Sich erfolgreich einbringen bei älteren und an Demenz erkrankten Mitmenschen in einem Altenheim

 

Interview mit Hermann Möller aus Spelle

Wie sind Sie denn auf diese besondere Idee gestoßen, mit älteren demenzkranken Menschen hier im Altenheim zu arbeiten?

Da ich berufsbedingt viel Auto fahre, höre dabei zumeist den NDR. Da kam ich eines Abends von Bielefeld zurück und hörte einen Bericht über ein Altenheim in Osnabrück. Dort hatte man eine Stube nach alter Art eingerichtet mit einer Kochmaschine und verschiedenen alten Bügeleisen darauf. Diese mussten ja früher auf den Herden heiß gemacht. Und dazu wurde im Radio berichtet, dass eine ältere Frau, die seit Monaten nicht mehr gesprochen hatte, durch diesen vertrauten Anblick aus ihrer Kindheit und Jugendzeit so in ihre Welt zurückgeholt wurde und spontan anfing, wieder zu sprechen.

Seit wie vielen Jahren kümmern Sie sich um die älteren Menschen hier in Spelle:

Das sind nun schon fast 10 Jahre her, als die Idee bei mir entstand. Ich habe dann meinen langjährigen Kegelbruder Paul Fenbers mit dazu geholt, er spielt das Schifferklavier, denn mit Musik geht doch vieles einfacher. Und das klappt recht gut. Anfangs haben wir das jeden Monat gemacht, dann alle 2 Monate und jetzt alle halbe Jahre, denn ich merke auch, dass ich älter werde.

Sind zwischenzeitlich Erkenntnisse gewachsen, wie man diese Veranstaltungen noch optimieren kann?

Zunächst einmal: Man lernt natürlich ständig dazu. Während ich anfangs nur 2-3 Fachbücher hatte, besitze ich mittlerweile eine kleine Bibliothek zu dieser Thematik. Aber selbst an solchen Nachmittagen wie heute verfestigt sich die Erkenntnis, dass man auf die Einzelperson eingehen muss. Dann stellt sich ein gewisser Erfolg schon von selbst ein. Die älteren Menschen bringen sich so automatisch ein.

Sie kennen ja mittlerweile alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer…

Das ist natürlich eine wichtige Voraussetzung: Ich kann sie bei ihren Vorlieben und besonderen Kenntnissen ansprechen und ganz wichtig für sie ist auch, dass ich ihren Heimatort immer wieder mit ihnen in Verbindung bringe, das ist für sie Heimat in besonderer Art.

Nun sprechen ja nicht alle platt in dieser Runde, aber haben Sie den Eindruck, dass Plattdeutsch für viele in der Gruppe besonders wichtig ist:

Ja, das kann ich so bestätigen. Ich habe eine über 90 jährige Frau in dieser Runde kennengelernt, die nicht mehr sprechen konnte. Als ich davon erzählte, wie früher noch auf den Bauernhöfen vor der Zeit der Mähdrescher gedroschen wurde, wusste sie recht genau, was der Dreschmaschinen – Besitzer machte, wenn er die Maschine in Gang gebracht hatte und die Knechte und Mägde jetzt mit dem Bauern eigenständig dreschen konnten. Dann ging er zu der Bäuerin in die Küche und bekam seinen Schnaps. Da zeigte die besagte alte Dame mit ihrer rechten Hand, wie er nun das Schnapsglas ansetzte. Solche Dinge haben die älteren Menschen in ihrer ausschließlich plattdeutschen Lebensgeschichte auf dem Lande erfahren und behalten. Also Plattdeutsch kommt direkt aus der Seele der älteren Menschen und macht die Demenzen frei.

Was können Sie für Tipps an mögliche Nachahmer Ihres Projektes geben?

Ja, ich mag mal so sagen: Ein wenig vorbereiten muss man sich darauf schon – Man muss plattdeutsches Material in Buchform zur Hand haben, um mit kurzweiligen Texten aufwarten zu können, kurz und prickelnd müssen sie sein und die älteren Menschen in ihre Vergangenheit zurückführen. Dann kann das gut klappen.

Hier spielt eine 96 jährige Heimbewohnerin zum Lied auf und (fast) alle singen mit.

Fotos: Archiv Robben

Aobendspraoke

De Aobendspraoke – und ihre Fortsetzung

Hintersinnige Gedanken über die Emslandisierung des Himmels

(1)

von Maria Mönch-Tegeder

In’n Anfang van de Tiet mök use Härgott den Himmel un de Erde ut nicks. Män de Erde was noch ne bare Wöste. De deepen un wilden Greunde lachen heel gruselick in’t Natte un Pickendüstere. Gotts Geist höll sick hoch bowen dat wiede Water.

Un Gott kumdeerde: „Dat Lecht sall schienen!“ Un dor wör’t up eenmaol lecht! Un Gott regelleerde dat forts so, dat dat Lechte un dat Düstere sick de Tiet ümgaohn laoten mossen. De lechte Tiet nömde He „Dag“ un de düstere Tiet „Nacht“.

Dor wör’t Aobend, un et wör Morgen, un de erste Dag was vörbi.

Un Gott gaff Orrer: „Dat Water mott uteneene un nen graoten Ruum afgewen för dat Firmament.“

Un dat passeerde up’t Slag, jüst äs He’t woll. Gott gaff dat Firmament den Namen Himmel. Dor wör et weer Aobend, un et wör Morgen, un de twedde Dag was vörbi.

Un Gott kumdeerde: „Dat Water unnern Himmel mott bieneene laopen, dat’t drüge Plackens giff.“ Ock dat passeerde. Gott nömde dat Drüge „Land“, un de graoten Waterpööle nömde He dat „Meer“.

Dann anneerde He: „Up de Erde söllt nu Planten wassen, de sick dör Saot vermehrt, un Bäöme, de jeder naoh ehre Aort Appeln, Beeren, Prumen, Kässen, Nötte of anners wat dreggt.“ Un äs dat geböhrde, wör et Aobend un Morgen, un dat was de derde Dag.

Un Gott kumdeerde: „Nu kumpt dor Lüchtkes an’t Firmament!“ Dat passeerde.

Gott mök twee besünners graote Löchten. De gräötste kreg Verlöf, ower Dag to schienen, un de lütke wör för de Nacht anstickt. Ne heele Masse Sternkes höng He ock noch an’n Himmel. Un weer was’t Aobend un Morgen, un de veerde Dag was vörbi.

Un Gott gaff Orrer, dat lebendige Diere in’t Water un in de Lucht kammen. He mök de graoten un de kleenen Waterdiere, de swömmen un plansken konnen. Un dann mök He Diere met Flöggel un Flittken, de ower de Erde flägen sollen. Düt lebendige Tüg kreg sogar Gotts Seggen un de Updrag: „Greut un wasst nu un vermehrt ju!“ Et wör weer Aobend un Morgen, un de fiefte Dag was vörbi.

Un Gott anneerde: „Ock de Erde sall ehr Veeh hämmen.“ Un He mök Diere to’t Laopen un Krupen, met kotte un met lange Beene, för de Berge un för’t flacke Land, för Stall, Waold un Wiesken.

Antleste mök He de Mensken. De sollen up em sölws slagen. He mök se äs Mann un Frau.

Gott bekek sick dann Sien Werk, un et was Em gerott. Alls was heel best. Dor kamm de Aobend un de Morgen, un de sesste Dag was vörbi. So kreg He’t up’n End in’n Himmel un up Erden. Se prunkten van Mojegeet. Un an den sewenten Dag leggte use Härgott de Hanne in’n Schaot un rösste sick. Düssen sewenten Da wejhde He to den hilligen Dag – Sönndag!

(2)

Van Tiet to Tiet höll use Härgott ne Aobendspraoke, üm Loff of Klaoge van de Mensken entkeggen to nemmen. Se konnen dann alls anbrengen, wat ehr naoh de Müsse was un wat ehr nich anstönn. Mestendeels harren se so väl uttosetten, dat use Härgott, wann’t möchelk was, an dat Gude van Sien ägen Werk twiewelde.

So göng’t ock dütmaol. Dat was’n Klaogen un Stennen. Owerall schellde wat!

Wor Bülte un Berge wassen, wollen se mehr Water hämmen, un de Löe in de Flackte un van de Waterkante wollen Berge. De Buren verlangden naoh Reggen un de Städtkers naoh Sünne. De Jäggers wollen Hasen un Knienkes, un de lütke Mann seggte: „Dat Untüg frett mi alls up.“

Se harren Em de Ohrden weer so vull nölt, dat’t Em all baole heel keggen was, äs Mester van düt misselke Werk to gehlen.

Dor sög use läwe Här in den ütersten Hook nen Mann staohn, de noch kien Wort seggt har. Use Härgott proat’te ne an un fraogte em, wat he dann to melden har.

„Dat mott so gut wedden, Här, dat heb Ih ja sölws makt.“

Kiek, dachte use Härgott, doch wenigstens eenen, de tofree is. De moss He noch’n Wort günnen. Heel fröndlik fraogte He wieder: „Wor kumm ih dann her, Mann?“

„Ut’t Emsland, läwe Här.“

„Ut’t Emsland?“ – Use Härgott grep sick met de eene Hand an’n Kopp, un met de andere dreihde He de graote Weltkoggel round un kek’n betken verleggen ower de Erde.

„Hier – dor – den Placken Sand, Haie, Moor“, hölp de Mann naoh.

„Jao“, seg use Härgott, „ih bint wat to kott kummen.“

„Wu meen Ih dat, Här?“

„Och, ick häb dat dormaols nich achtet. Mienen Thron, de stönn jüst up ju Land. Roundüm stöck mi alls in de Aogen, un ut de wilden Greunde bint düftige Ackers, Wiesken un moje Gemeenden wodden. Blaot unner Mienen Thron is dat Land schraoh un wöst blewen.“

„Här, wi könnt der awer gut up lewen. Un wann wi unner Juen Thron bint, dann kump us so lichte nicks Leeps an.“

„Dor häb ih Recht, Mann, un dat sall nu ock’n Wort wedden: Ju Land bliw unner Mienen Thron!“

(3)

von Theo Mönch-Tegeder

Naoh lange, lange Jaohren höll use Härgott maol weer ne Aobendspraoke met de Mensken, so äs dat in siene Gewonnheet lag. Äs He de so mejst met an’n End was, moss He togewen, dat de Welt met de Tiet nich jüst harre better worden was.

De Rieken wassen rieker worden un de Armen ärmer. Wissewall, watte Kriege harren sick utruset, man dorför flammden alleman annere eenewechtern up. Machthabers, de nicks innen Sinn harren äs ehren ägen Stolt, gaffen vör, se döen dat in Sienen, in Härgotts Namen. Söcke Verbrechers! Un met de Erde, wor He sick bi de Schöpfung so väll Mööte met makt harr, göngen de Mensken üm äs met de Verpackungen van McDonalds: Bruken, wegsmieten, nich mehr naoh kieken.

Van Em sülws, de läwe Här, wollen de Mensken all baole gar nicks mehr wetten.

Ja, et was nicks anners worden äs bi’t leste Maol. Et was noch immer so väll uttosetten, dat use Härgott, wann’t möchelk wesen was, all weer an dat Gude van Sein Werk in Twiewel kamm.

Dor moss He an den Bur denken, de’t leste Maol dor ginnen in den ütersten Hook staohn harr. De bedröwden Faolen in Sien Gesicht tröcken sick en lück glatter, un He fräög de Erzengel, de keggen Sienen himmlisken Thron posteert wassen: „Is dann vanaobend kieneene ut’t Emsland hier?“

„Emsland? Emsland? Wo soll das denn liegen?“, fräög Gabriel wat spitz trügge.

He kannde sick süss owerall up de Welt ut un harr daormals sogar in dat lusige Nöst Nazareth de Jungfrau Maria funnen.

„Na, wees du dat dann nich?“, gnurrde use Härgott recht ungnädig. „Kiek doch en lück better to: Unner mienen Thron natürlich!“

Gabriel fläög naoh de himmlischen Heerscharen un läöt utropen: „Wer ist hier aus dem Emsland? Emsländer bitte vortreten!“

Et durde so nicks, dor käömen se met nen Mann an, de säög ampatt heelmaolens anners ut äs de Bur van daormaols. Fiene Schoh an de Fööte anplass van Holsken. Nen schwatten Anzug met’n siedenen Schlips; kiene dreidübbelt flickte Manschesterbuckse un ock kiene olde Joppe. He was glatt rasiert. He was ock längst nich so krumm wassen äs de Bur van daormaols. Pielup un stäödig keek he use Härgott up sienen göttlichen Thron tomöte, äs wann he seggen woll: „Dat wät ock wall Tiet, dat Du mi endlicks drannemms.“

„Ih bint ut’t Emsland?“, fräög use Härgott en lück verstört.

„Jao, wissewall.“ De Emsländer harr wat Mäöte, platt to praoten. Man weil use Härgott, de ja in Siene Allmacht alle Spraoken kann un verstäht, der nu met anfangen was, konn he ja schlecht in’t Haoge wesseln.

„Man dat leste Maol was van Ju so’n bescheiden Bürken kummen“, wünnert sick de läwe Här, „Ih bint so heel, heel anners. Wat is de passeert unner mienen Thron?“

„Tja, Härgott, wi häbt us dacht, wann wi all unner Juen Thron tolande kummen bint, dann sall dat dor ock so moj werden, äs sick dat gehört. Dat bin wi Ju doch schüllig. Un dorüm häb wi dat Werks äs in use ägen Hanne nommen. Wi häbt de Haie ümplögt un dor stäödige Ackers un Wiesken van makt. Dat wiede Moor häb wi drüge leggt. Ut de Wöste häb wi en Paradies makt. Et prunkt nu van Mojegeet unner Dienen Thron. Düftige Burenhöwe, fiene Dörpe un stäödige Städte; de Hüse komodig un ruum.“

„Ja man …“, use Härgott satt dor met‘en lossen Mund. He wüss nich, wat He seggen soll. Dor wiesde de Mann all ower de graote Weltkoggel: „Dor, kiek äs ower dat wiede Water van diene Erde: De mojsten Schippe bint bi us an de Ems baut. Ick glöwe, et is alls so worden, dat du dermet tofree wesen kanns. Bruks di nich mehr üm schämmen.“

Use Härgott was heelmaolens perplex. „Könn ih mi dann seggen, wecker ich bint?“ – „Dat moss du doch wall wetten! Ick bin Hermann Bröring, sekür twintig Jaohrden lang was ick Oberkreisdirektor un Landraot in’t Emsland.“

„Hermann Bröring?“ De läwe Här was an’t Naohdenken, wor He den Namen her kannde, „Hermann Bröring?“ Erzengel Michael flisperde em wat van links in’t Ohr

– „Ach so, Hermann Bröring!“ – Nu harr he den Faden weer funnen. „Ja, Ih Emslänner häbt met miene Gnade metwirkt. Dor kanns nicks van seggen. Better harr ick et ock nich henkriegen konnt. Dor bin ick wall heller met tofree!“

Heel nervös flög Michael noch maol an Härgott Sien Ohr un flisperde Em stillkes wat. Et sög heller wichtig ut. „Ja, ja“, brummde Härgott naoh achtern hen, „wann’t dann weden mott“, un keek dann weer Hermann Bröring an. „Ja, ick mag der annersfersick nich gern van anfangen, man Erzengel Michael häf segt, ick mott‘t üm de Gerechtigkeet doon. Wa’ck seggen will, is, dat ick doch noch en ernst Wörtken met di praoten mott. Diene Schutzengel häbt meldet, dat du so’n paar Nücke häbben sass. Se harren wat Last met di. Du verlangdes mangs mehr, äs di un ju Emslänners gut döt. Wahr di vör de Ungedülligkeet un de Hofferrigkeet!“

„Ach Härgott, anners gäht dat nich. Du glows gar nich, wu stur de haogen Härens in Berlin un Hannover weden könnt. Dor moss all mangs wat luter und robuster werden, dat se di owerhaupt anhört! Ick segge di, wi Emslänners mött’t noch so vull uphalen, dor is Geduld nen Fehler! Ih innen Himmel, ih bint för de Entwicklung hier bi us välls to langsam – Ih met Jue Ewigkeet. So väll Tiet häb wi nich!“

„Kiek, dor häb wi’t all weer: Stolt un ungedüllig! Man wat mak wi nu blaot met Di? Ick gläöwe, ick will Di äs ’n paar Wecke in’t Fegefüer doon.“

He harr et noch nich utsprocken, dor kamm van eenewechtern en Düwelken anflogen, un schwupps nömm et dat Hermännken met sick.

Dormet was de Aobendspraoke beschlotten un alle göngen weer dorhen, wor se henhörden, de Mensken up de Erde un Gott met siene Heerscharen innen Himmel.

Man drei Dage later melde Apostel Petrus, vör siene Himmelsporte stönn den Oberdüwel, de Baas van’t Fegefüer, un verlangde ne Privataudienz.

Dat wünnerde use Härgott öwer alle Maoten, weil: dat harr’t noch nojt nich gewen. De graote Porte göng loss, un herin köm de Düwel met Hermann Bröring an’n Kramshaken. „De kanns weerhämmen“, beckte he forts loss, ohne use Härgott deDagestiet to günnen.

„Wat?“, wünnerde sick Härgott, „dat is dat erste Maol, dat du van sülwes vör de Tiet ne Seele ut diene Klaonen läss. Du wuss doch am läwsten alle, de ick di to de Läuterung schicke, up alle Ewigkeet hollen.“ – „Wi’ck ock süss wall“, beckte de Düwel, „man den dor, de kann’k nich bruken, de dögt nich.“

„Wudann?“ Use Härgott konn van Nejschierenge nich mehr stille sitten. – „Den dor“, de Düwel wiesde up Hermann Bröring, „de was noch nich äs recht ankummen bi us in’t Fegefüer, dör föng he all an, de armen Seelen to kumdeeren. ‚Alle tolustern‘, rööp he, ‚et is doch välls to häät hier. Wann wi alle to glieker Tiet pustet, blaose wi dat lästige Füer ut. Dann bruk wi nich mehr so harre schweeten.‘ Un so göng’t: Eeene, twee, dreie – un ut was dat Füer.“

De Düwel schödde van Traorigkeet bieneene. „Ja gut, dachte ick“, vertellde he wieder, „dann laot ick se eben schmachten un darwen. Man, Härgott, du mags et glöwen of nich: Gistern gaff Hermann Bröring an alle Mühseligen un Beladenen de Orrer ut: ‚Wie arbeet’t us naoh’t Schlaraffenland dör. Kann ock nich lieder wesen äs den Pannnekokentuun aftobauen, de lange Tiet üm’t Emsland herüm stönn. Un wann wi dann noah den Puddingberg kummt, dor glinner wi met’n Transrapid öwerher.“

Nu föng de Düwel sogar an’t reeren: „Härgott, de verderwt mi de heele Arbeet. So makt mi de Hölle kienen Spass. Glöw mi: Et durt nich lange, wann he so wiedermakt, dann is’t inne Hölle sogar angenehmer äs bi di innen Himmel. Un dat wuss du doch ock nich. Do mi den Gefallen: Nemm em weer!“

„Tja,“ use Härgott keek aorig verleggen van Sienen Thron herunner, „tja also …, nu to dann, dann laot em hier bliewen.“

De Düwel  tröck af, un nu stönn Hermann Bröring alleene vör use Härgott. Ne kotte Wiele seeg kieneene wat, dann spötterde de Landraot in de Hanne un rööp:

„So, nu will ick Di äs en lück unner de Arme griepen. Was doch gelacht, wann wi Afrika nich nettso uprisken konnen äs dat Emsland. Un dornaoh nemm wi us Asien vör. Met dat Weltklima, dat mott ock anners werden. Un dann de Kriege, worüm wess du dor nich met ferrig, Härgott? …“

„Sagebuck“, stöhnde de, „wann dat so wiedergäht, weiht der wanner nen emsländsken Wind. Dat is ja de reinste Emslandisierung innen Himmel.“ Ock de Engels tröcken all verschreckt de Köppe tüsken ehre Flittken in. Härgott verdreihde de Aogen, läöt nen deepen Stöhn hören, un dann brummde He: „Wees wat, Bröring? Mi dücht: Bliew, solange äs du dat wuss, up Erden. Et is’t Beste för alle!“

Kurzvita: Hermann Bröring – emsländischer Landrat a. D.

 

Hermann Bröring begann seine berufliche Laufbahn nach dem Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Uni Köln 1971 mit einer Dozententätigkeit am Sozialinstitut Kommende in Dortmund und setzte diese 1973 im Ludwig-Windthorst-Haus in Lingen-Holthausen fort.

1976 wurde er persönlicher Referent und Leiter des Ministerbüros von Kultusminister Dr. Werner Remmers in Hannover.

1979 trat er in die Verwaltung des Landkreises Emsland ein.

1984 wählte ihn der Rat der Stadt Lingen zum stellvertretenden Oberstadtdirektor. Mit dieser Position war das Amt des Stadtkämmerers verbunden.

1990 wurde Bröring zum Kreisdirektor und 1991 zum Oberkreisdirektor gewählt. Bei der Kommunalwahl am 9. September 2001 holte der gebürtige Rheder als Kandidat der CDU 72,7 Prozent der Stimmen und wurde erster hauptamtlicher Landrat des Landkreises Emsland.

In diesem Amt wurde er bei der Kommunalwahl 2006 von der emsländischen Bevölkerung mit großer Mehrheit bestätigt.

aus:https://www.noz.de/lokales/meppen/artikel/134637/landrat-hermann-broring-wird-heute-verabschiedet#gallery&0&0&134637

Hermann Bröring ist Präsident der Emsländischen Landschaft und des Emsländischen Heimatbundes.

Er ist auch über das Emsland hinaus bekannt als markanter “Macher” – etwa beim Bau der Emslandautobahn auch mit nichtstaatlichen Mitteln oder bei der Emsvertiefung, ohne die es die Meyer – Werft  wohl nicht mehr am jetzigen Standort in Papenburg geben würde.

Über ihn gibt es eine außergewöhnliche plattdeutsche Kurzerzählung, die der Autor Theo Mönch – Tegeder in eine bekannte Geschichte (Land unner Gottes Thron) seiner Tante, der Emslanddichterin Maria Mönch – Tegeder, gekonnt eingebunden hat.

Diese wird nachfolgend auch vorgestellt….

http://www.emslaendischer-heimatbund.de/medien/bilder/publikationen/Inhaltsverzeichnis/Band_58/Emsland-Jahrbuch_Band_58_De_Aobendspraoke.pdf
Foto: Archiv Robben

Plattdeutsch im Krankenhaus Meppen – Verwaltungsdirektor Wilhelm Wolken resümiert

So berichtete der Verwaltungschef des Meppener Ludmillenstifts 1998 im Buch Wat, de kann Platt:

In meinem beruflichen Leben und wohl noch mehr im beruflichen Leben der Mit­arbeiterinnen und Mitarbeiter im Krankenhaus, die ständig direkten Kontakt mit den Patientinnen und Patienten haben, hilft die plattdeutsche Sprache häufig über

Kommunikationsschwierigkeiten und das Gefühl des Fremdseins hinweg. Hier spreche ich – und das liegt wohl in der Natur der Sache – überwiegend von älteren Patientinnen und Patienten, die ja noch mit „Plätt proten” aufgewachsen sind. Ge­rade sie sind in der für sie fremden und vielleicht auch oft erschreckend techni­schen Welt eines Krankenhauses froh und dankbar, wenn sie wenigstens einen Pfleger, eine Pflegerin oder eine Mitarbeiterin in der Aufnahme finden, mit der sie wie zu Hause und ohne die Angst, etwas Falsches zu sagen, sprechen können. Ich freue mich, wenn ich höre, daß wir im hause noch Mitarbeiterinnen und Mitar­beiter haben, die das Plattdeutsch es gut tut, wenn man sich in dieser Sprache mit ihm unterhält. Letztendlich ist es für ein Krankenhaus wichtig, daß sich der Patient oder die Patientin während des Aufenthaltes wohl fühlt, und ich denke, daß gerade die Sprache – ob nun Franzö­sisch, Englisch oder Plattdeutsch -, daß das Verstandenwerden hier ein ganz wich­tiger Faktor ist.

 

Wie sieht es 20 Jahre später aus?

Interview mit Dr. Andreas Eiynck

 

Frage 1

Aber – ehrlich gesagt – so richtig vermisst haben wir als Kinder und Jugendliche das Plattdeutsche damals nicht. Ganz sang- und klanglos verschwand innerhalb einer Generation das Plattdeutsche aus vielen Familien und aus der Öffentlichkeit.

Wie sieht das heute dazu in Teilen der ländlichen Gesellschaft aus, die Sie beruflich erleben?

Auf dem Lande hilft es doch sehr deutlich, wenn man Plattdeutsch mit den Menschen sprechen kann, jedenfalls mit den Älteren. Das schafft Vertrauen.

Die jüngeren Leute sprechen auch auf dem Lande in der Regel kein Plattdeutsch mehr – jedenfalls nicht mit Fremden.

 

Frage 2

Haben die „fortschrittlichen“ Pädagogen von damals aus heutiger Sicht die richtige Richtung in der Sprachbildung der Kinder eingeschlagen?

Ich schätze aus heutiger Sicht, dass sie es durchaus richtig gemacht haben. Sie haben auf breiter Linie begonnen, den Eltern zu raten, ausschließlich Hochdeutsch mit ihren Kindern zu sprechen. Die meisten Eltern haben das gemacht und wir sind als Schüler damals mit Hochdeutsch als Muttersprache auch ganz gut zurecht gekommen.

Die typischen Grammatikfehler der Generation meiner Eltern, die Hochdeutsch sozusagen als erste Fremdsprache gelernt haben, findet man in meiner Generation jedenfalls nur noch selten.

Frage 3

Sie sind als rühriger Museumsleiter bekannt, der förmlich riecht, wo noch verborgene Schätze auf dem Lande zu finden sind. Da ist aber bei den zurückhaltenden Emsländer sicherlich nicht immer ganz einfach, dort ans Ziel zu kommen. Hilft Ihnen dabei auch Ihr Platt?

In der Stadt natürlich nicht, da sprechen mittlerweile alle hochdeutsch. Aber auf dem Lande hilft es im Umgang mit den Menschen in meinen beruflichen Belangen ja doch, wenn man die Menschen auf Plattdeutsch ansprechen und sich mit ihnen dann ungezwungen so unterhalten kann.

Frage 4

Sie haben als Volkskundler und Historiker auch häufig mit alten Schriftstücken und anderen Dokumenten zu tun. Wie erleben Sie die plattdeutsche Sprache dort.

Nein, schriftliches Plattdeutsch ist dort nicht zu finden. Die Dokumente sind in Hochdeutsch geschrieben oder, wenn es ganz alte Schätzchen sind, auch wohl mal in Niederländisch. Ganz selten auch mal in Niederdeutsch.

Das heutige Plattdeutsch war eigentlich nie eine Schriftsprache. Und somit finden wir in den alten Papieren und Dokumenten auch keine Aufzeichnungen in Plattdeutsch.

https://youtu.be/d-bArWUnuaw

Frage 5

Nun sprechen Sie ja die westmünsterländische Mundart. Wird das hier im Emsland rundum akzeptiert?

Die Situation stellt sich ja so da, dass ich aus dem Münsterland stamme. Dort „proat“ man ja nicht, dort „kürt“ man. In meiner Münsterländer Heimat gibt es zwei verschiedene Mundarten im Plattdeutschen, das eine ist das Klei- Platt, die Mundart meiner Eltern und Großeltern, die ich zu Hause als Kind häufig gehört habe. Ein paar Brocken Münsterländer Platt kann ich natürlich auch sprechen. Und dann gibt es auch noch das Platt, das ist im Westmünsterland vertreten ist. Das hörte man in Borken und Coesfeld auch viel.

So verschieden zum Plattdeutschen im Emsland sind diese münsterländer Dialekt ja nun auch nicht. Die meisten sind heute schon froh, wenn sie überhaupt noch auf plattdeutsch angesprochen werden. Da wird dann auch nicht jeder regionale Ausdruck gleich auf die Goldwaage gelegt. Verschiedene Aussprachen spielen dabei keine zentrale Rolle mehr – früher wurde da doch sehr unterschieden, ob man „Kleiplatt“ oder „Sandplatt“ sprach.

Frage 6

Wo begegnet Ihnen die plattdeutsche Sprache heute überhaupt noch?

Auf den Bauernhöfen überall im Emsland und natürlich in den Altenheimen. Gerade die alten Menschen sprechen sehr gerne Platt. Bei den jungen Leuten habe ich keine Möglichkeit mehr, Plattdeutsch zu sprechen. Noch nicht einmal auf einem Bauernhof. Das ist meine ständige Erfahrung in meinem beruflichen Umfeld.

Frage 7

Auf meinen Vorträgen im Westmünsterland musste ich mehrfach hören: Ihr im Emsland habt uns den fähigen Dr. Eiynck weggenommen, den hätten wir so gerne bei uns behalten. Wären Sie gerne beruflich in Ihrer Heimat geblieben?

Nein, nach einer wohlbehüteten Kindheit im Münsterland unter ständiger Beobachtung einer ausdehnten Verwandtschaft und nach dem Studium in Münster hatte ich eigentlich nur einen Wunsch: Mal weg! Weit bin ich ja nicht gekommen, aber nun schon 30 Jahre hier im Emsland. Heute kann ich sagen: Ich komme zwar aus dem Münsterland, das war mal meine Heimat, aber zu Hause bin ich in Lingen. Ich bin ein echter Emsländer geworden, meine Kinder sind es ohnehin.

Frage 8

Hat die plattdeutsche Sprache noch eine Chance? Was könnte man da tun?

Als Alltagssprache ist der Zug wohl abgefahren. Deshalb muss das Plattdeutsche aber nicht zwangsläufig untergehen. Ich sehe eine Zukunftsfähigkeit des Plattdeutschen z.B. im Bereich der Plattdeutschen Literatur, der Rezitation oder auch des Laientheaters.

Als aktive Sprache in Nordwestdeutschland wird die Plattdeutsche Sprache wohl keinen Bestand mehr haben.

Frage 9

Sie haben dann ja noch eine passive Sprachkompetenz gehabt, sie konnten es zumindest verstehen.

Ja, das ist bestimmt so. Meine Großeltern haben eigentlich nur Plattdeutsch gesprochen – außer mit den Enkeln. Meine Eltern haben auch Plattdeutsch gesprochen – außer mit uns Kindern. Verstehen konnte und kann ich jedes Wort. Aber mit dem freien Sprechen hapert es mangels Übung und Erfahrung. Einen Text auf Kleiplatt könnte ich wohl fehlerfrei vorlesen, ohne dass jemand merkt, dass ohne Textvorlage ganz nichst liefe.

Frage 10

Nun haben die Heranwachsenden auch keine passiven Sprachkenntnisse mehr—

Dann ist es natürlich noch viel schwerer. Allerdings gibt es auch neue mediale Möglichkeiten. Man könnte das Plattdeutsche heutzutage z.B. über Plattformen wie YouTube vermitteln. Das gäbe schon mal einen Eindruck. Aber das reicht natürlich für den kompletten Spracherwerb bei weitem nicht aus.

Frage zum Abschluss:

Haben Sie ein nettes „Dönken“ in diesem Zusammenhang:

Vor ein paar Jahren habe ich viel zusammengearbeitet mit dem Heimatverein Burgsteinfurt. In den dortigen Bauerschaften Hollich, Sellen und Veltrup wird noch viel Plattdeutsch gesprochen. Ein fachkundiger Begleiter hat mir damals eingebläut: Wenn di eener frögg, dann seggs du eenfach: Ick kuomm ut Coesfeld von’n Buernhoff un wi küert in Huuse bloss platt! Dann brabbelst Du ein paar Wörter Plattdeutsch und dann läuft das schon.

Da hat sich dann mancher gewundert, wie weit man mit Plattdeutsch in der Welt so kommt. Und eine alte Dame hat auf dem nächsten Cousinentreffen erzählt: Bis us upp’n Hoff, doar was ’n Proffessor ut Lingen, de konn noar derttig Joahren noch Mönsterlänner Platt!

Gelernt ist eben gelernt!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/9/99/Mettingen_Andreas_Eiynck_03.JPG

 

Plattdeutsch im Textilkaufhaus Schröder in Haselünne

                           Hubert Schröder aus Haselünne ist ein Kaufmann der besonderen Güte.

Als er 1958 das Textilgeschäft von seinen Eltern übernimmt, besteht dieses seit knapp 100 Jahren. Nach etwas mehr als zehn Jahren kauft er als junger Unternehmer am Markt das alte Hotel Dreesmann Brand am Markt und erstellt einen modernen Neubau. Dieser wird im Laufe der Jahre in mehreren Bauabschnitten jeweils großzügig erweitert. Heute präsentiert sich der Besucherin und dem Besucher ein Kaufhaus der besonderen Klasse, das zurecht von sich behaupten kann: Schröder zieht das Emsland an.

Im Mittelpunkt dieser Entwicklung steht der heute 80-Jährige Hubert Schröder mit seiner Frau Edda, die die Geschäftsleitung an die nächste Generation weitergegeben haben.

Selbstverständlich hat Hubert Schröder mit vielen Kunden in den vergangenen Jahrzehnten durchweg Plattdeutsch gesprochen

Kurzvita Dr. Christof Austermann

Christof Austermann ist im Dezember 1982 im südlichen Emsland geboren.

Seine Kindheit verbrachte er auf dem elterlichen Bauernhof in Schapen, unmittelbar an der Grenze zu Nordrhein-Westfalen.

Nach der Grundschule in seinem Heimatort und der Orientierungsstufe in Spelle besuchte er das katholische Gymnasium Leoninum in Handrup.

Nach dem Abitur nahm er 2002 sein rechtswissenschaftliches Studium an der Universität Osnabrück auf.

Daran schlossen sich ein Promotionsstudium an der Universität Osnabrück und eine Tätigkeit als freier Mitarbeiter in einer Rechtsanwaltskanzlei an.

Sein juristisches Referendariat absolvierte er unter anderem mit Stationen in Münster und Hannover und schloss dieses im Jahr 2011 ab. Im gleichen Jahr wurde er auch zum Dr. jur. promoviert.

Seit 2012 ist Christof als Rechtsanwalt zugelassen und arbeitet als Justiziar für einen international tätigen Konzern.

Er lebt gemeinsam mit seiner ebenfalls aus Schapen stammenden Frau in Hannover.

Domkapitular Heinrich Hanneken

Besuch bei Domkapitular Heinrich Hanneken in Osnabrück im Dezember 2017

Kindheit in Esterwegen

In meinem Elternhaus im Hümmling, Gemeinde Esterwegen, sprach man selbstverständlich Plattdeutsch. Mein Vater hatte dort eine Manufaktur und Kolonialwarenhandlung eröffnet. Meine Mutter stammte aus Aschendorf und sprach selbstverständlich auch Platt. Sie empfand das Platt in Esterwegen weniger schön. Am Beispiel „Milch” lässt sich das erklären: Während es in Aschendorf „Melk” ausgesprochen wurde, war der Esterwegen Ausdruck „Maalek”, also viel breiter. Sie wollte deshalb bei uns Kindern nur ihre eigene Muttersprache anwenden und durchsetzen. Das war aber nicht in meinem Sinn.

Gymnasialzeit in Meppen von 1943 bis 1951.

Mit 12 Jahren wechselte ich von der Volksschule Esterwegen an die staatliche Oberschule in Meppen und wohnte im Bischöflichen Konvikt. Schön war es, dass es dort einige Mitschüler gab, mit denen ich mich in plattdeutscher Sprache unterhalten konnte.

Theologiestudium

 

Priesterweihe am 22.12.1956 im Dom zu Osnabrück

 

Kaplan in Hamburg für 8 Jahre

Als ich als junger Geistlicher nach Hamburg kam, war ich nicht mehr in einer vorwiegend plattdeutschen Welt. Ich bin aber bald in das Team der Autoren der plattdeutschen Morgenandachten aufgenommen worden. Nach geraumer Zeit wurde mir sogar aufgetragen, die Entwürfe der anderen Autoren der katholischen plattdeutschen Morgenandachten sozusagen zu autorisieren. Das hat durchaus nicht bei allen Vortragenden Zustimmung ausgelöst.

Geistlicher Rektor an der Landvolkhochschule in Oesede ab 1964

Meine Zeit als Geistlicher Rektor in der Landvolkhochschule war gepaart mit einer Ära der geistigen und geistlichen Aufbruchstimmung in der Welt, in der Kirche, auch im Bistum Osnabrück. Die jungen Menschen des Landes, die hier ihr theoretisches Rüstzeug für ihre berufliche Tätigkeit bekamen, sprachen in der sonstigen Tageszeit durchweg plattdeutsch miteinander. Ja, ich mag sagen: Ihr Denken und Handeln war durchweg geprägt von der plattdeutschen Lebensart.

Gerade in diesen Jahren kam es zu großen Veränderungen auch im ländlich und landwirtschaftlich geprägten Raum unseres Bistums. Grund war auch die enorme wirtschaftliche und technische Weiterentwicklung als Folge des Wirtschaftswunders, das ja direkt auf den Höfen ankam und entsprechend umgesetzt und verarbeitet werden musste. Und genau in diesem Zeitraum des geistigen Aufbruchs kam es zum 2. Vatikanischen Konzil in der Kirche. Ich habe als Theologe damals in diesen Gemeinden des Bistums in Vorträgen die Neuerungen in der Lebenswelt und besonders der Jugend des Landvolkes bedacht. Ich spreche gern von Pionierleistungen, die durchaus nicht einfach waren. Ich erlebte aber eine enorme Nachfrage nach Vorträgen zu diesem Thema.

Die Schwerpunkte meiner Themen waren u. a.: Die veränderte Bedeutung des Bußsakramentes im christlichen Leben. Dabei wurden meine Referate durchaus auch kritisch begleitet. Und auch auf dem Lande gewannen so nach und nach die hochdeutsche Lebensart und Lebensdeutung Raum. Die Zusammenlegung der Gemeinden auf kommunaler Ebene mit immer größer werdenden Verwaltungen führte dazu, dass auf dieser Ebene immer mehr hochdeutsch statt plattdeutsch gesprochen wurde. Dass Bischof Helmut Hermann mich in das Domkapitel berief, war nicht nur für mich, sondern auch für viele andere eine Überraschung.

Pfarrer in Freren von 1972 — 1976

Als Pfarrer dieser Emslandgemeinde habe ich in der Regel hochdeutsch mit den Menschen gesprochen. Dabei habe ich durchweg den Eindruck gehabt, dass dieses auch von Dorfpfarrer erwartet wurde. Doch wusste ich auch, dass gerade ältere Menschen dankbar waren, wenn ich als Pastor mich mit ihnen plattdeutsch unterhielt.

Domkapitular in Osnabrück

Das Plattdeutsche war für mich in Freren im Pfarrhaus die tägliche Umgangssprache, weil meine Schwester von dieser Zeit an über viele Jahre unseren Haushalt führte. Wir wären uns fremd gewesen, wenn wir nicht platt miteinander gesprochen hätten. Selbstverständlich wird bei Verwandten und Bekannten plattdeutsch gesprochen. Allerdings muss ich auch gestehen, dass die nachfolgende Generation in meiner Verwandtschaft diese Sprache leider nicht mehr gelernt hat. Dadurch wird unsere angestammte Heimat kulturell ohne Zweifel ärmer.

Fotos: Archiv Robben

Veröffentlichung der Ergebnisse

Damit lag eine umfangreiche regionale Untersuchung vor, die erstmals unterschied zwischen aktiver und passiver Sprachkompetenz auf Grund objektiver Testdaten.

Die Diskrepanz zwischen diesen beiden Untersuchungswerten war auch in Fachkreisen so nicht vermutet worden: Nur noch drei Prozent der damals Zehnjährigen konnten gut plattdeutsch sprechen, aber über 40 Prozent der Heranwachsenden vermochten plattdeutsch noch gut zu verstehen.

Leider bestand derzeit in der Kreisverwaltung offenbar wenig Interesse an einer Veröffentlichung des Aufsatzes in der Region, obwohl die bisherigen Sachkosten für diese Enquete großzügig vom Landkreis bezahlt worden waren.

Daraufhin bot Prof. Dr. Ludger Kremer an, die Auswertung aufzunehmen in eine Aufsatzsammlung mit dem Titel „Diglossiestudien“[1]. Darin wurden weitere, allerdings kleinere Untersuchungen diesseits und jenseits der holländischen Grenze jeweils in der Landessprache vorgestellt. Damit war nun leider verbunden, dass diese emsländischen Ergebnisse in Wort und Grafik nur einem ganz begrenzten sprachwissenschaftlich interessierten Leserkreis vornehmlich außerhalb des Untersuchungsgebietes zugängig waren.

[1] Kremer, Diglossiestudien