Meine kleine Schwester Wilma! (12)

 

Im Alter von 3 Jahren starb sie plötzlich innerhalb von 2 Tagen an der Krankheit Diphterie. Ich war im Sommer 4 Jahre alt gewesen. Dieses schreckliche Erlebnis war Anfang Dezember 1932.

Es folgte ein trauriger Heilige Abend. Die Kerzen am Tannenbaum wurden bald wieder ausgepustet. Wir konnten alle nur weinen. Traurige Eltern, ein weinender Großvater, selber Heimweh nach der Schwester.

 

Die Zeit heilt Wunden!

Der feste Glaube an Gottes Willen und die Gewissheit, das Kind ist nun im Himmel, half über vieles hinweg.

 

Der Opa war für uns Kinder der „Fels in der Brandung“. Er hatte uns reichlich aufgeklärt über Himmel und Hölle, Engel und Teufel. So hatte sich die kleine Schwester eine Vorstellung gemacht vom Himmel mit einem Tor. Wilma hatte kurz vor ihrem Tod dem Opa gesagt: „Wenn du tot bist, hole ich Dich am Himmelstor ab!“

Der Opa war sehr erschrocken und wollte es dem Kind ausreden: „Du bist noch sehr jung, Du fängst erst an zu leben!“ Die Kleine ließ sich nicht beirren und blieb bei ihrer Aussage.

 

Opa starb 1939 im Alter von 86 Jahren. Wilma stand bestimmt am Himmelstor.

Zum 60. Geburtstag für Maria, meine älteste Schwester am 02.11.1985 (13)

 

 

 

  1. Vor 60 Jahren am Waldesrand,

zum ersten Mal die Wiege stand.

Ein kleines Mädchen mit Fliegengewicht,

im Waterkuoten geboren ist.

 

  1. Die Mama, der Papa, sie war’n voller Freud.

Von rundherum kamen allweil viel’ Leut’.

Und Opa und Anna meinten voller Stolz:

„Das wird ein Mädchen aus unserem Holz!“

 

  1. Und jedes Jahr, so sollt’ es wohl sein,

stellt wieder sich der Klapperstorch ein.

Du warst viel zu schnell die „Große im Kreis“,

ich will mal erzählen, was ich noch so weiß.

 

  1. Mit vier Jahren hast Du uns Laufen gelehrt,

mit dem Besen das ganze Haus gekehrt.

Weil Mama die Hände mit Arbeit so voll,

fand sie Deine Hilfe einfach ganz toll!

 

  1. So blieb es dann auch in all den Jahren!

Haben stets Deine Liebe und Hilfe erfahren.

Bei uns war leider die Mama oft krank,

Du nahmest schon sehr früh viel in die Hand.

 

  1. Als kam das jüngste Schwesterlein,

ließ uns die Mutter wieder allein.

In Deiner Obhut hat sie nichts entbehrt,

wie Ihr seht, hat ihr an nichts gefehlt!

 

  1. Du hattest schon früh Deinen Ordnungssinn,

wir wussten ja nie mit den Klamotten, wohin?

Jedes Hemd, jeder Strumpf hatte seinen Platz,

Du warst für uns alle ein richtiger Schatz!

 

  1. Bald warst Du ’ne junge, hübsche Maid,

das sah auch Heinz Middelberg voller Freud’:

Und August und Lina waren gar nicht dumm,

sie kriegten Euch beiden schnell herum.

 

  1. Die Unnerrest war ein Trümmerhaufen,

da waren „die Beiden“ ja weggelaufen.

Viel Fleiß, viel Arbeit habt Ihr erbracht,

mit Deiner Hilfe ein Schmuckstück gemacht.

 

  1. Und hier auf der Unnerrest lässt nichts auf sich warten:

Die Kinder, der Mann, das Vieh und der Garten.

Und erst Deine Küche ist weltbekannt,

Dir ist wohl noch niemals ’was angebrannt.

 

  1. Wir wünschen Dir all für die nächste Zeit

Gesundheit und Muße und sehr viel Freud’!

Die Kinder und Enkel und Mann und Garten,

hab’ den Mut – und lass sie alle mal warten!

 

Herzlichen Glückwunsch, bleib’ schön gesund,

das sagt mein Herz und nicht nur mein Mund!

Meine Mutter (11)

Über meine Mutter habe ich kein Gedicht geschrieben. Sie war – wie selbstverständlich – immer für uns da. Sie war, wie tausend andere Mütter auch:

Dienerin und Königin zugleich.

Sie konnte gut singen und hat uns manches Lied gelehrt. Eines dieser Lieder ist:

Wenn Du noch eine Mutter hast …

Diesem Text ist – in Bezug auf meine Mutter – nichts mehr hinzuzufügen.

 

Wenn Du noch eine Mutter hast

 

  1. Wenn Du noch eine Mutter hast,

so danke Gott und sei zufrieden.

Nicht allen auf dem Erdenrund

ist dieses hohe Glück beschieden.

 

  1. Sie hat vom ersten Tage an

für Dich gelebt in bangen Sorgen,

sie brachte abends Dich zur Ruh’

und weckte küssend Dich am Morgen.

 

  1. Und warst Du krank, sie pflegte Dein,

den sie mit tiefem Schmerz geboren.

Und gaben alle Dich schon auf,

die Mutter gab Dich nicht verloren.

 

  1. Sie lehrte Dich den frommen Spruch,

sie lehrte Dich zuerst das Reden.

Sie faltete die Hände Dein

und lehrte Dich zum Vater beten.

 

  1. Sie lenkte Deinen Kindessinn,

sie wachte über Deine Jugend.

Der Mutter danke es allein,

wenn Du noch gehst den Pfad der Tugend.

 

  1. Und hast Du keine Mutter mehr,

und kannst Du sie nicht mehr beglücken,

so kannst Du doch ihr frühes Grab

mit frischen Blumenkränzen schmücken.

 

  1. Ein Muttergrab, ein heilig’ Grab,

für Dich bleibt es die Lebensquelle.

Oh, wende Dich an diesen Ort,

wenn Dich umtost des Lebens Welle!

Mein Vater wäre am 9. Mai 1995 100 Jahre alt geworden (10)

 Kleine Aufzeichnungen aus dem Leben von Johannes Koch

 

De graute Wecker wöit jeden Aumend mit de Glocken veglieken,

Du däß no stillken vön Pröimken herbieten.

„Maket dat Lecht glieks ut,

de Dürdens sind faste tou.

Ick goh jetz no’n Berre,

denn upstaun murr ick frouh.“

 

Den ännern Muorn, den Stuoben hasse schön warm,

löipes Du oll lange an de Isenbahn.

Doa mösses Du immer non Rechten kieken,

et harre doch woll keiner watt up de Gliesen schmieten!

 

Watt Du olles alleine häss maket,

doa wöiten sick van Dage bestimmt 2 Mann ran maken.

Un kott nau Merrag, nei et was kein Witz,

keimes Du de Waterfur hoch – wie ein Blitz!

 

Wi kreupen in den Laufschoppen dann,

un luerden dat Kraum doa est moll aff.

Nu wöit et Tied, ganz schnell datt Wiärktüeg, de Stricke, den Riesebessen

in iähre Kassens, in iähre Ecke.

 

Oss Kind häw ick Di in Erinnerung,

Du wös immer ielig un vuller Schwung.

De Arbeet flöig Di vanne Hand,

dofö wös Du üöweroll bekannt.

 

Fö us Kinner hass Du wenig Tied,

un manges hass Du mit us auk Striet.

Wenn de Schoulweg orre dat Spielen to lange harre duert,

un Du hass oll up us luert.

 

Watt stönd van Üörnen woll uppen Programm,

ewas geif et immer to doun, off et kault was orre warm.

Inne Maitied den ganzen Brink affkierden,

in Sommerdag röipes Du ut de Niendürden!

 

 

 

– 2 –

 

Schnell de Kögge vön Ringsenwagen,

wi mössen Heu orre Körden upladen.

Biet Gassenmäggen den ganzen Klowwer ut de Dießeln söiken,

un wehe, wi saiten Di to lange vö de Föite.

 

In Hiärwstdag dat Lauf to haupe kerden,

un Holt söiken mössen wi auk faken.

Un mösses Du Sönndagsüörnes moll no de Hütten,

was de ganze Sauterdag auk holl inne Dutten !

 

Dann was de Gefoahr fö us graut,

datt de Kögge nich drofften achtern Drauht!

Dann geif et dat Strick ümme de Hörden,

un wi töigen mit de Kögge ümme den Goarden.

 

Wi hätt owwer schon lange en Inseihn daun,

Du häss doch bloß olles för de Familge daun.

An de haugen Fierdage dann,

do stönnes Du immer Dienen Mann!

Wittensönndag, Fronleichnam un Telgter Wallfahrten,

doa dröiges Du immer ganz andächtig de Fahnen.

 

Un dann est Wiehnachten mit den Heiligen Aubend,

doa konnen wi Kinner immer wä stauhnen.

Wenn Du dann röipes dür de Düden:

„Ick gläuwe, dat Christkindken is wä doa wiesen!“

 

Wie verzaubert stönnen wi dann fö den Dannenbaum.

Du un de Mamme hann wä dat Beste fö us daun.

Un os wi dann ut dat warme Nest een non ännern sind gauhn,

häss Du us olle düchtig to Siete stauhn.

 

Wi hätt olle bowwet, ganz Nigges orre wat dran,

Du wörs an de Speismühlen immer de eeste Mann.

Wi göngen sau nau un nau ut den Huse,

dat was immer fö die schwoar.

 

Doch wi göngen jä nich mit eenmoll,

et bleiwen immer no wecke doa.

Doch oss dat Leste die geif ton Afscheid de Hand,

dau dräggeres Du Dien Gesichte no de Wand.

 

– 3 –

 

Ganz selten säug man bi Di Traunen inne Augen,

doch jetz konnst Du se nich mä haulen.

Doch dann pakere Hewig und Josef Di un de Mamme unner den Arm:

„Nu kuomet män mit us noa Hues hen, doa häw wi et auk immer schön warm!“

 

Watt hässe Du den Herrgott un de Kiärken verährt,

Du makeres in Dien Liäben nich vieles verkährt.

Watt hass Du use Mamme leiv,

Trotz iähre Krankheit un sau manchen Verdreiht.

 

Wenn se 20 Moll froggte an den Dagg:

Häww wi van Dage Sönndag orre Sauterdagg?

50 Moll leig de Rosenkranz up ne ännere Stie,

mit vull Geduld un Humor feundes Du den immer wä wier!

 

Du löites de Perlen auk einige Moll dür Diene Finger glien,

fö us olle to biän, dat was Dien Sinn.

Un oss Du de lesten grauten Reise treites an,

dau geif use Herrgott Die siene Hand.

 

Doa buoben hanse flagget,

de Heilige Barbara und de Heilige Isidor,

stönnen mit iähre Banner, wat Du sau oft häss driägen,

vö’t graute Himmelstor.

 

De Engels hann de Fensters putzt,

Petrus harre sienen Bart no stutzt,

denn sau eenen wackerern Kumpan,

kümp hier buoben nich olle Dage an!

 

Petrus, de segg: „Nu kumm herrin!“

Nei olles, watt recht iss!

De Leutnant ut den eesten Weltkrieg was fö Die een prima Kerl,

doch Du, Du bis et noa viele, viele mähr!

 

Hagen a.T.W., 9. Mai 1995

Martha Herkenhoff geb. Koch

Datt Öihmleid (9)

(aus: Wo is datt mit Siska?)

Nu hört juch datt es an, watt ick os aule Mann,

juch nu vötellen kann, datt is kein Spass.

Ick was nich immer ault, was auck moll jung un stolt,

wenn auck de Tiet daumols no änners was!

Ick harre son Wichtken gern, un Libett was de Deern,

un ach twei Augen harre sei sau blau!

Kriegs du sei, dacht ick mie, watt wört een Glück fö die,

un du wöers fö dien ganze Liäben frouh.

 

Un dau saiten wie bieneener beide an de Koulen,

un ick dacht’ bie mie: „Watt wöer datt schön!“

Konns’ Du gieben nu den Wicht een Mülken up de Moule,

wör’n allein, et seuch us hie nicheenen.

Bloß datt Moindken lurde achtert aule Törnken.

„Nu is Tiet“, dacht ick, „nu küer die ut!“

Un et roik sau schön datt Heu, man ick was ja viels tou blö’,

un ick harre kein Mout un kreig kein Wort herrut!

 

Den ännern Dag ick dröip den Josep up den Hoff,

ick sägg: „Du bis mie doch een klouken Mann!

Kanns Du nich fö mie friggen, weil ick sau blö’ nu bin,

up’n Päcksken Tabak kümp et mie nich an!“

He sägg: „Wenn datt sau is, dann do’k datt ganz ümmesüss,

de Haupsaak is, datt ick die helpen kann.

Segg’ Libett was de Deern, he dä’t noamoll sau gäden,

un ännern Aumend geiff he sick oll dran.

 

Un dau saiten sei bieneener beide an de Koulen,

Josep un datt leiwe söite Wicht.

Un up eenmoll geiff he iähr een Mülken up den Moule,

Un ick dacht’, et schlait em in’t Gesicht!

Flöitepiep de Deern de löit sick gar nich stören!

Nei, et mak’t saugar ’ne spitze Schnout.

Un ick stönd an Tuorn un graint, un dat Moindken jau dat scheint,

un et was mie jüst os lachere he mit ut!

 

Un os de Schreck vöbie, Dag’s drupp doa dacht ick mie:

Nu geihs’ du es de Saake up den Grund!

Ick göng noa Josep hen, he was doa jüst allein.

Ick sägg: „Du bis mie doch een leigen Hund!

Wie kanns’ mie datt andoun, datt kannk doch nich vöstauhn!“

„Ja, ja, dei Liebe, dei kümp mangest rask!“

Segg: „Libett was fö mie, sei was ja nich fö die!“

Un doamit höwwe ick em eene an dei Mask!

 

Un dau stönnen wie bieneener beide an de Koulen,

un wie schlöigen upeenänner tou.

Josep de harre baul ’ne ganze scheife Moule,

un ick harre twei Augen – ach so blau!

Un datt Moindken luerde achtert aule Törnken.

Mann, mien Glück was wäch un keimp nich wier.

Doarümme goa gie moll in’t Heu, Kinners, dann siet nich sau blö’,

süss geiht et juch oas mie, gie sitt dann an de Müer!

 

Kiärmiß is nich olle Dage (8)

Kiärmiß keimp fö us Kinner früher forts nau Wiehnachten un Oustern.

Datt ganze göng eest Sönndagsüörnens löss. De Pappe göng owwer no eest mit us in de Andacht. Wenn de Pastor datt Tantum Ergo süng, horden wie schon ganz helle de Musik van de Karussels un de Luftschaukel. De Andacht was ganz wiet wiäge!

Noa datt Karussel mit de hölten Piäre mössen wie oss eestet hen. Watt was datt een herrlichet Vögnöigen! Datt allerschönste was fö mie de Stand bie Kreimers fö de Dürden. Doa geif et ollerhand Spielsaken un jedde Sotte Bölkes, Lakritze und Nappos. Ick häwwe mie eenmoll ne ganz kleene Puppen mit den passenden Puppenwagen kofft. De was kaum teggen Zentimeter lang un ut ganz dünnet, buntet Blech maket.

Up den Trüggeweg kofften wie noa Bieskes un Hättkes bien Bieskenbäcker. De harre siene Boon bie Dammermann vön House. He schlöip doa auk eene Nacht drinne.

Wie göngen glücklich un toufriär wä noa Hues un fröwwen us schon up de neigeste Kiärmiß.

 

Die beiden folgenden Lieder stammen aus plattdeutschen Theaterstücken von August Wibbelt. Sie wurden nach dem 2. Weltkrieg in Hagen vom Kolping aufgeführt.

 

 Kiärmiß is nich olle Dage

(aus: Wildrupps Hoff)

 

Kiärmiß is nich olle Dage,

Kirämißdag is watt för’t Hiärt.

Freut sick auck de kleinste Blage,

sitt vögnöigt up’t hölten Piärd.

Un de Jungens un de Wichter

mak’t sick prick un mak’t sick praut,

Wenn in Danzsaal brennt de Lechter

stoaht se oll’ im stiefen Staut.

 

Hei! Watt lacht so blau de Himmel,

olle kriesket för Pläsier,

Un datt Karussellgebimmel

lütt sau schön tou Schnaps un Bier.

Wicht, lott us een Dänzken dreggen,

Schöttsken , Walzer un Galopp.

Wenn de Hahn fäng an tou kräggen,

sin wie noa een ganzen Tropp.

Schlachtefest – vö üöwer 50 Joahr! (7)

 

Vö 50 Joahr, jau, dau was dat sau,

wecke daumols schon liäwere, de weit dat auk.

Däi Dage wöiten kott, de Nächte lang,

de Sturm teug mit Riängen üöwert Land.

De Wind spielde mit de lesten bunten Bliär,

hauge an Himmel teugen de Kraunen hiär.

 

Wenn de Schwienekierdel van friske Steckröiben röik düt ganze Hus,

dann was et Hiärwst.

Dann keiken sick de Mamme un de Pappe en Schwien ton Schlachten ut.

Et wöit jä jedes Mol lange üöwerleggt,

üöwer den Toustand „bäsk“ wöit je nix van seggt!

Dann göng eener no Gausenkuoten Matzken,

de föng dann Maundags 4 Uhr an to schlachten.

 

Oje, oje, de ganz Sönndagüörnen was auk holl in Juchhee!

De Pappe föng nau Kaffeetied an to rütereden,

de Schwienekierdel mösse mit den Wäskekierdel utwesselt wäden.

Graute Backfels Splittern un Busken wöiten stapelt,

to sonne Aktion brukere man ollerhand heetet Water.

Raipe und Stricke liär he paraut,

an at Bloutfatt dachte he auk.

 

Wenn wi Kinner dann nössen no Schoule gauhn,

harre sick up de Diäl um den Waskot schon sau manches daun.

Vö lauter Schwasen konn man kaum wat seihn,

denn de Kilwatts wörn män kleen.

Eene Kabellampen höng hauge bi dat Schwien anne Batzen,

sau konn de Schlächter biäter de Bössen afkratzen!

 

De Stuoben was je woll schön warm,

doch doa was de eeste Stufe ALARM!

Achter de Maschinen in witte Laken un Wannen,

schön toudecket mit aule Röcke, wo wi jä nouch van han’n,

sait dat Ingeweide, mit wat fön Gestank,

hie konn man nich lange bliewen, hie wätt man ja krank.

 

Oss Kinner konnen wi gar nich schnell genoug de Kurve kratzen,

owwer später hölpen wi mit to schmattken.

Van de Diärmen wöit ganz niepe dat Fett affsöggt,

dann wöit dat ganze Kraum noa Buten anne Pütten brocht.

Hier wöit dann miäten – sau lang wätt de Wurst!

 

Doch eeste mösse de ganze Scheiße do moll herut!

„Laut’ blauts den Ellepuns und de Blausen heele!“

Dat wörn jä ganz besondere Deile!

De schönste Wurst in Sommerdag

Keimp ut sau een Material vön Dag.

 

Nu, wenn dat Schwien eest höng an Haken,

mössen wi eest moll richtig reggenmaken.

De Schwienebössen, dat Blaut, dat Fett,

wi freig man dat bloss olle wä wegg?

Mit Häidwip, Riesebessen, Sand un Asken

Mössen wi Pötte, Emmers, Diske und Boden affkratzen.

 

De kleene Gehle was bestellt, he gniepere achter de Trichienen,

bi us konn he owwer keine fienen.

He keik no sau an dat Schwien de dale,

schlöig eenen Stempel uppe Schwoden,

un kreig doafö van de Mamme eenen Daler.

Giegen Aumend, de Diäl was witt, dat Schwien was kault,

dann keimp de Schlächter wier un schneit dat Fleisk paraut.

 

De Schinken un Speck keimen in Sölt in den Pierkekum.

Ick mutt seggen, de Lüer früher wörn gar nich dumm!

De Schmoltpott keimp uppet Füer,

de Pappe dreggere dat Mett noa düer.

He schruwwere sick de Hände reggen,

ümme dat Mett richtig to kniän un to weggen.

 

Mit de Piepertunnen, doa kennde sick de Mamme ut,

wat doa olle fö Gewürze dran mössen harre se schnell herut.

Dann keimen – flitz, flitz – de dünnen Diärm up dat Höden,

sau konnen dat önnige Mett- un Plockwürste wäden.

Un dann kreig de Mammen fö us olle sau richtig wat in de grauten Pickepannen:

gruowet Mett mit Siepelringe, schön brutzelt un brott,

Ick häwwe sauwatt schon vögeblich up de Speisekarte socht!

 

De eeste Dag was nu Gott Dank ümme,

an den twetten denk ick gar nich gäden trügge.

Et keimen auk noa van de Verwandten een of twee ganz düchtige Tanten.

Die Wurstekirdel wöit wä bott den ganzen Dag,

mit de Splittern un Busken redde dat gar nich aff.

 

Sau manchet Deil, de Stät, de Kopp,

mösse eest gallern in grauten Pott.

Dann wöit wä drägget un misket un menget.

De Stuorm, de Küörken wöiten viels to enge.

De Bloutwurst, dat Würstebraut richtig röden,

dat Kraum mochte sau grauts keiner probeeren.

De Liärwürste sollen besonders gout schmecken.

„De kürn wi owwer noa mit Miähl un Spiesewater strecken!“

 

Kein Schrank, keine Düden, kein Emmer, kein Pott,

woa nich Blout anneseit orre Miähl orre Fett.

In de Nazitied schlachten wi auk wolle en Schwien mit twee Köppe un 4 Ohren.

Dat was fö us olle ne graute Gefoahr.

Dat eene Schwien was witt, dat ännere schwatt.

Man kreig de vielen schmächtigen Lüer nich mä satt.

 

Den Wurstekierdel böiten konn no lange nich jeder,

doa mösse man extra tou studeeren.

Dat Water droffte nur kriwweln, jau nich to butt,

süss platzede de Pelle wä kaputt.

Un höngen de Würste dann endlich in Wiemen,

konn us Mamme fö Fröide woll grienen.

Un baule töig dürt Hus Füer un Schmauk,

de friske Ware brukere ollerhand Rauck.

 

Han sick bett von Dage nich ännert de Dinge

kreigen wi mit Sicherheit Straffe orre Entwicklungshilfe.

Dat Leste von den ganzen Helau was de Burgpitzk,

de höng dann in Baume,

de was fö de Vügel un nich fö dumme Fraugen.

 

 

Hagen a.T.W., im Jahr 1989

Martha Herkenhoff geb. Koch

Eene woahre Begiebenheit ut den Joahren 1946/47 (6)

Et was fö genau füftig Joahre, de twette Weltkrieg was een Joahr vöbie. Ick was to de Tiet jüst 18 Joahre jung. Miene Aulen un no sess Geschwister han us sau recht un schlecht dür den Krieg schlagen.

Ick was eene van de Ölsten un mösse – auhne eenen Beruf to lärden – bie olle Arbeeten, de et sau gaff, düchtig mithelpen. Miene Mamme was kränklich un mösse oft in’t Krankenhues. Sau was de Wegg fö mie auhne graute Kommentare fastelegt.

Eenes Dages segg de Mamme: „Du mösses doch auk eigentlick fö een Joahr moll in eenen biäteren Huesholt, ümme de fienen Küöken to läden.“

Et durde gar nich lange, dau harre se mit miene früheren Lehrerin dat passende founen. Ick keimp to’n 01.10.1946 no Mönster in eene Pastraude, de to de Lamberti-Gemeende horde.

Arbeeten un Behelpen was ick je van Hues ut gewuont, doch watt doa olles up mie toukeimp, kann ick bet van Dage noch nich vögieten.

De schöne Stadt Mönster leig to’n grauten Deil noa in Schutt un Asken. Mitten in de Strauten wörn no riesengraute Schlaglöcker. Bie Riängenwiär harre ick gäden Gummistiefel antuogen, doch sau eenen Luxus harre ick nich. Ick häwwe no Hues henschriewen, se sollen mie umgehend miene Holsken schicken. Eene Wierken läder keimp dann son Papppaket an. Ick häwwe den Holsken eeste striepet, denn Heimweh harre sick auk instellt. Et keik mancher afgünstig achter mie her, wenn ick mit miene Holsken un schaupwullne Socken dür Mönster löip.

Weil de Pastraude total van Bomben zerstört was, wuonde de Pastor in de eesten Etage direkt an de Lamberti-Kiärken, Ecke Salzstrasse.

Et keimp de lange, kaule Winter. Küöhle un Holt toun Böiten wörn düchtig knapp. Man feund in de ganzen Stadt kein Stücksken Holt orre ne aule Latten, datt konn jeder gout fö sienen Uoben bruken.

De Herr Pastor harre in den Keller van de kaputten Lamberti-Kiärken no eenige Zentner Küöhle entdecket. Van doa ut konn man unner de Straute her in usen Keller kuomen. Et was ganz düster un gruselich. Üöwern Koppe drüppere et ut graute Kanalrohre. An de Föite huschen Ratten vöbie. Weil et jä nu keiner wieten droffte, datt wie no Küöhle harren, makeren wie olle paar Aumende eene Kohlenaktion. Datt hett, de Herr Pastor, de Hueshöllerske un icke, teugen us aule Männel un Riängenmännel an un setten us aule Höhe up den Kopp – wegen de Drüpperigge.

De Pastor göng mit eene Taskenlampen vöran, un wie mössen doa sau achterher feulen. Wie konn dütt Küöhleschlüden nur ganz lade maken, wie mössen ganz sicher sein, datt keiner mä in den Treppenhues herümme löip.

De kaule Winter neimp gar kein Ende. Je länger de Dage wöiten, desto keuhler wörd et. Eenes Dages wörn de ganzen Waterleitungen un Abflüsse toufruorn. Twee Moll an Dag keimp een Kärl van de Stadt un dräggere den Hydranten löss. De was direkt bi us vö’n Huese.

De Mann pingelde dree Moll, un de Jagd achter dat Water göng löss. Wie han Gott Dank no een paar heile Emmers. De Lüer üöwer us han nur eenen Pott mit eenen Henkel un van de Frisierkommouden sonne Kannen mit Becken. Doa schüppkeren de mit in Treppenhues herümme – et bleif keine Stufen dreuge.

Ick häwwe mi immer beielt, saumit konn ick de beeden lesten Emmers vull dann no Buoben henbringen, süss harre sick dat ganze Kraum nich lohnt. Et keimp no schlimmer, de Hydrant was auk ganz toufruorn.

Wie mössen jetz dat Water to bestimmte Tieten ut de Handwerkskammer halen. Wat was datt een Toustand. Nu seug man eeste, watt man unbedingt an Water brukere. Wenn man Küöhle un Water genoug in de Etage harre, was de halwe Dagg ümme. Dat Ollerschlimmste was owwer, datt wie dat Klo nich mä benutzen drofften. Watt sollen wie nu maken?

Use Hochwürden – Gott hab’ ihn selig – neimp eenen aulen Brettstouhl un sagere doa een Lock drin. Doa wöit een Emmer drunner stellt. Et geif fö Geld un goe Wörder keine Deckel fö den Emmer. Saumit wöit doa eenfach een Pappdeckel drupp leggt. Wo solln wie doa owwer nu mit henn?

Unnern an de Straudenecke Salzstrasse was een ziemlich gruowen Gulli. Weil ick nu sauwatt nich an hellechten Dagg utkippen konn, mösse ick des Muorns schon up Drauht sein.

Use Köster, de twee Etagen üöwer us wuornde, harre ne graute Familge mit niegen Personen. To’n Angeluslürden des Muorn ümme sess Uhr was he holl mit twee Emmers vull vö mie an den Gulli wiesen. He harre kein Water toun nauspöilen bruket, sau kürnt gie juch sülwest woll vöstellen, watt doa vö’n Haupen up den Gulli fastefruorn was.

Auhne heetet Water un ne Bräckstangen was hier nix to maken. De Hueshöllerske häff den Köster owwer eenmoll sau richtig de Wacht an’n Rhein sungen, seitdem was de Gulli in Ordnung.

Wo he mit sein Kraum bliewen is, häff he us nich vörott.

Ick kann juch säggen: Fiene Küörken läden …!

Wie han je Glücke, datt wie nich – wie üblich – 25,– RM toubetalen mössen. Weil ick nu uterhalb de Küörken sauviele ännere Arbeeten maket harre, kreig ick monatlich 25,– Reichsmark utbetahlt.

Hagen a.T.W., den 11. Juni 1996

Martha Herkenhoff geb. Koch

De Hausierer (auck Leuper genannt) (5)

Oss ick noa een Kind was, wöiten sau manche Artikel an de Huesdüden verkofft. Doa keimp son Schmantbuer, de transportede mit datt Fahrrad eenen grauten Holtkuffer. He verkoffte olle Sotten Puddingpulver.

Wie Kinner sprüngen schnell in de langen Bank un tofften up den Moment, wo de graute Deckel lösssprüng. Watt fö herrliche Gerüche keimen ut den Kassen: Schokolade, Vanille, Mandelgeschmack, rote Grütze un olle Farben Wackelpudding. De Mamme koffte immer watt up Vorrat – den Pudding mochten wie olle gäden.

Een ännerer Kärl keimp van Tied tou Tied un verkoffte Senft. Achtern up sien Fahrrad stönnen in eene Holtkissen schöne Litter-Steinpötte vuller Senf. Den liegen Pott neimp he dat naigestemoll wä mit trügge.

Den Scherenschlieper häwwe ick noa in goe Erinnerung. Mit eenen Fout trait he son kleenen Schliepstein an, de Funken flöigen us baule int Gesichte.

Dann keimp auck noa regelmäßig sonne aule Biädeltante. De was immer ganz utschmachtet. Dat arme Fruesminske keimp immer in Merrag un göng dann dankboar wieder. Se konn us nur een paar Kleenigkeiten anbeen: Knäupe, Näggegoaden, Twist un Twänt un Sicherheitsnaudeln.

In eener Familge harre auck moll son Kärl mit den Packen ewwas verkofft. De kleene Franz harre garnix kriegen un graint. De Pappe segg: „Wenn nächstens een Leuper kümp, bekomms’ Du nigge Hosenträger!“

Doa was no een son Opa, de verkoffte söcke Pottschräppers, Heedwiep hedden de bie us. He spannde son hennigen Rüern vön Bollerwagen un sochte sick de Hee (Heide) in Bobiärg. De sülwest makete kleenen Heedwiepe verkoffte he auk mit Rüern un Bollerwagen.

He keimp bie us auk immer in de Merragstied un dreug sick up een Teller Eintopf. De Rüer kreig auk noa een Schlag Gemöis inne Dutten. Sau teugen de Beeden dankboar wieder.

 

Watt häff sick de Tied ännert!

Eine gefährliche Aktion (4)

Es war Ostern 1945.

Der Krieg sollte bald zu Ende sein. Aber wie?

Die Sirenen heulten bei Tag und Nacht – Bombenalarm! Wir waren alle sehr unruhig und hatten Angst.Ich wohnte damals – noch sechzehnjährig – bei meinen Eltern und 6 Geschwistern am Borgberg im „Waterkouten“. Mein Bruder, der nur ein Jahr älter war als ich, wurde noch im März 1945 eingezogen. Eine Tante mit ihrem kränklichen Sohn, die eigentlich in Hasbergen wohnten, waren ständig bei uns zu Gast. Somit waren wir täglich mit 10 Personen. In den letzten gefährlichen Tagen zogen noch einige Verwandte und Bekannte aus dem Dorf heraus zu uns. Wir legten uns – wegen des ständigen Bombenalarms – voll bekleidet zu dritt in die Betten. Geschlafen haben nur zwischendurch die Kinder.

Gegen Abend wurde ein alter, kranker Mann in einem Bollerwagen zu einem Nachbarn in Sicherheit gebracht. Man hatte ihn mit dem ganzen Bettzeug samt Nachtmütze in den Wagen gesetzt. Mein jüngerer Bruder, der dieses Gefährt kommen sah, rief aufgeregt: „Da sitzt ein Gespenst im Wagen; auf seinem Kopf ist eine große, weiße Gans!“

Der Vater erkannte die Situation. Wir wurden sofort ins Haus geschickt. Er selbst half kräftig mit, denn der Weg führte noch durch ein aufgeweichtes Waldstück.

Ich kann mich erinnern, dass wir – wir waren inzwischen 18 Personen – uns hauptsächlich von Kartoffelpfannkuchen ernährt haben. Die Zutaten dafür waren noch am ehesten vorhanden. Brotvorräte hoben wir in Form von „Knawweln“ (Trockenbrot) in einem großen Beutel auf. Das Brot wurde in heißer Milch oder schwarzem Kaffee wieder aufgeweicht.

 

Eine Tante und ein Onkel, die ein kleines Lebensmittelgeschäft an der Osnabrücker Straße betrieben, und deren Tochter mit ihren 2 Kindern bei uns Unterschlupf gefunden hatte, sagten uns für den Tag nach Ostern noch einige Pfund weißen Zucker zu. Weißer Zucker! Den hatten wir schon lange nicht mehr. Es gab zu der Zeit nur so ein braunes klebriges Zeug.

Die Gärtnerei Kalthöfer wollte am gleichen Tag Runkelrübensamen verkaufen.

Wir hörten die ganze Nacht Richtung Lengerich Schießereien. Am Morgen war es wieder ruhig. Wer war jetzt mutig genug die Sachen zu holen?

Mein jüngerer Bruder Hermann und ich machten uns auf den Weg. Wir standen geduldig in dem kleinen Laden und warteten auf den weißen Zucker.

Mein Onkel kam ganz aufgeregt ins Haus: „Leute, macht, dass ihr nach Hause kommt. Die feindlichen Panzer stehen schon am Friedhof!“

Nun auch noch den Runkelrübensamen holen! Wir verstauten alles in unserem Rucksack. Jetzt nur noch nach Hause!

Zur gleichen Zeit hatten die Alliierten von ihren Panzern aus noch deutsche Soldaten entdeckt, die durch den Eschersweg (heute heißt es „Am Borgberg“) liefen. Sie kamen aus Beckerode und eilten Richtung Wortmanns Hof. Diese armen Männer wurden mit Schüssen verfolgt.

Mein Bruder und ich ahnten nicht die große Gefahr, in der wir uns befanden. Wir rannten bis Dallmöller und versteckten uns in der Sägemühle. Es war kein Mensch zu sehen. Die Arbeiter hatten sich in Sicherheit gebracht. Wir warteten die Schießerei ab und krochen auf allen Vieren bis zum Kreuz. Hier haben wir geweint und gebetet: „Herrgott, beschütze uns alle …! Hilf, Maria, es ist

Zeit, …! Herr, gib uns Frieden …!“

Es blieb einige Zeit ruhig.

Wir robbten uns bis ins nächste Haus. Hier waren alle Bewohner in den Keller geflüchtet. Wir haben uns dort einige Zeit aufgehalten, unseren Rucksack dort stehen lassen und liefen weiter. Geduckt an Hunen Hecke entlang kamen wir bis Grimmelsmann’s Hof. Hier fanden wir in einer Wagenremise Schutz. Wir machten eine kleine Pause, das Herz schlug bis zum Hals.

„Ach, wären wir doch nur zu Hause geblieben!“ So dachten auch unsere Eltern, die voll Sorge immer wieder nach uns Ausschau hielten.

Jetzt noch ein Stück durch die Bergstraße, dann einfach rechts ab über die Felder nach Hause. Zu der Jahreszeit gab das Korn noch keinen Schutz. Wir haben uns auf dem Bauch liegend weiterbewegt.

Die feindlichen Soldaten müssen uns wohl als Zivilpersonen oder Kinder erkannt haben. Ich glaube aber auch, dass wir sehr gute Schutzengel hatten!

 

Hagen a.T.W., im Jahr 2001

Martha Herkenhoff geb. Koch