“Talk up Platt” in Bentheim (Benthem)
Im Gedenken an Werner Beermann – ein besonderer Zeitzeuge ist gestorben
Werner Beermann wurde 1934 geboren, er ist aufgewachsen in Oesede südlich von Osnabrück
Nach dem Besuch der Volksschule mit 15 Jahren als Anlernling im Hüttenwerk Georgsmarienhütte Arbeit aufgenommen
Er absolvierte eine Zwei Jahre Ausbildung als Hüttenwerker und war dann drei Jahre im Walzwerk tätig.
Ab 1955 machte er eine zusätzliche Lehre als Chemielaborant. Danach war er in Bremen und Wetzlar beschäftigt.
Danach folgte eine Anstellung als Chemielaborant im Stahlwerk Georgsmarienhütte.
Durch die große Stahlkrise in diesen Jahren um 1970 wurde er per Sozialplan in den vorzeitigen Ruhestand verabschiedet.
Nun hatte Werner Beermann die passende Zeit für seine fotografischen Recherchen und Veröffentlichungen in der Regionalliteratur.
Schon als junger Mann war er als besonders befähigter Fotograf auch im Emsland unterwegs.
Später war er der kompetente Ansprechpartner für alle Fragen zum Heuerlingswesen und dem Schwund der plattdeutschen Sprache im Raum Osnabrück.
Seine freundliche Art, die stete Hilfsbereitschaft und vor allem sein großes Fachwissen haben meine Arbeit enorm bereichern können. Er ist mir dabei zu einem besonderen Freund geworden.
Interviews mit ihm finden sich hier:
Martha Herkenhoff in memoriam
Am 29. September 2025 verstarb im Alter von 97 Jahren Martha Herkenhoff.
Sie wurde geboren und lebte in Hagen TW im Osnabrücker Land.
In ihrer Heimat war Martha Herkennhoff (“Tante Martha”) besonders bekannt und angesehen durch ihre zahlreichen Veröffentlichungen von plattdeutschen Geschichten und Lesungen auf Veranstaltungen dazu.
Im nachfolgenden Interview berichtet sie über anfängliche Schwierigkeiten mit der hochdeutschen Sprache zu Beginn ihrer Schulzeit :
Sie ist aufgewachsen in einem Heuerlingshaus. Die besondere Lebensform der Heuerlinge damals hat sie tief geprägt. Darüber hat sie in verschiedenen Gesprächen und Interviews der Nachwelt ausführlich und anschaulich berichtet.
Moij is dat Groapschupper Land – Auftritt in Laar
Obertsleutnant a. D. Bernhard Tönnis – Binationale Sprachschwierigkeiten in einer Stabsrahmenübung
Beruflich bin ich als Offizier der Bundeswehr dem Plattdeutschen nur sehr wenig verbunden. Trotzdem hatte ich anlässlich einer binationalen Stabsrahmenübung ¬ das ist so etwas wie der Krieg im Saale – ein nettes Erlebnis.
Mir unterstand während dieser Übung ein Major der niederländischen Streitkräfte, der genau wie ich des Englischen nur in Grenzen mächtig war. Er sprach auch kein Hochdeutsch oder wollte es – aus welchen Gründen auch immer – nicht sprechen.
Als die Situation der Nichtverständigung zwischen uns immer mehr eskalierte, entrutschte mir der Stoßseufzer: „Mein Gott, dat is ja nich to’t uthollen!” Worauf mein holländischer Waffenbruder mich ganz erstaunt anschaute und lapidar entgegnete:
„Dormet mosset wall goan!”
Und es ging.
Europawahl 2024 – Otto Pötter doartau….
Bruni Bruns beim Pottbäcker Bernd Niehenke – Plattdeutsche Musik der Extraklasse
Eine Nachricht von
Frank Niermann
für den
Plattfoss des HBOL
Am Freitag, 12.04.2024, um 19:00 Uhr gibt Bruni Bruns von der Gruppe „Wippsteert“ ein plattdeutsches Solokonzert.
Freut Euch auf stimmungsvolle handgemachte Musik mit Texten aus dem normalen oder auch eben nicht normalen Leben.
Kommt herbei, der Eintritt ist frei!
(Veranstaltungsadresse: Töpferei Niehenke, Am Plessen 51 in 49205 Hasbergen) Anmeldung, Infos: www.niehenke.eu
Wat, de kann Platt? – Ein Weihnachtsgeschenk für Plattdeutsch-Freunde
Wat, de kann Platt? – Erfahrungen mit der verdrängten Muttersprache
In den letzten Jahrzehnten ist das Plattdeutsche im gesamten deutschen Nordwesten weitgehend aus der Öffentlichkeit verschwunden – selbst auf dem Land. Bei den Jahrgängen der unter 60jährigen finden sich vielfach kaum noch aktive Sprecher und zwar je weniger, je jünger die Menschen sind.
Was sind die Ursachen dafür?
Und warum gibt es nichtsdestotrotz weiterhin viele Menschen, die das Plattdeutsche sprechen oder zumindest verstehen können. Und welche Erfahrungen haben sie mit ihrer angestammten niederdeutschen Sprache im Laufe ihres Lebens gemacht.
Diesen Fragen gehen der Historiker und Sprachwissenschaftler Dr. Christof Spannhoff vom Institut für vergleichende Städtegeschichte in Münster, der Historiker Dr. Helmut Lensing aus Greven und der ehemalige emsländische Schulleiter Bernd Robben in einem Buch nach.
Sie gewannen dafür gut 90 Autorinnen und Autoren aus allen Bevölkerungsschichten aus dem gesamten Münsterland und dem Osnabrücker Land, dazu aus dem Emsland und der Grafschaft Bentheim. Sie schrieben ihre persönlichen Erfahrungen mit dem Plattdeutschen nieder oder verfassten plattdeutsche Gedichte und Erzählungen, die zur Auflockerung zwischen den persönlichen Geschichten stehen.
Da nicht jeder, der Plattdeutsch spricht oder versteht, auch Niederdeutsch schreiben kann, sind viele Beiträge auf Hochdeutsch verfasst, andere auf Plattdeutsch oder in beiden Sprachen. So vielfältig wie die einzelnen Varianten des Niederdeutschen sind eben auch die jeweiligen Zugänge dazu. Dies wird schnell deutlich, wenn man sich allein die vielen Beiträge aus Rheine und Umgebung, offensichtlich noch eine Hochburg des Plattdeutschen, durchliest.
Eine Vielzahl überregional bekannter Persönlichkeiten aus allen Bereichen des öffentlichen Lebens kommt im Buch zu Wort. Dies reicht von der damaligen Bundesministerin Anja Karliczek aus Brochterbeck und dem Menschenrechtsaktivisten Pfarrer Peter Kossen aus Lengerich über den Landwirtschaftsautor Gisbert Strotdrees aus Münster und Unternehmern wie die Landmaschinenhersteller Bernard Krone (Spelle) und Klaus Dreyer (Amazone, Hasbergen), den Niederdeutsch-Professoren Dr. Ludger Kremer (Westmünsterland) und Hermann Niebaum (Osnabrück) und dem Plattdeutsch-Aktivsten Dr. Klaus-Werner Kahl bis hin zu aktiven oder ehemaligen Politikern.
Plattdeutsch in Münster
Die wohl älteste Niederdeutsch-Vereinigung der Region ist gleich zweifach vertreten. Richard Schmieding aus Münster führt in die wechselvolle Geschichte der Abendgesellschaft Zoologischer Garten zu Münster (AZG) ein, deren selbst geschriebenen niederdeutschen Stücke – unter anderem von ihm – über Jahrzehnte von Theatergruppen im weiten Umfeld nachgespielt worden sind. Und der aktuelle Vorsitzende Gerhard Schneider schildert, wie er als Schlachter aus Sachsen plattdeutscher Theaterspieler und Professor-Landois-Darsteller geworden ist. Auch „Exoten“ finden sich hier wie der US-Amerikaner Alan Harms aus Münster, der anschaulich darlegt, welches Verhältnis ein Sohn des tiefsten Mittleren Westens der USA zum Plattdeutschen pflegt. Im Buch kommen auch Auswärtige zu Wort, hauptsächlich Emsländer und Grafschafter, die in die Region gezogen sind, beispielsweise der Münsteraner Plattdeutsch-Autor Hans Hopmann, ein gebürtiger Emsländer.
Nischen des Plattdeutschen
Wie den einzelnen Artikeln zu entnehmen ist, gibt es etliche Nischen, in denen das Plattdeutsche noch tief verwurzelt ist. Eine der wichtigsten Rückzugsorte ist das plattdeutsche Theater, weshalb aus diesem Bereich eine Reihe von Beiträgen mit vielen Bildern zu finden ist. Andere Überlebensorte sind Museen oder Stadtführungen, die Arbeit mit Senioren und Demenzpatienten oder die plattdeutsche Musik. So stammen Beiträge etwa von Altenpflegerinnen, einem Polizist, einem vielgereiste Lufthansa-Pilot, Plattdeutsch-Lehrerinnen, Juristen, einem Schüler, Angestellte, Fremdenführer, von Bäuerinnen und Bauern, Musikern, einem Buchhändler oder einen Hausarzt. Auch Unerwartetes findet sich hier. Wer hätte etwa gedacht, dass die Plattdeutsch-Führungen im Rock- und Pop-Museum Gronau ein Renner sind?
Die Beiträge von zwei bis zwölf Seiten sind mal amüsant, mal lehrreich oder interessant, manchmal nachdenklich und häufig heiter. Illustriert sind sie mit zahlreichen Bildern, etwa von Theateraufführungen und anderen Zeugnissen des plattdeutschen Lebens. Auflockerung bieten eingestreute niederdeutsche Gedichte. Durch QR-Codes ist es überdies möglich, etliche Autoren und Autorinnen selbst sprechen zu hören oder zu plattdeutschen Musikstücken zu gelangen.
Das Fazit eines Rezensenten
In den „Osnabrücker Mitteilungen“ 127/2022 (S. 328-329) zieht der Rezensent des Werkes folgendes Fazit:
„Das als Hardcover vorliegende Buch ist sehr ansprechend aufgemacht. Die Autorinnen und Autoren werden mit Bild vorgestellt, viele Beiträge sind reich bebildert. Nicht nur zu den Liedern gibt es QR-Codes, auch viele andere Beiträge sind mit Codes versehen, über die die Sprache der Verfassenden hörbar gemacht werden kann. Weiterhin werden oftmals weitere Informationen in Text und Bild verfügbar gemacht. Dadurch ist dieses Buch eine vielseitige, unterhaltsame Quelle für viele Menschen, die mit völlig unterschiedlichen Interessen am Plattdeutschen dieses Buch zur Hand nehmen. Gerade für eine Kleinsprache wie Niederdeutsch ist das Verlassen der Grenzen des Buches ein wirklich gelungener Ansatz, für den man Herausgebern und Verlag nur danken kann“.
Info: Wat, de kann Platt? Selbstzeugnisse, Geschichten und Gedichte aus dem Münsterland und dem Osnabrücker Land. Hrsg. von Helmut Lensing, Bernd Robben u. Christof Spannhoff, Meppen, Studiengesellschaft für Emsländische Regionalgeschichte, 2021, 384 S., 24,90 Euro, ISBN 978-3-9821831-4-5. Bestellungen auch unter: kontakt@emslandgeschichte.de (Versand innerhalb Deutschlands: Ein Buch zu 4,- Euro).
Im Osnabrücker Land entwickelt sich wieder was….
Kiekebusk_Plattdeutscher-Nachm
ittag08112023



