Vergleich der Kosten GETAS – Untersuchung Emsland

Während die GETAS – Befragung unter Prof. Dr. Stellmacher (Universität Göttingen)  ca. 330.000 DM kostete, fielen bei der Untersuchung im Emsland lediglich etwa 6.000 DM an Kosten an, weil keine Personalkosten zu zahlen waren…

Dr. Stellmacher erklärt:

Eine großangelegte und repräsentativ ausgerichtete Untersuchung zur Lage des Niederdeutschen heute, bei der die Datensammlung in Zusammenarbeit mit der GETAS professionell erfolgen sollte, ist nicht billig. Für die finanzielle Absicherung traten die Deutsche Forschungsgemeinschaft mit einem Beitrag von 224 000,- ein und die Bremer Wolfgang –  Ritter –  Stiftung, die die Restfinanzierung besorgte (20 000,-). Nicht zu vergessen sind die vom Institut für niederdeutsche Sprache übernommene Kosten für die Voruntersuchung und die Hochschullehrergespräche. (Seite 11/12)

Brief von Prof. Dr. Menke an Herrn Göken (Lk Emsland)

Sehr geehrter Herr Göken,

auf Ihre Rückfrage hin darf ich Ihnen antworten, daß von unserer Seite durch meinen Mitarbeiter, Herrn Frerk Möller, folgende Arbeiten durchgeführt werden:

  1. Erarbeitung der Kodieranweisung,
  2. Einweisung eines Mitarbeiters (beim Landkreis) in die Datenspeicherung,
  3. rechnerische Auswertung des in den Computer eingegebenen Datenmaterials (mit Fehlerbereinigung) = Strukturierung.

Die Kodierung der Fragebögen selbst (nach der Kodieranweisung)

und die Dateneingabe sollte durch einen Ihrer Mitarbeiter erfolgen.

Uns müßte dann nur die fertige Diskette zugeleitet werden.

Herr Möller, der Ihnen den genauen Arbeitsablauf alsbald selbst noch einmal mitteilen wird, erbittet für seine Arbeitsleistung einen Betrag in Höhe von DM 3.500,00 (dreitausendfünfhundert), Dieser Betrag entspricht den Unkosten, die seinerzeit von mir für eine vergleichbare Arbeit (flächendeckende Mikrozensus-Erhebung im nordfriesischen Regiolektraum) ausgezahlt wurden (Werkvertrag).

So hoffe ich, daß die Untersuchung alsbald fortgesetzt werden kann und bin mit freundlichen Grüßen

gez. Prof. Dr. H. Menke

Prof. Dr. H. Menke (Uni Kiel) zu GETAS

Auch Prof. Dr. Hubertus Menke, derzeitiger Lehrstuhlinhaber “Niederdeutsch” an der Universität Kiel, kritisiert die fachspezifische Aussagequalität der GETAS Umfrage deutlich:

Zur Sprachkompetenz des Erhebungsgebietes kann daher ohne Zweifel Konkretes ausgesagt werden, auf jeden Fall mehr als durch die Einschätzungserhebung der Ihnen womöglich bekannten GETAS-Untersuchung.

Noch einmal im Kontext zu der Beurteilung der Entwurfs der “Emsland – Untersuchung” (Robben):

Diese Hilfestellung fällt mir umso leichter, als das von Herrn Robben durchgeführte Erhebungsverfahren mir statistisch einwand­frei erscheint und sicher zu beurteilende bzw. zu kontrollierende Testführungen enthält. Zur Sprachkompetenz des Erhebungsgebietes kann daher ohne Zweifel Konkretes ausgesagt werden, auf jeden Fall mehr als durch die Einschätzungserhebung der Ihnen womöglich bekannten GETAS-Untersuchung. Ebenso scheint mir die Auswahl der Probanden-Gruppe signifikant für prognostizierende Schlüsse zu sein. Ich bin daher selbst auf die Ergebnisse gespannt.

Foto:https://de.wikipedia.org/wiki/Christian-Albrechts-Universit%C3%A4t_zu_Kiel#/media/File:Olshausenstrasse_Kiel_Zugang_Uni.jpg

Dr. W. Lindow zu GETAS

Auch der ansonsten sehr zurückhaltende und sachliche damalige Geschäftsführer  des ins, Dr. Wolfgang Lindow, nimmt klar Stellung zur GETAS Befragung:

Sehr geehrter Herr Robben,

für die Überlassung des reichen Materials danke ich Ihnen sehr herzlich, enthält es doch eine Fülle von Anregungen und viele Ansätze, die erfolgversprechend scheinen. Ich möchte Ihrem Anlagenschema entsprechend wunschgemäß zu dem einen oder anderen einige Anmerkungen machen.

Anmerkungen zur GETAS-UMFRAGE

Die relativ guten Ergebnisse sind nicht nur bei Ihnen auf Skepsis gestoßen, weichen sie doch von denen ab, die man aus eigenen Erfahrungen und Beobachtungen herleitet.

——

Kurzum: Mir scheint bei dieser gründlichen Vorbereitung ein wirklich mustergültiger Test entstanden zu sein, der so auch Grundlage für vergleichbare Erhebungen in anderen Regionen werden könnte. Ich wünsche dem Vorhaben viel Erfolg und den Beteiligten Freude an dieser Arbeit.

Mit freundlichen Grüßen

INSTITUT FÜR NIEDERDEUTSCHE SPRACHE

 

 

 

 

 


Da dieser Brief über mehrere Seiten geht, wurde er auf die hier wesentlichen Ausführungen eingekürzt. Das Original liegt vor.

Foto: https://de.wikipedia.org/wiki/Institut_f%C3%BCr_niederdeutsche_Sprache#/media/File:Schnoor-01.jpg

Der Schmied zu Astrup

Hochdeutsche Fassung des Textes

Nicht weit von Diekens Hof wohnte der Schmied zu Astrup. Der war auf das Erdengut mehr bedacht als auf das Flimmlische. Trotz (obwohl) er genug hatte, wollte er immer noch mehr haben.

Es war ein Tag vor Weihnachten, als er einen neuen Wagen beschlug (eiserne Beschläge an einem neuen Wagen anbrachte). Aber wenn (obwohl, obschon) er noch so fleißig war, er konnte (es) nicht schaffen. Er dachte: “Nun kommen drei Feiertage nach der Reihe, wo (an denen) du nichts verdienen kannst, der Wagen soll fertig werden.”

Früh am Morgen, am ersten Weihnachtstag, als die anderen Leute noch schliefen, stand der Schmied mit seinen beiden Gesellen schon am Amboß. Als die ersten Nachbarn auf dein Weg zur 1. Messe am 1. Weihnachtstage (Kerzenandacht) waren, ging es in der Schmiede allemal (so zu): Drei Groschen der Nagel – drei Groschen der Nagel.

Da kam wieder ein Trupp Leute vorbei und sang Weihnachtslieder.

“Die wollen wir einmal erschrecken” sagte der Schmied, griff den Ham­mer, schmiß (schlug) ihn auf dein Amboß, spuckte darauf und hielt das glühende Eisenstück da hinein.

Hoch zog er den Hammer und mit aller Macht ließ er ihn auf dem Amboß fallen, daß (damit) es fürchterlich knallen sollte.

Es knallte auch mächtig, aber mit dem Schlag versank die Schmiede mitsamt dem Schmied und seinen Gesellen in der Erde. Da (so nämlich) kriegten (bekamen) sie von dem Teufel ihren Lohn.

Das Loch aber, wo die Schmiede gestanden hat, ist noch zu sehen, bei Diekens Hof in Astrup bei Schledehausen,

 

Seite 16

     De Schmedt to Astrup

 De Schmedt to Astrup (up Platt)

(abgedruckt im Ossenbrügger Platt-Lesebuch, S. 172)

Nich wiet van Diekens Huawe wuohnde de Schmedt to Astrup. De was up dat Erdengout mehr bedacht os up dat himmelske. Trotz dat he genoug hadde, woll he ümmer no mehr hebben.

Et was’n Dag vo Wiehnachten, os he äinen niggen Wagen beschlöig. Owwer wenn he nau so fliedig was, he konn’t nich schaffen. He dachte: “Nu kuomt dräi Fierdage no de Riege, wo du nix vodäinen kanns, de Wagen schalt ftrrig wenn.”

Frouh an’n Muorden, an’n ersten Wiehnachtsdag, os de annern Lüe no schlöipen, stönd de Schmedt met siene MWen Gesellen ol an’n Amboß. Os de ersten Nauwers up den Weg no de Kassuchte wörn, göng et in de Schmie’e ol: Dräi Grössen de Nagel – Dräi Grössen de Nagel. Do keimp we’n Tropp Lüe vorbi un sttng Wiehnachtsläider.

“De wüllt wi es voftihrden”, siär de Schmedt, greip den Hamer, schmeit’n up den Amboß, spiggede dor up un höilt dat glöinige Iesenstücke dor in. Hauge töig he den Hammer un met olle Macht löit he em up den Amboß fallen, dat et fürchterlick knallen scholl.

Et knallde auk mächtig, owwer met den Schlag vosünk de Schmie’e met-samt den Schmedt un siene Gesellen in de Erden. Dor kreigen se von den Düwl iären Lauhn.

Dat Lock owwer, wor de Schmie’e stauhn heff, es no to säihn, bi Diekens Huawe in Astrup bi Schliäsen.                 Seite 15 Deutsch

Unterrichtshilfen

Hier sollen verschiedene Ansätze geboten werden für den Unterricht und die Betreuungsstunden in der Schule. Diese können in verschiedener Form methodisch und didaktisch weiter entwickelt werden. Teilweise gibt es dazu auch Hörproben….

Bestandsaufnahme im Landkreis Borken 1983

 

Dieser Landkreis, der sich südlich der Grafschaft Bentheim entlang der niederländischen Grenze in Richtung Ruhrgebiet erstreckt, ist im gesamten niederdeutschen Grenzbereich sprachwissenschaftlich auf die Entwicklung des Plattdeutschen wohl am besten untersucht. Bereits 1981 lag die schon erwähnte umfangreiche Bestandsaufnahme von Prof. Dr. Ludger Kremer vor, die 2001 in etwas kleinerem Rahmen wiederholt wurde und damit die weitere Sprachentwicklung dieses Zeitraumes von 20 Jahren nachzeichnet. Waren damals schon ähnliche Ergebnisse wie zehn Jahre später im Landkreis Emsland festgestellt worden, heißt es 2001: Ist es trotz der inzwischen überwiegend positiven Einstellung der Bevölkerung zum Plattdeutschen gegenüber dem Westmünsterland – wie auch anderswo – nicht gelungen, die tatsächliche Zahl der Plattsprecher zu erhöhen, im Gegenteil: Der Dialektschwund setzt sich mit erhöhtem Tempo fort. An anderer Stelle wird diese Feststellung so untermauert: Die Zahlen für 2001 zeigen uns also im Vergleich zu 1981 sehr deutlich, in welcher Weise die sozial höheren Schichten als Leitbild fungiert haben: Die Arbeiter haben sich ihnen angepasst und inzwischen bei Dialektkompetenz und -gebrauch die niedrigen Werte der (Leitenden) Angestellten von 1981 fast erreicht, selbst die relativ sprachkonservative Gruppe der Landwirte tendiert in die gleiche Richtung und kann kaum noch als nennenswerte Bastion des Plattdeutschen verstanden werden[1].

Wo liegt die Hauptursache für diese Sprachentwicklung?

In hohem Maße verantwortlich … ist die Schule … Die Schule war im 19. und im frühen 20. Jahrhundert eine der frühesten und erfolgreichsten Vorkämpfer für das Hochdeutsche, sie war der Grund für die Entscheidung der letzten drei Elterngenerationen in Niederdeutschland, mit ihren Kindern (zunächst einmal) Hochdeutsch zu sprechen, um ihnen – so hoffte man wenigstens – Schulschwierigkeiten zu ersparen[2].

Wenn das seinerzeit so war – und alle Erfahrungen sprachen dafür –, lag es nahe, die Situation rund um den Stellenwert des Plattdeutschen Ende der 80er  auch in den Grundschulen des Emslandes näher zu untersuchen.

 


[1] Ludger Kremer/Veerle Van Caeneghem, Dialektschwund im Westmünsterland. Zum Verlauf des niederdeutsch-hochdeutschen Sprachwechsels im 20. Jahrhundert (Westmünsterland. Quellen und Studien, Bd. 17), Vreden 2007, S. 129-130.

[2] Ebd. S. 130.

Auswertung der Untersuchung zum Stand des Plattdeutschen im Landkreis Emsland 1989

 Vorgeschichte

Sprache ist ohne Zweifel das höchste Kulturgut des Menschen. Und da verschwindet eine über Jahrhunderte angestammte Regionalsprache innerhalb weniger Jahrzehnte fast völlig. Deshalb wurde schon im Jahre 1989 eine umfassende Bestandsaufnahme bei allen Kindern des vierten Schuljahres (insgesamt 3185 Mädchen und Jungen) im Landkreis Emsland durchgeführt[1]. Die damaligen Ergebnisse der kombinierten Schüler- und Elternbefragung waren ernüchternd. Da diese Untersuchung mittlerweile mehr als zwanzig Jahre her ist und für eine erneute Befragung nach damaligem Muster die Ressourcen fehlen, bot es sich an, sich in einer Art Kurzbefragung (15 Kernfragen) in den Kollegien der Grundschulen zu erkundigen, wie es gegenwärtig um die plattdeutschen Aktivitäten und Kompetenzen bei Schülern und Lehrern steht. Dabei wurde nun die Grafschaft Bentheim ebenfalls in die anonyme Befragung mit einbezogen. Bei der Durchführung hat sich gezeigt, dass die Ausweitung dieser Untersuchung auf das Bentheimer Land sehr sinnvoll war. Sie ist dort in den Schulen auf stärkeres Interesse und größere Akzeptanz gestoßen als im Landkreis Emsland. 28 von 31 (= 90 Prozent) angeschriebenen Grafschafter Schulen haben geantwortet. Im benachbarten Landkreis Emsland schickten von 42 angeschriebenen Schulen 30 (= 72 Prozent) die ausgefüllten Antwortbögen zurück. Der enorme Rückgang des plattdeutschen Sprachvermögens von Heranwachsenden schon vor zwanzig Jahren mit dem Vergleich der Plattdeutschaktivitäten von heute in einem Großteil der Grundschulen im Arbeitsbereich der Emsländischen Landschaft zeigt unumstößlich: Der aktive Umgang mit dem Plattdeutschen ist in der jüngeren Generation nicht mehr gegeben, da er im Elternhaus offensichtlich (bewusst) nicht vermittelt wird. Umso interessanter wird damit die Frage, welche Rolle die Grundschule von heute als nächste Vermittlungsinstanz spielt.

Anlass und Ziel der Untersuchung im Landkreis Emsland im Jahre 1989/90

Der eigentliche damalige Anlass für die doch sehr aufwändige Untersuchung war ein Besuch im Niederdeutschen Institut im Schnoorviertel in Bremen in den Sommerferien 1987 mit dem Ziel der Sichtung neuen Unterrichtsmaterials für die Plattdeutsch AG in der Schule. Im Gespräch mit dem damaligen Geschäftsführer Dr. Schuppenhauer kam das Gespräch auf die derzeitige Plattdeutschsituation an den Schulen im niederdeutschen Sprachbereich. Dazu holte Dr. Schuppenhauer zwei noch jüngere Untersuchungen von seinem Schreibtisch. Das war zum einen die Untersuchungen von Prof. Dr. Dieter Stellmacher (Lehrinstuhlinhaber Niederdeutsch Universität Göttingen) mit dem Titel „Wer spricht Platt? Zur Lage des Niederdeutschen heute“[2] aus dem Jahre 1987 und zum anderen eine Enquete aus dem Jahre 1982 von Professor Dr. Ludger Kremer von der Reijksuniversität Antwerpen im Landkreis Westmünsterland[3].

Die Bestandsaufnahme von Stellmacher war im Auftrage des Niederdeutschen Institutes im gesamten niederdeutschen Sprachbereich (Kosten: über 300.000 DM) durchgeführt worden. Allerdings mussten dem kundigen Leser in der kurz gefassten Bestandsaufnahme von 1987 deutliche Widersprüche auffallen (siehe Seite…). Diese wurden indirekt bestätigt durch die Lektüre der Umfrageauswertung von Professor Kremer im Landkreis Borken.

So reifte die Idee, durch eine umfassende Befragung aller Schüler und Schülerinnen der 4. Schuljahre im Landkreis Emsland einen aktuellen Forschungsbefund in Nordwestdeutschland vorstellen zu können, der um eine wichtige Untersuchungskomponente ergänzt werden sollte: die aktive Sprachkompetenz.

Dieser Plan gefiel dem damaligen Leiter des Schulaufsichtsamtes Emsland Alfons Lögering und er richtete eine Arbeitsgruppe zu diesem Vorhaben unter seiner Leitung ein. Nahezu zeitgleich begann ein anderer Lehrerarbeitskreis mit der Planung eines plattdeutschen Lesebuches auf Landkreisebene. In den benachbarten Regionen Oldenburg und Osnabrück gab es solche Unterrichtswerke schon und sie erfreuten sich ständig größerer Beliebtheit in den Schulen. Hierbei stellte sich heraus, dass in der Lehrerschaft der Primar- und Sekundarstufe 1 dieses Raumes eine hohe Plattdeutschkompetenz vorhanden war: Nahezu 40 Prozent der Lehrpersonen konnte platt sprechen.

Vorbereitung und Durchführung der Befragung 1989/90

Die Untersuchung wurde nun mit der Unterstützung des Schulaufsichtsamtes des Kreises Emsland durchgeführt[4]. In zwei Vorläufen in den fünften Klassen der Orientierungsstufen in Emsbüren und in Spelle wurden die Entwürfe zum Fragebogen getestet und verbessert. Schließlich wurden alle Klassenlehrer des vierten Schuljahres im gesamten Emsland in den sechs einzelnen Dezernaten zur Dienstbesprechung eingeladen und in das genauere Verfahren eingewiesen. Jedem Klassenlehrer wurden eine bespielte Tonkassette und eine Mappe mit zwei Arbeitsbögen für die Schüler nebst einem Elternfragebogen überreicht. Die Schüler hatten zunächst einen plattdeutschen Text, der auf der Kassette vorgesprochen wurde, ins Plattdeutsche zu übersetzen. Danach mussten die Kinder hochdeutsche Wortgruppen ins Plattdeutsche übertragen. Anschließend wurden diese Tests von den jeweiligen Klassenlehrpersonen vorauswertet. Diese Methode hat sich als sehr praktikabel erwiesen. Insgesamt war die Art der Beteiligung der Grundschullehrpersonen sehr positiv, was sich insbesondere bei Rückfragen zeigte, die vereinzelt nötig waren.

Zeitgleich war zunächst schriftlich, dann telefonisch und schließlich persönlich Kontakt aufgenommen zu dem niederdeutschen Sprachwissenschaftler Prof. Dr. Ludger Kremer, der gezielt die jeweiligen Schritte im Emsland fachspezifisch kommentierte und Tipps gab zu der weiteren Vorgehensweise. Weiterhin stellte er das emsländische Vorhaben auf der jährlichen Pfingsttagung der beteiligten niederdeutschen Sprachwissenschaftler vor. Daraus ergab sich das Angebot des Kieler Lehrstuhlinhabers Prof. Dr. Hubertus Menke, dass in der dortigen niederdeutschen Abteilung die emsländischen Daten sprachwissenschaftlich ausgewertet werden konnten. Da vom Landkreis die entsprechende finanzielle Zusage kam, konnten nach einer Vorauswertung fast 10.000 Seiten Schüler- und Elternbefragung nach Kiel gebracht werden.

Veröffentlichung der Ergebnisse

Damit lag eine umfangreiche regionale Untersuchung vor, die erstmals unterschied zwischen aktiver und passiver Sprachkompetenz auf Grund objektiver Testdaten. Die Diskrepanz zwischen diesen beiden Untersuchungswerten war auch in Fachkreisen so nicht vermutet worden: Nur noch drei Prozent der damals Zehnjährigen konnten gut plattdeutsch sprechen, aber über 40 Prozent der Heranwachsenden vermochten plattdeutsch noch gut zu verstehen.

Im Vorfeld zu dieser Untersuchung war von dem damaligen emsländischen Oberkreisdirektor Karl-Heinz Brümmer in einem persönlichen Gespräch in Aussicht gestellt worden, dass die Ergebnisse etwa im Rahmen der schon bestehenden Buchreihe „Wald im Emsland und „Moor im Emsland“ unter dem Titel „Plattdeutsch im Emsland“ veröffentlicht werden könnten. Als dann die Auswertungen der umfangreichen Untersuchungsdaten schriftlich vorlagen, zeigte der Nachfolger des plötzlich verstorbenen Karl-Heinz Brümmer auf dem Chefsessel der Kreisverwaltung offenbar wenig Interesse an einer Veröffentlichung des Aufsatzes in der Region, obwohl die bisherigen Sachkosten für diese Enquete großzügig vom Landkreis bezahlt worden waren. In einem Gespräch mit ihm und zwei weiteren Treffen mit dem Leiter der Schul- und Kulturabteilung des Landkreises stellte sich zunehmend deutlicher heraus, dass eine Veröffentlichung von dort nicht unterstützt werden sollte.

Daraufhin bot Prof. Dr. Ludger Kremer an, die Auswertung aufzunehmen in eine Aufsatzsammlung mit dem Titel „Diglossiestudien“[5]. Darin wurden weitere, allerdings kleinere Untersuchungen diesseits und jenseits der holländischen Grenze jeweils in der Landessprache vorgestellt. Damit war nun leider verbunden, dass diese emsländischen Ergebnisse in Wort und Grafik nur einem ganz begrenzten sprachwissenschaftlich interessierten Leserkreis vornehmlich außerhalb des Untersuchungsgebietes zugängig waren.

[1] Bernd und Eva Robben, Mundartgebrauch im Kreis Emsland. Eine regionale Schüler- und Elternbefragung, in: Diglossiestudien. Dialekt und Standardsprache im niederländisch-deutschen Grenzland. Hrsg. von Ludger Kremer/Landeskundliches Institut Westmünsterland (Westmünsterland. Quellen und Studien, Bd. 1), Vreden 1993, S. 89-122 (das letztere weiterhin, Kremer, Diglossiestudien). Für die Grafschaft Bentheim gibt es eine neuere Studie über die Sprachverhältnisse unter den Altreformierten hauptsächlich der Niedergrafschaft, die lange Zeit dreisprachig (Niederländisch, Hochdeutsch und Plattdeutsch) waren, wobei sowohl das Niederländische wie das Plattdeutsche an Boden verlieren (Melanie Bolks, Zur Triglossie in der Evangelisch-altreformierten Kirche der Grafschaft Bentheim – eine empirische Untersuchung, in: Niederdeutsches Wort. Beiträge zur niederdeutschen Philologie Bd. 44, Münster 2004, S. 217-233).

[2] Dieter Stellmacher, Wer spricht Platt? Zur Lage des Niederdeutschen heute. Eine kurzgefaßte Bestandsaufnahme (Schriften des Instituts für niederdeutsche Sprache, Reihe Dokumentation, Nr. 14), Leer 1987.

[3] Die Befragung wurde von Kremer in Zusammenarbeit mit dem Schulamt des Kreises Borken im Jahre 1981 durchgeführt, die Ergebnisse wurden in zusammengefasster Form veröffentlicht in: Ludger Kremer, Mundart im Westmünsterland. Aufbau, Gebrauch, Literatur (Schriftenreihe des Kreises Borken, Bd. 5), Borken 1983 (weiterhin Kremer, Westmünsterland).

[4] Der damalige Leiter des Schulaufsichtsamtes Emsland, Schulamtsdirektor Alfons Lögering, nahm dankenswerterweise sofort die Idee der kombinierten Schüler- und Elternbefragung auf und richtete zu ihrer Vorbereitung eine Arbeitsgruppe mit Helmut Diers, Karl Oldiges und Bernhard Tengen ein.

[5] Kremer, Diglossiestudien (wie Anm. 1).

Untersuchung im Landkreis Emsland 1989

Vorgeschichte

Sprache ist ohne Zweifel das höchste Kulturgut des Menschen. Und da verschwindet eine über Jahrhunderte angestammte Regionalsprache innerhalb weniger Jahrzehnte fast völlig. Deshalb wurde schon im Jahre 1989 eine umfassende Bestandsaufnahme bei allen Kindern des vierten Schuljahres (insgesamt 3185 Mädchen und Jungen) im Landkreis Emsland durchgeführt[1]. Die damaligen Ergebnisse der kombinierten Schüler- und Elternbefragung waren ernüchternd. Da diese Untersuchung mittlerweile mehr als zwanzig Jahre her ist und für eine erneute Befragung nach damaligem Muster die Ressourcen fehlen, bot es sich an, sich in einer Art Kurzbefragung (15 Kernfragen) in den Kollegien der Grundschulen zu erkundigen, wie es gegenwärtig um die plattdeutschen Aktivitäten und Kompetenzen bei Schülern und Lehrern steht. Dabei wurde nun die Grafschaft Bentheim ebenfalls in die anonyme Befragung mit einbezogen. Bei der Durchführung hat sich gezeigt, dass die Ausweitung dieser Untersuchung auf das Bentheimer Land sehr sinnvoll war. Sie ist dort in den Schulen auf stärkeres Interesse und größere Akzeptanz gestoßen als im Landkreis Emsland. 28 von 31 (= 90 Prozent) angeschriebenen Grafschafter Schulen haben geantwortet. Im benachbarten Landkreis Emsland schickten von 42 angeschriebenen Schulen 30 (= 72 Prozent) die ausgefüllten Antwortbögen zurück. Der enorme Rückgang des plattdeutschen Sprachvermögens von Heranwachsenden schon vor zwanzig Jahren mit dem Vergleich der Plattdeutschaktivitäten von heute in einem Großteil der Grundschulen im Arbeitsbereich der Emsländischen Landschaft zeigt unumstößlich: Der aktive Umgang mit dem Plattdeutschen ist in der jüngeren Generation nicht mehr gegeben, da er im Elternhaus offensichtlich (bewusst) nicht vermittelt wird. Umso interessanter wird damit die Frage, welche Rolle die Grundschule von heute als nächste Vermittlungsinstanz spielt.

Anlass und Ziel der Untersuchung im Landkreis Emsland im Jahre 1989/90

Der eigentliche damalige Anlass für die doch sehr aufwändige Untersuchung war ein Besuch im Niederdeutschen Institut im Schnoorviertel in Bremen in den Sommerferien 1987 mit dem Ziel der Sichtung neuen Unterrichtsmaterials für die Plattdeutsch AG in der Schule. Im Gespräch mit dem damaligen Geschäftsführer Dr. Schuppenhauer kam das Gespräch auf die derzeitige Plattdeutschsituation an den Schulen im niederdeutschen Sprachbereich. Dazu holte Dr. Schuppenhauer zwei noch jüngere Untersuchungen von seinem Schreibtisch. Das war zum einen die Untersuchungen von Prof. Dr. Dieter Stellmacher (Lehrinstuhlinhaber Niederdeutsch Universität Göttingen) mit dem Titel „Wer spricht Platt? Zur Lage des Niederdeutschen heute“[2] aus dem Jahre 1987 und zum anderen eine Enquete aus dem Jahre 1982 von Professor Dr. Ludger Kremer von der Reijksuniversität Antwerpen im Landkreis Westmünsterland[3].

Die Bestandsaufnahme von Stellmacher war im Auftrage des Niederdeutschen Institutes im gesamten niederdeutschen Sprachbereich (Kosten: über 300.000 DM) durchgeführt worden. Allerdings mussten dem kundigen Leser in der kurz gefassten Bestandsaufnahme von 1987 deutliche Widersprüche auffallen (siehe Seite…). Diese wurden indirekt bestätigt durch die Lektüre der Umfrageauswertung von Professor Kremer im Landkreis Borken.

So reifte die Idee, durch eine umfassende Befragung aller Schüler und Schülerinnen der 4. Schuljahre im Landkreis Emsland einen aktuellen Forschungsbefund in Nordwestdeutschland vorstellen zu können, der um eine wichtige Untersuchungskomponente ergänzt werden sollte: die aktive Sprachkompetenz.

Dieser Plan gefiel dem damaligen Leiter des Schulaufsichtsamtes Emsland Alfons Lögering und er richtete eine Arbeitsgruppe zu diesem Vorhaben unter seiner Leitung ein. Nahezu zeitgleich begann ein anderer Lehrerarbeitskreis mit der Planung eines plattdeutschen Lesebuches auf Landkreisebene. In den benachbarten Regionen Oldenburg und Osnabrück gab es solche Unterrichtswerke schon und sie erfreuten sich ständig größerer Beliebtheit in den Schulen. Hierbei stellte sich heraus, dass in der Lehrerschaft der Primar- und Sekundarstufe 1 dieses Raumes eine hohe Plattdeutschkompetenz vorhanden war: Nahezu 40 Prozent der Lehrpersonen konnte platt sprechen.

Vorbereitung und Durchführung der Befragung 1989/90

Die Untersuchung wurde nun mit der Unterstützung des Schulaufsichtsamtes des Kreises Emsland durchgeführt[4]. In zwei Vorläufen in den fünften Klassen der Orientierungsstufen in Emsbüren und in Spelle wurden die Entwürfe zum Fragebogen getestet und verbessert. Schließlich wurden alle Klassenlehrer des vierten Schuljahres im gesamten Emsland in den sechs einzelnen Dezernaten zur Dienstbesprechung eingeladen und in das genauere Verfahren eingewiesen. Jedem Klassenlehrer wurden eine bespielte Tonkassette und eine Mappe mit zwei Arbeitsbögen für die Schüler nebst einem Elternfragebogen überreicht. Die Schüler hatten zunächst einen plattdeutschen Text, der auf der Kassette vorgesprochen wurde, ins Plattdeutsche zu übersetzen. Danach mussten die Kinder hochdeutsche Wortgruppen ins Plattdeutsche übertragen. Anschließend wurden diese Tests von den jeweiligen Klassenlehrpersonen vorauswertet. Diese Methode hat sich als sehr praktikabel erwiesen. Insgesamt war die Art der Beteiligung der Grundschullehrpersonen sehr positiv, was sich insbesondere bei Rückfragen zeigte, die vereinzelt nötig waren.

Zeitgleich war zunächst schriftlich, dann telefonisch und schließlich persönlich Kontakt aufgenommen zu dem niederdeutschen Sprachwissenschaftler Prof. Dr. Ludger Kremer, der gezielt die jeweiligen Schritte im Emsland fachspezifisch kommentierte und Tipps gab zu der weiteren Vorgehensweise. Weiterhin stellte er das emsländische Vorhaben auf der jährlichen Pfingsttagung der beteiligten niederdeutschen Sprachwissenschaftler vor. Daraus ergab sich das Angebot des Kieler Lehrstuhlinhabers Prof. Dr. Hubertus Menke, dass in der dortigen niederdeutschen Abteilung die emsländischen Daten sprachwissenschaftlich ausgewertet werden konnten. Da vom Landkreis die entsprechende finanzielle Zusage kam, konnten nach einer Vorauswertung fast 10.000 Seiten Schüler- und Elternbefragung nach Kiel gebracht werden.

Veröffentlichung der Ergebnisse

Damit lag eine umfangreiche regionale Untersuchung vor, die erstmals unterschied zwischen aktiver und passiver Sprachkompetenz auf Grund objektiver Testdaten. Die Diskrepanz zwischen diesen beiden Untersuchungswerten war auch in Fachkreisen so nicht vermutet worden: Nur noch drei Prozent der damals Zehnjährigen konnten gut plattdeutsch sprechen, aber über 40 Prozent der Heranwachsenden vermochten plattdeutsch noch gut zu verstehen.

Im Vorfeld zu dieser Untersuchung war von dem damaligen emsländischen Oberkreisdirektor Karl-Heinz Brümmer in einem persönlichen Gespräch in Aussicht gestellt worden, dass die Ergebnisse etwa im Rahmen der schon bestehenden Buchreihe „Wald im Emsland und „Moor im Emsland“ unter dem Titel „Plattdeutsch im Emsland“ veröffentlicht werden könnten. Als dann die Auswertungen der umfangreichen Untersuchungsdaten schriftlich vorlagen, zeigte Hermann Bröring als Nachfolger des plötzlich verstorbenen Karl-Heinz Brümmer auf dem Chefsessel der Kreisverwaltung offenbar wenig Interesse an einer Veröffentlichung des Aufsatzes in der Region, obwohl die bisherigen Sachkosten für diese Enquete großzügig vom Landkreis bezahlt worden waren. In einem Gespräch mit ihm und zwei weiteren Treffen mit Herrn Diekmann als Leiter der Schul- und Kulturabteilung des Landkreises stellte sich zunehmend deutlicher heraus, dass eine Veröffentlichung von dort nicht unterstützt werden sollte.

Daraufhin bot Prof. Dr. Ludger Kremer an, die Auswertung aufzunehmen in eine Aufsatzsammlung mit dem Titel „Diglossiestudien“[5]. Darin wurden weitere, allerdings kleinere Untersuchungen diesseits und jenseits der holländischen Grenze jeweils in der Landessprache vorgestellt. Damit war nun leider verbunden, dass diese emsländischen Ergebnisse in Wort und Grafik nur einem ganz begrenzten sprachwissenschaftlich interessierten Leserkreis vornehmlich außerhalb des Untersuchungsgebietes zugängig waren.

[1] Bernd und Eva Robben, Mundartgebrauch im Kreis Emsland. Eine regionale Schüler- und Elternbefragung, in: Diglossiestudien. Dialekt und Standardsprache im niederländisch-deutschen Grenzland. Hrsg. von Ludger Kremer/Landeskundliches Institut Westmünsterland (Westmünsterland. Quellen und Studien, Bd. 1), Vreden 1993, S. 89-122 (das letztere weiterhin, Kremer, Diglossiestudien). Für die Grafschaft Bentheim gibt es eine neuere Studie über die Sprachverhältnisse unter den Altreformierten hauptsächlich der Niedergrafschaft, die lange Zeit dreisprachig (Niederländisch, Hochdeutsch und Plattdeutsch) waren, wobei sowohl das Niederländische wie das Plattdeutsche an Boden verlieren (Melanie Bolks, Zur Triglossie in der Evangelisch-altreformierten Kirche der Grafschaft Bentheim – eine empirische Untersuchung, in: Niederdeutsches Wort. Beiträge zur niederdeutschen Philologie Bd. 44, Münster 2004, S. 217-233).

[2] Dieter Stellmacher, Wer spricht Platt? Zur Lage des Niederdeutschen heute. Eine kurzgefaßte Bestandsaufnahme (Schriften des Instituts für niederdeutsche Sprache, Reihe Dokumentation, Nr. 14), Leer 1987.

[3] Die Befragung wurde von Kremer in Zusammenarbeit mit dem Schulamt des Kreises Borken im Jahre 1981 durchgeführt, die Ergebnisse wurden in zusammengefasster Form veröffentlicht in: Ludger Kremer, Mundart im Westmünsterland. Aufbau, Gebrauch, Literatur (Schriftenreihe des Kreises Borken, Bd. 5), Borken 1983 (weiterhin Kremer, Westmünsterland).

[4] Der damalige Leiter des Schulaufsichtsamtes Emsland, Schulamtsdirektor Alfons Lögering, nahm dankenswerterweise sofort die Idee der kombinierten Schüler- und Elternbefragung auf und richtete zu ihrer Vorbereitung eine Arbeitsgruppe mit Helmut Diers, Karl Oldiges und Bernhard Tengen ein.

[5] Kremer, Diglossiestudien (wie Anm. 1).