Zum 50. Geburtstag meiner jüngsten Schwester Hilde Ruthemeyer (15)

 

 Use Herrgott makere Fieraumend un siängere datt Land.

He stönd an eenen herrlichen Diek un keik üöwern Rand.

Hier stönd he gäden un auk faken,

hier stolzierden de Störke un de Poggen quaken.

 

Watt häw wie vön Dotum? 12. Juli Niegenteggenhunderteenunvettig!

Doa sind jä no ’n paar Kinner ferrig!

De möit unbedingt noa no’ Hagen brocht wäden,

bie Engelmeggers inne Steenkuhlen doa neimen se den dicken Jungen gäden.

 

De Sturk neimp datt Bündel vorsichtig in sienen Schnabel,

sau brochte he den kleenen Kerl ganz sicher noa Hagen.

De Herrgott segg to den Sturk: „Nu wätt et owwer Tied,

et is glieks 11 Uhr, un de Wägg is immer nütte wiet!“

 

Et was holl düster, datt kleene Wichtken in’n Schnabel,

sau fleug de Sturk ganz sicher noa Hagen.

Wo is de Waterkouten? Use Herrgott is jä verrückt!

Doa noa een Kind henn, doa han’se jä schon sieben Stück!

 

He keik hier un doa in de Fensters herrin,

feilde doa nich ännerwächten viel biäter een Kind?

Datt kleene Wichtken siä ganz sinnige: „Och, dott datt nich!

Doa unnern uppe Bank sitt ’ne Frau mit son fein Gesicht!

 

Un de Mann doagiegen mit de blobben Kappen,

datt süölt wäden miene Mamme un mien Pappe!

De hätt mie schon lange schluoten in iähre Hatten!“

 

De Sturk gaff nau, un he dachte bie sick:

„Do ais jä auk noa Maria, een ganz vernünftig Kinnerwicht!

Mit de ännern datt was olle sau viele noa nich!“

 

Den ännern Muorn, de Lüer wörn schon noa Telgte gauhn,

drofften wie datt kleene Wichtken bestaunen.

De Mamme harre ton achten Moll den Kinnerwagen hiärkriegen,

wie ne kleene Prinzessin soll et doa drin liggen!

 

Use Pappe was ganz up sien bestet Been,

son feinet Kindken harre he üöwerhaupt noa nich seihn!

Dau göng datt graute Roan ümme den Namen löss,

wie soll datt Wichtken heiten bloss?

 

De Mamme mende: „Monika, Waltraud, Euphemia!“

De Pappe: „Sau roup ick datt Kind doch nich, datt is doch woll kloar!“

Se wöiten sick eenig up Hildegard,

doch datt „Gatt“ soll bloß sien fö datt Blatt!

 

Wie wörn olle ganz schnell in Bilde,

datt kleene Süster soll heiten – Hilde!

Du wüösses – wie olle Kinner – schnell heran,

un gönges noa es wänners noa Schoule dann.

 

Doa wös Du auk kein bietken bange

un et durde garnich lange,

dau stönnes Du buoben uppen Pult to singen,

de schönsten plattdütsken Leeder löites Du erklingen.

 

Un auk süss has Du goe Noten doabie,

de Mamme un de Pappe un wie olle wörn ganz stolt up Die!

Du wöites baule een feinet junget Wicht,

sau kreig Die de Ruthemegger’s Hansi moll tou Gesicht!

 

Den ganzen Dagg harre he Die in Kopp un Magen,

un immer un immer keimp he wä noa Hagen.

Gie Beeden han juch baule leiv un gäden,

un ett soll auk eenmoll hieroat wäden.

 

Doch eest wöt noa bowwet, een resolutet Hues,

Hansi woll mit siene Mammen ut de Mietswohnung herrut.

Jüst tou de Tied satt he in Hannover tou lärden,

un bie den Rohbau mösses Du sau manches vöregeden.

 

Watt de Handwerkers bruket, Zement, Steine orre Sand,

datt neimes Du ganz schnell inne Hand.

Et was baule ferrig dat Hues, un de Hochtied stönd an,

Hansi hölt de schönsten Bruet wiet un siet anne Hand!

 

De Pappe geif Die ton Affscheed lachend de Hand,

doch wie’s da drinnen aussieht, datt göng keinen watt an!

Van ollen Sieten, besonders van use Aulen,

wöit Glück Die wünschket, et soll in Pattkenhoff recht gout Die gauhn!

 

Wie möit et olle neidlos seggen,

de Wunsk is in Erfüllung gauhn.

Du kanns in son grauten Huese regeden,

kanns wasken un putzen un wisken un fegen.

 

Un 2 Döchters hä gie, datt is ne Pracht,

sind auk holl an’t friggen, mit eenmoll, üöwer Nacht.

Un eenes, datt fiene wie olle ganz toll,

datt sick de Oma bie juch föihlt sau woll.

 

Et feilt iähr an garnix, immer alles Tip-Top,

van de Föite bes tou den frisch frisierten Kopp!

Un Hansi, Dien Mann, de liäwet noa in eene heele Welt,

os Stadtoberamtsrat bring he Die jeden Monat ’nen ganzen Sack vull Geld!

 

Siene Freizeit häff owwer een grautet Laster,

et sind siene Douben, de schiet üöwer Hues un Pflaster.

Owwer ick gläuwe, Du bis nich mä tou bedurden,

Du bis jä schon ganz verrückt up de Flugtied un iähre Uhrden.

 

Wie wünsket Die vull Gesundheit, datt Du noa lange hier herümme flitzen kanns’.

Diene Beine häss Du jä wä up den niggesten Stand!

De schönsten Modelle bie Krabbemeggers de mag de Chefin woll vestiärken,

süss nimms’ Du se olle mit, un löss datt mit Dienen Lauhn verriärken.

 

Doch auk datt günne wie Die van Hatten,

diene vielen Röcke, de bunten, de witten und de schwatten.

Du sass datt olles unbedingt sau behaulen,

diene beeden leiwen Tanten buoben in Huese mag Die de Herrgott noa lange erhaulen.

 

Gottes Siängen un datt ollerbeste doch

datt wünsket Die Diene Geschwister Koch!

Noch viele Jahre sollst Du leben,

noch viele Jahre bei uns sein!

 

Hagen a.T.W., den 12. Juli 1991

Deine Schwester Martha

Hedwig’s 50. Geburtstag (14)

 

 

Vö 50 Joahr, watt was’t en Hallou,

in Waterkouten keimp wä watt Lüttkes doatou.

De Hiäwsdag mit siene vielen Prumen, Appels, Kartuffeln un Bieden,

gaff sauviele Arbeet, et was us Blagen rein touwieden.

De Diäl wöt noa widdelt, de Gardinen wursken,

un jüst dau keimp datt Hedwig doatüsken.

 

Wie wöiten wä ut’n Berre rett,

Nauber’s Grete was bange, wie wörn jä sau nett.

Ganz schnell inne Holsken, de Föite blaut,

ne graute Kouhhederjacken üöwer’t Nachthiemd, was vierste graut.

 

Sau stönnen wie bie Rottmes vö de Düden,

de konnen vö Lachen den Drei nich kriegen.

Den ännern Muorn, nau de unsachten Nacht,

wie han jä nich in Draume andacht,

 

leig son ganz kleen söitet Wicht inne Weigen,

dat kleene Süster harre jä sau gäden Rottmes Grete kriegen.

Nei, sauwatt keimp üöwerhaupt nich in Frage!

Saugar hänsken mende ganz vögnöigt: „Nu häw wie drei Kinner un drei Blagen!“

 

Mit Hedwig han wie olle nich viele Last,

et satt vögnöigt un geduldig siene Stunden aff.

De Mamme brochten se wierkenlang in’t Krankenhues,

dau seug datt bie us men bescheiden ut.

 

Jeder van us mösse seihn, datt he trechte keimp,

dat leiwe, söite Kindken was fö us olle de Sünnenschien!

De Joahre teugen in’t Land, un wie konn et änners sien,

Hedwig was baule en stauts Wicht, noch sau fien.

 

Un oss de Friggers keimen an,

dau stönnt Josef Bensmann owwer auk sienen Mann.

Jung gefreit hat nicht oft gereut,

datt segg bie juch de vögaune Zeit!

 

Üöwer 25 Joahr häff sick olles Bestens rieget,

wenn man sau touhaupe hölt, kann man dat olle woll kriegen.

Jugge Kinner sind jugge ganze Stolt,

un auk de Schweigekinner sind ut ganz prima Holt.

 

Nu ewwas van Beethoven:

Wem der große Wurf gelungen, eines Freundes Freund zu sein, …

Häff bie Hedwig woll 100-fach klungen,

et iss jä sau wichtig dabei zu sein!

 

Bie Die iss immer Tag der offenen Tür,

sau manch Eener föihlt sick woll bie Die.

De Familge, de Naubers und Vöwandten,

de Inwührners, de Freunde un de aulen Tanten.

 

De Kegel- un de Wanderverein, nei, nei, ick höhre noa lang nich up,

doa giff et auk noa den Druffelklub!

Dann kümp noa de Theatergruppe,

van Mütterverein noa sonne Truppe.

 

Un saumit giff et oft drocke Termine,

Du schaffes dat olle mit lächelnder Miene.

Un eest use Aulen, Mama un Papa,

watt hätt de gäden mit juch unner eenen Dake wuhrnt.

 

Se hätt sick woll föihlt, wie in Abraham’s Schoß,

woafö ick van Hatten noa danken kann!

Ee Beeden sind jetz bestimmt in Schaut van Abraham.

 

Nu kieke wie owwer nich mä trügge,

vö de Zukunft wünschke wie olle ganz vull Glücke.

Datt Die Gesundheet un Frohsinn bliff erhaulen,

Diene Familge un wie olle willt datt gäden sau baulen.

 

Watt wär wie bie Die doch immer vöwührnt,

weil wie datt jä garnich olle sau kürnt.

Du backes sau schöne Kuchen un Torten,

un jedes Moll wä ännere Suorten.

 

Wätt Die de Tied auk immer knapp,

noa ganz schnell zaubern, dütt un datt,

Du häss et immer olle parat,

Datt Braut, de Suppen, den schönsten Salat !

 

Owwer de Lüer inne grauten Hee,

de sägg Du nu man wänner Ade.

 

Wenn Du datt olle noa lange wuss maken,

dann sass Du de Hundert woll nich mä raken!

Denn jüst, de runden Tall ganz vull,

datt wünschke wie Die olle ganz dull!

 

Herzlichen Glückwunsch, bleib’ schön gesund,

das sagt mein Herz, und nicht nur mein Mund!

 

 

Hagen a.T.W., den 17. Oktober 1986

Deine Schwester Martha

Meine kleine Schwester Wilma! (12)

 

Im Alter von 3 Jahren starb sie plötzlich innerhalb von 2 Tagen an der Krankheit Diphterie. Ich war im Sommer 4 Jahre alt gewesen. Dieses schreckliche Erlebnis war Anfang Dezember 1932.

Es folgte ein trauriger Heilige Abend. Die Kerzen am Tannenbaum wurden bald wieder ausgepustet. Wir konnten alle nur weinen. Traurige Eltern, ein weinender Großvater, selber Heimweh nach der Schwester.

 

Die Zeit heilt Wunden!

Der feste Glaube an Gottes Willen und die Gewissheit, das Kind ist nun im Himmel, half über vieles hinweg.

 

Der Opa war für uns Kinder der „Fels in der Brandung“. Er hatte uns reichlich aufgeklärt über Himmel und Hölle, Engel und Teufel. So hatte sich die kleine Schwester eine Vorstellung gemacht vom Himmel mit einem Tor. Wilma hatte kurz vor ihrem Tod dem Opa gesagt: „Wenn du tot bist, hole ich Dich am Himmelstor ab!“

Der Opa war sehr erschrocken und wollte es dem Kind ausreden: „Du bist noch sehr jung, Du fängst erst an zu leben!“ Die Kleine ließ sich nicht beirren und blieb bei ihrer Aussage.

 

Opa starb 1939 im Alter von 86 Jahren. Wilma stand bestimmt am Himmelstor.

Zum 60. Geburtstag für Maria, meine älteste Schwester am 02.11.1985 (13)

 

 

 

  1. Vor 60 Jahren am Waldesrand,

zum ersten Mal die Wiege stand.

Ein kleines Mädchen mit Fliegengewicht,

im Waterkuoten geboren ist.

 

  1. Die Mama, der Papa, sie war’n voller Freud.

Von rundherum kamen allweil viel’ Leut’.

Und Opa und Anna meinten voller Stolz:

„Das wird ein Mädchen aus unserem Holz!“

 

  1. Und jedes Jahr, so sollt’ es wohl sein,

stellt wieder sich der Klapperstorch ein.

Du warst viel zu schnell die „Große im Kreis“,

ich will mal erzählen, was ich noch so weiß.

 

  1. Mit vier Jahren hast Du uns Laufen gelehrt,

mit dem Besen das ganze Haus gekehrt.

Weil Mama die Hände mit Arbeit so voll,

fand sie Deine Hilfe einfach ganz toll!

 

  1. So blieb es dann auch in all den Jahren!

Haben stets Deine Liebe und Hilfe erfahren.

Bei uns war leider die Mama oft krank,

Du nahmest schon sehr früh viel in die Hand.

 

  1. Als kam das jüngste Schwesterlein,

ließ uns die Mutter wieder allein.

In Deiner Obhut hat sie nichts entbehrt,

wie Ihr seht, hat ihr an nichts gefehlt!

 

  1. Du hattest schon früh Deinen Ordnungssinn,

wir wussten ja nie mit den Klamotten, wohin?

Jedes Hemd, jeder Strumpf hatte seinen Platz,

Du warst für uns alle ein richtiger Schatz!

 

  1. Bald warst Du ’ne junge, hübsche Maid,

das sah auch Heinz Middelberg voller Freud’:

Und August und Lina waren gar nicht dumm,

sie kriegten Euch beiden schnell herum.

 

  1. Die Unnerrest war ein Trümmerhaufen,

da waren „die Beiden“ ja weggelaufen.

Viel Fleiß, viel Arbeit habt Ihr erbracht,

mit Deiner Hilfe ein Schmuckstück gemacht.

 

  1. Und hier auf der Unnerrest lässt nichts auf sich warten:

Die Kinder, der Mann, das Vieh und der Garten.

Und erst Deine Küche ist weltbekannt,

Dir ist wohl noch niemals ’was angebrannt.

 

  1. Wir wünschen Dir all für die nächste Zeit

Gesundheit und Muße und sehr viel Freud’!

Die Kinder und Enkel und Mann und Garten,

hab’ den Mut – und lass sie alle mal warten!

 

Herzlichen Glückwunsch, bleib’ schön gesund,

das sagt mein Herz und nicht nur mein Mund!

Meine Mutter (11)

Über meine Mutter habe ich kein Gedicht geschrieben. Sie war – wie selbstverständlich – immer für uns da. Sie war, wie tausend andere Mütter auch:

Dienerin und Königin zugleich.

Sie konnte gut singen und hat uns manches Lied gelehrt. Eines dieser Lieder ist:

Wenn Du noch eine Mutter hast …

Diesem Text ist – in Bezug auf meine Mutter – nichts mehr hinzuzufügen.

 

Wenn Du noch eine Mutter hast

 

  1. Wenn Du noch eine Mutter hast,

so danke Gott und sei zufrieden.

Nicht allen auf dem Erdenrund

ist dieses hohe Glück beschieden.

 

  1. Sie hat vom ersten Tage an

für Dich gelebt in bangen Sorgen,

sie brachte abends Dich zur Ruh’

und weckte küssend Dich am Morgen.

 

  1. Und warst Du krank, sie pflegte Dein,

den sie mit tiefem Schmerz geboren.

Und gaben alle Dich schon auf,

die Mutter gab Dich nicht verloren.

 

  1. Sie lehrte Dich den frommen Spruch,

sie lehrte Dich zuerst das Reden.

Sie faltete die Hände Dein

und lehrte Dich zum Vater beten.

 

  1. Sie lenkte Deinen Kindessinn,

sie wachte über Deine Jugend.

Der Mutter danke es allein,

wenn Du noch gehst den Pfad der Tugend.

 

  1. Und hast Du keine Mutter mehr,

und kannst Du sie nicht mehr beglücken,

so kannst Du doch ihr frühes Grab

mit frischen Blumenkränzen schmücken.

 

  1. Ein Muttergrab, ein heilig’ Grab,

für Dich bleibt es die Lebensquelle.

Oh, wende Dich an diesen Ort,

wenn Dich umtost des Lebens Welle!

Mein Vater wäre am 9. Mai 1995 100 Jahre alt geworden (10)

 Kleine Aufzeichnungen aus dem Leben von Johannes Koch

 

De graute Wecker wöit jeden Aumend mit de Glocken veglieken,

Du däß no stillken vön Pröimken herbieten.

„Maket dat Lecht glieks ut,

de Dürdens sind faste tou.

Ick goh jetz no’n Berre,

denn upstaun murr ick frouh.“

 

Den ännern Muorn, den Stuoben hasse schön warm,

löipes Du oll lange an de Isenbahn.

Doa mösses Du immer non Rechten kieken,

et harre doch woll keiner watt up de Gliesen schmieten!

 

Watt Du olles alleine häss maket,

doa wöiten sick van Dage bestimmt 2 Mann ran maken.

Un kott nau Merrag, nei et was kein Witz,

keimes Du de Waterfur hoch – wie ein Blitz!

 

Wi kreupen in den Laufschoppen dann,

un luerden dat Kraum doa est moll aff.

Nu wöit et Tied, ganz schnell datt Wiärktüeg, de Stricke, den Riesebessen

in iähre Kassens, in iähre Ecke.

 

Oss Kind häw ick Di in Erinnerung,

Du wös immer ielig un vuller Schwung.

De Arbeet flöig Di vanne Hand,

dofö wös Du üöweroll bekannt.

 

Fö us Kinner hass Du wenig Tied,

un manges hass Du mit us auk Striet.

Wenn de Schoulweg orre dat Spielen to lange harre duert,

un Du hass oll up us luert.

 

Watt stönd van Üörnen woll uppen Programm,

ewas geif et immer to doun, off et kault was orre warm.

Inne Maitied den ganzen Brink affkierden,

in Sommerdag röipes Du ut de Niendürden!

 

 

 

– 2 –

 

Schnell de Kögge vön Ringsenwagen,

wi mössen Heu orre Körden upladen.

Biet Gassenmäggen den ganzen Klowwer ut de Dießeln söiken,

un wehe, wi saiten Di to lange vö de Föite.

 

In Hiärwstdag dat Lauf to haupe kerden,

un Holt söiken mössen wi auk faken.

Un mösses Du Sönndagsüörnes moll no de Hütten,

was de ganze Sauterdag auk holl inne Dutten !

 

Dann was de Gefoahr fö us graut,

datt de Kögge nich drofften achtern Drauht!

Dann geif et dat Strick ümme de Hörden,

un wi töigen mit de Kögge ümme den Goarden.

 

Wi hätt owwer schon lange en Inseihn daun,

Du häss doch bloß olles för de Familge daun.

An de haugen Fierdage dann,

do stönnes Du immer Dienen Mann!

Wittensönndag, Fronleichnam un Telgter Wallfahrten,

doa dröiges Du immer ganz andächtig de Fahnen.

 

Un dann est Wiehnachten mit den Heiligen Aubend,

doa konnen wi Kinner immer wä stauhnen.

Wenn Du dann röipes dür de Düden:

„Ick gläuwe, dat Christkindken is wä doa wiesen!“

 

Wie verzaubert stönnen wi dann fö den Dannenbaum.

Du un de Mamme hann wä dat Beste fö us daun.

Un os wi dann ut dat warme Nest een non ännern sind gauhn,

häss Du us olle düchtig to Siete stauhn.

 

Wi hätt olle bowwet, ganz Nigges orre wat dran,

Du wörs an de Speismühlen immer de eeste Mann.

Wi göngen sau nau un nau ut den Huse,

dat was immer fö die schwoar.

 

Doch wi göngen jä nich mit eenmoll,

et bleiwen immer no wecke doa.

Doch oss dat Leste die geif ton Afscheid de Hand,

dau dräggeres Du Dien Gesichte no de Wand.

 

– 3 –

 

Ganz selten säug man bi Di Traunen inne Augen,

doch jetz konnst Du se nich mä haulen.

Doch dann pakere Hewig und Josef Di un de Mamme unner den Arm:

„Nu kuomet män mit us noa Hues hen, doa häw wi et auk immer schön warm!“

 

Watt hässe Du den Herrgott un de Kiärken verährt,

Du makeres in Dien Liäben nich vieles verkährt.

Watt hass Du use Mamme leiv,

Trotz iähre Krankheit un sau manchen Verdreiht.

 

Wenn se 20 Moll froggte an den Dagg:

Häww wi van Dage Sönndag orre Sauterdagg?

50 Moll leig de Rosenkranz up ne ännere Stie,

mit vull Geduld un Humor feundes Du den immer wä wier!

 

Du löites de Perlen auk einige Moll dür Diene Finger glien,

fö us olle to biän, dat was Dien Sinn.

Un oss Du de lesten grauten Reise treites an,

dau geif use Herrgott Die siene Hand.

 

Doa buoben hanse flagget,

de Heilige Barbara und de Heilige Isidor,

stönnen mit iähre Banner, wat Du sau oft häss driägen,

vö’t graute Himmelstor.

 

De Engels hann de Fensters putzt,

Petrus harre sienen Bart no stutzt,

denn sau eenen wackerern Kumpan,

kümp hier buoben nich olle Dage an!

 

Petrus, de segg: „Nu kumm herrin!“

Nei olles, watt recht iss!

De Leutnant ut den eesten Weltkrieg was fö Die een prima Kerl,

doch Du, Du bis et noa viele, viele mähr!

 

Hagen a.T.W., 9. Mai 1995

Martha Herkenhoff geb. Koch

Datt Öihmleid (9)

(aus: Wo is datt mit Siska?)

Nu hört juch datt es an, watt ick os aule Mann,

juch nu vötellen kann, datt is kein Spass.

Ick was nich immer ault, was auck moll jung un stolt,

wenn auck de Tiet daumols no änners was!

Ick harre son Wichtken gern, un Libett was de Deern,

un ach twei Augen harre sei sau blau!

Kriegs du sei, dacht ick mie, watt wört een Glück fö die,

un du wöers fö dien ganze Liäben frouh.

 

Un dau saiten wie bieneener beide an de Koulen,

un ick dacht’ bie mie: „Watt wöer datt schön!“

Konns’ Du gieben nu den Wicht een Mülken up de Moule,

wör’n allein, et seuch us hie nicheenen.

Bloß datt Moindken lurde achtert aule Törnken.

„Nu is Tiet“, dacht ick, „nu küer die ut!“

Un et roik sau schön datt Heu, man ick was ja viels tou blö’,

un ick harre kein Mout un kreig kein Wort herrut!

 

Den ännern Dag ick dröip den Josep up den Hoff,

ick sägg: „Du bis mie doch een klouken Mann!

Kanns Du nich fö mie friggen, weil ick sau blö’ nu bin,

up’n Päcksken Tabak kümp et mie nich an!“

He sägg: „Wenn datt sau is, dann do’k datt ganz ümmesüss,

de Haupsaak is, datt ick die helpen kann.

Segg’ Libett was de Deern, he dä’t noamoll sau gäden,

un ännern Aumend geiff he sick oll dran.

 

Un dau saiten sei bieneener beide an de Koulen,

Josep un datt leiwe söite Wicht.

Un up eenmoll geiff he iähr een Mülken up den Moule,

Un ick dacht’, et schlait em in’t Gesicht!

Flöitepiep de Deern de löit sick gar nich stören!

Nei, et mak’t saugar ’ne spitze Schnout.

Un ick stönd an Tuorn un graint, un dat Moindken jau dat scheint,

un et was mie jüst os lachere he mit ut!

 

Un os de Schreck vöbie, Dag’s drupp doa dacht ick mie:

Nu geihs’ du es de Saake up den Grund!

Ick göng noa Josep hen, he was doa jüst allein.

Ick sägg: „Du bis mie doch een leigen Hund!

Wie kanns’ mie datt andoun, datt kannk doch nich vöstauhn!“

„Ja, ja, dei Liebe, dei kümp mangest rask!“

Segg: „Libett was fö mie, sei was ja nich fö die!“

Un doamit höwwe ick em eene an dei Mask!

 

Un dau stönnen wie bieneener beide an de Koulen,

un wie schlöigen upeenänner tou.

Josep de harre baul ’ne ganze scheife Moule,

un ick harre twei Augen – ach so blau!

Un datt Moindken luerde achtert aule Törnken.

Mann, mien Glück was wäch un keimp nich wier.

Doarümme goa gie moll in’t Heu, Kinners, dann siet nich sau blö’,

süss geiht et juch oas mie, gie sitt dann an de Müer!

 

Kiärmiß is nich olle Dage (8)

Kiärmiß keimp fö us Kinner früher forts nau Wiehnachten un Oustern.

Datt ganze göng eest Sönndagsüörnens löss. De Pappe göng owwer no eest mit us in de Andacht. Wenn de Pastor datt Tantum Ergo süng, horden wie schon ganz helle de Musik van de Karussels un de Luftschaukel. De Andacht was ganz wiet wiäge!

Noa datt Karussel mit de hölten Piäre mössen wie oss eestet hen. Watt was datt een herrlichet Vögnöigen! Datt allerschönste was fö mie de Stand bie Kreimers fö de Dürden. Doa geif et ollerhand Spielsaken un jedde Sotte Bölkes, Lakritze und Nappos. Ick häwwe mie eenmoll ne ganz kleene Puppen mit den passenden Puppenwagen kofft. De was kaum teggen Zentimeter lang un ut ganz dünnet, buntet Blech maket.

Up den Trüggeweg kofften wie noa Bieskes un Hättkes bien Bieskenbäcker. De harre siene Boon bie Dammermann vön House. He schlöip doa auk eene Nacht drinne.

Wie göngen glücklich un toufriär wä noa Hues un fröwwen us schon up de neigeste Kiärmiß.

 

Die beiden folgenden Lieder stammen aus plattdeutschen Theaterstücken von August Wibbelt. Sie wurden nach dem 2. Weltkrieg in Hagen vom Kolping aufgeführt.

 

 Kiärmiß is nich olle Dage

(aus: Wildrupps Hoff)

 

Kiärmiß is nich olle Dage,

Kirämißdag is watt för’t Hiärt.

Freut sick auck de kleinste Blage,

sitt vögnöigt up’t hölten Piärd.

Un de Jungens un de Wichter

mak’t sick prick un mak’t sick praut,

Wenn in Danzsaal brennt de Lechter

stoaht se oll’ im stiefen Staut.

 

Hei! Watt lacht so blau de Himmel,

olle kriesket för Pläsier,

Un datt Karussellgebimmel

lütt sau schön tou Schnaps un Bier.

Wicht, lott us een Dänzken dreggen,

Schöttsken , Walzer un Galopp.

Wenn de Hahn fäng an tou kräggen,

sin wie noa een ganzen Tropp.

Schlachtefest – vö üöwer 50 Joahr! (7)

 

Vö 50 Joahr, jau, dau was dat sau,

wecke daumols schon liäwere, de weit dat auk.

Däi Dage wöiten kott, de Nächte lang,

de Sturm teug mit Riängen üöwert Land.

De Wind spielde mit de lesten bunten Bliär,

hauge an Himmel teugen de Kraunen hiär.

 

Wenn de Schwienekierdel van friske Steckröiben röik düt ganze Hus,

dann was et Hiärwst.

Dann keiken sick de Mamme un de Pappe en Schwien ton Schlachten ut.

Et wöit jä jedes Mol lange üöwerleggt,

üöwer den Toustand „bäsk“ wöit je nix van seggt!

Dann göng eener no Gausenkuoten Matzken,

de föng dann Maundags 4 Uhr an to schlachten.

 

Oje, oje, de ganz Sönndagüörnen was auk holl in Juchhee!

De Pappe föng nau Kaffeetied an to rütereden,

de Schwienekierdel mösse mit den Wäskekierdel utwesselt wäden.

Graute Backfels Splittern un Busken wöiten stapelt,

to sonne Aktion brukere man ollerhand heetet Water.

Raipe und Stricke liär he paraut,

an at Bloutfatt dachte he auk.

 

Wenn wi Kinner dann nössen no Schoule gauhn,

harre sick up de Diäl um den Waskot schon sau manches daun.

Vö lauter Schwasen konn man kaum wat seihn,

denn de Kilwatts wörn män kleen.

Eene Kabellampen höng hauge bi dat Schwien anne Batzen,

sau konn de Schlächter biäter de Bössen afkratzen!

 

De Stuoben was je woll schön warm,

doch doa was de eeste Stufe ALARM!

Achter de Maschinen in witte Laken un Wannen,

schön toudecket mit aule Röcke, wo wi jä nouch van han’n,

sait dat Ingeweide, mit wat fön Gestank,

hie konn man nich lange bliewen, hie wätt man ja krank.

 

Oss Kinner konnen wi gar nich schnell genoug de Kurve kratzen,

owwer später hölpen wi mit to schmattken.

Van de Diärmen wöit ganz niepe dat Fett affsöggt,

dann wöit dat ganze Kraum noa Buten anne Pütten brocht.

Hier wöit dann miäten – sau lang wätt de Wurst!

 

Doch eeste mösse de ganze Scheiße do moll herut!

„Laut’ blauts den Ellepuns und de Blausen heele!“

Dat wörn jä ganz besondere Deile!

De schönste Wurst in Sommerdag

Keimp ut sau een Material vön Dag.

 

Nu, wenn dat Schwien eest höng an Haken,

mössen wi eest moll richtig reggenmaken.

De Schwienebössen, dat Blaut, dat Fett,

wi freig man dat bloss olle wä wegg?

Mit Häidwip, Riesebessen, Sand un Asken

Mössen wi Pötte, Emmers, Diske und Boden affkratzen.

 

De kleene Gehle was bestellt, he gniepere achter de Trichienen,

bi us konn he owwer keine fienen.

He keik no sau an dat Schwien de dale,

schlöig eenen Stempel uppe Schwoden,

un kreig doafö van de Mamme eenen Daler.

Giegen Aumend, de Diäl was witt, dat Schwien was kault,

dann keimp de Schlächter wier un schneit dat Fleisk paraut.

 

De Schinken un Speck keimen in Sölt in den Pierkekum.

Ick mutt seggen, de Lüer früher wörn gar nich dumm!

De Schmoltpott keimp uppet Füer,

de Pappe dreggere dat Mett noa düer.

He schruwwere sick de Hände reggen,

ümme dat Mett richtig to kniän un to weggen.

 

Mit de Piepertunnen, doa kennde sick de Mamme ut,

wat doa olle fö Gewürze dran mössen harre se schnell herut.

Dann keimen – flitz, flitz – de dünnen Diärm up dat Höden,

sau konnen dat önnige Mett- un Plockwürste wäden.

Un dann kreig de Mammen fö us olle sau richtig wat in de grauten Pickepannen:

gruowet Mett mit Siepelringe, schön brutzelt un brott,

Ick häwwe sauwatt schon vögeblich up de Speisekarte socht!

 

De eeste Dag was nu Gott Dank ümme,

an den twetten denk ick gar nich gäden trügge.

Et keimen auk noa van de Verwandten een of twee ganz düchtige Tanten.

Die Wurstekirdel wöit wä bott den ganzen Dag,

mit de Splittern un Busken redde dat gar nich aff.

 

Sau manchet Deil, de Stät, de Kopp,

mösse eest gallern in grauten Pott.

Dann wöit wä drägget un misket un menget.

De Stuorm, de Küörken wöiten viels to enge.

De Bloutwurst, dat Würstebraut richtig röden,

dat Kraum mochte sau grauts keiner probeeren.

De Liärwürste sollen besonders gout schmecken.

„De kürn wi owwer noa mit Miähl un Spiesewater strecken!“

 

Kein Schrank, keine Düden, kein Emmer, kein Pott,

woa nich Blout anneseit orre Miähl orre Fett.

In de Nazitied schlachten wi auk wolle en Schwien mit twee Köppe un 4 Ohren.

Dat was fö us olle ne graute Gefoahr.

Dat eene Schwien was witt, dat ännere schwatt.

Man kreig de vielen schmächtigen Lüer nich mä satt.

 

Den Wurstekierdel böiten konn no lange nich jeder,

doa mösse man extra tou studeeren.

Dat Water droffte nur kriwweln, jau nich to butt,

süss platzede de Pelle wä kaputt.

Un höngen de Würste dann endlich in Wiemen,

konn us Mamme fö Fröide woll grienen.

Un baule töig dürt Hus Füer un Schmauk,

de friske Ware brukere ollerhand Rauck.

 

Han sick bett von Dage nich ännert de Dinge

kreigen wi mit Sicherheit Straffe orre Entwicklungshilfe.

Dat Leste von den ganzen Helau was de Burgpitzk,

de höng dann in Baume,

de was fö de Vügel un nich fö dumme Fraugen.

 

 

Hagen a.T.W., im Jahr 1989

Martha Herkenhoff geb. Koch

Eene woahre Begiebenheit ut den Joahren 1946/47 (6)

Et was fö genau füftig Joahre, de twette Weltkrieg was een Joahr vöbie. Ick was to de Tiet jüst 18 Joahre jung. Miene Aulen un no sess Geschwister han us sau recht un schlecht dür den Krieg schlagen.

Ick was eene van de Ölsten un mösse – auhne eenen Beruf to lärden – bie olle Arbeeten, de et sau gaff, düchtig mithelpen. Miene Mamme was kränklich un mösse oft in’t Krankenhues. Sau was de Wegg fö mie auhne graute Kommentare fastelegt.

Eenes Dages segg de Mamme: „Du mösses doch auk eigentlick fö een Joahr moll in eenen biäteren Huesholt, ümme de fienen Küöken to läden.“

Et durde gar nich lange, dau harre se mit miene früheren Lehrerin dat passende founen. Ick keimp to’n 01.10.1946 no Mönster in eene Pastraude, de to de Lamberti-Gemeende horde.

Arbeeten un Behelpen was ick je van Hues ut gewuont, doch watt doa olles up mie toukeimp, kann ick bet van Dage noch nich vögieten.

De schöne Stadt Mönster leig to’n grauten Deil noa in Schutt un Asken. Mitten in de Strauten wörn no riesengraute Schlaglöcker. Bie Riängenwiär harre ick gäden Gummistiefel antuogen, doch sau eenen Luxus harre ick nich. Ick häwwe no Hues henschriewen, se sollen mie umgehend miene Holsken schicken. Eene Wierken läder keimp dann son Papppaket an. Ick häwwe den Holsken eeste striepet, denn Heimweh harre sick auk instellt. Et keik mancher afgünstig achter mie her, wenn ick mit miene Holsken un schaupwullne Socken dür Mönster löip.

Weil de Pastraude total van Bomben zerstört was, wuonde de Pastor in de eesten Etage direkt an de Lamberti-Kiärken, Ecke Salzstrasse.

Et keimp de lange, kaule Winter. Küöhle un Holt toun Böiten wörn düchtig knapp. Man feund in de ganzen Stadt kein Stücksken Holt orre ne aule Latten, datt konn jeder gout fö sienen Uoben bruken.

De Herr Pastor harre in den Keller van de kaputten Lamberti-Kiärken no eenige Zentner Küöhle entdecket. Van doa ut konn man unner de Straute her in usen Keller kuomen. Et was ganz düster un gruselich. Üöwern Koppe drüppere et ut graute Kanalrohre. An de Föite huschen Ratten vöbie. Weil et jä nu keiner wieten droffte, datt wie no Küöhle harren, makeren wie olle paar Aumende eene Kohlenaktion. Datt hett, de Herr Pastor, de Hueshöllerske un icke, teugen us aule Männel un Riängenmännel an un setten us aule Höhe up den Kopp – wegen de Drüpperigge.

De Pastor göng mit eene Taskenlampen vöran, un wie mössen doa sau achterher feulen. Wie konn dütt Küöhleschlüden nur ganz lade maken, wie mössen ganz sicher sein, datt keiner mä in den Treppenhues herümme löip.

De kaule Winter neimp gar kein Ende. Je länger de Dage wöiten, desto keuhler wörd et. Eenes Dages wörn de ganzen Waterleitungen un Abflüsse toufruorn. Twee Moll an Dag keimp een Kärl van de Stadt un dräggere den Hydranten löss. De was direkt bi us vö’n Huese.

De Mann pingelde dree Moll, un de Jagd achter dat Water göng löss. Wie han Gott Dank no een paar heile Emmers. De Lüer üöwer us han nur eenen Pott mit eenen Henkel un van de Frisierkommouden sonne Kannen mit Becken. Doa schüppkeren de mit in Treppenhues herümme – et bleif keine Stufen dreuge.

Ick häwwe mi immer beielt, saumit konn ick de beeden lesten Emmers vull dann no Buoben henbringen, süss harre sick dat ganze Kraum nich lohnt. Et keimp no schlimmer, de Hydrant was auk ganz toufruorn.

Wie mössen jetz dat Water to bestimmte Tieten ut de Handwerkskammer halen. Wat was datt een Toustand. Nu seug man eeste, watt man unbedingt an Water brukere. Wenn man Küöhle un Water genoug in de Etage harre, was de halwe Dagg ümme. Dat Ollerschlimmste was owwer, datt wie dat Klo nich mä benutzen drofften. Watt sollen wie nu maken?

Use Hochwürden – Gott hab’ ihn selig – neimp eenen aulen Brettstouhl un sagere doa een Lock drin. Doa wöit een Emmer drunner stellt. Et geif fö Geld un goe Wörder keine Deckel fö den Emmer. Saumit wöit doa eenfach een Pappdeckel drupp leggt. Wo solln wie doa owwer nu mit henn?

Unnern an de Straudenecke Salzstrasse was een ziemlich gruowen Gulli. Weil ick nu sauwatt nich an hellechten Dagg utkippen konn, mösse ick des Muorns schon up Drauht sein.

Use Köster, de twee Etagen üöwer us wuornde, harre ne graute Familge mit niegen Personen. To’n Angeluslürden des Muorn ümme sess Uhr was he holl mit twee Emmers vull vö mie an den Gulli wiesen. He harre kein Water toun nauspöilen bruket, sau kürnt gie juch sülwest woll vöstellen, watt doa vö’n Haupen up den Gulli fastefruorn was.

Auhne heetet Water un ne Bräckstangen was hier nix to maken. De Hueshöllerske häff den Köster owwer eenmoll sau richtig de Wacht an’n Rhein sungen, seitdem was de Gulli in Ordnung.

Wo he mit sein Kraum bliewen is, häff he us nich vörott.

Ick kann juch säggen: Fiene Küörken läden …!

Wie han je Glücke, datt wie nich – wie üblich – 25,– RM toubetalen mössen. Weil ick nu uterhalb de Küörken sauviele ännere Arbeeten maket harre, kreig ick monatlich 25,– Reichsmark utbetahlt.

Hagen a.T.W., den 11. Juni 1996

Martha Herkenhoff geb. Koch