Heuermann Rudolf Dunkmann berichtet über die Essensgewohnheiten auf dem Lande

Wecken und Frühstück

Im Bauernhaus weckten der Bauer die Knechte und die Bauernfrau die Mägde persönlich. Im Sommer wurde um 5.30 Uhr und im Winter eine Stunde später geweckt. Die Mägdearbeit war: Melken und Milchbewirtschaften, d. h. Durchseihen und Entrahmen, Letzteres meist schon mit der Zentrifuge, weiter mußten Kühe und Schweine gefüttert werden. Knechtearbeit war: Pferdefüttern, Pferdeputzen. In dieser Zeit hatte die Bauernfrau Feuer angemacht, Kaffee gekocht und den Tisch gedeckt. Nachdem das Vieh versorgt war, gab es das erste Frühstück „Immet“ genannt. .Es wurde im Winter in der Spinnstube, im Sommer in der großen Küche gegessen. Das „Immet“ bestand überwiegend aus beschmierten Butterbroten, aber auch wohl aus Wurstebrot und Milchsuppe vom Vorabend mit Hafergrütze oder Knabbeln …

Das zweite Frühstück

Plattdeutscher Ausdruck: Fröüstück. Den draußen Arbeitenden wurde das Frühstück, belegte Butterbrote (Belag: Schinken, geräucherte Mettwurst und auch wohl mal Speck) zu dem Arbeitsplatz gebracht. Um das Geschirr besser hinstellen zu können, benutzte man besonders angefertigte flache und breite Frühstückskörbe …

Mittagessen

Zu Mittag gab es nur Eintopfgemüse. Auftragen war Sache der Großmagd. Der Topf blieb meist auf der Herdkante stehen, nur bei Milchsuppe stand er der Einfachheit halber neben der Großmagd. Bei kleineren Leuten stand der Topf wohl auch auf dem Tisch. Mittagsgerichte an Wochentagen waren Große Bohnen, Erbsen, Sauerkraut, Fitzebohnen, Möhren, Steckrüben, Graupen, im Frühjahr Melde, im Spätherbst Grünkohl und einmal in der Woche Soßekartoffeln. Eingesetzte Fitzebohnen waren Sonntagsessen. Fleisch gab es zu jeder Mittagsmahlzeit. Wer den Speck nicht gern aß, legte ihn auf ein Stück Schwarzbrot und aß ihn. Pfannekuchen gab es nur abends. Gekochte Eier gab es nicht. Zu Grünkohl und Erbsen wurde Brot gereicht. Salatsoße wurde damals in der Pfanne mit ausgelassenem Speck und Mehl zubereitet … Andere Rohkost, bzw. als Kompott: Kürbis, Gurken, Rote Beete und als Eingemachtes: nur Bickbeeren. An Freitagen wurde hier keine Ausnahme gemacht. Plattdeutsche Bezeichnungen für die Speisen: Graute Baunen (große Bohnen), Iärften (Erbsen), Steckröüben mit’n Swinnetein (Steckrüben mit

Schweinefüßchen), Suurkaul (Sauerkraut), Gröüne Fiksebaunen (grüne Fitzebohnen), Wuorteln (Möhren), Schellgiärste (Graupen = geschälte Gerste), Meldemous (Melde) und Mous (Grünkohl) …

Vesper

Überwiegend wurde die Vespermahlzeit im Hause eingenommen. Nur bei der Ernte oder sonstigen dringenden Arbeiten wurde sie von der Kleinmagd auf das Feld gebracht. Es gab dazu Kaffee, teils von Zichorien gekocht (später Malz- oder Kornkaffee) und im Hause geschmierte Butterbrote ohne Belag. Manche Bauern brachten den Kaffee in dickbäuchigen Kupferkesseln heraus. Bier gab es nie.

Abendessen

Pünktlich um 19 Uhr wurde zu Abend gegessen. Einmal in der Woche gab es bei Groß- oder Kleinbauern Pfannekuchen aus Kartoffeln oder Buchweizenmehl, seltener von Weizenmehl. Am häufigsten gab es aufgewärmtes oder warm gehaltenes Mittagessen und Milchsuppe. Die Milchsuppe gab es mit Hafergrütze oder mit Knabbeln. Besondere Freitagsgerichte gab es nicht.

Quelle: Sauermann, S. 96 -100.

 

 Länderzentrum für Niederdeutsch

Fakten dazu:

  • In buten un binnen am August 2017

https://www.butenunbinnen.de/nachrichten/gesellschaft/platt-zentrum-bremen100.html

Neues Länderzentrum für Plattdeutsch entsteht in Bremen

Die norddeutschen Länder wollen ein Zentrum für Niederdeutsch in Bremen schaffen. Das geht aus einer Senatsvorlage hervor, die Radio Bremen vorliegt. Die Förderung für das bisherige Institut für niederdeutsche Sprache (INS) läuft aus.

Wer beteiligt sich am neuen Länderzentrum?

Die Bundesländer Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Bremen haben sich darauf geeinigt, eine gemeinsam getragene Stelle errichten zu lassen. Dieses Koordinierungszentrum soll Plattdeutsch erhalten und fördern. Sitz des Zentrums wird Bremen sein. Als Rechtsform ist eine gemeinnützige GmbH vorgesehen.

Wie teuer wird das?

Die einzelnen Länder tragen zur Finanzierung bei. 80.000 Euro entfallen auf Bremen, 117.000 auf Niedersachsen, 42.000 auf Schleswig-Holstein und 32.000 Euro auf Hamburg. Geld, das bisher das Institut für niederdeutsche Sprache bekommen hat.

Was passiert mit dem Institut für niederdeutsche Sprache?

Die Förderung für das Institut läuft Ende des Jahres aus. Der Trägerverein geht also leer aus. Laut des Vorsitzenden Reinhard Goltz ist derzeit unklar, ob man die Mitarbeiter weiter beschäftigen könne. Offen sei außerdem, was mit der Bibliothek geschehe, die rund 25.000 Medien zum Thema Platt bereithält.

  • in Kreiszeitung vom 12. 02. 2018

https://www.kreiszeitung.de/lokales/bremen/institut-niederdeutsche-sprache-setzt-engagement-bundesmittel-9607580.html

Dort fließen die staatlichen 271 000 Euro nun hin, die früher das INS bekommen hat.

Das Länderzentrum sollte seine Arbeit zum 1. Januar in Bremen aufnehmen. Sollte. Wer das Zentrum sucht, findet: noch nichts.

Am Dienstag, 13. Februar, steht die Gründung des Länderzentrums Niederdeutsch nun als Thema auf der Tagesordnung der Kulturdeputation, die im Konsul-Hackfeld-Haus an der Birkenstraße tagt.

(…)

Vom neuen Länderzentrum hat sich noch niemand im Schnoor gemeldet – auch nicht, um etwa über eine mögliche Zusammenarbeit bei der Nutzung der Bibliothek zu sprechen, die als eines der wissenschaftlichen Prunkstücke des INS gilt.

Ein Geschäftsführer des neuen Zentrums ist offenbar gefunden, aber noch nicht öffentlich genannt worden. Zwischenzeitlich hatte es geheißen, die Leitungsperson werde im Januar vorgestellt. Bislang gibt es nur einen Interimsgeschäftsführer. „Das Länderzentrum hat seine Arbeit seit dem 6. Dezember 2017 aufgenommen“, heißt es in der Deputationsvorlage. Ein Satz, den man im Schnoor für unhaltbar hält.

 

  • im Focus vom Donnerstag, 22.02.2018, 12:33

„Moin, Moin“: Neues Länderzentrum will Plattdeutsch stärken

https://www.focus.de/regional/bremen/kultur-moin-moin-neues-laenderzentrum-will-plattdeutsch-staerken_id_8509129.html. (abgerufen: 23. Juni 2018)

Das neu gegründete Länderzentrum für Niederdeutsch will in enger Abstimmung mit den norddeutschen Bundesländer den Gebrauch des Plattdeutschen in der Region stärken.

Die Sprache sei identitätsstiftend, ein wichtiges Kulturgut und für Schüler könne es ein Sprungbrett für das leichtere Erlernen von Fremdsprachen sein, sagte Christianne Nölting am Donnerstag in Bremen. Sie übernimmt zum 1. März das Amt der Geschäftsführerin beim LZN. Das im Dezember gegründete Zentrum wird von Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein im Jahr mit insgesamt 271 000 Euro finanziert. Zuvor war die Summe an das Institut für niederdeutsche Sprache (INS) geflossen.

 

  • In der taz vom 29.08. 2018

Bürostühle sind immerhin schon ausgesucht

http://www.taz.de/!5436978/

Bisher wird das Institut von den Ländern Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen und Bremen mit 271.000 Euro pro Jahr finanziert. Nach dem Beschluss des Bremer Senats soll das Geld vom 1. Januar 2018 an ein neu zu gründendes „Länderzentrum für Niederdeutsch“ gehen. Das INS bekommt nichts mehr.

Für das Länderzentrum gibt es bisher weder Räume noch Personal, klar ist aber, dass es drei Bürostühle geben soll: zwei für jeweils 394,48 Euro, einen für 1.270,92 Euro.

(…)

Während die bürokratischen Details geklärt wurden, blieben alle inhaltlichen Fragen offen. Wo soll das neue „Länderzentrum“ angesiedelt sein? 80 Quadratmeter für maximal 12.000 Euro Warmmiete stehen im „Businessplan“.

         (…)

Bisher stellt der Verein des INS seine Immobilien im Zentrum Bremens – Mietwert sicher 60.000 Euro im Monat – kostenfrei der Förderung des Niederdeutschen zur Verfügung. Da könnte sich das neue Länderzentrum einmieten, sagt Heiko Block, seit April 2017 neuer Präsident des INS. Aber das scheint die Behörde nicht zu wollen.

 

Diese „Presseschau“ soll nach und nach komplettiert werden.

Recherchearbeit kann auch Kritik erzwingen

In Nachfolge der GETAS – Untersuchung von 2004 wurde nach dem Entwurf der drei Geschäftsführer (Dr. Goltz, Dr. Lesle und Dr. Möller)  des Institutes für niederdeutsche Sprache (INS) 2007 eine weitere Befragung im gesamten niederdeutschen Sprachgebiet (das umfasst die acht norddeutschen Bundesländer) in Auftrag gegeben.

Die Zusammenfassung der Daten durch Dr. Frerk Möller überrascht den Leser:

Die vorliegenden Daten zur aktuellen Situation des Niederdeutschen vermitteln das Bild einer noch durchaus  vitalen Sprache1.“

Es wird also der Eindruck einer (noch) lebendigen Sprache vermittelt. Der erste Teil des zweiten Satzes ist auch sicherlich problemlos und passt in dieses angeblich positive Bild.

„Das Niederdeutsche ist in Norddeutschland bekannt und beliebt,

Aber dann kommt die Überraschung:

 auch wenn es eher eine verstandene als gesprochene Sprache ist2.”

Wie muss der kritische Leser diese Aussage ausdeuten?

Hier  muss nun doch  genau das als Resultat festgestellt werden, was in der Befragung der damals 10jährigen im Emsland zum Erstaunen vieler Fachleute erstmals herausgefunden wurde:

Das Sprechvermögen ist nahezu weg, aber Plattdeutsch wird noch von etwa der Hälfte der Heranwachsenden verstanden. Diese sind nun mittlerweile 20 Jahre älter.

Und hier muss man doch als Kenner des Plattdeutschen eindeutig festhalten:

Wenn eine Sprache eher verstanden als gesprochen wird, wie kann man sie dann (noch) als vital bezeichnen.

Schauen wir uns die ermittelten Zahlen der jüngeren Untersuchung genau an, dann wird die ganze Misere  deutlich:

14 Prozent der Befragten geben an, sehr gut bis gut Plattdeutsch sprechen zu können.

Die Antworten zum tatsächlichen Gebrauch müssen dann aber den Plattdeutschfreund schocken. So antworten diese Plattdeutschsprecher auf die Frage:

„Wann haben Sie sich das letzte Mal plattdeutsch unterhalten3?“

Lediglich 10% der Sprecher geben „heute“ an.

50 Prozent der Befragten erklären jedoch, vor etwa einem halben Jahr zum letzten Mal Platt gesprochen zu haben.

Das heißt doch: Nur 1,4 % der Plattsprecher haben diese Sprache als Alltagssprache.

Hier muss man dem auswertenden Sprachwissenschaftler Dr. Frerk Möller als einem der damaligen Geschäftsführern des INS  eine  unseriöse  Ausdeutung der eindeutigen wissenschaftlichen Kerndaten der Untersuchung von 2007 vorwerfen.

Das Plattdeutsche ist keine vitale Sprache mehr. Wenn kaum noch jemand sie sprechen kann (14%) und noch erheblich weniger Sprecher sie im Alltag wirklich benutzen (1,4%), dann nützt  es auch nichts, wenn noch ein gewisser Anteil der Bevölkerung sie versteht.

In einer ähnlich die Fakten vertuschenden Art war ja Prof. Dr. Stellmacher bei der Auswertung der GETAS – Befragung 1984 vorgegangen.

Hier taucht doch nun für den interessierten Laien die Frage auf: Warum verdrehen renommierte Sprachwissenschaftler eindeutige Untersuchungsergebnisse in dieser Art?

Da erfährt man  von Insidern hinter vorgehaltener Hand: Hier geht es  zum einen offensichtlich um die Erhaltung und Ausweitung von Sendeanteilen in Rundfunk und Fernsehen, zum anderen um Besitzstandwahrung.

Nach solch vernichtenden Ergebnissen zum Zustand des Plattdeutschen in den acht norddeutschen Bundesländern drängt sich doch zwangsläufig die Frage auf, ob immer noch drei hauptamtliche promovierte Sprachwissenschaftler dem INS vorstehen müssen (Stand 2007) …

An den Universitäten dagegen schaut man den Realitäten ins Auge. So sind beispielsweise in Göttingen und Greifswald die Lehrstühle für Niederdeutsch gestrichen worden  (Stand 2007).   Die  niederdeutsche Philologie befand sich in den letzten zehn Jahren in einer schwierigen, aber auch spannenden Umbruchphase, die immer noch andauert. Wer geglaubt hat, dass mit der Aufnahme des Niederdeutschen in die Sprachencharta eine signifikante Verbesserung der Situation des akademischen Faches Niederdeutsch verbunden sein würde, wird sich getäuscht sehen. Die Stellung des Niederdeutschen in der norddeutschen Hochschullandschaft ist weiterhin prekär4.                                                                                                                                                           

Sehr viel unbefangener geht  die Sprachwissenschaftlerin Frau Prof. Dr. Ingrid Schröder von der Universität Hamburg mit den Daten der Enquete von 2007 um: „Während die über 50 jährigen sich noch zu 21 % eine sehr gute und gute Sprachkompetenz zutrauen, so sind es bei den 35-49 Jährigen nur noch 12 % und bei den unter 35 -jährigen nur noch 5 % 5.

Diese heutigen 35jährigen (Stand 2011), bei denen wir 1990 im Emsland als damals Heranwachsende 3% aktive Plattsprecher ausgemacht hatten, haben also, wie wir es seiner Zeit in der Auswertung auch prognostiziert hatten, die niederdeutsche Sprache weder in den weiterführenden Schulen,  noch am Arbeitsplatz und auch nicht mehr im familiären Umfeld erlernt (allerhöchstens zu  2%).

Auszug aus dem Aufsatz: Bernd Robben, Der Schwund der plattdeutschen Sprache in der Region Emsland/ Grafschaft Bentheim – zwei Untersuchungen von 1990 und 2011, Seite 110 – 112 in: Emsländische Geschichte, Band 18, Studiengesellschaft für Emsländische Regionalgeschichte,Haselünne 2011

 

zu 1: Frank Möller, Plattdeutsch im 21. Jahrhundert. Bestandsaufnahme und Perspektiven (Schriften des Instituts für niederdeutsche Sprache, Bd. 34), Leer 2008, Seite 83

zu 2: Ebd.

zu 3: Ebd

zu 4: Andreas Bieberstedt, Niederdeutsch an den Hochschulen: Gegenwärtiger Stand und Perspektiven, in: Plattdeutsch, die Region und die Welt. Wege in eine moderne Zweisprachigkeit. Positionen und Bilanzen. Herausgegeben vom Bundesraat för Nedderdütsch, Leer 2009, Seite 38

zu 5: Ingrid Schröder, Zur Lage des Niederdeutschen, in: Mit den Regional- und Minderheitssprachen auf dem Weg nach Europa. Herausgegeben vom Bundesraat för Nedderdütsch, Leer 2011, Seite 15

 

 

Der besonder Zeitzeuge Rudolf Dunkmann 2

 

Leinenaussteuer der angehenden Bäuerin

Zur Aussteuer einer Bauerntochter eines 25 – 30 ha großen Hofes gehörte ein Koffer voll Leinen, das waren 30 bis 50 Rollen. Gingen mehrere Töchter ab, dann verringerte sich natürlich die Aussteuer bei jeder einzelnen. Genähte Hemden bekam die Braut mindestens 13 mit. 13 mußten es sein, weil nur einmal vierteljährlich gewaschen wurde … Die Frauenhemden waren ziemlich lang und mit kurzen Ärmeln. „Weenlaschen“ wurden als vier eckige Achselstücke eingesetzt. Zur Verbreiterung nach unten wurden beiderseitig „Spielen“, das sind lange, keilförmige Einsätze, eingesetzt. Die Brauthemden waren für beide verziert. Das Hemd des Bräutigams war an der vergrößerten Halspasse, den Schultern und den Ärmelbündchen durch mit rotem Garn ausgeführtem Kreuzstichmuster verziert. Die Brauthemden wurden später nur noch als Leichenhemd benutzt. Die Braut brachte auch Hemden für den Bräutigam mit. Ein Totenlaken, das meine Mutter als Aussteuer mitbekommen hatte, wurde in meinem Elternhause zweimal bei Beerdigungen meiner Geschwister unter den Sarg gelegt. Die beiden Anfangsbuchstaben des Namens der Braut waren schlicht weiß in die Ecken der Bettwäsche und Tischdecken eingestickt … Die Näherin nähte die Aussteuer auf dem Hofe der Braut. Ihr wurde dort eine der vorhandenen Stuben zum Arbeiten zugewiesen. Gern zeigte die Braut ihre Aussteuer (den) Frauen aus der Nachbarschaft und der Verwandtschaft. Daran anschließend gab es dann ein „Köppken Koffei“ mit Zwieback. Vereinzelt wurde mal ein Leinenkoffer von innen mit Stoff ausgeschlagen.

Oft bekam die Braut als Mitgift ein Stück Vieh, meist Kuh oder Rind, mit. Dieses Tier wurde ungeschmückt hinter dem Kistenwagen mitgeführt. Heute hat man das nicht mehr.

Quelle: Sauermann, S. 134-135.

Der besondere Zeitzeuge: Heuermann Rudolf Dunkmann

Rudolf Dunckmann

In den folgenden Beiträgen soll Texte von Dunkmann eingestellt und in den passenden Kontext gebracht werden:

Launen des Bauern!

Zum Schluß will ich noch über ein Ereignis berichten, welches man wohl als ein Überbleibsel der Leibeigenschaft betrachten muß.

Ort des Geschehens: ein Bauernhof kurz hinter der Provinzgrenze.

Zeit: um die Jahrhundertwende.

Der genannte Bauer, nur mittelgroß, aber energisch, besaß wohl noch den alten Herrendünkel. Fast alle jungen Männer aus dem Volke mußten zu damaliger Zeit als Bauernknecht ihr Brot verdienen und standen praktisch in einem Abhängigkeitsverhältnis zu den Bauern. Dieser Bauer hatte es sich zur Gewohnheit gemacht, seinem Pferdeknecht, wenn er die Pferde ausgeschirrt und in den Stall geführt hatte, einige Peitschenhiebe zu verabreichen. Das geschah gewohnheitsmäßig und fast immer aus nichtssagendem Grunde. Nun wechselten mal die Knechte. Der neue, mit einem Gardemaß von 1,90 m und einem Rücken wie ein kleiner Kleiderschrank, war eben vom Wehrdienst heimgekehrt und glaubte, bei diesem Bauern einen geeigneten Arbeitsplatz zu finden. Schon nach einigen Tagen passierte es. Der Knecht hatte die Pferde ausgespannt und in den Stall geführt. Den Bauern, der auf seinem altgewohnten Platz auf der Häckselkiste hinter der Dielentür saß, beachtete er kaum. Plötzlich stand der Bauer auf und traktierte den Knecht mit einigen Peitschenhieben. Der ruhige, besonnene Knecht, der ja spielend mit zwei solchen Gegnern fertig geworden wäre, packte den kleinen Bauern im Nacken und entriß ihm die Peitsche. Mit immerwährenden Peitschenhieben trieb der Knecht nun den Bauern über die lange Bauerndiele bis zu den Wohnräumen. Von der Zeit an bestand ein gutes und ausgeglichenes Verhältnis zwischen Bauer und Knecht.

Quelle: Sauermann, S. 91.

Radiosendung in Bremen Zwei

 

  • Was wird aus dem “Institut für niederdeutsche Sprache” ?

Vorwort dazu:

Im Juni erhielt das Institut für niederdeutsche Sprache (INS) noch den Heinrich-Schmidt-Barrien Preis für die Bemühungen um den Erhalt der niederdeutschen Sprache. Nun steht die Finanzierung auf dem Spiel. Wie werden die Gelder umverteilt und wie soll es für das INS weitergehen? Darüber diskutierten wir bei “Bremen Zwei unterwegs.” Ramona Schlee mit einer Zusammenfassung der Diskussion.

Autor/-in: Ramona Schlee

Länge:3:17 Minuten

https://www.radiobremen.de/bremenzwei/veranstaltungen/bremen-zwei-unterwegs/institut-niederdeutsche-sprache106-popup.html

Sprachtext übersetzt:

In den verwinkelten Gassen des Bremer Schnoor Viertels liegt das Institut für niederdeutsche Sprache. Klein und hutzelig ist das Haus,  klein und einzigartig ist auch die Bibliothek darin.  30 000 Werke auf Platt sind hier zusammen gesammelt, fast 40 Jahre hat das gedauert. Ab 1. Januar gibt es für die Bibliothek und die weiteren Angebote des IN S keine staatlichen Fördergeldern mehr.

Ingrid Schröder, Leiterin der Abteilung niederdeutschen Sprache an der Uni Hamburg und früher Vorsitzende des INS im Schnoor, ist darüber empört: Es hat Beratungsangebote vor allem  für Schulen und Bildungseinrichtungen gegeben und das steht hier jetzt zur Debatte und meiner Meinung nach ist es eigentlich in skandalöser Vorgang, wie hier Strukturen zerschlagen werden.

Warum tut man das also? fragt Moderator Stefan Puls den Vertreter der Bremer Kulturbehörde

Thomas Frey: Weil es eine GmbH der Länder ist, auch die Tür ganz weit aufmacht für weitere Länder,  sich an dieser GmbH zu beteiligen, das ist ja leider all die Jahre nicht gelungen, das INS und dessen Förderung auf breitere Basis zu stellen, was die anderen Länder anlangt, andere  sahen ihre Interessen anscheinend nicht ausreichend berücksichtigt.

Ziel sei es, die niederdeutsche Sprache zu stärken, beteuert Frey.

Allerdings ruft er mit diesem Argument nur Kopfschütteln hervor.

Nicht nur im Publikum, auch bei Heiko Block. Der ist Präsident des INS und Abteilungsleiter bei Radio Bremen.

Block befürchtet, dass die Kompetenz fürs Platt in Bremen verloren geht. Wir können vom Institut aus das Lehrangebot an der Universität nicht mehr aufrechterhalten und das kann dann auch zunächst kein anderer, das Angebot für die Lehrerfortbildung wird eingestellt werden müssen, wenn es nicht gelingt, in irgendeiner Art und Weise die Grundstruktur zu sichern im Sinne von Grundfinanzierung. Block vermutet, dass die Länder mehr reinregieren wollen und deswegen ein Länderzentrum  gründen. Er räumt ein,  dass es im Institut vor 2015 Unregelmäßigkeiten bei den Finanzen gab.

Block findet, das hätte der Kulturbehörde auffallen müssen, dann hätte man das schneller aus der Welt räumen können.

Walter Henschen, Vertreter des Bundesrates für Plattdeutsch und Mitglied im Rundfunkrat bei Radio Bremen, wirft der Kulturbehörde vor, vom eigenen Versagen ablenken zu wollen.

Um davon abzulenken sind wir  konfrontiert worden mit einem Vorgang, der streckenweise menschlich schäbig, juristisch grenzwertig und politisch abgebrüht, aber dann auch erfolgreich gewesen ist.

Ich muss ganz ehrlich sagen, darauf will ich nicht eingehen. Ich finde das, wenn es auf meine Person oder auf die bremischen Verhältnisse bezogen ist, unangemessen, um nicht zu sagen, unterirdisch, konterte Thomas Frey von der Bremer Kulturbehörde.

Der Geschäftsführer vom INS, Reinhard Goltz, köchelt auf seinem Stuhl im Publikum vor sich hin, will aber nicht sagen. Es wird deutlich, da muss es persönliche Verwerfungen gegeben haben. Offen reden will darüber aber niemand.

INS Präsident Block richtet den Blick stattdessen in die Zukunft. Es müsse nun darum gehen, die Arbeit des INS irgendwie am Laufen zu halten. Auch über eine Kooperation mit dem neuen Länderzentrum will er reden. Insbesondere, wenn es um die Bibliothek geht. Retten was zu retten ist, so scheint die Devise. Beim Publikum kommt der ganze Vorgang dann nicht gut an. Ick finde dat nicht nur nicht gut, datt is en Swinkroam…

Was bleibt vom INS?

 

  • in taz vom 29. 8. 2017

http://www.taz.de/!5436978/

Da gibt es zum Beispiel eine Bibliothek mit 30.000 Bänden und CDs. Soll und will das neue Förderzentrum ohne das auskommen? Im „Businessplan“ ist der „Betrieb der Bibliothek des INS inkl. Bibliothekar“ mit null Euro veranschlagt. Als Kommentar dazu heißt es, es solle Gespräche darüber geben, „die Bibliothek in die Arbeit der Koordinierungsstelle einzubeziehen“.

Aber wenn das INS kein Geld hat, die Bibliothek zu betreiben – das erfordert inklusive Bibliothekar sicherlich mehr als 50.000 Euro im Jahr –, dann wird es diese Bibliothek nicht mehr geben. Laut Satzung würde sie an den „Verein für niederdeutsche Sprachforschung“ gehen. Dessen Vorsitzender, Professor Michael Elmentaler, würde die Bremer Bücher an seinem Germanistischen Seminar der Uni Kiel gut unterbringen können.

(…)

Bisher stellt der Verein des INS seine Immobilien im Zentrum Bremens – Mietwert sicher 60.000 Euro im Monat – kostenfrei der Förderung des Niederdeutschen zur Verfügung.

Da könnte sich das neue Länderzentrum einmieten, sagt Heiko Block, seit April 2017 neuer Präsident des INS. Aber das scheint die Behörde nicht zu wollen.

Und wer macht in Bremen die Lehrerfortbildung, wenn die Fachleute vom INS das nicht mehr nebenher machen, fragt Walter Henschen, Bremer Vertreter im „Bundesrat für Plattdeutsch“ und Rundfunkrat bei Radio Bremen.

Wer pflegt das Online-Wörterbuch für Plattdeutsch, das das INS aufgebaut hat?

Und woher sollen fachkundige Bewerber für das neue „Länderzentrum“ kommen, wenn nicht aus dem Umkreis des INS?

 

  • in Kreizeitung vom 12. 92. 2018

https://www.kreiszeitung.de/lokales/bremen/institut-niederdeutsche-sprache-setzt-engagement-bundesmittel-9607580.html

„Betrieb ist für das laufende Jahr gesichert“

Hauptberuflich beschäftigt das INS momentan noch einen Bibliothekar sowie eine Archivkraft auf 450-Euro-Basis, sagt Vereinspräsident Heiko Block. Die Beschäftigung einer wissenschaftlichen Mitarbeiterin sei in Vorbereitung. Wie lange kann der Verein den Betrieb des Instituts aus gegenwärtiger Sicht aufrechterhalten? „Der Betrieb ist für das laufende Jahr gesichert“, sagt Block. „Wir arbeiten intensiv daran, dass wir über Projektmittel des Bundes und auch der Länder dauerhaft arbeitsfähig bleiben können.“ Zudem gebe es viel ehrenamtliches Engagement.

 

Goltz: „Wir merken in unserer täglichen Arbeit, dass das INS mit seinen Kontakten und Vernetzungen, mit seinen Kompetenzen und seinen Kenntnissen gesucht und geschätzt wird.“ Es gebe etliche „Anfragen und Beratungen“ – von der Neugründung einer plattdeutschen Gruppe bis zur Frage nach aktueller plattdeutscher Literatur.

Zudem würden drei im Vorjahr angefangene Projekte fortgeführt. Nach einer gemeinsamen Studie des INS und des Instituts für Deutsche Sprache (IDS) in Mannheim zu „Status und Gebrauch des Niederdeutschen“ hatten sich drei Forschungsfelder herauskristallisiert – Rundfunk, Kindergarten und Theater. „Das sind drei Felder, denen für die Zukunft der plattdeutschen Sprache eine Schlüsselrolle zukommt“, sagt Goltz. Und dann sind da noch die Plattdeutschen Nachrichten auf Radio Bremen, die in Kooperation mit dem INS entstehen. Zusätzlich sei ein weiteres Hörfunk-Projekt in Vorbereitung, sagt Block – eine Reihe auf „Bremen Eins“.

 

  • in buten und binnen vom 23. 10 .2017

https://www.butenunbinnen.de/nachrichten/gesellschaft/zukunft-platt100.html

Die Zukunft des Bremer Instituts für Niederdeutsche Sprache (INS) ist vorerst gesichert. Der Verein mit Sitz im Bremer Schnoor will unter anderem einen Kredit aufnehmen, um im nächsten Jahr erst einmal weitermachen zu können. Außerdem sollen die Angebote des Instituts in Zukunft kostenpflichtig sein.

Die Mitglieder des privaten Trägervereins haben jetzt entschieden, auch ohne staatliche Gelder weiter zu arbeiten. So soll das Vereinsvermögen als Sicherheit für einen Kredit von bis zu 145.000 Euro herhalten. Damit will das Institut für Niederdeutsche Sprache die ersten Monate im kommenden Jahr überstehen. Spenden und kostenpflichtige Fortbildungen für Lehrer sollen helfen, das Institut zu erhalten.

Hoffnung auf neues Länderzentrum

Außerdem hofft Präsident Heiko Block, dass das neu geplante Länderzentrum für Niederdeutsch mit den Bremern zusammenarbeitet. Die norddeutschen Länder Bremen, Niedersachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein haben den Vertrag mit dem Bremer Institut zum Jahresende gekündigt. Sie wollen ein Länderzentrum zur Pflege, Entwicklung und Förderung der niederdeutschen Sprache gründen. Das Zentrum soll auch in Bremen angesiedelt werden.