Ein junger Rennfahrer begeisterte eine plattdeutsche landwirtschaftliche Welt!
An dieser aktuellen Bestandsaufnahme wird weiter gearbeitet. Mehrere Teilthemen sind schon auf den neusten Stand gebracht (s. o. in den Untertiteln).
Ein komplexer Block ist die Frage nach den Möglichkeiten der Demenzbegleitung auf Platt.
Dazu wird in dieser Woche ein Beitrag eingestellt werden.
Außerdem ist in den nächsten Tagen ein Telefoninterview mit Elisabeth Benne geplant. Sie wird als bisherige 1. Vorsitzende des Plattfoss berichten, weshalb dieser bisher so aktive Kreis im Osnabrücker Raum nun aufgelöst werden soll.
https://plattfoss.jimdofree.com/about/
Foto: Archiv
Marco Strodt Diekmann – alias Opa Anton – ist über das Emsland hinaus bekannt als erfolgreicher Entertainer in der plattdeutschen Sprache.
Hier stellt er sich vor:
Nun ist er in Kooperation mit Markus Jänen und Ralf Manning auf neuen Wegen unterwegs in der überaus wichtigen und richtigen Erkenntnis:
Plattdeutsch ist eine gesprochene Sprache!
Dazu passt in der modernen Medienlandschaft ein Podcast ideal…
Dazu später mehr.
Wie passt diese erstaunliche Erkenntnis zur Rolle der Landfrau am Ausgang des Mittelalters zu (wenigen, aber deutlichen) gegensätzlichen Aussagen in den nachfolgenden Jahrhunderten?

Besonders zu erwähnen ist die Stellung der Bäuerin. Ihre Leistung ist für das Gedeihen des Hauses und Hofes sehr entscheidend: „Wiewer un Sniggen dreget dat Hus up’n Rüggen.” Die Bauersfrau kann wohl den Mann vertreten, wenn er durch Krankheit oder Tod ausfällt, aber der Mann nicht die Frau. Dies hohe Ansehen der Bäuerin im Lingener Gebiet ist an eine lange Überlieferung gebunden. C r a m e r sagt nach Einsicht in die Statuta Lingensium (Brüssel 1555) im Zwoller Archiv: „Das Landrecht der Grafschaft Lingen, das von Kaiser Karl V. zusammengefasst wurde, zu dessen Hausgut Lingen gehör1te, weist, man möchte sagen, daß Höchstmaß a n Gleichstellung des Mannes und der Frau in ihren rechtlichen Befugnisse auf, das überhaupt im deutschen Recht vorkommt.
Cramer, W.: Geschichte der Grafschaft Lingen im 16.und 17. Jahrhundert - Veröff. d. Prov. Inst. f. Landesplanung, Landes- und Volkskunde von Niedersachsen, Band 5, Oldenburg 1950
Die nahezu ausschließliche Verwendung der plattdeutschen Sprache in Norddeutschland war insbesondere für die weibliche Bevölkerung im landwirtschaftlichen Bereich eine Sackgasse: Nach dem Verlassen der Volksschule mit 15 Jahren blieb ihnen beruflich fast durchweg nur die Möglichkeit, eine Stelle als Magd auf einem Bauernhof anzutreten.
Weitere Dokumente sollen folgen.
Solch eine “knallharte” und kaum Individualität zulassende Beschreibung einer regionalen Bevölkerungsgruppe ist unserer Zeit sicherlich fremd.
Dabei muss man allerdings bedenken, dass das Emsland durch die moorige – und damit verkehrstechnisch weitgehend unerschlossene – Randlage nicht von ungefähr in anderen Gegenden “Muffrika” genannt wurde.
Der nachfolgende Text stammt aus: Der Landkreis Lingen, Bremen 1954, Seite 230
Charakter der Bevölkerung
von Dr. Karl S c h m e i n g , Plantlünne
hier der Versuch einer optischen Nachstrukturierung...
Dem Emsländer und mit ihm dem Lingener haftet noch von früheren Notstandszeiten her der Ruf einer gewissen Rückständigkeit an. Das ist aber durch die überraschende Entwicklung der letzten 50 Jahre widerlegt. Landschaft und Geschichte haben die Eigenart des Lingener Menschen beeinflußt.
Er ist, als Gesamttypus,
Er kann ein
Aber er hat an geistiger Wendigkeit in den letzten Jahrzehnten zugenommen, er ist stärker in das Getriebe der Welt einbezogen, dadurch weltgewandter und für neue Gedanken aufgeschlossener geworden. Die ruhige naturnahe Lebensform der Vergangenheit ist im wesentlichen aufgelöst. Der Landbewohner von heute rechnet mehr als in früheren Zeiten, wo er im ruhigen Flusse eines seit Jahrhunderten eingespurten Wirtschaftsganges Gunst und Ungunst des Arbeitsertrages schicksalhafter nahm. Die Umformung der Betriebsart durch Kunstdünger und Neukulturen, die steigenden Ernten und die Neubauten, die Marktberichte und Viehpreise, die Milchkontrolle und Milcherträge, die systematische Rationalisierung des Landlebens, die hohen Steuern, alles das und manches andere hat die Landleute in zunehmendem Grade rechnen gelehrt.
Ungemindert aber ist trotzdem der gute Humor, der bei einer durchweg friedlichen Grundstimmung gern in fröhlicher Laune lacht, am liebsten über einen guten Schnack, eine schnurrige Geschichte oder eine Dummheit des lieben Mitmenschen. Der Lingener liebt ruhige Geselligkeit unter Verwandten und Bekannten und kann, wenn er einmal im Zuge ist, mit Hingabe Feste feiern.
Er ist ein Mittelschlag zwischen der Härte des Friesen und der Leichtlebigkeit des Rheinländers.
Er schätzt die Leute sehr, die munter reden und gut erzählen können, und für einen Geschäftsmann, Arzt und Seelsorger sind Umgänglichkeit und Redegabe wesentliche Voraussetzungen des Erfolges. Redseligkeit aber weckt Mißtrauen. Der steigende Wohlstand hat eine steigende Beteiligung an akademischen Berufen ermöglicht, deren Wahl eine gewisse Schichtung erkennen läßt. Vor 50 Jahren wurde überwiegend Theologie als Studium gewählt, dann Philologie und Medizin, neuerdings auch Rechtswissenschaft und Volkswirtschaft. Als geschichtligh bedeutende Persönlichkeit hat Lingen nur den Kanzler des ersten preußischen Königs, Eberhard von Danckelmann, hervorgebracht, Sohn des niederländischen Richters und Vizedrosten Sylvester von Danckelmann, dem Lingen in den unruhigen Zeiten des Dreißigjährigen Krieges viel zu verdanken hatte. Im allgemeinen aber war das Land in den letzten Jahrhunderten zu arm und abgelegen, um sich am geistigen Leben hervorragend beteiligen zu können. Das Fehlen bedeutender und gewerbefleißiger Städte, die Bindung der Initiative durch die Eigenhörigkeit wirkten hemmend.
Im allgemeinen aber ist die Bevölkerung des Kreises Lingen (heute Landkreis Emsland Anm. d. Verf.) keineswegs unbegabt, und man hat den Gesamteindruck, daß im Lingener Lande noch geistige Reserven stecken, die eine Entwicklung erwarten lassen.
Jetzt könnten böse Zungen behaupten:Ja, es war gut so, dass die Emsländer zunehmend ins Hochdeutsche gewechselt sind und die heute längst erwachsenen und geschäftstüchtigen Kinder die plattdeutsche Sprache allenfalls noch verstehen können. Wohl nur deshalb konnte dieser Landstrich vom "Armenhaus der Nation" zu den heute erfolgreichsten Landkreisen in Deutschland aufsteigen. Und dann spricht man in agrarischen Fachkreisen respektvoll von der "Emlandisierung der Landwirtschaft" und meint damit die vergleichsweise größte Besatzdichte an Nutztieren - ausgerechnet dort, wo man früher wusste "Oh schaurig ist`s übers Moor zu gehen..." Nur in Papenburg auf der Meyer-Werft muss das nicht ganz so angekommen sein: Obwohl in Kürze das 50ste Kreuzfahrtschiff nach einer weltweit einzigartigen Entwicklung dieser Werft an die englische Reederei P&O übergeben werden kann, hört man dort immer noch Platt - auch bei der jüngeren Generation!
Das Erscheinungsjahr dieser Broschüre ist auch in Fachkreisen nicht bekannt. Jedenfalls ist es den Autoren/innen aus dem Raum Osnabrück damals gelungen, die heute unvorstellbaren wirtschaftlichen Verhältnisse im Emsland vor dem 2. Weltkrieg zu dokumentieren.