… der Literatur

Die speziell niederdeutsche Literatur ist hier in einem Untermenü angesprochen. Diese ist in den einzelnen Regionen durch viele Autoren/innen vertreten und kann  nur in Ansätzen  in dieser Website aufgeführt sein.

Hier ist die Frage aufgeworfen, welchen Stellenwert die niederdeutsche Sprache in der  hochdeutschen Literatur hat an Beispielen:

  • Thomas Mann
  • Theodor Storm
  • und anderen

Der Niederländer Hennie Engelbertink

 

Beiderseits der Grenze eine Sprache

Als Ausländer – vom deutschen Standpunkt aus gese­hen – bin ich froh, daß auch ich als Autor für dieses Buch angesprochen wurde. Allerdings fühle ich mich in dieser Angelegenheit gar nicht als Ausländer, denn ich spreche die gleiche Sprache, ich gehöre zum gleichen Sprachgebiet: Der Nordosten der Niederlande und der Norden Deutschlands haben im Platt keine Verständi­gungsprobleme.

Ich bin geboren auf einem Bauernhof in Rossum in der Torenter Gegend. Auf dem Lande war es selbstverständlich, daß die Eltern platt mit ihren Kindern sprachen. In den Schulmeisterfamilien wurde allerdings schon niederländisch geredet, denn Terwey hatte 1885 in seiner Grammatik für zukünftige Lehrer geschrieben: „Die Sprache, die von gebildeten Landsleuten gesprochen und geschrieben wird, ist Niederländisch. Die Sprache der ungebildeten Niederländer ist Mundart.” Als Fünf­jähriger kam ich in den Kindergarten und hatte damit die erste Berührung mit dem Niederländischen. Natürlich machte das Schwierigkeiten. In der Schule erlernte ich dann den klaren Unterschied zwischen Niederländisch und Twents.

Als viele Eltern meinten, in dieser Zeit auch niederländisch mit ihren Kindern spre­chen zu müssen, kam dieser klare Unterschied nicht zustande. Was man da hören mußte, war kein Niederländisch und kein Platt, es ging alles durcheinander. Das Ergebnis war, der Dialekt schwindet und das Niederländische wird schlechter.

Als ich 1970 meine Frau heiratete, haben wir überlegt, welche Sprache wir mit un­seren Kindern sprechen sollten. Wir haben uns für Twents entschieden. Mit wel­chen Auswirkungen? Meine Tochter (heute 25) hatte Freundinnen, die schlecht niederländisch sprachen. Ihre Hochsprache leidet noch heute darunter. Sie hat bei ihren Altersgenossinnen Unmut erzeugt, wenn sie das richtige Niederländisch, wie sie es zu Hause und in der Schule erlernt hatte, anwandte. Unser Sohn (22) ist ganz anders, er hat in seiner Freizeit immer twents gesprochen. Die tägliche Wirk­lichkeit zeigt uns, daß Jungen eher platt sprechen als Mädchen.

Meine Frau und ich hatten mit unserer Entscheidung für den Dialekt auch eine bessere Verständigung unserer Kinder im niederländisch-deutschen Grenzraum erwartet. Leider habe ich damit schlechte Erfahrungen gemacht: Als wir einmal auf dem Isterberg waren, sprach mein Sohn einen deutschen Jungen auf Platt an, der konnte jedoch nur hochdeutsch.

Als ich etwa 20 war, wollte ich in Nordhorn auf Hochdeutsch einen Weg erfragen. Der Gefragte antwortete: „Doo mer röstig Platt”. Für mich bedeutete es, als wäre ich in meinem eigenen Land. Deshalb bin ich auch als Niederländer viel in Deutschland, ich würde sogar sagen, daß Deutschland mein zweites Land ist, fast so wie die Niederlande.

Als ich im Lehrerstudium war, bekamen wir die Möglichkeit, die Altendorfer Schule in Nordhorn zu visitieren. Meine besondere Vorliebe galt schon damals dem Fach Heimatkunde. Allerdings war ich in Nordhorn enttäuscht, was die Un­terrichtsinhalte dieses Faches anging. Insbesondere fehlten mir die Behandlung und der Umgang mit dem Dialekt. Ich habe den Kindern an folgendem Tafelsche­ma aufgezeigt, wie verwandt die Regionalsprachen diesseits und jenseits der Gren­zen sind:

Deutsch                 Nordhorns             Rossums                Niederländisch

Maulwurf               Vroot                     Vroot                     mol

Grünkohl               Moos                      Moos                     boerenkool

Raupe                     Rup                        Rup                        rups

Hose                      Boks                      Boks                         broek

manchmal             mangs                    mangs                 soms

Holzbündel           Busche                   Busche                   takkenbos

Gewitter                Grommelschur       Grommelschur       onweer

Iltis                         ülk                         ülk                         bunzing

rauchen                 roakn                     roakn                     roken

Nach meinem Diplom habe ich mich ab 1967 auch der Ahnenkunde zugewandt. Dabei stieß ich auf Namensverwandte auch auf deutscher Seite, wie zum Beispiel im Münsterland, im Artland (Groß Mimmelage), in Suddendorf und Haftenkamp in der Grafschaft. Es ließen sich gemeinsame Vorfahren nachweisen. Ich kam mit diesen Namensvettern in Kontakt, überall konnte ich in der gleichen Sprache mit ihnen sprechen. Das war eine sehr positive Erfahrung: überall dieselbe Mentalität, ruhige, zuverlässige, nette und freundliche Menschen.

Nachdem ich viele Unterlagen gesammelt hatte, haben wir am 7. November 1995 ein Namenstreffen gemacht, an dem Tag, als der Erzbischof Engelbert von Köln in früherer Zeit ermordet wurde. Zu diesem Anlaß habe ich das Buch „Kroniek Engelbertink” vorgestellt. Da ich ein Buch für Deutsche und Niederländer schreiben wollte, habe ich twents Platt gewählt.

Mir ist klar, daß der Dialekt eine Sprechsprache ist, aber ich finde, daß man eine Mundart auch auf eine höhere Ebene bringen kann durch das Schreiben, die Ver­wendung in der Schule und im Radio (geschieht in Friesland und anderen Gegen­den). Allerdings fehlt es bei uns völlig im Fernsehen, und wir sind eifersüchtig auf “Talk up Platt” auf deutscher Seite.

Die Mundart hat meinen Beruf bestimmt. Als ich etwa 11 Jahre alt war, las ein Lehrer aus einem Buch über Sagen und Legenden manchmal Twents vor. Davon War ich jeweils so begeistert, daß ich das später ebenfalls als Lehrer übernommen labe. Unser Grundschulunterrichtsgesetz läßt den Gebrauch der Mundart zu, deshalb habe ich es auch regelmäßig – auch wenn mein Schuldirektor heftig dagegen war – etwa jede Woche eine halbe Unterrichtsstunde praktiziert.

Insgesamt bin ich pessimistisch und denke, daß unser Säksisch (Platt) verlorengeht.

‘Fazit: In Deutschland propagiert man, niederländisch zu sprechen, und in den Niederlanden macht man Werbung für die deutsche Sprache. Wäre es nicht besser, unsere gemeinsame säksische Muttersprache zu fördern?

Prof. Dr. Utz Maas (Uni Osnabrück) zu GETAS und mehr

Der Sprachwissenschaftler Professor Dr. Utz Maas stellt auf einer Fachtagung in Herford in Zusammenarbeit mit den Fachkollegen Prof. Dr. Ludger Kremer (Antwerpen), Prof. Dr. Niebaum (Groningen) und Prof. Dr. Hans Taubken (Münster) fest (s. u.) :

Von dieser Untersuchung sind wichtige Differenzierungen gegenüber den allzu undifferenzierten Ergebnissen der GETAS Befragung zu erwarten.

Hier tritt also ein Schulpraktiker gegen einen Hochschullehrer an und dessen Kollegen stellen fest:

Alle waren sehr angetan von Ihrem Vorhaben und den Vorarbeiten. Im Rahmen des Machbaren (jedenfalls bei den institutionalen Rahmenbedingungen, unter denen Sie die Untersuchung durchführen wollen) handelt es sich sicherlich um ein Optimum.

Foto des Logo: Archiv Robben

Vergleich der Kosten GETAS – Untersuchung Emsland

Während die GETAS – Befragung unter Prof. Dr. Stellmacher (Universität Göttingen)  ca. 330.000 DM kostete, fielen bei der Untersuchung im Emsland lediglich etwa 6.000 DM an Kosten an, weil keine Personalkosten zu zahlen waren…

Dr. Stellmacher erklärt:

Eine großangelegte und repräsentativ ausgerichtete Untersuchung zur Lage des Niederdeutschen heute, bei der die Datensammlung in Zusammenarbeit mit der GETAS professionell erfolgen sollte, ist nicht billig. Für die finanzielle Absicherung traten die Deutsche Forschungsgemeinschaft mit einem Beitrag von 224 000,- ein und die Bremer Wolfgang –  Ritter –  Stiftung, die die Restfinanzierung besorgte (20 000,-). Nicht zu vergessen sind die vom Institut für niederdeutsche Sprache übernommene Kosten für die Voruntersuchung und die Hochschullehrergespräche. (Seite 11/12)

Brief von Prof. Dr. Menke an Herrn Göken (Lk Emsland)

Sehr geehrter Herr Göken,

auf Ihre Rückfrage hin darf ich Ihnen antworten, daß von unserer Seite durch meinen Mitarbeiter, Herrn Frerk Möller, folgende Arbeiten durchgeführt werden:

  1. Erarbeitung der Kodieranweisung,
  2. Einweisung eines Mitarbeiters (beim Landkreis) in die Datenspeicherung,
  3. rechnerische Auswertung des in den Computer eingegebenen Datenmaterials (mit Fehlerbereinigung) = Strukturierung.

Die Kodierung der Fragebögen selbst (nach der Kodieranweisung)

und die Dateneingabe sollte durch einen Ihrer Mitarbeiter erfolgen.

Uns müßte dann nur die fertige Diskette zugeleitet werden.

Herr Möller, der Ihnen den genauen Arbeitsablauf alsbald selbst noch einmal mitteilen wird, erbittet für seine Arbeitsleistung einen Betrag in Höhe von DM 3.500,00 (dreitausendfünfhundert), Dieser Betrag entspricht den Unkosten, die seinerzeit von mir für eine vergleichbare Arbeit (flächendeckende Mikrozensus-Erhebung im nordfriesischen Regiolektraum) ausgezahlt wurden (Werkvertrag).

So hoffe ich, daß die Untersuchung alsbald fortgesetzt werden kann und bin mit freundlichen Grüßen

gez. Prof. Dr. H. Menke

Prof. Dr. H. Menke (Uni Kiel) zu GETAS

Auch Prof. Dr. Hubertus Menke, derzeitiger Lehrstuhlinhaber “Niederdeutsch” an der Universität Kiel, kritisiert die fachspezifische Aussagequalität der GETAS Umfrage deutlich:

Zur Sprachkompetenz des Erhebungsgebietes kann daher ohne Zweifel Konkretes ausgesagt werden, auf jeden Fall mehr als durch die Einschätzungserhebung der Ihnen womöglich bekannten GETAS-Untersuchung.

Noch einmal im Kontext zu der Beurteilung der Entwurfs der “Emsland – Untersuchung” (Robben):

Diese Hilfestellung fällt mir umso leichter, als das von Herrn Robben durchgeführte Erhebungsverfahren mir statistisch einwand­frei erscheint und sicher zu beurteilende bzw. zu kontrollierende Testführungen enthält. Zur Sprachkompetenz des Erhebungsgebietes kann daher ohne Zweifel Konkretes ausgesagt werden, auf jeden Fall mehr als durch die Einschätzungserhebung der Ihnen womöglich bekannten GETAS-Untersuchung. Ebenso scheint mir die Auswahl der Probanden-Gruppe signifikant für prognostizierende Schlüsse zu sein. Ich bin daher selbst auf die Ergebnisse gespannt.

Foto:https://de.wikipedia.org/wiki/Christian-Albrechts-Universit%C3%A4t_zu_Kiel#/media/File:Olshausenstrasse_Kiel_Zugang_Uni.jpg

Der Schmied zu Astrup

Hochdeutsche Fassung des Textes

Nicht weit von Diekens Hof wohnte der Schmied zu Astrup. Der war auf das Erdengut mehr bedacht als auf das Flimmlische. Trotz (obwohl) er genug hatte, wollte er immer noch mehr haben.

Es war ein Tag vor Weihnachten, als er einen neuen Wagen beschlug (eiserne Beschläge an einem neuen Wagen anbrachte). Aber wenn (obwohl, obschon) er noch so fleißig war, er konnte (es) nicht schaffen. Er dachte: “Nun kommen drei Feiertage nach der Reihe, wo (an denen) du nichts verdienen kannst, der Wagen soll fertig werden.”

Früh am Morgen, am ersten Weihnachtstag, als die anderen Leute noch schliefen, stand der Schmied mit seinen beiden Gesellen schon am Amboß. Als die ersten Nachbarn auf dein Weg zur 1. Messe am 1. Weihnachtstage (Kerzenandacht) waren, ging es in der Schmiede allemal (so zu): Drei Groschen der Nagel – drei Groschen der Nagel.

Da kam wieder ein Trupp Leute vorbei und sang Weihnachtslieder.

“Die wollen wir einmal erschrecken” sagte der Schmied, griff den Ham­mer, schmiß (schlug) ihn auf dein Amboß, spuckte darauf und hielt das glühende Eisenstück da hinein.

Hoch zog er den Hammer und mit aller Macht ließ er ihn auf dem Amboß fallen, daß (damit) es fürchterlich knallen sollte.

Es knallte auch mächtig, aber mit dem Schlag versank die Schmiede mitsamt dem Schmied und seinen Gesellen in der Erde. Da (so nämlich) kriegten (bekamen) sie von dem Teufel ihren Lohn.

Das Loch aber, wo die Schmiede gestanden hat, ist noch zu sehen, bei Diekens Hof in Astrup bei Schledehausen,

 

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Unterrichtshilfen

Hier sollen verschiedene Ansätze geboten werden für den Unterricht und die Betreuungsstunden in der Schule. Diese können in verschiedener Form methodisch und didaktisch weiter entwickelt werden. Teilweise gibt es dazu auch Hörproben….

Zur Generalversammlung der KFD Hagen a.T.W. (18)

Vor 50 Jahren , an einem Sonntag, läuteten die Glocken zur Andacht vom alten Turm.

Zur gleichen Zeit klingelte es bei uns Sturm!

„Oh Mutter“; sag ich. „Was ist geschehen?“

„Ich bleib bei den Kindern, Du kannst noch zur Kirche gehen!

 

Heute ist Neuaufnahme vom Mütterverein.

Es wäre doch schön für Dich, dabei zu sein!“

Die Turmuhr schlug drei, die Orgel brauste los.

Ich huschte als Letzte in die Kirche und war noch etwas fassungslos.

 

Doch dann kam der gesetzte Herr Pastor Schnäwel

und begrüßte uns in der Predigt mit Freudentränen.

„Meine lieben Frauen und Mütter, ich muss Euch sagen:

Ihr seid das Leitwerk, das Bollwerk von Hagen!“

Mit einem Mutter-Anna-Bildchen und geschwellter Brust

kehrte ich zu meiner Familie zurück.

 

Es blieb eine Weile ruhig in unserem Verein.

Die Zeit ging dahin, was sollte schon sein?

Außer Kaffeetrinken und Ausflug einmal im Jahr,

nichts Besonderes bei uns geschah.

 

Doch dann stieg aus der nächsten Wahl

Frau Änne Rhotert aufs Portal.

Sie nahm das Amt fest in ihre Hände.

Von nun an gab es eine Wende!

 

Sie machte nicht alles allein: mitnichten!

Es wurden verteilt auf viele Frauen viele Pflichten!

Ihr Erbe gab sie nach Jahren dann

zu treuen Händen an tüchtige Frauen weiter.

Euch allen vielen Dank!

 

Heute gibt es einen Frühlings-, pardon Führungskreis,

wo jede um ihre Aufgaben weiß.

Ich wünsche Euch weiterhin viel Erfolg und Glück,

denkt an die Worte von Pastor Schnäwel zurück!

Er würde heute zu Euch sagen:

„Ihr seid nun das Bollwerk von Hagen!“

 

 

Hagen a.T.W., 14. Februar 2007

Martha Herkenhoff geb. Koch

10 Jahre Singekreis des Heimatvereins (17)

 

 

 

  1. Et was eenmol in Maien,

datt was vö 10 Joahr,

dau mende partout de Heimatverein

to gründen eenen Chor.

Herr Kampe un auk Rektor Herkenhoff de löiten keine Ruh.

Ne Dirigentin, de hann se noa nich, de find sick woll irgendwo.

 

  1. Nu keimen eest moll 15 Mann,

de föngen ganz zaghaft an:

„Der Mai ist gekommen“, „Der Mond geht so still“,

„Am Bach die Veilchen blühen!“

Van Dage singe wie machet Läid,

un stellt us auk öffentlich doar.

Saugar mit de Sänger ut Sudenfeld,

singe wie schon gemischt mit im Chor.

 

  1. Un use Anni, genannt Felicitas,

datt helpet immer noa ut.

Sau lange wie et sick noa räigen kann,

kümp et doa nich mä herrut.

Wie olle segget een Dankeschön

un wünschket em usen Elan.

Dann kürn wie bestimmt singen in 10 Joahr

komplett noa den „Löwenzahn“!

 

Hagen a.T.W, im Jahr 1982

Martha Herkenhoff geb. Koch

Plattdeutscher Heimatabend zur 900-Jahr-Feier am 18. April 1997 (16)

 

Wo kuorm ick woll hiär?

Ümme de Jahrhundertwende bin ick gebuoren

un bin schon lange Tied „doa buoben“!

Ick häwwe den Petrus biärdelt un flotteert:

„Lott mi eenmoll herunner noa Hagen, ümme to seihn, wie ett de Lüer doa woll geiht.“

„Na gut“, segg Petrus, „ick bringe di wegg bet noa den Maund.

Doa steht no van de Ameriköners son aulen Juckel herümme;

doa seß du die drin, ick giewe di ’nen Schupps, un du souses noa Hagen herunner.“

 

Oje, oje, watt was dat fön ’ne Hiemelfoahrt,

un plötzlich seit ick hier an düssen Ort.

Nei! Dat is nich Hagen, dat kann nich sien.

Hier bin ick jä mien Liäwedag noa nich wiesen!

 

Doch dann schlöig up eenmoll de Kiärktordenuhr.

Jau, datt lurde noa genau sau oss früher.

Ick keik rund ümme de Kiärken; jau, doa was ja Papa Hans!

Doch de strahlt jä in eenen ganz hellen Glanz!

 

An de Kiärkendürden stönd: hier „de Ehemalige“!

Direkt up de ännern Siete doa steiht ne nigge.

Watt häww ick mi wünnert, sau een Element!

Doa is jä Platz fö een ganzet Regiment!

Gie mürget woll up de Duer olle fliedig noa Kiärken hen gaun,

süss hett et am Ende noa dat Linkemeyer-Stadion!

 

Ick sochte mi wä de Duorpstraude wier,

hier kenn ick baule gar nix mä wier.

Bien Büscher in Ingang, doa was sonne schöne schmiedeieserne Dürden.

Ick frauge mi, Lüer! Wo is de blauts blieben?

 

Bien grauten Schmed an Sülverbiärge

wöiten fö viele Joahre schon maket söcke Gewiärke!

In de Fensters doa leigen ollerhand Brillen, Uhrden und Schmuck.

Krieg man hier denn kein Glas Beer mä un keinen Schluck?

 

Watt sitt denn doa buoben an de aulen Kiärken fö’n Gespenst?

Huch, dat is jä use St. Martin mit sienen Hengst!

Watt harre de jetzt woll sülwest gärdn son halben Mannel toa Stell,

dann höng he doa nich sau witt un grell.

 

– 2 –

 

Dann häww ick mi wünnert üöwer dat Kriegenhues,

doa sütt jä oalles ganz änners ut.

Van binnen un bouten is oalles ümmekrämpelt worden,

sau gar eenen Beergarten mitten up de Strauden.

Sau een Hotel – mitten in Hagen – dat kieket juch an!

Doa kuomet doch sicher de 4 Stärden noa dran!

 

Doch up de ännern Siete! Sie ist nicht mehr da!

Wo blieb Gibbenhoff’s Veranda?

Watt harre ick mi hier gärdn ewwas hensett

un mi van de langen Reise ewwas resst.

 

Hier kregget auk kein Hauhn un kein Hahn nich,

nei, üöweroll is de Stall lieg.

Kein Schwientken, kein Schaup, keine Ziegen an Bande,

woa de Lüer früher töigen mit no’n Lande.

Kartuffelplänter, Schöiffel un Hulda up de Schoufkoarden orre Bollerwagen,

sauwatt sütt man jä üöwerhaupt nich mä in Hagen.

 

Nu es trügge in de Duorpstraude dann.

Eenige Dörper Börgers, woa sind se blieben? Wo sind se dann?

Generationen vö iähr, de hett stauhn iähren Mann.

 

Son fliedigen Görner achtern Biärge, de häww sick nich resst un häww nich schlaupen.

He konn forts mährere Hüser up eenmoll mitten in Duorpe kaupen.

Dat Kortlücken Lene schlöig bestimmt de Hände touhaupe üöwern Koppe,

pick in de Niendüden ligget nu louter bunte Ballen Stoffe.

 

Doagigen was forts Schnieder-Flink.

De Ladendüden makere sau ganz fien „Klingelingeling“.

Buobendrüöwer stönt „Feinkostladen“!

In de Auslagen leig eene Zitrone un twee broune Bananen.

 

Doa steiht je auk noa dat schöne aule Fachwerkhues,

doch Arthur mit de Frau toigen doa auk herut.

Watt hüete der Meiermarkt is vom Fach,

doa was früher Kreimer – alles unter einem Dach!

 

Un et wiet van juch noa ’ne ganze Masse,

Kreimer’s Agnes was oalletied an de Kasse.

Liär man doa ’ne Tantbössen up den Tresen,

dann froggte et ganz vedutzt: „Wusse vereisen?“

– 3 –

 

Wat früher Stock’s August was, dat is hüete Karin S.,

doa giff et jetzt de niggeste Moude, jung un fesch.

Du muss bloß uppassen, dat du nich ut de Fougen geröss,

fö Frau Breitenkamp is doa gar nix löss.

 

Bien Ossege un bien Konersmann

doa is drinne bliewen de aule Stamm.

De eene veköff immer noa goe Wurst un Schinken,

de ännere veköff goe Schouh, doa broukse nich mä inne hinken.

 

Un dann eest moll de Gibbenhoff,

de strahlt je auk ganz nigges noa.

Watt häww sick hier manches veännert doch.

 

De kleenen Schöppkes fö Splittern un Bäckerwagen,

neimp man sau nau un nau te dale.

De ganze Wisske, de ganze Platz, is hüete pflastert raut un schwatt.

Man find in ganz Hagen nirgendwo mä son aulen Patt.

 

De Frommegger un de Beckmann’s Flitt,

kreigen de van achtern gar nix van de Dorfsanierung mit?

Owwer ick gläuwe, jetzt döit sick watt!

Ick häwwe seihn en grautet Mürkerfatt.

 

Bien Dammermann doa is van innen woll oalles wiäge:

De Wirtschaft, de Laden, de Backstuorben un de Diäle.

Un buoben doa was een grauten Saal,

hier wöiten Hochtieten un Feste fiert sau manches Mal.

 

Un Paul un Elli de brochten Stimmung mit Musik un de schönsten Weisen.

Un Göbbels spielde doatou de eerste Geige.

Hier find man hüete den Veschönerungsverein,

du wäss wä upfisst van Kopp bet ton Tein.

Doa nebenan de aule Duorpschmie wöit jä ganz affrett,

dat was to miene Tied oll dat reinste Gruselkabinett.

 

Watt wöit hier bowwet, ganze Siedlungen, graute Kassens;

Ick kann dat olle gar nich fassen!

Un woviele Doktors sind doa olle drinne,

fö utwuossene Minsken un extra fö Kinner.

 

 

– 4 –

 

Nu segget moll, wätt juch de Tied mangest lang?

Orre sind wirklich sau viele Lüer in Hagen krank?

Früher betreude de aule Rat de ganze Samtgemeende Hagen.

Nich mit den Auto, nei, mit Piärd un Wagen.

 

Is doa nich dat aule Schwesternhues, Annastift?

Dat häww jä wahrhaftig een grauted Gesicht.

Früher makeren Schwester Lukretia un Limberta oalle Dage Sönndagsdienst,

un datt göng oalle auhne Krankenschien.

 

Manch kaputte Knei, Geschwür orre Wehwehchen kreigen se wä in Gang.

Doafö wöit iähr dann oss Dank

je noa Joahrestied een Kuorf vull Kirsken orre Appels brocht.

Ne graute Wurst gaff et dann auk noa in Winterdagg.

Van Dage brouket de owwer ännere Granaten,

mit ’nen Appel un Egg küernt de auk nix mä maken.

 

Bi Stock’s an Huese is nich mä eene Niendüden,

van dat ganze Kraum is woll bloß de Joahrestall bliewen.

Direkt up de ännern Siete,

doa arbeetere man doch mit Kredite.

 

Ick häwwe hoart, et is immer noa een Geldinstitut.

Van bouten sütt dat Hues noa de Zeugen Jehowas ut.

Hier giegenüöwer was doch Ackerland.

Brockmegger’s Hannes planterre hier doch Steckröiben un Kartuffel an.

De Landwirtschaft is woll auck nich mä interessant.

 

Ick dräggere mi ümme, nei, wat steiht doa fön Riesenhues,

hier kenn ick mi eenfach nich mä ut.

Hier stönd doch früher ’ne kleene Schoule mit Bänke un Pult.

Watt bedriewet de hier jä vandage eenen Kult!

 

Rathues steiht doa buoben, hier müet se oallemän beraun,

wie se juch up de Duer noa länger küernt teihn de Ohrden.

An Fortschritt un Moude was manchet uptohalen,

de Hauptsake is, gie küernt dat up de Duer oalle betalen.

 

Wi lärden früher fö de Bibel ut de eesten Lesefibel, dat Heiner im Strochennest

– buorm up de Schoule – fö louter Möhigkeit inschlaupen was, ganz fest.

Off dütt Schlaupen, düsse Draum

immer noa inne Stänners sitt, bet unnern in Kellerraum?

– 5 –

 

Doch nei! In ’ne Verwaltung doa sitt de fliedigsten Lüer ut den ganzen Land.

Dat is sau gar den Norddeutschen Rundfunk bekannt.

Et wätt auk nie nich eener krank.

Un bröck doa moll Vekühlen orre de Grippe ut,

se kuriert sick giegensietig wä ut.

 

User Herrgott, de keik kottens up de Ährden lange.

„Ümme de Lüer in Hagen“, segg he, „is mi nich bange.“

Watt hätt de auk den Heimatverein in Gange.

 

De wöit hier gründet fö üöwer 30 Joahr.

Und dat is doch woll oallen kloar!

Een ganz herzlich Danke

an usen siäligen Rektor Herkenhoff un an usen leiwen Heinrich Kampe!

 

Ick konn juch hier noa manches vötellen,

doch will ick juch den schönen Aubend nich vögällen!

Doch up den Weg non Maund, dau häww Petrus mi seggt:

„Doa unnen in Hagen, doa fiert se dat ganze Joahr een Fest!“

 

Vö üöwer 900 Joahre wörn hier schon Lüer ant wiärken.

Se bobben daumolls schon ut Holt ’ne kleene Kiärken.

Un oll jugge Ahnen un Urahnen, de düsse Welt hätt velauten,

de häwwe ick oalle dür dat graute Himmelstor lauten.

 

Wenn de Herrgott hoarde, doa kümp eener van Hagen,

häww he sauforts dat graute Sündenregister touschlagen.

Drümm segg ick juch:

Hault wiederhen den Herrgott un de Kiärken in Ährden,

doet jugge Kinner wiederhen dat Vaterunser lährden.

 

Stoaht jugge aulen Lüer un den Neigesten bie.

Un ick wünske mi doabie:

Wenn dann in 100 Joahrden dat 1000-jährige wätt fiert,

van usern aulen Toarden immer noa de Glocken tou de Misse lürt.

 

Ick frauge mi jetzt, wie kuorm ick wä trügge?

Off dat aule Ding van den Apollo woll noa flügg?

Doa buoben an de Hüttenstraude,

doa steiht noa son ganz aulen Herforder Diesel up den Hoff,

off de woll häff den richtigen Treiberstoff?

 

– 6 –

 

Ick mutt doch wä trügge in’t Weltenall!

Dau gaff dat up eenmoll eenen fürchterlichen Knall!!

Ick was ganz ferrig – gie gläuwet et kaum!

Ick harre noa nie son langen Draum!

 

 

 

Hagen a.T.W., im Jubiläumsjahr 1997

Martha Herkenhoff geb. Koch