Josef Gerhard Schmidt

 

„…häss du diene Föite nich wasket”

Im östlichen Teil des Landkreises Emsland, am Rande des Hahnenmoores, liegt das Dorf Dohren. Die kleine Gemeinde mit circa 1000 Einwohnern gehört zur Samt­gemeinde Herzlake. Hier wurde ich am 2. November 1928 geboren. Aufgewachsen in einer Großfamilie, die von der Landwirtschaft lebte, lernte ich als erste Spra­che unser Plattdeutsch.

Vor allem das unverfälschte Platt meiner Großmutter, die zu meiner Kinder- und Jugendzeit noch lebte, hat sich fest in mein Gedächtnis eingeprägt. An viele platt­deutsche Wörter, die heute aus dem Sprachgebrauch verschwunden sind, kann ich mich erinnern, wenn ich an diese Zeit zurückdenke.

Vor allem das unverfälschte Platt meiner Großmutter, die zu meiner Kinder- und Jugendzeit noch lebte, hat sich fest in mein Gedächtnis eingeprägt. An viele platt­deutsche Wörter, die heute aus dem Sprachgebrauch verschwunden sind, kann ich mich erinnern, wenn ich an diese Zeit zurückdenke.

Wenn ich im Vorschulalter ab und zu mit den Eltern in die Kirche ging, kam mir die hochdeutsche Predigt des Pfarrers fast so fremd vor wie das Latein der Messe. Als ich dann eingeschult wurde, war das Erlernen der hochdeutschen Sprache für mich und meine Mitschüler eine mühsame Arbeit. Von Vorteil war die Tatsache, daß die Lehrpersonen unseres Dorfes mit der plattdeutschen Sprache vertraut und damit die Schwierigkeiten einer gegenseitigen Verständigung relativ gering waren.

Die ersten Versuche, unser Platt ins Hochdeutsche umzuwandeln, müssen für un­sere Lehrerin sehr interessant gewesen sein. Einige Sätze solchen Vokabulars blie­ben mir bis heute unvergeßlich. So erzählte zum Beispiel Nachbars Jööpken von einem aufregenden Erlebnis in der Bullenweide. Er schilderte dieses Abenteuer mit folgenden Worten: „Da raas der Bulle den Sticken aus und flog über die Frääen-ge.” Auf hochdeutsch: „ Da riss der Bullen den Pflock aus den Boden und sprang über die Einfriedung.” Ein anderer beklagte sich beim Sport auf dem Spielplatz: „Wenn ich nietzke laufen muß, werde ich immer schlecht.” Was heißen soll, daß ihm beim schnellen Laufen immer übel wird. Gewiß habe auch ich damals ähnli­che Sätze formuliert, welche bei den Lehrpersonen viel Heiterkeit auslösten.

In den Familien ging man später dazu über, mit den Kindern hochdeutsch zu spre­chen, in der Meinung, den Kindern damit zu helfen. Weil aber die Eltern selber Schwierigkeiten mit der hochdeutschen Sprache hatten, wurden dadurch die Lehr­personen mehr be- als entlastet.

Leider reichlich spät hat der plattdeutsch sprechende Mensch erkannt, daß seine Muttersprache vom Aussterben bedroht ist. Ich erinnere mich, daß man als Plattdeutscher von Hemmungen geplagt und von Gleichaltrigen aus der Stadt als unge­bildet und naiv betrachtet wurde. So wurde in fremder Gesellschaft von uns Dorf­jungen darauf geachtet, ja nicht durch plattdeutsche Redensarten auffällig zu wer­den. Auch die Erwachsenen hatten im Umgang mit Leuten aus der Stadt ihre Schwierigkeiten. Besonders schwer war für die damalige Landbevölkerung ein Behördengang. Zum Glück gab es in unserer Kreisstadt Bedienstete von öffentli­chen Ämtern, die durch ein einfaches plattdeutsches Wort die seelische Not der Bittsteller entschärften, wenn sie diese auf Plattdeutsch begrüßten.

deshalb besonders in typisch plattdeutschen Regionen, wie zum Beispiel im Ems-land, darauf bedacht sein, das hohe Kulturgut, die Muttersprache, zu pflegen und zu erhalten. Es ist lange her, daß das Plattdeutsche vom Hochdeutschen verdrängt wurde. Allein der historische Wert dieser Sprache rechtfertigt es, sich um ihren Er­halt zu bemühen. Menschen, die diese Sprache noch beherrschen, sollten dafür Sorge tragen, sie durch aktive Anwendung an die Nachkommen zu vermitteln. Das gesprochene Wort allein kann die Klangfarbe einer Sprache unverfälscht mitteilen. Eine Generation, die nicht nur plattdeutsch spricht, sondern auch noch platt­deutsch denkt, hat die Verpflichtung zu verhindern, daß der alte Wortschatz des Plattdeutschen endgültig verlorengeht.

Wir wissen heute, daß wir selber dazu beigetragen haben, den Wert unserer Mut­tersprache zu schmälern, weil wir uns schämten, wenn wir uns dabei ertappten, daß wir in der Öffentlichkeit platt sprachen. Dr. Fort, akademischer Oberrat und Leiter der Arbeitsstelle Friesisch/Ostfriesisch und Niederdeutsch im Bibliotheks-und Informationssystem der Universität Oldenburg, hat folgendes sehr treffend formuliert: „Protes du engelsk, büss du nen Gentleman. Protes du franzöösk, büss du nen Diplomat. Protes du platt, dann häss du diene Föite nich wasket.” So wur­de der Plattdeutsche eingestuft, und es ging jahrelang bergab mit unserer Mutter­sprache, bis man sich eines Tages daran erinnerte, daß diese Sprache ein Stück Kul­turgut ist. Daß es höchste Zeit wird, dieses schöne Erbe vor dem Vergessen und vor dem Untergang zu bewahren.

Wir sind die letzte Generation, die das Plattdeutsche von Kindesbeinen an spricht. Der echte Plattdeutsche hängt an seiner Muttersprache. Es ist ein Stück seiner selbst. Zum Glück gibt es Menschen, die darüber nachgedacht haben, um dann mit Hilfe von Heimatvereinen und ähnlichen Verbänden Initiativen zu entwickeln, das Schlimmste zu verhindern. Es ist erfreulich, daß auch in den Medien das Platt­deutsche wieder veröffentlicht und gefördert wird. Der beste Garant für die Erhal­tung unseres plattdeutschen Sprachschatzes ist nach meiner Ansicht die Schule. Deshalb ist mit Genugtuung festzustellen, daß es in der heutigen Zeit möglich ist, den Plattdeutsch-Unterricht durch Lesewettbewerbe und ähnliches zu fördern. Es muß den Schülern klargemacht werden, daß das Plattdeutsche eine Sprache mit historischem Wert ist.

Die Erfahrung, daß Plattdeutsch auch völkerverbindend sein kann, machte ich per­sönlich im letzten Krieg als” Soldat in Holland. Unsere Einheit war eingeschlossen, und der Hunger war ein schlimmer Feind. An der Küste waren alle Zivilisten eva­kuiert, nur in den Städten gab es Zentralküchen für die Bevölkerung. Auf Platt­deutsch konnte ich mich sehr gut mit den Holländern verständlich machen. Mei­ne Kameraden waren zum größten Teil Österreicher, die kein Wort von meiner Un­terhaltung mit den Holländern verstanden. Sie staunten nur darüber, daß ich ab und zu mit einem gefüllten Kochgeschirr in die Stellung kam.

Die plattdeutsche Sprache wird wohl nie mehr Umgangssprache sein. Seinen Stel­lenwert behält das Plattdeutsche jedoch unter plattsprechenden Menschen, weil dadurch ein beglückendes Gefühl der Zusammengehörigkeit entsteht. Man sollte deshalb besonders in typisch plattdeutschen Regionen, wie zum Beispiel im Emsland, darauf bedacht sein, das hohe Kulturgut, die Muttersprache, zu pflegen und  zu erhalten. Es ist lange her, daß das Plattdeutsche vom Hochdeutschen verdrängt wurde. Allein der historische Wert dieser Sprache rechtfertigt es, sich um ihren Er­halt zu bemühen. Menschen, die diese Sprache noch beherrschen, sollten dafür Sorge tragen, sie durch aktive Anwendung an die Nachkommen zu vermitteln. Das gesprochene Wort allein kann die Klangfarbe einer Sprache unverfälscht mitteilen. Eine Generation, die nicht nur plattdeutsch spricht, sondern auch noch platt­deutsch denkt, hat die Verpflichtung zu verhindern, daß der alte Wortschatz des Plattdeutschen endgültig verlorengeht.

 

Hermann Olthuis

Geistiges Wurzelgefühl

An meine erste Begegnung mit der plattdeutschen Spra­che kann ich mich zwar nicht erinnern, aber genau da­tieren kann ich sie: Es war der 12. März 1930, als ich in Thesingfeld, heute Neuenhaus/Grasdorf, das Licht der Welt erblicken durfte. Ich bin sicher, daß meine Mutter mich plattdeutsch willkommen geheißen hat. In der Fa­milie, in die hinein ich geboren wurde, wurde aus­schließlich plattdeutsch gesprochen. Somit ist dies im wahrsten Sinne des Wortes meine Muttersprache, und – um es gleich zu sagen – sie ist es bis heute geblieben.

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Die erste Begegnung mit der hochdeutschen Sprache erlebte ich bei meiner Ein­schulung 1936 in die zweiklassige Volksschule in Grasdorf. Besondere Schwierig­keiten beim Erlernen dieser ersten „Fremdsprache” – dem Hochdeutschen – sind mir nicht bewußt geworden, zumindest nicht in Erinnerung geblieben. Gewiß ha­ben dazu in nicht geringem Maße meine Volksschullehrer Herr Götting (1. Schul­jahr), Frau Hargens-Klotz (2. bis 4. Schuljahr) und Herr Vennebrügge (5. bis 8. Schuljahr) durch ihr Verständnis für plattdeutsch sprechende Kinder beigetragen.

So wuchsen wir zweisprachig auf: Neben dem Hochdeutschen im Unterricht wur­de in den Pausen und auf dem Schulweg sowie zu Hause nur plattdeutsch gespro­chen. Und ich habe nie den Eindruck bekommen, daß das Plattdeutsche dem schu­lischen Weiterkommen, auch nicht im Deutschunterricht, abträglich gewesen ist. Durch seine zum Teil recht plastische Ausdrucksmöglichkeit mag es sich sogar manchmal förderlich ausgewirkt haben.

Nach der achtjährigen Volksschulzeit blieb Plattdeutsch für mich weiter die Regel­sprache, zumal ich bis zum 19. Lebensjahr auf dem landwirtschaftlichen Hof tätig war. Konfirmandenunterricht, Berufsschulunterricht und Orgelkurse bildeten eini­ge Inseln für das Hochdeutsche. Selbst im kirchlichen Jugendverein war der Ge­brauch des Plattdeutschen üblich. Das gleiche galt im von mir erteilten Harmo­nium- und Orgelunterricht sowie in einigen Singkreisen, die mir eine erste be­scheidene finanzielle Grundlage für meinen späteren Besuch einer Privatschule und des Abendgymnasiums erbrachten.

Während der Vorbereitungszeit auf das Abitur und des Studiums an der Pädagogi­schen Akademie trat naturgemäß der Gebrauch des Plattdeutschen in den Hinter­grund. Nicht unerwähnt aber bleiben soll, daß ich zu keiner Zeit mit meinen El­tern, Geschwistern und näheren Verwandten hochdeutsch gesprochen habe. Wo sich nur eben Nischen für das Plattdeutsche ergaben, wurden sie genutzt. In der schriftlichen Kommunikation allerdings bedienten wir uns des Hochdeutschen, was zuweilen sogar etwas seltsam anmutete.

Im übrigen verursachten notwendige, plötzliche Wechsel vom Plattdeutschen aufs Hochdeutsche keine Schwierigkeiten mehr, sie vollzogen sich quasi unbewußt. Und sollte es denn auch schaden, wenn einem einmal beim Hochdeutschen ein plattdeutscher „Ausrutscher” unterlief? Mein verehrter Deutschlehrer am Abend­gymnasium mußte wohl ein feines Gespür für meine Zweisprachigkeit haben, als er meinen ersten Klassenaufsatz mit folgender Bemerkung kommentierte: „Man merkt es Ihrem Aufsatz an, wie Ihre Vorfahren mit geruhsamem Blut durch ihre Äcker gezogen sind.”

Nach der beruflichen Ausbildung blieb im privaten Bereich das Plattdeutsche vor­herrschend. Meine Frau, in Uelsen geboren, sprach plattdeutsch wie ich. Wir ha­ben nie – bis zum heutigen Tage – die Schwelle zur hochdeutschen Kommunika­tion untereinander übertreten können. Bei einem gelegentlichen Anlauf, uns im Hochdeutschen miteinander zu versuchen, meinten unsere Kinder: „Nein, nein, nein, sprecht bloß plattdeutsch miteinander, das klingt sonst so komisch.”

Mit den Kindern sprachen wir hochdeutsch. Warum? Es war wohl eine Mode­erscheinung. Sie verstehen heute plattdeutsch, sprechen es weniger. Wie unsere Kinder es bei uns unnatürlich finden, so seltsam mutet es meiner Frau und mir an, wenn frühere Freunde und Bekannte, die wie wir mit dem Plattdeutschen aufge­wachsen sind, heute meinen, untereinander oder mit uns hochdeutsch reden zu müssen beziehungsweise ihrem Plattdeutsch möglichst viele hochdeutsche Rede­wendungen beimischen zu müssen.

Für mich ist Plattdeutsch zwar keine starre Sprache, sie ermöglicht viele Variatio­nen, aber Plattdeutsch muß im wesentlichen Plattdeutsch bleiben. Es ist sicher schade, daß es eine einheitliche und eindeutige Schriftsprache im Plattdeutschen nur in Ansätzen gibt. Sie würde wahrscheinlich dem Erhalt und der Förderung des Plattdeutschen zugute kommen.

In der Ausübung meiner beruflichen Tätigkeit als Lehrer und auch als Schulrat ist mir das Plattdeutsche nicht selten von Nutzen gewesen. Ging es um Kontakte mit plattdeutsch sprechenden Eltern, so war es mir in der Regel eine Selbstverständ­lichkeit, mit ihnen plattdeutsch zu reden. Die Hemmschwelle zu gegenseitigem Verstehen war dadurch wesentlich niedriger. Oft meinten meine Gesprächspart­ner: „Wat, Ij könnt ok platt?”

Bei einem Besuch in einer Aussiedlerfamilie aus Kasachstan anläßlich einer Über­weisung ihres Kindes in die Sonderschule stellten wir durch Zufall fest, daß wir über eine gemeinsame Muttersprache verfügten: Plattdeutsch. Diese Familie hatte sie über Jahrhunderte hinweg beibehalten. Wir bedienten uns nun weiterhin des Plattdeutschen, wenn auch ein wenig verschieden akzentuiert

Enorm wichtig war es mir, plattdeutsch sprechen zu können, wenn Erstklässler aus dem ländlichen Raum eingeschult und in der ersten Zeit unterrichtet wurden. Am ersten Schultag pflegte ich den Neulingen im Beisein ihrer Eltern immer eine Geschichte zu erzählen, natürlich eine hochdeutsche. Diesmal hatte ich mich in der kleinen Landschule für die Geschichte „Vom dicken, fetten Pfannkuchen” ent­schieden. Auf meine Frage an B. in Plattdeutsch: „Wees du dann ok, wat nen Pfannkuchen is?” antwortete er mir: „Nee”. Ich fragte weiter: „Wees du dann, wat nen Pannekoken ist?”, und er meinte prompt: Joawa!” B. hatte verstanden, und was noch mehr bedeutete: Er fühlte sich verstanden.

Als Jury-Mitglied bei plattdeutschen Lesewettbewerben erlebte ich vielerlei Varia­tionen des Plattdeutschen. Es war in der Regel wohl auch festzustellen, ob eine Schülerin beziehungsweise ein Schüler von Haus aus platt spricht oder ob es eigens für den Wettbewerb erlernt war. Das sollte bei der Bewertung keine Rolle spielen. Ich habe alle Achtung vor Menschen von außerhalb, die sich in der neuen Heimat bemühen, diese hier gesprochene Heimatsprache zu erlernen, ohne ihre ursprüng­liche aufzugeben. Jede Heimat – möge jeder Mensch eine haben! – hat ihre Heimat­sprache. Sie hilft, Heimat zu erwerben und zu erschließen. Und: „Heimat ist geisti­ges Wurzelgefühl” I.E. Spranger)

Jan Mülstegen

Platt hilft heilen

Hochdeutsch ist die Amts- und Schriftsprache Deutsch­lands. Platt- oder Niederdeutsch kann und will neben der Hochsprache nicht zweite Amtssprache sein. Sie ist altes Kulturgut von hohem Wert. Für mich ist Platt­deutsch die Muttersprache, es ist die Sprache, in der ich lebe und denke. Hochdeutsch dagegen ist für mich nur ein Mittel zur Verständigung.

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In der kleinen Landgemeinde Haftenkamp in der Graf­schaft Bentheim wuchs ich auf. In der Familie und mit allen Menschen, mit denen wir täglich zu tun hatten, wurde plattdeutsch gesprochen. Die bäuerliche Bevölkerung beherrschte die Sprache in jener Zeit noch perfekt.

Vier Jahre besuchte ich in Haftenkamp die einklassige Volksschule. Es war selbst­verständlich, daß unter uns Kindern die Kommunikation hier in der für uns so ver­trauten Mundart stattfand. In den Pausen sprach auch der Lehrer ganz unge­zwungen mit uns platt. Er hielt sogar seine ersten Unterrichtsstunden mit den Schulanfängern in dieser Sprache.

Diese Situation änderte sich keineswegs, als nach dem Kriege die vielen Flücht­lingskinder zu uns kamen. Auch mit ihnen sprachen wir in unserer Mutterspra­che. Für die Schüler aus Ostpreußen oder Pommern mögen unsere Worte unge­wohnt geklungen haben, aber so ganz fremd war den meisten das Niederdeutsche nicht. Die Mundart ihrer Heimat war auch plattdeutsch gewesen. Diese behielten sie im Umgang mit ihren Eltern bei, aber mit uns Einheimischen sprachen sie recht bald unseren hiesigen Dialekt. Heute sprechen diese ehemaligen Flüchtlingskinder neben dem Hochdeutschen ein akzentfreies Grafschafter Platt. Die Sprachei­gentümlichkeit ihrer ostdeutschen Heimat ist jedoch zumeist verlorengegangen.

In meinem über 40jährigen Berufsleben als Krankenpfleger hatte ich ständig mit Menschen aus allen Schichten und den verschiedenen Altersgruppen zu tun. Im Umgang mit ihnen gewann ich in all den Jahren enorme Erkenntnisse im Sprach­verhalten der Bevölkerung. Als Plattsprecher richtete ich natürlich ein besonderes Augenmerk darauf, wie die Menschen mit dem Plattdeutschen umgingen.

In der Ausbildungszeit Ende der 50er Jahre stand bei der Schul- und Kranken­hausleitung das Plattdeutsche nicht besonders hoch im Ansehen. Es wurde uns Krankenpflegeschülern nahegelegt, der Berufsethik wegen, sich das Plattdeutsche als „unfein” abzugewöhnen. Wir nahmen dies zur Kenntnis, taten es aber nicht. Es war auch überhaupt nicht möglich, denn es gab immerhin mehr Plattsprecher als hochdeutsch sprechende Menschen. Auch wir Schüler unterhielten uns in Platt. Hochdeutsch geführte Gespräche unter „Plattproatern” wären damals als Albern­heit empfunden worden.

In den 60er Jahren wurde es „schick”, hochdeutsch zu sprechen. Ohne Druck von oben wandelte sich das Sprachverhalten der Kolleginnen und Kollegen. Besonders die jüngeren Mitarbeiter waren anfällig für das Hochdeutsche. Diese Wandlung war in der gesamten Bevölkerung zu beobachten. Es war die Zeit, in der merklich weniger niederdeutsch gesprochen wurde und die Eltern mit ihren Kindern nur noch hochdeutsch sprachen.

Plattdeutsch sprechende Menschen begannen nun, eine Spräche zu sprechen, die sie nicht richtig beherrschten, und brachten dabei eigenartige Wort- und Satzbil­dungen hervor: „Ich habe meine Tabletten verloren gekriegt.” – „Mit tut das ganze Leben (gemeint: Lichaam = Körper) weh.” – „Heute werden sie von mir entbun­den.” (Ich werde heute entlassen.) – „Du hast dich gut gehabt.” (Du hast dich gut erholt.) „Die Teine (Zehe) drücken so.”

Die 70er Jahre waren schlimm für das Niederdeutsche, es unterlag dem Hoch­deutschen gänzlich. Nur die wenigsten Menschen waren noch bereit, platt zu sprechen. Ja, Plattsprecher wurden sogar ausgelacht, gehänselt und als dumm und nicht bildungsfähig abgetan.

Dann kamen endlich die 80er Jahre mit der Besinnung auf verlorene Werte. Es bil­deten sich Plattproater- und Schriewerkringe, Platt wurde für viele Menschen Feierabendsprache, und am Arbeitsplatz hieß es oft: „Oh, du sprichst platt, das möchte ich auch können!” Diese erfreuliche Entwicklung blieb bis auf den heuti­gen Tag erhalten.

Ich konnte allen Anfechtungen, denen meine Muttersprache ausgesetzt war, wi­derstehen. Ganz bewußt begann ich diese alte Sprache zu pflegen und machte sie sogar zu meinem Hobby. Jahrelang habe ich selten gewordene Wörter, Redewen­dungen und Sprichwörter gesammelt. Dabei kam mir zugute, daß ich täglich mit vielen Menschen zu tun hatte, die mich, oft ohne daß sie es wahrnahmen, dabei unterstützten. Besonders die Älteren unter ihnen, die vielfach noch ein unver­fälschtes Platt sprachen, boten sich als eine unerschöpfliche Quelle an. Außerdem interessierten mich Ursprung, Entwicklung und die verwandten Sprachen des Nie­derdeutschen. Um meinen Wissensdurst zu stillen, habe ich im Selbststudium sehr interessante Erkenntnisse gewonnen.

Die Pflege des kranken Menschen ist ein ernstes und wichtiges Kapitel in der So­zialarbeit. Sie erfordert seitens der Krankenschwester und des -pflegers ein hohes Maß an menschlicher Wärme und Einfühlungsvermögen. Hier zeigt sich immer wieder, wie wichtig und hilfreich die plattdeutsche Sprache sein kann. Es ist nicht übertrieben, wenn ich behaupte, daß Platt zur Heilung bei platt sprechenden Pa­tienten beiträgt. Platt beruhigt, nimmt Ängste, birgt Vertrauen in sich, macht ge­sprächsbereit und gibt oft wieder Lebensmut.

Einen Vorgang möchte ich als Beispiel anführen. Herr W., ein schon ziemlich be­tagter Patient, kam zu mir auf die Intensivstation. Er hatte schon seit Tagen auf ei­ner Normalstation unseres Krankenhauses gelegen. Eingeliefert worden war er mit Rhythmusstörungen. In der fremden Krankenhausatmosphäre war ein Durch­gangssyndrom hinzugekommen. Dadurch hatte sich der Zustand des Patienten sehr verschlechtert.

Ich nahm Herrn W. in Empfang. An Hand von Vor- und Familienname, Alter und Herkunft stufte ich ihn sofort als „Plattproater” ein. Zum Glück verfügte ich über etwas Zeit und konnte mich eingehend mit meinem neuen Patienten beschäftigen. Ich setzte mich zu ihm ans Bett und führte ein langes Gespräch mit ihm – in Platt natürlich. Noch im Laufe der Unterhaltung klarte Herr W. auf und begann zu er­zählen. Ich gewann recht bald den Eindruck, daß seine Ausführungen auf sicherer Grundlage ruhten. Sein Herzschlag normalisierte sich merklich, so daß ich zur Abendvisite dem Arzt einen deutlich gebesserten Patienten vorstellen konnte. Am nächsten Tag war eine Intensivüberwachung nicht mehr nötig, Herr W. konnte auf die Normalstation zurückverlegt werden. Ohne zusätzliche Medikation war dieser Vorgang abgelaufen.

Auch im Umgang mit Angehörigen und Besuchern ist Plattdeutsch oft sehr sinn­voll. Man kann in dieser Sprache mit derselben Selbstverständlichkeit wie im Hochdeutschen trösten, Auskunft, Zuspruch und Hoffnung geben.

Es ist aber nicht so, daß ich alleine in unserem Krankenhaus platt spreche. Ich schätze, daß etwa die Hälfte des Personals plattdeutsch spricht. Verstehen können diese Sprache wohl an die 80 oder 90 Prozent, ohne Unterschied ob Pflegeperso­nal, ärztliches, medizinisch-technisches oder Verwaltungspersonal. Ein Unter­schied zwischen älteren oder jüngeren Mitarbeitern ist nicht zu beobachten. Natürlich kommen diese Menschen nicht alle aus dem hiesigen Raum. Sie stam­men aber überwiegend aus dem niederdeutschen Sprachgebiet.

Auch wenn die hochdeutsche Sprache das Platt unaufhaltsam zurückdrängt, so ist doch zu beobachten, daß das Interesse an dieser Sprache zur Zeit wieder zunimmt. Allerdings hat es eine Verlagerung gegeben. Menschen mit höherer Schulbildung legen mehr Wert auf die Erhaltung der Sprache als weniger gebildete.

Weiter ist zu beobachten, daß jüngere Plattproater selten ein Gespräch in Platt be­ginnen. Sie wechseln erst allmählich, nachdem sie merken, daß ihr Gesprächs­partner ebenfalls des Plattdeutschen kundig ist, in die niederdeutsche Sprache über. Bekannt ist, daß Frauen weniger Mut zum Plattdeutschen haben als Männer. In Plattdeutsch gehen die Menschen ungezwungener aufeinander zu. Leicht geschieht es, daß sie kumpelhaft werden und den völlig fremden Gesprächspartner unvermittelt duzen.

Leider sehen viele Zeitgenossen in der ältesten Sprache Deutschlands kein pflege­bedürftiges Kulturgut, sondern nur ein Kauderwelsch für derb-deftige Witze. Im Gegensatz zum Hochdeutschen ist Plattdeutsch mittlerweile fast nur noch die Sprache der privaten Situation. Dennoch wäre es auch heute noch möglich, in Plattdeutsch dienstliche Gespräche zu führen, ohne ein hochdeutsches Wort zu Hilfe zu nehmen – nicht nur in Krankenhäusern. Natürlich wären gelegentliche Umschreibungen erforderlich, dies ist jedoch in allen Sprachen so. Und die vielen Fremdwörter, die sich ins Hochdeutsche eingeschlichen haben, müßten wie dort angewandt werden. Dazu wird es nie kommen, denn kaum jemand kennt noch den umfangreichen Wortschatz und die Grammatik des Niederdeutschen.

Ständig beobachte ich, wie das Plattdeutsche unaufhörlich verhochdeutscht wird. Immer mehr Ausdrücke verschwinden. Selten höre ich noch: „De Dokter kunn niks finnen.” Man sagt heute: „De Dokter kunn niks fastestellen.” Oder: „De Fie-bermetter is dalefallen.” Heute heißt es: „Dat Thermometer ist runnerfallen.” Die Wörter „finnen”, „Fiellermetter” und „dalefallen” werden gegen „fastestellen”, ‚Thermometer” und „runnerfallen” eingetauscht.

Es wird in Zukunft so weitergehen, daß das Platt immer weiter grammatikalisch und im Wortschatz verhochdeutscht wird. Diese Entwicklung ist nicht aufzuhal­ten, sie wird noch beschleunigt. Sie führt dahin, daß das Niederdeutsche völlig in die Hochsprache aufgehen wird. Dieser Zeitpunkt wird in spätestens 50 Jahren er­reicht sein.

Walter Remmers

Der Effekt der Nähe

Aufgewachsen bin ich in Papenburg an der Wiek in ei­ner gemischtsprachigen Familie. Wir lebten zusammen mit Großmutter, lediger Tante und natürlich den Eltern und drei Geschwistern. Die Wiek, die in Papenburg zwischen dem Untenende und dem Obenende lag, war auch als Straße ein sprachliches Mischgebiet. Es wurde plattdeutsch gesprochen und selbstverständlich auch verstanden, aber es gab ganz wesentliche Hochdeutsch-anteile. In unserem Elternhaus bemühten sich die El­tern, die untereinander und mit der Großmutter platt­deutsch sprachen, mit uns Kindern hochdeutsch zu sprechen, schon um uns auf die hochdeutsche Schule vorzubereiten.

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Wenn ich es in Prozenten ausdrücken sollte, war unser Sprachwissen im Ergebnis in Kombination Schule, Le-bensi«. Straße und Familie 60 Prozent hochdeutsch und 40 Prozent platt­deutsch. Mit dieser Mischung kamen wir allerdings in der zum Obenende stärker plattdeutsch sortierten Gesellschaft durchaus gut klar. Wenn man das Erlebnis in Familie, Lebensraum Straße und Schule als die erste Begegnung bezeichnen will, war für mich die zweite Begegnung mit dem Plattdeutschen meine Tätigkeit als Hilfsarbeiter auf der Meyer-Werft in Papenburg. Unmittelbar nach dem Abitur er­hielt ich die Gelegenheit, dort zu arbeiten und so die finanziellen Voraussetzun­gen für ein Studium zu schaffen. Hier geriet ich nun allerdings in eine rein platt­deutsche Welt. Plattdeutsch war die einzig akzeptierte Umgangssprache unter den Schiffbauern und deren Gehilfen. Ich erinnere mich noch sehr genau an ein Er­lebnis, bei dem ich mit einem früheren Schulkameraden, der nach dem Einjähri­gen abgegangen war und Schiffbauer gelernt hatte, mich hochdeutsch unterhielt. In diese Situation kam ein anderer Schiffbauer, der in meiner Gegenwart wieder­um plattdeutsch meinen Freund fragte: „Sech erst, is dat’n Flüchtling, of woarum prot de nich platt?”

Diese stringente Sprachlinie wurde so weit durchgehalten, daß selbst die aus dem Osten vertriebenen Sachsen und Schlesier sich über kurze Zeit bemühten, platt­deutsch zu sprechen – mit manchmal durchaus humoristischem Einschlag. Was natürlich den Mecklenburgern und Pommern, ja selbst den Ostpreußen sehr viel leichter fiel, wirkte – wie man sich vorstellen kann – bei gestandenen Sachsen et­was eigenartig. Neben der Tatsache, daß meine Tätigkeit als Schiffbauhilfsarbeiter, die ich über mehrere Semesterferien von 1954 bis 1958 ausübte, mir auch sehr viel andere Lebensweisheiten vermittelt hat, ist es doch so, daß ich behaupten möchte, meine eigentliche plattdeutsche Schule war die Arbeit in diesem Umfeld, wobei allerdings ein reines Papenburger Plattdeutsch nicht entstehen konnte, denn auf der Werft mischten sich natürlich starke ostfriesische Elemente in die plattdeutsche Sprache ein. Schließlich verteilte sich die Beschäftigtenzahl etwa 50 zu 50 auf das Emsland und Ostfriesland.

Zuvor allerdings war der Sinn für das Plattdeutsche auf dem Gymnasium durchaus geschärft worden. Der Priester und Studienrat Helming, der uns in Biologie und Religion unterrichtete, hatte ein sehr enges Verhältnis zum Plattdeutschen und sammelte plattdeutsche Übersetzungen großer Balladen. So habe ich noch gut in Erinnerung, daß er uns mit der „Bürgschaft”, die in voller Länge ins Plattdeutsche übertragen wurde, viel Interesse abgewonnen hat. Er war es auch, der uns vertraut machte mit den plattdeutschen Geschichten des Hümmlings mit „Geerd sin Post-kontoor„ und einer Geschichte „Die Mergelkuhle”, bei der ich allerdings den Ver­fasser nicht mehr weiß.

Zurück zur Werft: Das Sprechen des Plattdeutschen wurde hier so weit fortgebil­det, daß es zur völlig natürlichen zweiten Sprache wurde und später auch häufig eingesetzt werden konnte.

Die dritte Begegnung mit dem Plattdeutschen fand dann statt im Richterberuf. Nach einer einjährigen Tätigkeit in Hannover als junger Staatsanwalt wurde ich an das Landgericht Aurich und später an die Amtsgerichte Weener und Leer versetzt und arbeitete dort insgesamt gut zwei Jahre. In dieser Zeit habe ich erlebt, wie le­bendig das Plattdeutsche insbesondere im ostfriesischen und Leeraner Bereich war. Es war ein großer Vorteil, wenn man wortkarge Zeugen darauf hinweisen konnte, daß sie ihre Aussage auch im Plattdeutschen wachen konnten. Es stellte sich dann heraus, daß viele sehr differenzierte Sachverhalte mit hoher Präzision im Plattdeutschen formuliert und geschildert werden konnten, und es entstand, wie es überhaupt im Miteinander in der plattdeutschen Sprache ist, eine gewisse glei­che Ebene. Wo man im Hochdeutschen eine Distanz zwischen dem Zeugen und dem Gericht verspürt hatte, ergab sich nunmehr im Plattdeutschen eine Gleich­stellung der sprechenden Personen, die nur mit der direkteren Art des Ausdrucks – jedenfalls teilweise – erklärt werden kann. Insofern war es für die „Wahrheitsfin­dung” sehr hilfreich, daß man mit den Parteien und Zeugen auf diese Gesprächs­ebene kommen konnte.

Die vierte intensive Begegnung geschah dann im weiteren Berufsleben. Nachdem ich in Papenburg Richter geworden war, habe ich nebenher mit der Politik etwas begonnen und mich zunächst um die kommunalen Belange gekümmert. Die Ar­beit in den kommunalen Vertretungsorganen, insbesondere im Kreistag, bei denen man dann wieder mit den Vertretern des ländlichen Bereichs stärker in Verbin­dung kam, war wesentlich dadurch bestimmt, daß wir politische Debatten tatsäch­lich in der plattdeutschen Sprache abwickeln konnten – und das bis in die neunzi­ger Jahre. Hier erwies sich das Plattdeutsche insoweit als sehr hilfreich, als dieser Effekt der Nähe, den ich bereits in meiner gerichtlichen Tätigkeit in Ostfriesland festgestellt hatte, wieder eintrat und zudem sich herausstellte, daß auch harte Aus­einandersetzungen, wenn sie in der plattdeutschen Sprache geführt wurden, nicht so sehr leicht in eine Situation der Verletztheit abgleiten konnten. Wir waren tatsächlich in der Lage, uns völlig unterschiedliche Standpunkte im Plattdeutschen sehr viel deutlicher gegenseitig mitzuteilen, um sie dann weiter zu einem Kom­promiß zu verarbeiten.

Wenn ich aus meinen Erfahrungen mit dem Plattdeutschen, das ich heute noch gerne auch in meinem Beruf als Anwalt pflege, ein Resümee ziehen sollte, so wür­de ich mir tatsächlich wünschen, daß diese – wie ich finde – wunderschöne Spra­che nicht verschwindet. Wenn ich jedoch die Entwicklung auch in meiner eigenen Familie sehe, bin ich, was das Überleben des Plattdeutschen angeht, nicht so sehr kurzfristig, aber schon mittelfristig in großer Sorge.

Gerhard Raming-Freesen

Hilfe aus Brüssel

In meinem Elternhaus in Oberlangen wurde nur platt­deutsch gesprochen, und zwar nicht nur innerhalb der Familie, sondern auch mit allen, die auf unserem land­wirtschaftlichen Betrieb arbeiteten. Die Heuerleute, die Knechte und die Mägde kamen ja alle aus der hiesigen Gegend. Deshalb sprachen sie wie die ganze Nachbar­schaft und das ganze Dorf unser emsländisches Platt.

Erst als wir in die Volksschule kamen, lernten wir, hochdeutsch zu sprechen und zu schreiben. Im ersten Schuljahr mußte der Lehrer noch manchmal als Dol­metscher einspringen, doch bald waren die Schwierig­keiten überwunden, und unsere eigentliche Mutter­sprache hat uns später keine schulischen Nachteile mehr gebracht.

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.Nach Kriegsbeginn suchten viele Niederländer aus dem Raume Ter Apel Arbeit in Deutschland. Sie galten als Spezialisten für das Anlegen der Gräben von Hand und wurden wegen ihrer exakten Arbeitsweise gerne eingestellt. Da sie Groninger Platt sprachen, das unserer Heimatsprache außerordentlich ähnlich ist, war die sprachliche Verständigung kein Problem. Interessant war es auch für uns Kinder, wenn in den folgenden Jahren der dienstverpflichtete Pole, der schon länger bei uns auf dem Hofe beschäftigt war und unser Plattdeutsch einigermaßen be­herrschte, sich mit den französischen Kriegsgefangenen in dieser Sprache unter­hielt. Wenn die Worte nicht reichten, nahm man Hände und Füße zur Hilfe, und wir Kinder freuten uns, wenn wir bei fehlenden Worten behilflich sein konnten.

Als Soldat hatte ich mit Menschen aus allen Teilen Deutschlands zu tun. Dabei ha­be ich die Erfahrung gemacht, daß die niederdeutsche Sprache doch eine schnel­lere persönliche Verbindung herstellt. Hörte man die vertrauten Klänge der hei­matlichen Sprache, war schnell Vertrauen geschaffen, und alle Vorbehalte waren verschwunden. Für mich war es auch erstaunlich, wie schnell die Kinder der Flüchtlinge, die nach dem Kriege in unserem Dorf wohnten, das Plattdeutsche er­lernten. Aus welcher Gegend sie auch in das Emsland verschlagen worden waren, in der Sprache gab es bei den Kindern bald keinen Unterschied mehr.

Gern erinnere ich mich an die Weltausstellung 1958 in Brüssel. Zur Ausstellungs­zeit war es sehr schwer, in der Stadt eine Übernachtungsmöglichkeit zu finden. Wir waren vier Emsländer und steuerten mit unserem Auto einen der Riesen­parkplätze an, und wir hatten großes Glück. Es gelang uns nicht nur, einen Park­platz zu finden, sondern der Chef des Platzes bot uns sogar eine Übernachtungs­möglichkeit bei sich zu Hause an. In seinem rheinländisch gefärbtem Deutsch

schlug er uns vor, nach 22 Uhr mit ihm zu seiner Wohnung zu fahren. Unterwegs habe er allerdings noch die Tageseinnahmen abzuliefern, was ungefähr 15 Minu­ten dauern würde.

Zu unserem großen Erstaunen stieg er dann nach Feierabend ganz unbekümmert mit seinem Geldkoffer zu uns vier Fremden in den VW. Vertraute er uns, weil ihm unsere Sprache vertraut vorkam? Denn als wir uns beim Abendessen auch wei­terhin auf Platt unterhielten, waren wir noch mehr erstaunt, daß seine Frau uns verstehen konnte und mit uns lachte und diskutierte. Sie kam gebürtig aus Flan­dern, und so gab es keine Verständigungsschwierigkeiten. Als wir uns dann bei unserer Abreise mit einem Präsent von ihr in unserer und ihrer Heimatsprache ver­abschiedeten und uns für die freundliche Aufnahme und hervorragende Bewir­tung bedankten, hat sie sich riesig gefreut.

Während meiner langjährigen politischen Tätigkeit hatte ich viel mit Vertretern von Behörden und Dienststellen zu tun. Gefreut habe ich mich immer, wenn ich meine Anliegen – auch in den Jahren, als die heimische Sprache eher verpönt war – in emsländischem Platt vortragen konnte. Das wirkte sich oft positiv aus. Manch­mal beneideten mich geradezu andere Abgeordnete, weil ich mit meinem Platt un­angenehme Dinge sehr deutlich sagen konnte, ohne daß mir das übel genommen wurde. Besonders in ländlichen Gegenden sind ja auch heute noch viele platt­deutsche Redewendungen und Sprichwörter im täglichen Sprachgebrauch.

Wenn der in Niederlangen geborene und 1960 in Freiburg gestorbene Kirchen­rechtler Professor Dr. theol. Nikolaus Hilling in seinem Geburtsort weilte und sich mit jungen Leuten unterhielt, war er oft erbost darüber, daß sie manche der ural­ten plattdeutschen Ausdrücke nicht mehr kannten. Er legte großen Wert darauf, daß seine Muttersprache in der ganzen Bandbreite erhalten blieb. Vielleicht waren ihm auch alte sprachliche Wendungen noch vertraut, weil sich auf dem Einzelhof Hilling gewisse Ausdrucksformen länger erhalten hatten.

Hinweisen möchte ich noch auf emsländische Dichter, Erzähler und Lyriker, die oft auch in plattdeutscher Sprache auf die landschaftlichen Schönheiten des Emslan-des, das besinnliche Wesen der Bewohner, auf Heimatliebe, Sitten und Gebräuche in heimischer Eigenart aufmerksam gemacht haben. Die Pflege unserer plattdeut­schen Muttersprache ist sehr geeignet, das kulturelle Leben unserer ländlichen Be­völkerung in hohem Maße zu bereichern und die Menschen mit ihrer Heimat zu verbinden. Allein diese Aufzeichnungen sind Grund genug, „use Platt nich ver-kaomen tau laoten”.

Dr. Werner Remmers

Helmut Kohl hat’s gemerkt

Mit dem Plattdeutschen war das bei uns zuhause in Pa­genburg so eine Sache. Als Kind wußte ich bald, daß meine Eltern dann und wann untereinander, aber mehr noch mit der bei uns auch in der Familie lebenden Oma platt sprachen. Auch mit manchen Nachbarn wurde über die Hecke hinweg plattdeutsch gesprochen.

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Münster lernte ich die Abweichungen kennen, die mir natürlich auch schon im Emsland von Dorf zu Dorf aufgefallen waren: „Karke, Kärke, Kirke usw.” Ich kam auch immer wieder mit Menschen zusammen, die die plattdeutsche Sprache lieb­ten, und mit denen ich mich über das Plattdeutsche austauschen und unterhalten konnte.

Am 1. April 1962 kam ich dann wieder ins Emsland und übernahm die Aufgabe, in Holthausen bei Lingen das Ludwig-Windthorst-Haus aufzubauen. Nun lebte die plattdeutsche Sprache bei mir geradezu auf. Da ich auch Bauleiter spielen mußte, kam mir das Plattdeutsch sehr zu Hilfe, denn auf der Baustelle wäre ich sehr viel schlechter zurechtgekommen als mit Plattdeutsch. Von allen Seiten war ich sehr viel schneller akzeptiert. Ich war immer dazwischen, ich konnte mich verständlich machen und verstand auch alles sehr viel besser.

Als ich dann wieder einige Jahre später in den Niedersächsischen Landtag gewählt wurde und zunächst einen nebenamtlichen und dann einen hauptamtlichen Chauffeur hatte, war ich glücklich darüber, daß ich immer einen Chauffeur hatte, der vorzüglich platt sprach. Auf unseren langen Fahrten sprachen wir vorherr­schend plattdeutsch miteinaLider. Auf diese Weise blieb mein Plattdeutsch-Spre­chen lebendig und konnte immer wieder verbessert und ergänzt werden.

Mir hat das Plattdeutsch-Sprechen sehr geholfen, mit Menschen in Kontakt zu kommen, und es hat mir geholfen, in meinem Sprechen und bei meinen Reden nicht zu kompliziert zu formulieren. Wer plattdeutsch spricht, formuliert anders, verständlicher, kürzer, prägnanter. Als mich einmal jemand fragte: „Wie machst du das eigentlich in deinen Reden, daß du immer mit konkreten Beispielen auch schwierige Zusammenhänge verständlich darlegen kannst?”, habe ich darauf ge­antwortet: „Das habe ich vom Plattdeutsch-Sprechen. Ich spreche nicht nur platt, ich denke auch platt.”

Außerdem gibt die plattdeutsche Sprache uns die Möglichkeit, manches zu sagen, was man auf Hochdeutsch nicht sagen könnte oder was im Hochdeutschen or­dinär klingen oder schnell verletzen würde. Als ich sieben Jahre hintereinander beim großen Oldenburger Grünkohlessen, das in Bonn veranstaltet wurde, die Re­de zur Inthronisation des jeweils neuen Grünkohlkönigs halten mußte, war eines Tages auch Helmut Kohl als neuer Grünkohlkönig dran. Bei diesen Reden mischte ich locker hochdeutsche und plattdeutsche Sätze. Da die Zuhörer längst nicht alle plattdeutsch verstanden, mußte ich zwischendurch auch als Dolmetscher fungie­ren und meine eigenen plattdeutschen Sätze übersetzen. Diese Überse:zertätigkeit leitete ich immer mit der Bemerkung ein: „Für die weniger Sprachbegabten sage ich es gleich auch noch einmal auf Hochdeutsch.” Helmut Kohl sagte nach einer solchen Rede zu Ernst Albrecht: „Wenn Remmers einem was unterjubeln will, spricht er immer plattdeutsch.” Da war was dran.

Meine plattdeutsche Sprache hat mir in vielen Lebenslagen geholfen und nicht zu­letzt Freude gemacht

Sonntags stand in aller Regel der Besuch bei „Oma Moor” an. Auch dort hörten wir die plattdeutsche Spra­che. Mit uns Kindern wurde aber ganz bewußt nicht plattdeutsch gesprochen. Dennoch lernte ich nach und nach die plattdeutsche Sprache durch Gespräche mit den Kindern auf der Straße, beim Spielen, auch in der Schule oder bei Mauers in der Nachbarschaft. Familie Mauer betrieb die Mühle in der Wiek. Der Mühlenberg, die Mühle, der Wagen­schuppen, das alles war für uns wie ein Abenteuerspielplatz, und dadurch kamen wir in Kontakt mit dem Mühlenknecht und der Familie Mauer, und dort wurde viel platt gesprochen.

Wenn ich dann zuhause meine nach und nach erlernten Plattdeutschkenntnisse anzuwenden versuchte, sagte meine Mutter: „Werner, sprich hochdeutsch.” Sie hatte Angst vor Nachteilen, die wir in der Schule haben könnten, wenn wir uns zu sehr an das Plattdeutsche gewöhnten. Später hörte ich auch von dem Gerücht, daß ein Schüler nach dem ersten Jahr auf dem Gymnasiums die Bemerkung unter dem Zeugnis gehabt haben soll: „Wegen des Plattdeutschen vorerst behindert.”

Aber ich lernte die plattdeutsche Sprache und ließ mich auch nicht davon abhal­ten.

Weil ich Hochdeutsch und Plattdeutsch nebeneinander lernte, gab es auch in der Schule keinerlei Schwierigkeiten. Im Deutschunterricht mußte ich sogar manch­mal unserer Deutschlehrerin erklären, was ein Mitschüler meinte, wenn er un­mittelbar vom Plattdeutschen ins Hochdeutsche übersetzte. Ich weiß noch, wie sie fragte: „Wie kommt ein Mitschüler darauf, zu schreiben: Sand läst weiß?” Ich konnte ihr dann erklären, daß es im Plattdeutschen heiße: „Sand let wit.” Oder sie wollte wissen, was ein „Dieselbaum” sei, und ich mußte ihr erläutern, daß es um die Deichsel ging.

Während meiner Studienzeit in Bonn und Münster hatte ich zwar wenig Gele­genheit, die plattdeutsche Sprache zu pflegen, aber ich verlernte sie auch nicht. In Münster lernte ich die Abweichungen kennen, die mir natürlich auch schon im Emsland von Dorf zu Dorf aufgefallen waren: „Karke, Kärke, Kirke usw.” Ich kam auch immer wieder mit Menschen zusammen, die die plattdeutsche Sprache lieb­ten, und mit denen ich mich über das Plattdeutsche austauschen und unterhalten konnte.

Am 1. April 1962 kam ich dann wieder ins Emsland und übernahm die Aufgabe, in Holthausen bei Lingen das Ludwig-Windthorst-Haus aufzubauen. Nun lebte die plattdeutsche Sprache bei mir geradezu auf. Da ich auch Bauleiter spielen mußte, kam mir das Plattdeutsch sehr zu Hilfe, denn auf der Baustelle wäre ich sehr viel schlechter zurechtgekommen als mit Plattdeutsch. Von allen Seiten war ich sehr viel schneller akzeptiert. Ich war immer dazwischen, ich konnte mich verständlich machen und verstand auch alles sehr viel besser.

Als ich dann wieder einige Jahre später in den Niedersächsischen Landtag gewählt wurde und zunächst einen nebenamtlichen und dann einen hauptamtlichen Chauffeur hatte, war ich glücklich darüber, daß ich immer einen Chauffeur hatte, der vorzüglich platt sprach. Auf unseren langen Fahrten sprachen wir vorherr­schend plattdeutsch miteinander. Auf diese Weise blieb mein Plattdeutsch-Spre­chen lebendig und konnte immer wieder verbessert und ergänzt werden.

Mir hat das Plattdeutsch-Sprechen sehr geholfen, mit Menschen in Kontakt zu kommen, und es hat mir geholfen, in meinem Sprechen und bei meinen Reden nicht zu kompliziert zu formulieren. Wer plattdeutsch spricht, formuliert anders, verständlicher, kürzer, prägnanter. Als mich einmal jemand fragte: „Wie machst du das eigentlich in deinen Reden, daß du immer mit konkreten Beispielen auch schwierige Zusammenhänge verständlich darlegen kannst?”, habe ich darauf ge­antwortet: „Das habe ich vom Plattdeutsch-Sprechen. Ich spreche nicht nur platt, ich denke auch platt.”

Außerdem gibt die plattdeutsche Sprache uns die Möglichkeit, manches zu sagen, was man auf Hochdeutsch nicht sagen könnte oder was im Hochdeutschen or­dinär klingen oder schnell verletzen würde. Als ich sieben Jahre hintereinander beim großen Oldenburger Grünkohlessen, das in Bonn veranstaltet wurde, die Re­de zur Inthronisation des jeweils neuen Grünkohlkönigs halten mußte, war eines Tages auch Helmut Kohl als neuer Grünkohlkönig dran. Bei diesen Reden mischte ich locker hochdeutsche und plattdeutsche Sätze. Da die Zuhörer längst nicht alle plattdeutsch verstanden, mußte ich zwischendurch auch als Dolmetscher fungie­ren und meine eigenen plattdeutschen Sätze übersetzen. Diese Überse:zertätigkeit leitete ich immer mit der Bemerkung ein: „Für die weniger Sprachbegabten sage ich es gleich auch noch einmal auf Hochdeutsch.” Helmut Kohl sagte nach einer solchen Rede zu Ernst Albrecht: „Wenn Remmers einem was unterjubeln will, spricht er immer plattdeutsch.” Da war was dran.

Meine plattdeutsche Sprache hat mir in vielen Lebenslagen geholfen und nicht zu­letzt Freude gemacht

 

Heinrich Roters

Versuche mit dem Lokalfunk

Ich bin 1933 in Nordhorn, Ortsteil Hesepe, geboren. Meine Eltern, Verwandten und Nachbarn sprachen fast alle das Grafschafter Platt. Daher ist es für mich bis heu­te immer noch selbstverständlich, nach Möglichkeit mit jedermann platt zu sprechen. Ich habe darin auch im­mer einen Vorteil gesehen. Sowohl in meinem erlernten Beruf als Tischler wie auch später nach meiner Umschulung als kaufmännischer Angestellter im Verkauf (Einzel- und Großhandel) hat mir die plattdeutsche Sprache immer genützt – selbst im Umgang mit niederländischen Personen.

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Diese Kenntnisse und Erfahrungen, die mit dem Plattsprechen verbunden sind, kann ich auch heute noch jedem jungen Menschen empfehlen. Mir ist allerdings sehr wohl bewußt, daß es immer schwieriger wird, unser hiesiges Platt noch zu er­halten. Im sozialen Bereich halte ich es für dringend erforderlich, daß zum Beispiel im Pflegebereich für ältere Personen die plattdeutsche Sprache beibehalten wird. Dies ist mir oft bei Krankenbesuchen bewußt geworden. Ältere Menschen sind dankbar, wenn man sich in ihrer Mundart unterhält. Das gleiche habe ich im kul­turellen Bereich oftmals erlebt. Hierbei denke ich an viele Seniorennachmittage oder an Theateraufführungen auf Platt, welche wir vom „Groafschupper Plattproater Kring” regelmäßig veranstalten.

Dies ist auch einer der Gründe, weshalb ich mich nach meinem Berufsleben für unser heimisches Platt so einsetze. Zugleich habe ich dann versucht, einige Ge­dichte, Erzählungen und Gedanken in Grafschafter Platt zu schreiben. Das eine oder andere wurde inzwischen in der Tageszeitung veröffentlicht. In einem Buch, welches von der Sparkasse finanziert wurde, ist ebenfalls ein Beitrag von mir ent­halten.

Seit knapp einem Jahr bin ich für unseren Verein beim Regionalsender Ems-Vechte-Welle tätig. Dort werden einmal im Monat eine Stunde lang plattdeutsche Sen­dungen moderiert. Das Generalthema lautet: „Löö, wi proat noch platt!” Dabei werden alte Sitten und Bräuche besprochen. Leider ist der Sender noch nicht be­kannt genug, so daß bei einmaliger monatlicher Sendung die Resonanz nicht sehr groß ist.

 

Bernd Rüter

Oase der Ruhe

In Wahn auf dem Hümmling bin ich am 14. 10. 1914 zur Welt gekommen und mit acht Geschwistern – vier Jun­gen und vier Mädchen – aufgewachsen. Bei uns im El­ternhaus und in der Gemeinde wurde nur plattdeutsch gesprochen, selbst der Gemeindediener verkündete sei­ne Bekanntmachungen meistens auf Plattdeutsch. Selbst mit dem religiösen Wort „Gott” wurden wir von unse­ren Eltern zuerst in Plattdeutsch bekannt gemacht. Ich erinnere mich noch gut, daß meine Mutter bei meiner jüngsten Schwester an der Wiege plattdeutsche Wie­genlieder sang. Gewiß hat sie dies auch bei mir getan, und so sehe ich Plattdeutsch als „mine Maudersprake”. Meine Eltern waren immer sehr darauf bedacht, daß wir unsere Sprache ohne Verschandelung zum Ausdruck brachten.

So war es alte Sitte, daß wir am Palmsonntag Nachbarn und Verwandten einen Palmzweig brachten, und dann wurde uns bündig mit auf dem Weg gegeben, „Guten Tag” zu sagen und: „Ich wollte euch wohl einen Palmzweig bringen”. So erhielten wir vom Elternhaus eine bestimmte Sicherheit. Ich fand es auch schön, daß wir als Jungs der Reihe nach Meßdiener wurden; so trafen wir im Dorf mit al­len Begebenheiten zusammen – mit Kindtaufe, Hochzeit, Versehgang, Beerdigung, Prozessionen. Das bereicherte früh unsere Lebenserfahrung, und wir lernten mit dem Latein sogleich eine dritte Sprache sprechen.

Unser Hümmling wurde etwa um 1865 von dem Professor Dr. Heinrich Lüken aus Brual mit einer schönen Hymne bedacht: „De Hümmelske Bur”. Auf dieses Lied war der Hümmlinger stolz, weil er hier auf seine Eigenart angesprochen wurde, und darum wurde es bei allen besonderen Anlässen – auf Bauernhochzeiten, Schützenfesten – mit Inbrunst gesungen, ebenso wie die standesgemäßen Hoch­zeitslieder „Wo kriege wi dat op, wo kaome wi der dör, un so kriege wi’t siläwe nich weer”. Aber heute müß man sich leider fragen, was ist noch von unserer al­ten Eigenständigkeit übrig geblieben.

Im Jahre 1941 wurde meine Heimat Wahn wegen der Erweiterung des Krupp-schen Schießplatzes durch die Ruges geräumt. Das Hochdeutschsprechen war bis dahin verpönt. Folgende Begebenheit wurde damals von den Dorforiginalen am letzten Herdfeuer in „011mannsköeke” zum Besten gegeben: Eine Frau ging mit ihrem Sprößling über die Öewerenderstraote, auf der zweimal am Tag mehrere Kuhherden zur Weide und wieder zurück getrieben wurden. Der kleine Junge fand es lustig, von oben in die dicken Kuhfladen zu treten, und die Mutter rief ent­setzt: „Kind, tret’ nicht ins Kuh-A-A!” Der Junge fragte: „Was, Mama?”. Dieses Spiel

wiederholte sich ein paarmal, bis das Maß voll war und die Mutter voller Zorn rief: „Ach Junge, nu trett doch nich in de Kauhschiete!” – „Ach so, Mama!”

In der Hektik unserer Tage, wo mit dem Fortschritt so viele neue Fremdwörter in Umlauf kommen, empfinden viele Menschen unser emsländisches Plattdeutsch als eine Oase der Ruhe. Leider verliert unser Plattdeutsch durch Aufgabe alter Ar­beitsmethoden viel an altem Sprachschatz, aber es bleibt doch lebendig.

Ich erinnere mich an die Kriegszeiten und die Gefangenschaft im Ural. Es waren Momente, die man nicht vergißt, wenn man plötzlich mit jemandem platt spre­chen konnte. Dann spürte man Wärme und Vertrauen, und man wollte sich wohl gegenseitig festhalten. Eines darf ich mit Sicherheit sagen: Die Freundschaft, die über unser emsländisches Platt zustande kam, war für mich immer von Dauer.

In unserem ursprünglichen Sprachgebrauch ist vieles aus dem Umgang mit der Tierwelt entstanden. So hat eine alte Bäuerin aus Werpeloh das Nahen eines Ge­witters mit den besorgten Worten so treffend geschildert: „0 Heer, o Heere, watt kummp de Lucht dor jäe so bäisteräffteg upkälwern!” Zu dieser erregten bildlichen Schilderung möchte ich den folgenden Hinweis geben. Einem Gewitter stand man in früherer Zeit, als noch fast alle Häuser ein Strohdach ohne Blitzableiter hatten, mit großer Sorge gegenüber – vor allem, wenn sich riesige, helle Wolkentürme vor einem pechschwarzen Hintergrund auftürmten.

Zu dieser unheimlichen Schilderung kommt folgender Beweggrund hinzu: Noch in meiner Kinderzeit war es eine furchterregende Tatsache, wenn bei der Geburt im Kuhstall nach der Wasserblase die feinknöchigen Beine des Kalbes zum Vorschein kamen. Dann hieß es erschreckend: „Dät is jäe äin Stäinbilln!”, also ein sehr star­ker, muskulöser Doppelender. Das hieß dann: Es mußten alle kräftigen Männer aus der Nachbarschaft zusammengerufen werden, denn es stand eine schwere Geburt bevor. In sehr vielen Fällen ging das Muttertier oder die Färse dabei zu­grunde, und der Verlust war so groß, daß ein Bauer seinem Knecht (Gehilfen) den Jahreslohn damit hätte bezahlen können. Die Geburt eines Doppelenders lag da­mals sehr in der alten Rasse begründet und wurde somit von der Bäuerin bildlich dargestellt: „Bäisteräffteg upkälwern.”

Als abgehender Sohn fand ich 1951 auf dem Hümmling in Werpeloh meine neue Heimat. Zunächst bin ich jedem kleinen Fingerzeig nachgegangen, die älteste Ge­schichte meiner verlassenen Heimat Wahn über die Staatsarchive aufzuspüren, und hatte dabei Glück, Dokumente über Lehnsherrschaft, Wehren und Sling, also die älteste Geschichte meiner Heimat ausfindig zu machen. Ich bekam auch noch Verbindung mit dem Nachfolger des ersten Lehnsherrn, Pierau de Pinnink aus Brüssel – eine Anknüpfung an eine Zeit, die mehr als 300 Jahre zurückliegt.

Über die Heimatgeschichte von Wahn lernte ich den Heimatforscher Maier-Well-mann und den Herrn Katastertechniker Rötgers, Sögel, mit der Flurnamenfor‑

Paul Ricken

„Denn Papst is d`r ock”

Dialekt und plattdeutsche Mundart haben mein Leben von Anfang an geprägt. Das resultiert nicht zuletzt aus meiner Herkunft und meinem Beruf, der sehr enge Bin­dungen zur Landwirtschaft hat.

Mein Urgroßvater war Bauer am Niederrhein, und ich bin in der dritten Generation Verwalter und Geschäfts­führer einer Molkereigenossenschaft. Zeitlebens war al­so Milchverarbeitung und die damit verbundene Nähe zur Landwirtschaft mein ‚Job”. Plattdeutsch war da­durch für mich von Kind an präsent.

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Die Äußerung des damaligen Aufsichtsratsvorsitzenden der Molkerei Uelsen bei der Bewerbung meines Vaters im Jahre 1935 um den Posten des Verwalters – „Er kann wenigstens platt sprechen, und schon darum sollten wir ihn nehmen” – war nicht nur typisch für die Bedeutung der plattdeutschen Sprache in damaliger Zeit, sondern auch ein Vertrauensvorschuß mit deutlich emotionalem Hintergrund.

Meine Eltern pflegten den niederrheinischen Dialekt und sprachen westfälisches Platt miteinander, mit mir und meinen Geschwistern aber ausschließlich hoch­deutsch. Dadurch hatte ich bei meiner Einschulung in Uelsen im Jahre 1940 den großen Vorteil, zumindest im Deutschunterricht meinen Klassenkameraden ge­genüber „immer einen Tick voraus zu sein”, denn für sie war Deutsch sozusagen eine Fremdsprache.

Unser „Uelser Platt” lernte ich sozusagen spielend auf der Straße und auf dem Schulhof. Es dominiert noch heute unter Freunden, Bekannten und im Berufsle­ben. Unterhaltungen mit Milchlieferanten werden grundsätzlich plattdeutsch ge­führt. Nicht selten dominiert bei Vorstandssitzungen unser Grafschafter Platt. Die etwas andersartige emsläntlische Artikulation bringen die Kollegen aus den Ge­meinden Neuringe und Twist dazu. Dies unterstreicht noch einmal die Vielfalt des Plattdeutschen in unserer Grenzregion.

Ich sage bewußt immer wieder „Uelser Platt”, weil es innerhalb der Grafschaft große Unterschiede in der Aussprache und der Wortwahl gibt. Auffallende Ähn­lichkeit besteht in den Orten, die an der Vechte liegen. Die Vechte war Lebensader und Verbindungsweg zwischen den Siedlungen und prägte deutlich die gemeinsa­me Mundart, während sich in den isoliert gelegenen Orten wie zum Beispiel Wil-sum oder Uelsen eine andere Art durchsetzte. Dafür ein Beispiel:

Wilsum: Üm twalf Uur kockt uuse Pestuur de Tuffeln.
Uelsen: Üm twalf Üur kockt unse Pestoor de Erpel.

Die Pflege der plattdeutschen Sprache wurde in meiner eigenen Familie durch mei­nen Schwiegervater, Bernhard Wüppen, zur Pflichtaufgabe. Er stammt aus einer traditionsreichen Grafschafter Lehrerfamilie. Für ihn war Plattdeutsch Kulturgut. Deshalb gründete er Anfang der 50er Jahre die Uelsener Laienspielschar des Män­nerchores.

Über 30 Jahre war er als Regisseur und aktiver Spieler tätig. Dabei legte er beson­deren Wert auf „echtes altes Platt” und vermied sorgsam jedwede Verballhornung und Eindeutschung. Zur Umsetzung seiner Pläne wurde die ganze Familie in An­spruch genommen. Obwohl ich „bis zur Halskrause” neben meinem Beruf in Kom­munalpolitik und Vereinsleben eingespannt war, durfte ich 20 Jahre lang Winter für Winter im Souffleurkasten sitzen und mir dabei das Geschehen auf der Bühne aus der Maulwurfsperspektive ansehen.

An den Übungsabenden wurde endlos daran gefeilt, den vorgegebenen Text in das original Uelser Platt zu übersetzen. Diese Arbeit hat mir (fast) immer großen Spaß gemacht, und sie hat sich auch gelohnt. Die Uelsener Dorfabende sind noch heute sehr beliebt. In mehr als vier Jahrzehnten hat es über 400 Vorstellungen mit annähernd 70.000 begeisterten Besuchern gegeben; wohlverstanden alles Leute, die nicht nur Plattdeutsch verstehen, sondern in aller Regel auch sprechen. Auch das unterstreicht noch einmal die nach wie vor weite Verbreitung der Sprache in unserer Region.

Lassen Sie mich in diesem Zusammenhang eine kleine Geschichte zum Besten ge­ben, die die besondere Situationskomik mancher Ereignisse schlaglichtartig her­vorhebt. Eine Einladung der Stadt Osnabrück führte die Spielschar anläßlich der Tagung des Niedersächsischen Heimatbundes in die Aula des Osnabrücker Schlos­ses zur Aufführung des plattdeutschen Stückes „Katt’ ut Huus”. Das aus der Pro­vinz anreisende Ensemble – wir schrieben das Jahr 1956 – stand natürlich kurz vor der Aufführung unter beträchtlichem Lampenfieber. Ein Mitglied der Spielschar blinzelte kurz vor Beginn der Vorstellung durch den Sehschlitz des noch geschlos­senen Vorhangs in einen vollbesetzten Saal und sah unter den Ehrengästen in der ersten Reihe den in vollem Ornat sitzenden Bischof von Osnabrück. Der in der tief­protestantischen Niedergrafschaft aufgewachsene Uelsener war vom Purpur der­art fasziniert – er kannte sich im Outfit eines hohen katholischen Würdenträgers natürlich überhaupt nicht aus -, daß er in heller Aufregung hinter die Kulissen stürmte und rief: „Oh guddegutt, denn Papst is d`r ock!”

Ich wünsche der Laienspielschar, daß sie aufgrund ihrer glaubwürdigen Besetzung der darzustellenden Typen und ihrem Bemühen, unverfälschtes Niedergrafschaf-ter (Uelsener) Platt zu sprechen, noch viele Jahre erfolgreich ist und ihrem Publi­kum große Freude bereitet.

Heinz Rolfes

Der Wert des Plattdeutschen

In einem Dorf wie Clusorth-Bramhar war es selbstver­ständlich, daß plattdeutsch gesprochen wurde. Daher ist es nicht verwunderlich, daß auch meine ersten sprachlichen Gehversuche in plattdeutscher Sprache stattfanden. In meinem Elternhaus und im ganzen Dorf wurde mit einer derartigen Selbstverständlichkeit platt­deutsch gesprochen, daß man sich durchaus vorstellen kann, daß die wenigen Menschen, die der plattdeut­schen Sprache nicht mächtig waren, sich doch gele­gentlich arg ausgegrenzt fühlten.

Es handelte sich meistens um Flüchtlingsfamilien, die aber um der besseren Integration willen sich sehr bemühten, ebenfalls plattdeutsch zu sprechen. Nicht selten haben wir über diese ersten Gehversuche in plattdeutscher Sprache durch unsere Zugezogenen gewitzelt. Daß diese Menschen ihre Heimat verloren hatten, oft außer ihrem eigenen Dialekt und der noch sehr frischen Erinnerung an die Hei­mat, aus der sie vertrieben waren, nichts mitgebracht hatten und sich jetzt in einer doch sehr abgeschlossenen neuen Umgebung integrieren mußten, wurde von uns Kindern natürlich nicht berücksichtigt.

Bei der begrenzten Mobilität in den fünfziger Jahren kann man sich durchaus fra­gen, wie denn die hochdeutsche Sprache ins Dorf kam. Der im Vergleich zur heu­tigen Zeit doch sehr abgeschlossene Lebensraum unserer Dörfer war sicher eine Ursache für die große Verbreitung des Plattdeutschen. Dennoch gab es natürlich vielfältige Berührungspunkte mit der hochdeutschen Sprache.

Als Kinder kamen wir durch Besuche bei Verwandten im benachbarten Lingen fast spielerisch an neue Sprachkenntnisse. Unsere Eltern sprachen zwar mit den Verwandten plattdeutsch, deren Kinder mit uns aber keineswegs. Schließlich wur­de in deren Elternhäusern kein Plattdeutsch gesprochen. Nicht selten mußten wir jetzt den leichten Spott der Stadtkinder einstecken.

Über diese Kontakte hinaus legten auch die Eltern großen Wert auf ausreichende hochdeutsche Sprachkenntnisse, gab es doch damals ausgerechnet in Clusorth-Bramhar Lehrerin und Lehrer, die zu der kleinen Gruppe der nicht Plattdeutschen gehörten. An Verständigungsschwierigkeiten kann ich mich allerdings nicht erin­nern. Höchstens daran, daß gelegentlich einige Antworten ganz spontan auf Platt­deutsch gegeben wurden. Wir sind mit der Zweisprachigkeit ganz gut zurecht ge­kommen.

Plattdeutsche Sprachkenntnisse erleichterten auch später sehr oft den Zugang zu vielen Menschen, die ebenfalls Plattdeutsch als Umgangssprache in ihrem Le­bensbereich pflegten. Im beruflichen und privaten Alltag war Plattdeutsch für mich niemals eine Belastung, sondern eindeutig eine Bereicherung. Hier gab es durchaus regionale Unterschiede. Während in den Städten Nordhorn, Meppen und Papenburg plattdeutsch häufig gesprochen wurde, war dies gerade in Lingen nicht in dem Umfang der Fall.

Auch wenn es gelegentlich „Städtkers” gab, die glaubten, mit der plattdeutschen Sprache sei auch selbstverständlich eine gewisse Weltfremdheit verbunden, so ist diese Beurteilung der plattdeutsch sprechenden Menschen sicherlich recht ober­flächlich und auch falsch. Dennoch ist nicht zu bestreiten, daß mit zunehmender Mobilität in unseren Dörfern die Zahl der plattdeutsch Sprechenden nachgelassen hat. Das hat allerdings nicht zwangsläufig mit der Weltoffenheit oder Weltfremd­heit der Menschen zu tun, für die Plattdeutsch ein wichtiges Kulturgut ist. Für mich, der Plattdeutsch als seine Muttersprache betrachtet, war es noch immer ein Gefühl von heimischer Umgebung, wenn ich im Kreise Plattdeutscher war. Dies hat sich bis heute, wo ich beruflich doch häufig in Hannover bin, nicht geändert.

Es mag Menschen geben, die sich in hochdeutscher Sprache sehr viel differen­zierter ausdrücken können, als es ihnen im Plattdeutschen möglich erscheint. Wer allerdings über ein richtiges Verstehen der plattdeutschen Sprache auch in der La­ge ist, „plattdeutsch” zu denken, wird vieles sehr viel charmanter und treffender, trotzdem aber kurz und bündig, in Plattdeutsch ausdrücken können, wofür er in der hochdeutschen Sprache lange Erklärungen braucht. Insofern fühlt sich manch plattdeutsch Denkender sehr unwohl, wenn er seine Gedanken genauso treffend hochdeutsch formulieren soll.

Anläßlich der Landtagsdebatte im Mai 1998 über die Sendezeitverlegung für die Fernsehsendung ,Falk  up Platt” nannte Landwirtschaftsminister Funke dafür fol­gendes Beispiel: „Wenn der Vater oder die Mutter zu ihrem kleinen Jungen sagen: ,Na du kleen Schietbilder, dann übersetzen Sie das mal so, daß auf Hochdeutsch das Richtige dabei herauskommt.” Es gibt unzählige Beispiele. Ein plattdeutsch Denkender neigt natürlich zu kurzen und prägnanten Beispielen. In der hoch­deutschen Sprache formuliert er daher auch sehr gern kurz und prägnant. Der Ge­fahr einer nicht ausreichenden Differenzierung ist er allerdings dabei immer aus­gesetzt.

In einem Zeitalter, in dem uns die Welt offensteht, in dem wir mit den schnellen Verkehrsmitteln innerhalb der 24 Stunden eines Tages in jeden Winkel der Erde kommen können, in dem es in Europa immer mehr zu einem friedlichen Mitein­ander auch vieler osteuropäischer Länder unter dem Dach der Europäischen Union kommt, frage ich mich immer mehr, wie wir dieses Kulturgut plattdeutsche Spra­che durch einen aktiven Sprachgebrauch unseren Kindern vermitteln können. Nun hat der plattdeutsche Sprachgebrauch auch in unseren Dörfern nachgelassen.

Wenn allerdings eine Kultur, und darin besonders die Muttersprache, nicht ver­kümmern soll, muß sie gepflegt werden. Die Sprache muß sich durch den tägli­chen Sprachgebrauch entwickeln. Die Pflege unseres Brauchtums – auch der Spra­che – in unseren Heimatvereinen ist wichtig, aber zu wenig.

Als Kind hatte ich die ersten Berührungspunkte mit der hochdeutschen Sprache zum Beispiel durch Radiosendungen. Heute sollten wir mit unserem Plattdeutsch über Rundfunk- und Fernsehsendungen, aber auch durch plattdeutsches Theater in unseren hochdeutschen Alltag hineinwirken, so wie damals die hochdeutsche Sprache in unser tägliches Plattdeutsch hineinwirkte.

Mein Landtagskollege aus Ostfriesland, Pastor Bookmeyer, hat anläßlich der schon zitierten Landtagsdebatte folgendes ausgeführt: „Was Plattdeutsch für Menschen bedeutet, die um den Wert dieser Sprache wissen, macht folgendes Gedicht deut­lich, das in einem Buch aus Amerika steht. Da denken Menschen an die Sprache ihrer Groß- und Urgroßeltern, die aus Not aus unserem Land herausgegangen sind, aber an ihrer Muttersprache festgehalten haben. Dies sollte uns ein Beispiel sein.”

Das Gedicht vors Friedrich Freudenthal lautet:
Modersproak

Plattdütsk Sproak, mien Modersproak

Du leevste mie van alle Sproaken,

Eenfach van Luut un week van Klang.

In Freud so froh, in Leed so bang,

Mien Weegenleed, mien Stervgesang,

Wenn eens dat Hart mi brocken!

Plattdütsk Sproak, oll Sassensproak,

Se willt di ut de Welt verdrieven,

doch loat ör geern, dat is bloos Tand ‑

Wie Lüü van Elv- un Weserkant,

In Marsch un Moor un Heideland

Sünd plattdütsch boorn, willt plattdütsch blieven!

Soweit Pastor Bookmeyer bei der Landtagsdebatte.

Ich wünsche mir, daß dieses kleine Gedicht zu ein wenig Nachdenklichkeit führt. Ich wünsche mir schließlich auch, daß dieses Buch bei den Lesern zu ein wenig Nachdenklichkeit und Freude am Plattdeutschen führt, und ich wünsche mir, daß wir uns alle gemeinsam um unsere plattdeutsche Sprache bemühen. Oft ist es ja so, daß man den Wert einer Sache erst erkennt, wenn man sie verloren hat. Mit der Pflege der plattdeutschen Sprache darf es uns so nicht ergehen.