- Hubert Hesterfeld (Lohne)
- Prof. Dr. Franz Bölsker (Vechta, Schulabteilung Bischöfliches Offizialat)
- Heinrich Siever (Cloppenburg, Bildungsstätte Stapelfeld)
- Paul Wilke (Lohne)
- Alfred Bödeker(Lohne)
- Alfred Herhusen (Lohne)
- Benno Tegeler (Vechta)
- Ehepaar Westerhoff (Damme – Ossenbeck)
Hubert Hesselfeld erzählt….
Vier Geschichten ins Hochdeutsche übersetzt zum nachfolgendem Video auf Platt:
Meine Mutter war ein Heuerleutemädchen, wie man früher die Töchter von Heuerleuten nannte.
Sie lebte von 1903 bis zum Jahre 2000.
Im Jahre 1927 heiratete sie Heinrich Hesselfeld, Sohn eines Eigners aus Lohne.
Als die Schwester meines Vaters erfuhr, dass er beabsichtigte, die Josefa Westerhoff zu heiraten, schrieb sie ihm einen Brief nach Augsburg. Dort war mein Vater zu der Zeit als Gerber tätig.
In dem Brief stand: … Du willst doch wohl nicht die Josefa heiraten. Sie ist ein Heuerleutemädchen. Heute noch macht sie dir schöne Augen, aber bald verlangt sie dir Kleider und Schuhe ab…
Meine Mutter hat den Brief noch lange aufbewahrt. Meine Tante, das ist noch zu erwähnen, hat nie geheiratet.
Den Tod ihrer Mutter nannte meine Mutter immer als die schlimmste Zeit ihres Lebens. Im Heuerhaus Westerhoff lebten acht Kinder, der jüngste war gerade 7 Jahre alt. Die Mutter starb im Alter von 50 Jahren.
Bevor sie beerdigt wurde, mußte das gesamte Heu vom Boden der Diele in die Scheune getragen werden. Die Tote war auf der Diele aufgebahrt. Und nun durfte doch kein Heu auf die Tote in dem Sarg fallen. Die Dielen an der Decke hatten viele Lücken und Zwischenräume. Nach der Beerdigung mußte das gesamte Heu dann wieder nach oben befördert werden.
Unsere Mutter hat oft gesagt, dass diese Arbeit für die Kinder zu dem Zeitpunkt fast noch schlimmer gewesen sei als der Tod der Mutter.
Als Kind hatte meine Mutter einmal drei Äpfel aus Heitmanns Garten gegessen, die am Straßenrand gelegen hatten. Sie hatte aber Heitmanns nicht gefragt, und deshalb musste sie das dann ja wohl auch beichten. Nach der Beichte, so erzählte meine Mutter, habe sie das auch wieder gutmachen wollen.
Deshalb sei sie in den Garten ihres Bauern Tinnemann in Lohne gegangen, habe drei Äpfel in ihre Schürze getan und diese dann in Heitmanns Garten befördert. „Diese Äpfel gehörten ja unserm Bauern und Frau Tinnenmanns war auch noch meine Taufpatin .“
Als meine Mutter ihre Grundschulzeit beendet hatte, sollte sie auf Betreiben ihrer Lehrerin Frau Klövekorn die Höhere Schwesternschule in Vechta besuchen. Sie fuhr nach Vechta und meldete sich an der Schule an. Als sie wieder zu Hause ankam, berichtete sie alles ihrem Vater.
„Da bekam ich,“ erzählte meine Mutter, „erst einmal Prügel“. Und der Vater habe dann noch gesagt:
Ick will doch kiene Klitzen von jau häbben. Gi schäölt arbeiten. (Ich will doch keine feinen Damen von euch haben. Ihr sollt arbeiten).
Hubert Hesselfeld (Lohne)
Mein Leben:
Geboren bin ich am 15 November 1936 als viertes von fünf Sonntagskindern der Eheleute Heinrich Hesselfeld und Josefa geb. Westerhoff in Moorkamp bei Lohne. Geboren bin ich morgens um sieben Uhr. Nach dem Hochamt wußte ganz Lohne, dass bei Hesselfelds ein kleiner Foss (Rothaariger) angekommen war. Das war wohl schon etwas Besonderes , meine älteren Geschwister hatten andere Haarfarben.
Mein Vater war Fleischbeschauer in der Gemeinde Lohne.
Nach meiner Grundschulzeit an der Knabenschule Lohne besuchte ich die Lohner Mittelschule. Nach drei Jahren wechselte ich zum Gymnasium Antonianum Vechta. Dort bestand ich 1956 mein Abitur. Bis 1959 studierte ich an der Pädagogischen Hochschule Vechta.
Von 1959 bis 1966 war ich Lehrer an der Katholischen Volksschule in Jever.
Von 1966 bis 1971 unterrichte ich an der Stegemannschule Lohne. (Haupschule)
1971 wurde ich dann Schulleiter an der Ketteler-Schule (Grundschule) Lohne, die 1976 einen Neubau bezog, an dem Weg, an dem ich auch geboren bin. Im Jahre 2000 wurde ich pensioniert.
Meine Nebenämter u.a.: 20 Jahre langVorsitzender des Lohner Ludgeruswerks (Volkshochschule )
12 Jahre lang Vorsitznder des Pfarrgemeinderats St. Gertrud
Seit 1966 Vizepräses der Kolpingsfamilie St. Gertrud
Bei uns im Hause wurde nur Plattdeutsch gesprochen. Heute schreibe ich noch Plattdeutsche Kolumnen für die Oldenburgische Volkszeitung. Außerdem arbeite ich im Plattdeutschen Arbeitskreis der Universität Vechta mit, der von Prof. Kürschner geleitet wird.
Im folgenden Untermenü ist "Hesselfeld 1" ins Hochdeutsche übersetzt
In einem Heuerhaus geboren: Erich Knemöller
Erich Knemöller wurde 1931 im Raum Lengerich /Westfalen in einem Heuerhaus geboren.
Nach dem Zweiten Weltkrieg baute er einen eigenen Gärtnereibetrieb auf.
Er war darüber hinaus unermüdlich auch für die Allgemeinheit im Einsatz, so über Jahrzehnte im Rat der Stadt, in den Gremien der Kirche und des Heimatvereins, dessen Vorsitzender er 14 Jahre lang war. „Meine Frau hat mich dabei immer unterstützt!“
Sein Engagement wurde mit der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes geehrt.
Nach einem Vortrag zum Heuerlingswesen in Leeden im März 2018 war er mit anderen Zeitzeugen bereit, über seine Erfahrungen aus seiner Jugendzeit auch auf Plattdeutsch zu berichten, das er von Kindheit an beherrscht, nun aber lange nicht mehr gesprochen hat.
Lohner Runde zum Heuerlingswesen – up Platt
Hubert Hesselfeld aus Lohne
Weitere Begebenheiten
3 plattdeutsche Geschichten
“De Aobendspraoke” von Theo Mönch Tegeder
Über Hermann Bröring gibt es eine außergewöhnliche plattdeutsche Kurzerzählung, die der Autor Theo Mönch – Tegeder in eine bekannte Geschichte (Land unner Gottes Thron) seiner Tante, der Emslanddichterin Maria Mönch – Tegeder, gekonnt eingebunden hat.
Diese wird nachfolgend auch vorgestellt….
Emsland-Jahrbuch_Band_58_De_Aobendspraoke
Diese Karikatur stammt von Frank Hoppmann, ein gebürtiger Emsbürener. Er ist mittlerweile ein über Deutschland hinaus bekannter Künstler.
Hermann Bröring am Himmelstor
- Herr Bröring, wer kann zu seinen Lebzeiten schon darauf verweisen, dass ein namhafter Autor – nämlich Theo Mönch-Tegeder – eine Geschichte darüber verfasst und dazu sinniert, welche Erfahrungen Sie im Himmel machen. Wie ergeht es Ihnen nun dort?
Ja, ich war selbst erschrocken, als ich dort anklopfte und ich meine Eingangsprüfung nicht bestehen konnte, um überhaupt in den Himmel aufgenommen zu werden.
Und da weiß ich noch nicht so genau, was unser lieber Herrgott nun wirklich gedacht hat, ob er Angst hatte, dass ich ihm den Himmel durcheinander bringen würde oder ob er sich gesagt hat, dass es noch viel zu schade sei, dass ich nun schon dort oben aufgenommen würde und nicht noch unten auf der Erde weiterhin wirken sollte.
Ganz egal, ich habe mich enorm gefreut, dass Theo Mönch-Tegeder diese Geschichte geschrieben hat. Und ich muss auch ehrlich sagen: So ein bisschen ist das ja auch richtig beschrieben, ich bin ein „wenig“ robust und auch kantig, ich bin ein Rheder Junge… Und eines kann ich aus tiefer Seele sagen: Ich wollte immer nur das Allerbeste für das Emsland und für mich steht fest: Ich hätte anderswo keinesfalls so intensiv und erfolgreich arbeiten können wie im Emsland, weil ich die Menschen hier mich gerne leiden mag und die Leute mich offensichtlich auch. Unser Naturell ist etwa gleich und wenn das dann noch heißt „Unter Gottes Thron“, ja dann mag ich wohl demütig werden und das kann ich wohl gebrauchen.
- Im Himmel und im Fegefeuer
Nun kommt in der Geschichte auch vor, dass Sie nicht sofort im Himmel bleiben sollten, sondern zunächst ins Fegefeuer. So erlebten Sie in dieser amüsanten Geschichte auch den Teufel hautnah. Haben Sie denn in ihrem Leben bisher auch mal so ähnliche Situation gehabt, dass Sie das Gefühl hatten, mit dem „Düwel“ kämpfen zu müssen.
Ja, das hat es immer wieder gegeben, aber man muss ja auch ehrlich sein, nicht alles, was, man umsetzen wollte, hat geklappt. Manchmal war es richtig, dass es nicht geklappt hat. Aber andererseits habe ich mich auch unwahrscheinlich geärgert über die Leute, die mich und meine Ideen nicht verstehen und nicht mitgehen wollten. Und da waren dann so „Düwels“ darunter, mit denen man nicht zurecht kam. Aber summa summarum, wenn ich das so sagen darf, habe ich am Ende auch mein Fegefeuer gut vertragen.




