geglaubt hat, dass mit der Aufnahme des Niederdeutschen in die Sprachencharta eine signifikante Verbesserung der Situation des akademischen Faches Niederdeutsch verbunden sein würde, wird sich getäuscht sehen. Die Stellung des Niederdeutschen in der norddeutschen Hochschullandschaft ist weiterhin prekär (5).
Sehr viel unbefangener geht die Sprachwissenschaftlerin Prof. Dr. Ingrid Schröder von der Universität Hamburg mit den Daten der Enquete von 2007 um: Während die über 50-jährigen sich noch zu 21 % eine sehr gute und gute Sprachkompetenz zutrauen, so sind es bei den 35-49-jährigen nur noch 12 % und bei den unter 35-jährigen nur noch 5 %. (6)
Diese heutigen 35jährigen, bei denen wir 1990 im Emsland als damals Heranwachsende drei Prozent aktive Plattsprecher ausgemacht hatten, haben also, wie wir es seinerzeit in der Auswertung schon prognostizierten, die niederdeutsche Sprache weder in den weiterführenden Schulen noch am
Arbeitsplatz und selbst nicht mehr im familiären Umfeld erlernt (allerhöchstens zu zwei Prozent).

1 Frerk Möller, Plattdeutsch im 21. Jahrhundert. Bestandsaufnahme und Perspektiven
(Schriften des Instituts für niederdeutsche Sprache, Bd. 34), Leer 2008, S. 83.
2 Ebd.
3 Ebd.
5 Andreas Bieberstedt, Niederdeutsch an den Hochschulen: Gegenwärtiger Stand und
Perspektiven, in: Plattdeutsch, die Region und die Welt. Wege in eine moderne
Zweisprachigkeit. Positionen und Bilanzen. Herausgegeben vom Bundesraat för
Nedderdütsch, Leer 2009, S. 38.
6 Ingrid Schröder, Zur Lage des Niederdeutschen, in: Mit den Regional- und Minderheitensprachen
auf dem Weg nach Europa. Herausgegeben vom Bundesraat för Nedderdütsch,
Leer 2011, S. 15.

Region Münsterland

Dialektschwund im Landkreis Borken

Dieser Landkreis, der sich südlich der Grafschaft Bentheim entlang der niederländischen
Grenze in Richtung Ruhrgebiet erstreckt, ist im gesamten niederdeutschen
Grenzbereich sprachwissenschaftlich auf die Entwicklung des
Plattdeutschen wohl am besten untersucht. Bereits 1981 lag die schon erwähnte
umfangreiche Bestandsaufnahme von Ludger Kremer vor, die 2001 in etwas
kleinerem Rahmen wiederholt wurde und damit die weitere Sprachentwicklung
dieses Zeitraumes von 20 Jahren nachzeichnet10. Waren damals schon ähnliche
Ergebnisse wie zehn Jahre später im Landkreis Emsland festgestellt worden,
heißt es 2001: Ist es trotz der inzwischen überwiegend positiven Einstellung
der Bevölkerung zum Plattdeutschen gegenüber dem Westmünsterland – wie
auch anderswo – nicht gelungen, die tatsächliche Zahl der Plattsprecher zu
erhöhen, im Gegenteil: Der Dialektschwund setzt sich mit erhöhtem Tempo
fort. An anderer Stelle wird diese Feststellung so untermauert: Die Zahlen für
2001 zeigen uns also im Vergleich zu 1981 sehr deutlich, in welcher Weise die
sozial höheren Schichten als Leitbild fungiert haben: Die Arbeiter haben sich
ihnen angepasst und inzwischen bei Dialektkompetenz und -gebrauch die niedrigen
Werte der (Leitenden) Angestellten von 1981 fast erreicht, selbst die relativ
sprachkonservative Gruppe der Landwirte tendiert in die gleiche Richtung
und kann kaum noch als nennenswerte Bastion des Plattdeutschen verstanden
werden (1).
Wo liegt die Hauptursache für diese Sprachentwicklung?
In hohem Maße verantwortlich … ist die Schule … Die Schule war im 19. und im frühen 20. Jahrhundert eine der frühesten und erfolgreichsten Vorkämpfer für das Hochdeutsche, sie war der Grund für die Entscheidung der letzten drei Elterngenerationen in Niederdeutschland, mit ihren Kindern (zunächst einmal) Hochdeutsch zu sprechen, um ihnen – so hoffte man wenigstens –
Schulschwierigkeiten zu ersparen (2).
Wenn das so ist – und alle Erfahrungen sprechen dafür –, liegt es nahe die Situation rund um den Stellenwert des Plattdeutschen von heute in den hiesigen Grundschulen näher zu untersuchen.

1 Ludger Kremer/Veerle Van Caeneghem, Dialektschwund im Westmünsterland. Zum
 Verlauf des niederdeutsch-hochdeutschen Sprachwechsels im 20. Jahrhundert
 (Westmünsterland. Quellen und Studien, Bd. 17), Vreden 2007 S. 129-130.
 2 Ebd. S. 130

 

Fotos: https://de.wikipedia.org/wiki/Kreis_Bken#/media/File:Locator_map_BOR_in_Germany.svg

Emigranten im Bundesstaat Ohio pflegen ihre Muttersprache

In der Tageszeitung Die Welt wurde nachstehender Artikel  am 07.06.1997 veröffentlicht:   |

Plattdeutsch in Amerika

Die Nachfahren der früheren Einwanderer im Bundesstaat Ohio pflegen ihre Muttersprache

Im Kreis Henry in Ohio stammen die meisten Vorfahren aus Visselhövede, einem Ort zwischen Bremen und Hamburg. So ist das auch beim Ehepaar Delventhal.  Seit 1865  wohnt die Familie hier, nachdem  der Urgroßvater hier eine Farm kaufte. Die Kinder wurden zweisprachig erzogen – in Englisch und Plattdeutsch.

Zugang Kartenausschnitt:

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https://www.welt.de/print-welt/article638209/Plattdeutsch-in-Amerika.html