Schriftliche Befragung der Grundschulen in den LK Emsland/Grafschaft Bentheim

Befragung der Grundschulen zum Stand des Plattdeutschen im Emsland und in der Grafschaft Bentheim im Jahre 2011

Die oben vorgestellte umfangreiche Untersuchung im Landkreis Emsland  hat seinerzeit auch mit dazu geführt, dass etliche Lehrpersonen auf Kreisebene in ihrer unterrichtfreien Zeit sich zusammengefunden haben, um im schulischen Bereich sich diesem Verfall der Sprachkompetenz im Plattdeutschen bei den Heranwachsenden entgegen zu stellen.

So wurde unter Leitung des damaligen emsländischen Regierungsschuldirektors Alfons Lögering ein sicher ansprechendes Lesebuch in Platt erstellt und mit finanzieller Unterstützung der Sparkassenstiftung allen Schulen im Landkreis Emsland zur Verfügung gestellt[1]. Die Grafschaft Bentheim war dabei leider noch nicht beteiligt.

1999 gründete sich ein Kreis von engagierten Pädagogen für das Projekt „Region im Unterricht“ unter dem Dach der „Emsländischen Landschaft für die Landkreise Emsland und Grafschaft Bentheim“, die sich der Aufgabe widmeten, nun auch noch ein plattdeutsches Liederbuch mit einer entsprechenden CD für alle Schulen des Raumes heraus zu bringen[2].

 

Jetzt waren auch Grafschafter Lehrpersonen und die Schulaufsichtsbeamten Udo Tiemann und Horst Mücke mit dabei. Diese neuen Unterrichtsmaterialien ermöglichten nun insbesondere den Musikpädagogen, die keine Plattdeutschkenntnisse hatten, diese „ansteckenden“ Lieder und Tänze in den Unterricht einzubauen. Erneut erhielten alle Schulen die neuen Lehrmaterialien kostenlos geliefert.

Was hat sich daraus in den letzten Jahren in den Schulen entwickelt? Dazu muss man wissen, dass sich die Verhältnisse in den Schulen insgesamt mit dem Jahr 2001 ziemlich veränderten. Der sogenannte „PISA-Schock“ überzog die deutsche Schullandschaft.

Daraufhin hatten offensichtlich etliche Unterrichtsinhalte beiseite zu stehen, die nicht dem Erwerb der international messbaren Fähigkeiten und Fertigkeiten dienten. In Niedersachsen wurde die Schulinspektion geboren, die neben anderen Neuerungen die Arbeit vieler Kollegien in der Formulierung und Schaffung einheitlicher Standards gebunden hat. Für ein kreatives Schulleben, in dem auch die Region ihren Stellenwert hat, war nach dem Empfinden vieler Lehrpersonen häufig kein Platz mehr. So verschwand offensichtlich aus etlichen Lehrmittelzimmern der Klassensatz mit den plattdeutschen Lesebüchern, die zumindest im Landkreis Emsland jede Schule erhalten hatte. Wie soll man sonst verstehen, dass sogar das Liederbuch mit der CD in einigen Schulen nicht mehr vorhanden ist, obwohl die Sparkassenstiftung für eine kostenfreie Versorgung aller Schulen in der Emsländischen Landschaft gesorgt hatte?

Dieses ist ein Ergebnis der oben genannten Schulbefragung vom Februar 2011 in 31 Grundschulen der Grafschaft und in 42 Primarlehranstalten des Landkreises Emsland[3]. Dabei wurden im Landkreis Emsland insbesondere die Schulen ausgespart, die schon im Jahre 1989 kaum plattdeutsche Ansätze hatten, so etwa die 19 Grundschulen der Stadt Lingen. Dafür wurden aber alle Grundschulen im mittleren und nördlichen Landkreis angeschrieben.

In der Grundschule Leschede wurde die Praktikabilität der Umfrage geprobt: Die 15 Fragen an die Schulleitung und das jeweilige Kollegium konnten in fünf Minuten erledigt werden und belasteten den laufenden Unterrichtsbetrieb somit kaum. Für die Antwort war ein frankierter Rückumschlag beigelegt.

 

Die Auswertung

1. Als wichtigster Indikator für plattdeutsche Aktivitäten an einer Schule kann die Einrichtung einer plattdeutschen Arbeitsgemeinschaft (AG) gelten. Diese besteht zurzeit an 13 Schulen im Untersuchungsraum. In sechs Schulen wird diese AG nach Bedarf angeboten. In 39 Schulen existiert dieses Angebot nicht.

2. Das entspricht etwa genau der Zahl der Bildungseinrichtungen, an denen gar keine plattsprechenden Kinder mehr von den Lehrpersonen ausgemacht werden können (33 Schulen). Und hier liegt eindeutig das Kernproblem: 20 Grundschulen melden jeweils zwei bis fünf Kinder mit aktiven Plattdeutschkenntnissen. Nach dem sprachwissenschaftlichen Test von 1989 wären das vermutlich nicht einmal mehr ein Prozent der heutigen Grundschüler. Zur Erinnerung: Vor zwanzig Jahren waren es schon nur noch drei Prozent.

3. Und dann kann auch die Beantwortung der nächsten Frage kaum verwundern: „Holen Sie außerschulische Plattsprecher in den Unterricht?“ 50 Schulen nehmen diese Möglichkeit nicht in Anspruch, neun Grundschulen bedienen sich dieser Möglichkeit etwa in Zusammenarbeit mit dem  örtlichen Heimatverein.

4. Eine sicher wichtige Frage ist, ob Plattdeutsch an der jeweiligen Schule im Laufe der Grundschulzeit irgendwann ein festes Unterrichtsthema ist. Hier ist die Antwort aus beiden Landkreisen recht ernüchternd. Nur neun Schulen bejahen diese Frage (drei in der Grafschaft, sechs im Emsland), an 44 Schulen (25 Grafschaft, 19 Emsland) ist dies nicht der Fall.

5. Entgegengesetzt proportional zu den kaum vorhandenen Schülerkompetenzen im Plattdeutschen sieht es bei den Lehrpersonen in der Region aus: An 49 Schulen (24 Bentheimer Land, 25 Emsland) kann mindestens einer aus dem Kollegium Platt sprechen, verstehen können es mehrfach alle Lehrerinnen und Lehrer. Nur sieben Schulen müssen hier passen. Das war so nicht vermutet worden, nachdem es doch in etlichen Lehrerzimmern in den letzten Jahren einen fast kompletten Generationswandel gegeben hat.

6. Eine entscheidende Frage an die Pädagogen ist sicherlich auch, ob sie angesichts der vorgegebenen Themenvielfalt „Plattdeutsch“ im Unterricht von heute noch für sinnvoll bzw. notwendig halten. Davon war die Mehrheit von 47 Kollegien (20 Grafschaft, 17 Emsland) doch überzeugt.

7. Allerdings bezweifelt die überwiegende Mehrheit der Lehrpersonen (48 Schulen), dass der Elternwunsch zur Behandlung des Plattdeutschen in der Schule noch bei 68 Prozent – wie damals im Landkreis Emsland – liegt (19 Grafschaft, 19 Emsland).

8. Festzustellen ist, dass bis hierher bei den abgefragten Fakten und Einschätzungen in den Schulen die Grafschaft und der Landkreises Emsland sehr eng beieinander lagen.

9. Ein sicherlich erstaunlicher Unterschied zwischen den beiden benachbarten Landkreisen in der gleichen Kulturregion ist die Teilnahme am Wettbewerb „Schüler lesen Platt“, der landesweit von den Sparkassen angeboten wird. Während im Emsland 26 der angesprochenen Schulen sich regelmäßig daran beteiligen, sind es in der Grafschaft nur zwölf, obwohl in der Grafschaft 22 Kollegien diesen Wettbewerb immer noch für sinnvoll halten (Emsland auch 22 Schulen). Nur zwölf Schulen halten ihn für überholt (Grafschaft sechs, Emsland sechs) Dieser Wettbewerb ist für die Kinder durchaus attraktiv, weil schon die Klassengewinner mit großzügigen Geldpreisen belohnt werden. Allerdings dürfen die größtenteils durchaus gelungenen Schülervorträge bei dem Kreisentscheid von den Ausrichtern als Beweis für eine „heile Plattdeutschwelt“ bei den Heranwachsenden anschließend in der Presse nicht fehl gedeutet werden als Plattdeutschkompetenz, das ist in aller Regel nur angelesen. Diese und ähnliche Untersuchungen belegen das eindeutig.

10. Alle Schulen des Landkreises Emsland sind mit einem kostenlosen Klassensatz des zumindest damals ansprechenden Lesebuches „Platt lutt moij“ ausgestattet worden. Vier Schulen besitzen es gar nicht mehr und in 14 Kollegien wird es nicht mehr benutzt. Ähnlich ist es mit dem Liederbuch mit CD, das auch die Grafschafter Schulen erhalten haben: An 31 Lehranstalten ist sie noch vorhanden, an 26 nicht mehr da. Gebraucht wird beides öfters an 13, manchmal an 16 Schulen.

Eine Enklave zumindest im Bereich der Plattdeutschaktivitäten konnte bei der ansonsten anonymen Befragung ausgemacht werden: Die frühere Grund- und Hauptschule Veldhausen hat sich 2005 mit der Namensgebung „Carl-van-der Linde-Schule“ zu einem plattdeutschen Grafschafter Dichter und Schriftsteller (1861-1930) jüdischer Abstammung bekannt. Der Schulgemeinschaft ist dabei etwas Besonderes gelungen: ein Buchprojekt über ihren Namensgeber[4]. Theo Mönch-Tegeder schreibt voll des Lobes über das Werk: Man mag es beinahe nicht glauben, dass es eine Gemeinschaftsarbeit der Carl-van-der-Linde-Schule ist. Auch und gerade die Schülerinnen und Schüler, wohlgemerkt einer Grund- und Hauptschule, haben aktiv daran mitgearbeitet, indem sie in Veldhausen selbst und in den umliegenden Bibliotheken und Archiven viele unbekannte, bisher unveröffentlichte Arbeiten Carl van der Lindes aufgestöbert und interessantes Material über das facettenreiche Leben dieses plattdeutschen jüdischen Dichters in der Grafschaft Bentheim zusammengetragen haben. Jeden der abschätzig über die Qualität von Hauptschulen denkt, sollte dieses Buch zur Hand nehmen und sich von der Begeisterungsfähigkeit und der hohen Leistung mitreißen lassen, welche die Schule mit diesem Buch dokumentiert. Man spürt, wie die ganze Gemeinschaft sich mit ihrem Namensgeber auseinandersetzt und ihn zum Gegenstand des Lernens, der Persönlichkeits- und Gemeinschaftsbildung macht[5]. 

Schlussfolgerung aus der Untersuchung 2011

Obwohl in der Grafschaft offensichtlich noch ein etwas größeres Interesse am Kulturgut Plattdeutsch besteht (siehe Rücklaufquote) als in anderen Regionen[6], bestätigen obige Befragungsergebnisse die Erkenntnisse aus anderen niederdeutschen Sprachgebieten: Plattdeutsch ist bei den Heranwachsenden bis auf geringste Restkenntnisse nicht mehr vorhanden und auch die Opas und Omas werden ihre geliebte Muttersprache nicht mehr ausreichend an ihre Enkel weitergeben können. Ältere Schulpraktiker wissen: Plattdeutsch vermittelt man nicht mal ebenso mit sporadischen Arbeitsgemeinschaften.

Was kann man da noch machen?

Klar ist, dass die Lehrpersonen im heutigen Schulalltag mit der übrigen Unterrichtsfülle so ausgelastet sind, dass für dieses Thema kaum noch Platz ist, obwohl der noch gültige Plattdeutsch-Erlass dieses fordert. Auch sollte man völlig unsentimental folgende Erkenntnis des aus Schüttorf stammenden mittlerweile pensionierten Regierungsschuldirektors Alfred Möllers zu Kenntnis nehmen: Ich bin mir sicher, dass in den meisten Osnabrücker Kollegien gar nicht mehr bekannt ist, dass in ihrer Schule eine komplette Plattdeutsch-Bibliothek vorhanden ist, die ich in den 80iger Jahren mit den Lehrkräften erstellt habe.

Plattdeutsch im Unterricht von heute setzt Kontinuität und Beharrlichkeit voraus und konkurriert mit anderen Angeboten wie Sport, Erlernen eines Musikinstrumentes und steht natürlich auch im Wettstreit zu anderen Sprachen, mit denen die Heranwachsenden auf eine globalisierte Welt vorbereitet werden müssen.

Deshalb sollte sich die Erkenntnis durchsetzen den Kindern von heute – etwa einmal im Jahr – zu vermitteln: Plattdeutsch war über Jahrhunderte d i e Sprache in dieser Region auch über die holländische Grenze hinweg. Hier könnten die Heimatvereine die Schulen unterstützen etwa dadurch, dass sie sich ein plattdeutsches Repertoire zulegen in den Bereichen Tanzen, Singen, Lyrik, Sketch- und Textvortrag. Sie könnten damit in den Schulen einen „plattdeutschen Vormittag“ anbieten, der Schüler und Lehrer begeistert. Versierte pensionierte Lehrpersonen mit ausgezeichneten Plattdeutschkenntnissen und pädagogischem Geschick stehen sicherlich für die Beratung und Einweisung zur Hilfe bereit.

Wie wäre das: Großeltern mit ihren Enkeln gemeinsam beim „Danz up de Deel“ in der Turnhalle beim jährlichen schulischen Plattdeutschfest von zwei bis drei Schulstunden oder ganztätig im Rahmen eines „Plattdeutsch-Tages“ kurz vor den Sommerferien nach den Zeugniskonferenzen. So bliebe wenigstens in Erinnerung, was das Plattdeutsche einmal für die hiesige Region war.

[1] Platt lutt moij. Eein Lesebouk up Platt ut’t Emsland. Hrsg. vom Arbeitskreis beim Schulaufsichtsamt Emsland „Mester prootet Platt“. Redaktion: Karl Oldiges u.a., Meppen 1993 (weiterhin Platt lutt moj).

[2] Kinner singt un danzt. 30 plattdeutsche Kinderlieder aus dem Emsland und der Grafschaft Bentheim zum Musizieren und Mitsingen. Begleitheft zur gleichnamigen CD. Hrsg. von der Emsländischen Landschaft, Sögel 1999.

[3] Der „Grafschafter“ berichtete bereits kurz über die beiden Untersuchungen und über das Grafschafter Abschneiden: Bernd Robben, Zum Stand des Plattdeutschen an Grafschafter Grundschulen. Arbeitsgruppe „Plattdeutsch-Befragung“ führte mit Universität Kiel Fragebogenaktion durch, in: Der Grafschafter Nr. 6 vom Juni 2011, Nordhorn, S. 23.

[4] Carl van der Linde, Löö und Tieden. Ausgewählte Texte und ein Lebensbild. Hrsg. von Helga Vorrink/Siegfried Kessemeier, Veldhausen 2008 (weiterhin Vorrink/Kessemeier).

[5] Theo Mönch-Tegeder, Rezension: Carl van der Linde, Löö und Tieden, in: Jahrbuch des Emsländischen Heimatbundes Bd. 56/2010, Sögel 2009, 359-361, S. 360.

[6] In der monatlich erscheinenden Heimatbeilage der „Grafschafter Nachrichten“ (die am Jahresende gebunden erscheint) unter dem Namen „Der Grafschafter“ erscheinen daher regelmäßig nicht nur Beiträge auf Plattdeutsch, sondern auch häufig Artikel, die sich etwa mit der rechtlichen Situation des Plattdeutschen oder mit Forschungen zu dieser Sprache beschäftigen. Siehe dazu etwa im Jahrgang 2010: Nr. 1 vom Januar (3 Beiträge zum Thema Plattdeutsch, Nr. 3 vom März (1 Beitrag), Nr. 6 vom Juni (1 Beitrag), Nur. 7 vom Juli (1 Beitrag), Nr. 8 vom August (1 Beitrag), Nr. 10 vom Oktober (1 Beitrag), Nr. 11 vom November (1 Beitrag), Nr. 12 vom Dezember (2 Beiträge). So veranstaltete er der Landkreis Grafschaft Bentheim im September 2010 eine Tagung mit rund 40 Grundschullehrer/innen, die sich bei einer ostfriesischen Expertin für den plattdeutschen Unterricht über Methoden des bilingualen Unterrichts informierten (Platt-AG erstellt Unterrichtsmaterialien für Grundschulen – Grete Saathoff informierte über Methoden mehrsprachigen Unterrichts, in: Der Grafschafter Nr. 11 vom November 2010, S. 42).

Teil der Anschreiben an die Grundschulen

 

 

Missingsch – weder Platt noch Hochdeutsch

Hier entstand eine Mischsprache dadurch, dass plattdeutsche Muttersprachler  insbesondere im Arbeitsalltag  (etwa im Hamburger Hafen) Hochdeutsch zu sprechen versuchten.

… der Literatur

Die speziell niederdeutsche Literatur ist hier in einem Untermenü angesprochen. Diese ist in den einzelnen Regionen durch viele Autoren/innen vertreten und kann  nur in Ansätzen  in dieser Website aufgeführt sein.

Hier ist die Frage aufgeworfen, welchen Stellenwert die niederdeutsche Sprache in der  hochdeutschen Literatur hat an Beispielen:

  • Thomas Mann
  • Theodor Storm
  • und anderen

Plattdeutsche Morgenandachten im Dezember 2008

Domkapitular Alfons Strodt, Osnabrück

Dat kannst mi glöven 2008 – Montag, den 8.12.08 —

“Wi bünt de Moorsoldaoten…” 

 

Düsse Wecke woll ik jau wall nöögen, mit mi in ‘t Moor to kamen, in ‘t Moor, in ‘t Emsland. Is ja nich mehr vull van bleewen, de meiste Törf is wech. Un wo du fröiher kienen Fout hensetten konns, dor könnt vandage de Treckers un Maidöskers mäcklick föhren. Vöör 50, 60 Jaohr sööchs du nix as man bloß Heide un Berken, man vandage wasst dor Roggen und Erpel un Mais. Wat hebbt de Lüe ok wullackt un knooit, bis se so wiet wöörn, det se hier leewen konnden! Un bi det Kultivieren, dor wörn van 1933 bis 45 ok heller vull Gefangene bi, in de 15 Emslandlager: de Moorsoldaoten.

Kenn I de ehr Leid? 33 all is det in Börgermoor schreewen worn, un et is, kanns seggen, sowat as de Nationalhymne van de Gefangenen inne Emslandlager:

„Wir sind die Moorsoldaten und ziehen mit dem Spaten ins Moor!” ‑

Wi bünt de Moorsaldoten un trecket mit den Törfspannt in ‘t Moor! Un so hebbt se dann sungen. De ersten twei Strophen:

  1. Worhen du uk henkieken magst, / nicks as Hei«, Moor üm di to. Kienein Vaogel singt sien Lied, / Eiken staoht dor kaohl un scheif. Wi bünt de Moorsaldaoten un trecket mit den Törfspaant in ‘t Moor!
  2. Hier in disse güste Heide / hebbt se ‘n Laoger för us baut,

dor Bitt wi wiet van jede Fraide / achter dicken Stickeldraoht..

Wi bünt de Moorsaldaoten un trecket mit den Törfspaant in ‘t Moor.

Carl von Ossietsky heff det Leid mitsungen und Julius Leber ok und Hundertduusende van Sträflinge, Kriegsgefangene, Politische und Widerstandskämpfer. Nu reck es: 30.000 Gefangene bünt ut det Moor nich mehr ruutkaomen in düsse 12 Nazi-Jaohre, bünt hier storwen of ümbrach woorn.

Vull Lü könnt et nich mehr hören, wenn door immer noch und immer weer van düsse Tied praot wett. Man wi drööwwet dor nich van schwiegen. Un düsse 30.000 Daon un Hunderdusende, de’t owerlewet hebbt, de verdeint det, det wi se nich vergäten dout.

Kaomt düsse Wecke mit in’t Moor. Ik wiese ju det Lager Esterwegen, baowen in’t Emsland. Kaomt nu mit, düsse Dage. Nooit is det in’t Moor so bedröiwed as winterdags. Alles pickschwatt und messnatt. Wennt doch man de Sünne wat haöger köömpt! Wennt doch man eers weer wat lechter wöörd! Det Moor un de Moorsoldaoten wieset us den Wech in den Advent rin un den Wech derdöör! Dann man Tschüß bis morgen!

Dat kannst mi glöven 2008- Dienstag, den 9.12.08 —

Kloster Esterwegen — Det Schlopp 

In Esterwegen wöör eine van de allerersten KZs in Dütschland. Hundertdusende hebbt hier as ‘Zwangsarbeiter ut det Moor en Land makt, wo noch wat anners wasst as Boukweiten. Wat en Knoien. Wat en Hundelewen — jao, dor segg ik wat: Einen Gefangenen möss immer as en Hund, Reip ümmen Hals, up 4 Beine döör det Huus kruupen und blecken! Det hebbt se mit em makt. Hei süms heff det maolt. Ach, ehr Lewen wör nix weert. De derde Strophe van den Moorsoldaoten:

  1. S’morgens trecket de Kolonnen / in dat Moor ton Knojen stuur,

graowt dor in de heite Sünne, / un denkt still bloß an tohuus.

Wi bünt de Moorsaldaoten un trecket mit den Törfspaant in ‘t Moor.

Düsse Moorsoldaoten, de dröff man nich vergetten! Dor wörn van Glück Lü, de hebbt in Papenburg ein DIZ upbaut, dat „Dokumentations und Informations-Zentrum Emslandlager” Det kump nu wenner hier nao Esterwegen. Un den Landkreis helpt heller mit. De Kerke heff ok wat makt: Se heff daor’n Klaoster hensett. 4 Süsters, sei höört to’n heiligen Franz van Assisi, lewet in düt Klooster, nemmt de Lü up. Praot mit ehr. Helpt, to verstaohn. Well dor kump? Bünt wecker bie, de wüllt gerne praoten und fraogen, annere wüllt einfach dor sitten un schwiegen. Dor bünt ok Gefangene van fröiher bi. Wor einen mott noch heller wat verarbeiten, mott noch truuren. Un ne Masse Lü wüllt hier ok been.

Wenn du nu in’t Kloster wuss, moss du dör’m graotet Tor. Det Schlopp sütt ut as en Bogen ut ne gotische Kerke: Schmal un spitzk. Daormals vor 700 Jaohre bauden de so: haoch rut, nao’n Himmel in. Jao, düssen Bogen, det passt hier ok wall. Hier in düt Elend, hier wörn doch ok Lü, de konnen nich blaoß daalekieken in’t Moor, de keeken ok nao boowen un sochten usen Herrgott. Un wi dout det ok.

Man kann’t ok noch anners seihn. Düt Tor heff ne Siluette as’n Törfspaant, de ümdraiht is: De Spitze nich inne Grund, as to’t Törfstecken, nä, de Spitze nao boowen.

Hier in den Emslandlagers hebbt de Lü in Gefangenskup nich bloß in’t Moor graff, se hebbt ok sotoseggen den Himmel ümgraff mit ehre Fraogen un ehr Been: „Herrgott, wat sall düt hier? Is door bowen wal eine, of bün wi ale anschmeert? Help us ut de Naot!” S’nachens, wenn se nicht schlaopen konnen, wat hebbt se wall reert und beet, hebbt ehr Hätte ümgraff. Wat möss ehre Seele ale liehn nun knoien. Wat ne Nachgraverei! Un wi vandage, wi mött doch ok so fraogen. Sotoseggen den Spant inne Hanne nähem und den Himmel ümgraven und roupen: „0 Heiland, breck den Himmel loss!” Ne, det passt ampatt wall, det hier in Esterwegen ok’n Klaoster is.

Dat kannst mi glöven 2008- Mittwoch, 10.12.08 —

“Wor du schwiegen moss — Der Raum der Sprachlosigkeit” 

Ok vandaoge nööge ik jau, weer mit mi in ‘t Moor in ‘t Emslandlager Esterwegen to kaomen, in det Kloster. Siet ein Jaohr is det door up de Plaotse. Büss du döör det haoge Tor gaohn, gaihst du owern Patt in’t Klooster rin, nu kiek es: anne Wand det Leid vanne Moorsoldaoten! Alle sess Strophen. De 4. lutt so

Mangs is det so: Wenn du nix mehr seggen machs, dann giffs du en Teiken. Mienewegen dor is eine storwen. Wat soss du seggen? Du büss der verlegen mit an. Un doch kanns du ein Teiken gewen: Mit de Frau, de nu allein ist, truuren und rehren, kanns se in’n Arm nehmen un se drücken, toulustern. Schwiegen un nicht wegloupen.Vöör düsse Wand staoht drei Blöcke ut Beton, door kannste ne Kerße ansticken. Noat Praoten is’t di hier ok nich, hier wett et di binaut tou. Gaihs du dann ower de düstere Rampe, dann staihs up maol in den „Raum der Sprachlosigkeit”. Det ist nich bloss nen Ruum, wor ‘t stille is — det is mehr. Wat in de Lagers passeert is, dor passt kein Woort mehr vöör. Watt kanns dor noch denken, wat noch seggen? In den Ruum, wat ist’t door ok düster, son wunliket Licht is dor. Dor haols van sums dien Beck.

Hier, wo kein Wort mehr passt, bünt ok Teiken. In den „Ruum, wor jedet Woort över is”, lich inne Midde ne runde Platte ut Holt up de Floor. Un dör de Platte loupt van bowen nao unnen un van rechts nao links twei paar Schienen. De bünt noch vöör de Loren, wo de Moorsoldaoten fröiher den Törf mit transporteerden. Det ist det Schienedraihkrüüß Un achter det Krüüß staiht ne Lore ut Eikenholt. Door stellt de Süsters dann vöör de Misse Braot un Wien up: Fiert Jesu Daod un sien Ostern. Denkt an siene Naot und sien Roupen: „Mien Gott, worum hess du mich in Stich laoten?!” Un weit’t: Hier, midden in’t deipste Moor, wo du kien Grund mehr unnere Föite hess: Hier is use Här ok. Un hei was hier un heff mitleen!

Un hier mött wi ok ween: Bie de Lü, de bis ton Hals in’t Moor sitt’t.

Komm doch es vörbie, sett di in düssen Ruum. Door moss du nix seggen, moss nicht been — un wenn du wat wetten wuss: De Süsters, de kannste immer fraogen.

Dat kannst mi glöven 2008- Donnerstag, 11.12.08 —
“Det besünnere Krüüß” 

Düsse Dage wiese ik ju det Kloster Esterwegen up det Gelände van’t fröihere KZ. Door is ok noch ne Kapelle. Door nemm ik ju nu mit hen. Oh, wat is de ok gerott! Besünners det Krüß. Un det mott ik ju eben verteilen, wat det dormit up sück heff. Det Krüüß is ut en ganz aolen, graoten Eikenbaom schneen. Ein Arm van det Krüß is man en kott Ende: Det is Holt, wat inne leßten 60 Jaohr wassen ist. Den annern Arme is heller lang: En paar hundert Jaohre sitt dor in. Un inne Midde, dor is det Holt ganz dunker, blau. Wu kann’t? An düsse Steh is 1944 oder 45 ne Granate inschlaohn. De Baom heff blott, man hei heff’t owerstaohn, hei lewede wieder un wöss, de Wunde is verheilt, man de „Bläue” — so nöimt den Förster den Hoff van de Wunde — de wieset, wat door mit den Baom passert is. De Baom heff det nich vergetten.

Wi Mensken hebbt nich immer so vull Verstand as en Baom. Wi vergät’t gau.

Man Vergetten, det dröff wi nich.

Bi Erich Kästner hebb ik maol läsen, wat up Plattdüütsch so lutt:

Det Erinnern heff eine wunnerlicke Kraft

un et draiht den Mensken heilmaols üm:

Well dat vergettt, wat gaud was, de wedd schlecht.

Well dat vergett, wat leip was, de wedd dumm.”

Schlecht und dumm, ne, dett wüll wi nich weern!

Düt Krüüß, wat vöör’n Teiken! Et helpt us denken: An ale Gewolt, an ale Naot, de Mensken uutstaohn hebbt un ok noch vandage liehn mött. Overall inne Welt. De Moosoldaoten ut de Emslandlager süngen:

  1. Up un daole loopt hier de Posten. / Kiener, kiener, kummp dor dör.

Knippst du ut, kost’t di dat Leven. / Ach, wat is’t ok en Mallör!.

Wi bünt de Moorsaldaoten un trecket mit den Törfspaant in ‘t Moor.

Man det Krüß is ok noch en anneret Teiken, et sech: Du siss dr nich allein mit. Usen Härgott is an diene Siete. Hei deilt ales mit di. Hei litt mit di un vöör di. Det Krüüß bedutt ok det: Leivde Un dor dröff wi ok nich van schwiegen. Immer wöörn dor inne Moore ok Lü, de hadden en Hätte, de hebbt holpen, einfache Lü ut Esterwegen un Oberlangen und Börgermoor. De hebbt de Moorsoldaoten en Stück Braot owern Tuun henschmetten, of hebbt einfach wieset: Et spiett’t mi so, ik denk an di, ok wenn ik di door nich ruuthalen kann.

Düsse Lü mit so ‘n Hätte, de dröff wi ok nich vergetten!

“Advent — Wochten up de Heimat” t

Vanne Wecke bün wi döör det Kloster Esterwegen gaohn. Nu bün wi weer trügge in den ersten Ruum, daor, wo det Leid vann de Moorsoldaoten up de Wand schreewen ist. De leßte Strophe dorvan gaiht so:

  1. Wi wüllt nich jammern, uk nich klaogen, /Winter kann nich ewig duurn. Eins gau’n Daogs, dat Spill is daone. / Eins gau’n Daogs bünt wi tohuus.

Dann treck wi Moorsaldaoten nich mehr mit den Törfspaant in ‘t Moor!

Jao, det is waohrhaftig en Adventsleid: Wu schlimm ehr det ök göng: Se haopten und haopten un haopten. Un so, mit dütt Haopen, hebbt vulle dann de Lagers öwerstaohn.

So as de Moorsoldaoten hebbt de Juden in Auschwitz haopet, so haopt vandage de Millionen inne Flüchtlingslager in Darfour un in’n Kongo. Gliek so as Israel vöör Tieten inne Gefangenskup in Babylon, wor se bäden: „Jerusalem, ik kann di nich vergetten! Ik draöme van di. Wenn ik di vergette, dann soll mi de Tunge afbrecken.”

Un se gloffden: „Use Härgott kann us nich vergetten. Ne Mouder kann doch ampatt ok nich ehrn Lüttken vergetten! Un sümms, wenn sei ehr Kind in Stich laöt — usen Härgott dött det nich. Eines Dages wieset hei sück und makt ales gut.! Daor haol wi us an faste!”

Wi Christenlü glaöwet: Eines Dages kump Jesus weer up de Welt. Dann maket hei den neien Himmel un de neie Welt, dann kriege wi ein Tohuus. Dann bünt dr kiene Traonen mehr und kien Schraffen und Rehren is de to hören. Dann is de Winter daone, un ut jedet pickschwatte un messnatte Moor makt use Härgott ein Paradiesgaorn.

So, nu bün wi ant Ende. Vöör de Wand mit det Leid vanne Moorsoldaoten staoht drei Blöcke ut Beton. Well in det Klooster gaiht, kann door ok ne Kerße anmaken. Owermorgen is den 3. Advenstsönndag. Det passt. Up jeden Sockel stell wi nu en Kerßken hen. 1k denkt trügge — un kiekt nao vörne: Et is Advent: Use Här kump! Dat is wisse!

Wi bünt de Moorsaldaoten

1.Worhen du uk henkieken magst, / nicks as Heid’, Moor üm di to. Kienein Vaogel singt sien Lied, / Eiken staoht dor kaohl un scheif. Wi bünt de Moorsaldaoten un trecket mit den Törfspaant in ‘t Moor!

  1. Hier in disse güste Heide / hebbt se’n Laoger för us baut,

dor sitt wi wiet van jede Fraide / achter dicken Stickeldraoht..

Wi bünt de Moorsaldaoten un trecket mit den Törfspaant in ‘t Moor.

  1. S’morgens trecket de Kolonnen / in dat Moor ton Knojen stuur,

graowt dor in de heite Sünne, / un denkt still bloß an tohuus.

Wi bünt de Moorsaldaoten un trecket mit den Törfspaant in ‘t Moor.

  1. Nao Huus, nao Huus, gaoht de Gedanken, / hen nao Öllern, Froo un Kind.

In waor ne Bost wett heller enge. / Aoch! Hier kummp kieneine rut.

Wi bünt de Moorsaldaoten un trecket mit den Törfspaant in ‘t Moor

  1. Up un daole loopt hier de Posten. / Kiener, kiener, kummp dor dör.

Knippst du ut, kost’t di dat Leven. / Ach, wat is’t ok en Mallör!.

Wi bünt de Moorsaldaoten un trecket mit den Törfspaant in ‘t Moor.

  1. Wi wüllt nich jammern, uk nich klaogen, /Winter kann nich ewig duurn. Eins gau’n Daogs, dat Spill is daone. / Eins gau’n Daogs bünt wi tohuus.

Dann treck wi Moorsaldaoten nich mehr mit den Törfspaant in ‘t Moor!

Plattdeutsche Ansprachen NDR 16-20.08.2010

Alfons Strodt, Domkapitular

Plattdeutsche Ansprachen NDR 16-20.08.2010
ZEITUNGLÄSEN

Maondach, de 16.August
De erste Siete

De Zeitung! Och nä, wat is det ok mooi! Smorgens anne Taofel sitten, ne Pott schwatten Ostfriesentei, en reddich Roggenbraot mit Woss of Keise inne Fuust, un daorbie Zeitung läsen. Un kiene Drockte. Wat dr ale so passeert is inne graote Welt — un inne lütke Welt ok. In Moskau un Kapstadt — un in Ossenbrügge un Bremen un in de lüttken Dörper as Geiste Lengerke. Ik wüll läsen, wat use Angela in Berlin un wat Obama in Washington ale makt, un of die Lüe holpen wert, daor, wo de Erde bewede. Man ik wüll ok wäten, of Striekers Jan bie’t Schützenfest den Vaogel afschotten heff. Det haar hei sück ja vöörnaohmen.

Det meiste ut de wiete Welt hebb ik ja al gistern aobend laate inne Naorichten seihn int Fernsehn. Man det is doch’n annert Spill, wenn du det noch maol mit Ruhe läsen kanns. Dann hess dien eigen Tempo, kanns di hier un daor uphaolen, kanns di ale wat bi denken. Ne, det mott’k ampatt seggen: Smorgens Zeitung läsen bie’t Fröihstück, det is wat.

Man de Zeitung is doch noch nicht det eerste, wat ik smorgens läse. Forts nao’t Upstaohn un Rasieren und Tenneputzen un Duschen nemm ik wat anneres up: Nich det Neiste ut de Naorichten. Ik läse gute Naorichten ut det neiste Testament. Eer as ik de wiede Welt in mienen Kopp un an’t Hätte laote, wüll ik usen Härgott door inlaoten. Un läsen und lustern, wat hei mi sech un schriff. Jeden Morgen sech hei mi tou: „Moin, moi, det du dr büss. Ik frai mi, det du läwes un du büss mien Frönd un ik hebb di wall moi henkreegen, und nu wees man nich verdraiht. Wüll we &VN nich tohaope daoun, düssen Dach?

Un dann segge ik em: „Härgott, ik danke di, det du dr büss. Und det ik leewen dröff un du mien Frönd büss und det du mi bruuken kanns. Help mi, dat ik vandage so leewe, dat du Pläsär an mi hess.” Kiek, un dann läse ik noch inne Psalmen, de Jesus ok beet heff. De bünnt tweidusendfiefhunnert Jaohr old un öller — un bünt noch neijer as de Naorichten inne Zeitung, de morgen al wer old bünt.

Vöör de Zeitung mott ik in det aole neje Bouk kieken. De Dage, waor ik det nich dou, bünt nich de besten.

Dingsdach, de 17. August
Det Feuilleton

Wenn ik Zeitung lese smorgens, kump eers de eerste Siete, de Politik dran un det Wichtigste, wat de so passeert is. Man dann gaoh ik forts noch de Sieten mit — jao, wu sall ik det nu es seggen — ik gao nao de Sieten mit det Mooie: Dor gaiht et üm Dichter und Künstler und Theater un Musik, üm Philosophie, Museen un Filme.jPolitik is as Braot, man de Kultur is as det, wat up’t Braot to liggen kump: gude Botter, Käise un Schinken oder söite sümmsgemakte Marmelade. Daorüm kiek ik so gerne in det Feuilleton. Un wenn ik dann smorgens al en mooiet Gedicht läse, kott un knapp, dann bün ik best tofree.

Wi bruukt mehr as det Allernaödichste. Reck es: De Lüe singt und späält un makt Gedichte un Theater ok noch, wenn det Braot knapp is. In’t Warschauer Ghetto, inne KZ’s sogar — kanns seggen: Noch wenn se am bedröifsten toustaoht, und jüss dann, seukt se noch, wat mooi is. Wi hebbt Schmach no det, wat bi al det Wunnlicke noch gut is, wat in det Leigen noch wahr, wat in al de Schmererei noch schier un in al den Schiet noch schaone is.

Wi Mensken bruukt det Mooie nich minner as de Arbeit und et Geld un den Frieden. In’t Huus sall et doch mooi ween, det ale sück door wohlföilen dout. Den Gaorn vöör’t Huus sall doch mooi ween, det man sück dr an fraien kann. Det Tüch ant Lief sall nicht bloß akkaraot ween, et sall us doch ok gut staohn. Und et Auto sall nicht kladderich utseihn, door wüll man mit Pläsär insitten. Un wi kaönnt us ok nich affinnen mit Leigen un Bedreigen.

Kultur kump van Kult. Kult heff mit Relijon to doun: Kult bedutt: Den Haöchsten, den Härgott verehren, vöör em inne Knei gaohn un em det beste geewen, wat wi hebbt und kaönnt. Wat daor vöör us wasset: De besten Früchte van’t Feld, de mooisten Schaope und Zeegen. Und det mooiste, wat Mensken bauen un maken konnen: graote Tempels mit Statuen, Gold un Silverlöchten, Riemels und Leider, un wat hebbt se sück nich ale utdacht: Prozessionen un Danzen un un un. Vöör Gott det allerbeste!

De Tieten bünt nu anners. Woreine weit nich mehr, det Kultur wat mit Kultus, mit den Härgott to doun heff. Man det Mooie inne Natur un inne Kultur, de Waorheit inne Tragik, det ale wieset us immer noch hen up det Geheimnis. Up den, de us so vull Mooiet gewen heff und wieder giff. Un hei is de Mooiste.

Gusendach, de 18. August
De Sport

Inne Zeitung giff det Sieten, door fleige ik man so ower. De Sportsiete höört door tou. Det Leewen is hatt, et is Knooien un Wurrachen und Geldverdeinen un immer kieken doun, wat di wat inbrengt. De Mensch is — up Latien sech man ­en „homo faber”, en Maker. jMan to det Leewen hört ok det Spälen. Wat reinwech ut Pläsär doun. Eine, de nich mehr spälen kann, de schellt heller wat. De Mensch, so heff maol einen sech, is ok „homo ludens”. Det is ok Latien un bedutt: De Mensch is en Späler. Mangs moss du wat anners doun as bloß sorgen un iewrich un vernünftig ween. En bittken Dummtüüch – daor gaiht et nich ohne. Anns wett det Leewen to stuur un hatt un schwaor. Spälen mott dr ampatt ansitten. Und et dött di gaud.

Mienewegen Fußball: Det hebb wi van Sommer ja weer beleewet: Wat hebbt sück de Lü ok fraiht! Wat wöörn se mall! Wat haarn se en Pläsär. De Späle tohaope beläwen up de Plätze. Un bi jedet Toor, wat en Kraien un Blaosen mit de Höörns ut Aftika. Wenn Use dann wunnen hebbt, dann göng det noch stundenlang döör de Stadt, mit Singen un Traöten un de Huperei. Kanns schlech bi schlaopen, man sowat bruuke wi.

Bie’t Spellen toukieken is wall mooi. Man vull better is doch noch, sümms spälen. Et is ja doch en ernstet Wäk, det Kämpfen un Winnen und Verspellen. Du leerst o heller wat vöör det Leewen: En Ziel hebben, door vöör innen Schweit kaomen, Di mit annere tohaope doun. Nao’n Daalschlach weer up de Beine kaomen, wiedermaken, döörhaolen.

Paulus, den Apostel, kennde wat van Spaort. Hei schreev vöör 2000 Jaohr an de Gemeinden in seine Breife. To de Christen in Philippi:t‘Det Ziel van mien Leewen is Gott, ik wüll Christus immer mehr kennen lernen, hei is as mien Trainer, ik loup em nao. Ik kiek nich mehr nao achtern. Ik hebb den Pries vöör Aogen: De Liebe und bie usen Härgott ween hier unnen al un doaor baowen in’n Himmel.

Un hei schreef an de Korinther: Bekiekt jou de Sportlers in’t Stadion: Wu hatt se trainiert un uppasst up ehr Äten un Drinken — ales dout se vöörn so’n Siegeskranz, woor al wenner de Blaare van af fallt. Wenn (le_ al so loupt, dann wi eers rech. Denn up us wochtet en Pries, de eewig bliff. Un de Liebe höört noit up.

Dett is’n interessanten Sport. Kenns door wat van?

Dönnerdach, de 2o. August
Wat ik nich lesen dou

So geiht mi det smorgens bie’t Zeitungläsen: Wat läs ik forts akkaraot, ower annere Saken fleige ik man so ower. Dann bünt dor Saken, de legg ik besiete, de wüll ik dann naot Middachäten läsen of aobends, wenn dr mehr Tied is. Un dann bünt door Sieten, dor kiek ik gar nich nao, die schmiet ik forts wech. Meist is det de Reklame. Un det Fernsehprogramm. Un den Deil mit Wirtschaft un Börse. Door verstaoh ik nix van. Und det leer ik ok nich mehr. Det kaönt annere Lüe beter. Man wi hebbt van’t Jaohr ok seihn: de, det bäter kaönt as ik, de makt ok nicht immer bäter.

Annere Lü schmiet’t wat anners wech as ik. Wo det Geld ganz knapp sitt, door mött se genau henkieken: Woor is vandage det Pund Botter billiger, wo is det Fleisk vandage nich so düür. Mach ween, det de sück nich so vöör Gedichte interessert as ik.

Wat ik seggen woll: Du kanns nich alles läsen. Wenn de Emmer full is, kanns geiten, wu du wuss: du krichs dr kein Tröpken Melk mehr in. Un use Kopp kann ok nich ganz vullsitten mit Pröddelkraom. Du dröffs nich alles in dien Kopp rinlaoten: Saken, de Gift bünt vöör dien Kopp un dien Hätte. Ower de Zeitungen un Internet kanns di ok al den schmeerigen Kraom in’n Kopp haalen.

En klouken Kerl meinde: „Fröiher wöör Bildung: Möglichst vull wetten, sovull Neijet upnähmen, as’t man geiht.” Vandage weer wi mit Informationen so owerschwömmt, dann is „Land unner” innen Kopp. „Vandage”, sech hei, „is Bildung: Wetten, wat ik nich bruuke, wat mit nich helpt, wat min ich wassen lett. Un dann: Wech dermit.”

Inne katoslke Kerke hebb wi det in jede Osternacht un vöör jede Dööpe: Ers „Nee”! seggen. Det lutt dann so: Sechs du Nee to ales, wat di kaputtmakt un die dorneine brengt, un dann büss du kein freiet Kind Gottes mehr? — Ik sech Nee! —Sechs du NE to den Blixem, de wüll di anschmeeren, un dann hess du kien klaoren Kopp mehr un läpps de annern bloß noch nao? .- Ich sech Nee!

Sechs du Nee to den Dübel und det Übel? – Ich sech Nee!.

Door moss wat van kennen: Anne richtige Steh NE seggen.

Freidach, den 20. August
De lesste Siete

Nu bün wi bie de leßte Siete vanne Zeitung ankaomen. Wenn ik mien Namen daor smorgens noch nich läese, in so’n Kästken mitten schwatten Rand ümtou, dann weit ik: 1k bün dr noch.

Jüss de öllern Lü fangt de Zeitung van achten an to läsen. Wat door weer in Hamburg mit de schwatt-gröine Koalition passert, dett interessiert er nich mehr so as früher. „Man hier, kiek es — Kampen Bernd is storwen. 85 Jaohr is hei aolt worn, „nao lange Krankheit”, steiht daor, nu bün wi man bloß noch drei ut use Schoulklasse. – Of ik noch wall’n bittken Tied hebb? Un wat sallt se bi mi dann wall up den Daoenbreif schriewen: Vlichte: „Hei heff vöör de Familie leewt. Lange möss hei liehen. Nu is et vörower.” Un dann de Namen vanne Kinner. Jan un Tresa un Lisbeth un…och, of Heinz sienen Namen dr dann ok wall unnersteiht? Wi hebbt doch al so lange nix mehr van em höört.!

Un door: Door is en junget Menske storwen, 32 Jaohr, “Vull to frou!” kanns door läsen. “Dien Thomas mit Lara un Lennard.” Mein Zeit! – Un door: „Thomas, noit vergett wi di! Diene Klicke.” Un dann 20 Namens drunner. Det wöör den Motorradunfall van den 18jaöhrigen, det hebbt se ok int Fernsehen wieset.

An einen Dach einen Namen 10 Maol in 10 Kästkes, so’nen Graoten ut de Politik un de Wirtschaft. „Wi hebbt em in Famlienkreis ehrt.” – Ganz vertwiewelte Anzeigen mit „Worüm?” doorower bünt daorbie, !und ne Riege mit en Bibelwort of en Krüüß.

De leßte Siete — mit sovull Namens. Un se ale hebbt ehre Geschichte mitenanner. Un de is noch lange nicht daone. De Truur geiht wieder, un jeder truurt up siene Wiese: De watten kaönnt al det Gute nich vergäten, wat den Daoden ehr daone heff, un door is vull Dankbarkeit. Un annere kaönt det Schlimme nich vergäten, wat den Daoden ehr andone heff, un se find kienen Frieden. De watten kaönt been un haopen, und annere…?

Jao, de leßte Siete. Eines Dages staihs du dr ok op.NTat en Glück, det wi nich bloß Zeitungen hebbt. Wi hebbt ok de Bibel mit de gute Naoricht. Un kanns läsen up de leßte Sieten:

„Usen Härgott wüll ale Traonen ut de Aogen wisken. Un dann giff t kein Daod mehr un kein Truurn, keine Naot und keine Lass. Hei, de up den Thron sitt sech: Ales mak ik nei!”

Dann is de leßte Siete de eerste Siete van ne ganz neije Zeitung.

Plattdeutsche Morgenandacht am Donnerstag, 3.11.201

„Up ein Bein kann man nich staohn — P.Rupert Mayer”

Von Domkapitular Alfons Strodt, Osnabrück

„Einen noch! Tou, nu drink naoch man noch einen, up ein Bein kann man nich staohn!” — Det hebb wi ale al höört, wenn door eine mit’n Buddel rundgöng. Up ein Bein kann man nich staohn? Ik wüll jou es wat erteilen. Vandage denkt de Kärke an einen Paoter ut München. De konn up ein Bein staohn. Hei fierde an Allerheilgen, jüss vöörgistern vöör 66 Jaohr, mit de Gemeinde de Misse. Un bi de Misse — up maol seech hei nix mehr und lööt de Hanne sacken. Man hei stönd noch liek un piel annen Aoltaor. Hei stönd daor stief un raögede sück nich. Daor naihden wecker nao baoben un wolln em fraogen, of wat mit em wöör. Und daor söögen se: De Paoter was daod. Un hei bleef staohn. Sien Holtbein dröög em, hei fällt nich üm. Jao, so ist ween. Det is nich loogen. Daormaols seegen de Lüe: „Det is typisch Paoter Mayer: Nich es innen Daod is hei ümfallen.”

In ersten Weltkrieg harren se em ein Bein afschotten. Nu möss hei mit’n Holtbein leewen. Man det hölt em nich up. Immer wöör düssen Jesuiten vöör de Mensken daor. Well in Naot wöör, wüss wall, wo hei hengaohn konn. Un Ideen hadde hei! Immer fraogte hei: Wat bruuket de Lü? Wu kann ik ehr det Leewen lichter maken, wu kann ik ehr helpen, an usen Herrgott to glaöwen. As de Nazis kömen, door heff hei liekut sech, wat hei seggen möss. Hei wüss: Det kann nich so bliewen, as et is. 1937 Gefängnis, dann heff de Gestapo em ruutlaoten mit Predigt- und Kanzelverbot. Hei haölt sück dr nich an. 38 weer int Gefängnis, dann int KZ. De leßten Kriegsjaohre wöör hei in Klosterhaft in Ettal. Schwaore Jaohre vöör em: Hei droff nix mehr seggen. Siene leßte Predigt an 1. November 45 wöör nich mit Wörde: Hei konn up ein Bein staohn, hei wöör nich ümfallen, nich es innen Daod. Vöör 24 Jaohr wörd hei seligsproken.

Glaowen hett ok: faste staohn. Un well glaöwen kann, de staiht faste: in’t Leewen un in’n Daod.

Plattdeutsche Morgenandacht am Freitag, 4.11.2011

„Et gaiht ok anners – Karl Borrmomäus”

Af un tou kumms du ut Staunen nich mehr ruut. En Wicht, nix in Kopp as Party, Fete, Mallorca, fiere, danzen, Diso, Jungs, Speelerei. Un dann saoterdachs un sööndachs bis naomidach in Berre liggen. To Huus helpen? Nich an to denken! Maol vöör annere wat doun? Nix to maken! Mithelpen? Det harr’s di dach! Seihn, wo dr wat to doun is? Fleit di wat! Wat sall ut det malle Wicht weern?

Det wöör vöör drei Jaohr. Un vandage: Sei heff einen funnen, en echten Frönd, un nu is det ganz anners as anners. De beiden möget sück richtig gerne liehn. Un as det lüttke Kind kömp, daor kenns det Wich nich weer. Ales, wat se fröiher nich konnde, det maket se nu mit links. Ut det Aösken is ne reddige Frau un Mama worn. Mit Verantwortung und Mout. Se schwooit un waiht nich mehr dr` her — sei gaiht nu liekut ehren Wech. Se bleef nich so, as se wöör. Et gaiht doch anners!

Ok in de Kärke. Vandage denk wi an einen graoten Reformator inne katholske Kärke: Karl Borromäus. De Reformation van Martin Luther wör net 20 Jaohr togange, daor kömp hei uppe Welt. Sie Unkel wör Papst, un de mök em to’n Kardinal, daor wör hei man er 21 Jaohr aolt. Düftig wöör hei ja wall heller. Man hei leewede ok as so’n Barockfürsten. Det har nu so wieder gaohn konnt. Aber et kömp anners: Karl Borromäus sööch, det de Kärke nei in Jesu Spöör kaomen möss. Dorüm tröck hei van Rom wech ganz nao Mailand, leewede als Bischof schlicht un einfach, un heff knooit un knooit – un den Glaowen un de Kärke bleihden up. Owerall Reformen und Sorge üm de Armen und de Pestkranken. Döör em bleef de Kärke nich, as se ween wöör. Mit 46 Jaohren wör hei up.

De junge Frau un den Bischof van Mailand wieset us: Dert gaiht ok anners.

Wörum nich ok bi mi? Wenn dien Hätte man Füür fang, dann kann ales anners weern.

 

Musaique

 

Wir sind eine Meppener Musikgruppe, die vor circa sie­ben Jahren gegründet wurde. Die überwiegend plattdeutschen Lieder, deren Tex­te und Melodien meistens aus unserer eigenen Feder stammen, erzählen von Land und Leuten der norddeutschen Region, ihrem Leben und Charakter, ihren Ge­wohnheiten und Eigenarten.

Der Name „Musaique” wurde in den vergangenen Jahren schon häufig vom Pu­blikum hinterfragt, da er eigentlich kaum auf plattdeutsche Lieder hinweist. Die Namengebung ist nichts anderes als ein Wortspiel aus „Musik” und „Mosaik”, da viele Lieder auch durch Zusammenfügen von Melodie, Text und Arrangement ent­stehen, wobei die französische Schreibweise vielleicht für manche auf einen inter­essanten Schriftzug hinweist, aber für viele auch immer wieder eine Lese- und Ausspracheschwierigkeit bedeutet.

Die musikalischen Anfänge unserer Gruppe liegen aber nicht im Plattdeutschen, sondern unser erstes gemeinsames Projekt war die Vertonung einer Gedichtreihe von Theodor Storm. Unter dem Titel „Doch hängt mein ganzes Herz an dir …”wurden insgesamt 11 Gedichte von Florenz Potthast vertont, von der Gruppe in ein musikalisches Gewand gebracht und auf einer MC veröffentlicht.

J. G. Schmidt, plattdeutscher Autor, damals noch in Dohren im Emsland wohnhaft, hörte die Lieder unserer Gruppe und bat uns daraufhin, einige seiner selbstgetex­teten und komponierten plattdeutschen Lieder zu arrangieren und auf einer MC zu veröffenlichen. Das Erarbeiten eigener Arrangements motivierte uns immer mehr, eigene Lieder zu schreiben. Die Veröffentlichung dieser Lieder unter dem Ti­tel „Wi singt platt van Dütt un Dat” war für uns als Gruppe sehr erfolgreich, so daß in kurzer Zeit sehr viele Anfragen nach Auftritten und Konzerten erfolgten. Aus dieser Zeit stammt auch das hier vorgestellte Lied „Emslandkinner”, dessen Text und Melodie von Marlene Bucher stammen.

Bereits ein Jahr später konnte eine weitere Produktion veröffentlicht werden. „Dör de Tied” ist der Titel einer CD/MC, die Heiteres und Besinnliches mit plattdeut­schen Texten darbietet. Der Umgang mit der plattdeutschen Sprache war für un­sere Gruppe nichts Ungewohntes, da Plattdeutsch uns von frühester Kindheit ver­traut war. Auch heute wird in unseren Familien noch sehr viel platt gesprochen.

Sehr schnell wurden wir uns aber auch der Tatsache bewußt, daß sich manches auf Plattdeutsch leichter oder auch direkter sagen läßt. Die plattdeutsche Sprache bietet zum einen die Möglichkeit, mit „moijen Dönkes” das Publikum zu unterhal­ten, zum andern ist sie aber auch sehr gut geeignet, Stimmungen, Gefühle und Er­lebnisse des täglichen Lebens zu beschreiben.

In diesem Zusammenhang sind wir auf den Hamburger Dichter Hermann Claudius gestoßen, der im Hamburger Raum besonders durch seine plattdeutschen Ge­dichtbände bekannt geworden ist. Mit Genehmigung der Witwe des Dichters ha­ben wir eine Vielzahl seiner Gedichte vertont und in einer weiteren Produktion mit dem Titel „Leev und Läwen” veröffentlicht.

Seit einigen Jahren liegt ein besonderer Schwerpunkt unserer Arbeit in der Dar­bietung von Konzerten mit winterlichen und weihnachtlichen Liedern. „Winter­traum” und „Vör Wiehnachten” lauten die Titel der beiden veröffentlichen Tonträ­ger. Diese Lieder wurden in vielen Konzerten im gesamten Emsland und darüber hinaus einem breiten Publikum dargeboten. Unterstützt durch stimmungsvolle Dias und eindrucksvolle Lichteffekte wurden die Konzerte zu einem besonderen Erlebnis für das Publikum.

Live erleben können Sie „Musaique” in ihren Konzerten. Aber auch bei verschie­denen anderen Anlässen tritt die Gruppe auf, wie zum Beispiel bei Veranstaltun­gen von Heimatvereinen oder Stadt- und Gemeindefesten. Auch im Rundfunk, be­sonders in plattdeutschen Sendungen, sind häufig unsere Lieder zu hören. Außer­dem wurde vom NDR-Fernsehen ein Titel für die Sendung „Bi uns to Hus” aufge­zeichnet.

Emslandkinner

Refrain:

Wi Emslandkinner, wi bünt nich minner äs aal de ännern ut de grote Stadt.

Wie käönt all mit Messer un Gaobel äten un häbbt use Vorfahren uk nich vergäten; wi flaitt wat up de grote Stadt!

Dor frög mi maol äine: „Wor kumms du dann her?”

„Ut`t Emsland van’n Oldenschloot.”

Häi frög noch ganz hochnäsig, wor dät wall wör.

Ick sae üm: „Dor wörde ick grot.”

Bie uss an de Grenze ligg Dörp an Dörp,

van Fräisland bis nao Bentheim tau.

Hier prott man noch platt

un man segg „Gauden Dag!”

Hier kennt jeder jeden genau.

Wi gaoht mittlerwiele uk nich mehr in’t Moor.

De Heizung, de makt uss dät warm.

Wi staoht uk nich mehr mit de Höihner up.

De Wecker sleiht bie uss Alarm.

Hier kennt man nich bloß mehr Peerd un Wagen,

hier weerd uk all Auto föhrt.

De mäisten häbbt nich mehr füfftaihn Blagen,

man wäit hier all, wo man verk…

De Buern brukt nich mehr mit de Hand tau mälken,

so wie dät fröiher maol wör.

Man höit uk kiene Tuffeln mehr sammeln;

dor häbb wi Maschinen för.

Man kump uk vandage in de Welt herüm,

un äinige häbbt all studiert.

Man aale kaomt säi so geerne nao Huus,

weil man ännerworngs nängs so mooi fiert.

(Text und Melodie: M. Bucher)

Im Jahre 2016 verabschiedete sich die Musikgruppe nach 25 Jahren von der Bühne

 

https://www.noz.de/lokales/meppen/artikel/801431/meppener-band-musaique-verabschiedet-sich-mit-cd#gallery&0&0&801431

 

Hermann Fenbert

Selbstbewußtsein zeigen!

Plattdeutsch ist meine Muttersprache. Die ersten Wör­ter, die ich mir als Kind unbewußt einprägte, waren aus dem Plattdeutschen. Mit meinen Eltern und Geschwi­stern fand die Kommunikation auf Plattdeutsch statt. Hochdeutsch habe ich bewußt erst nach der Einschu­lung gelernt. Und ich gebe zu, das inhalierte Platt­deutsch war für die Umstellung auf Hochdeutsch eine Hürde. Zur Zeit meiner Kindheit wurde zu Hause in der Familie, aber auch im Dorf und in der dörflichen Umge­bung plattdeutsch gesprochen.

Erst mit meinem Eintritt ins Internat in Papenburg wur­de Hochdeutsch auch zur täglichen Umgangssprache. Der Übergang vom Hochdeutschen ins Plattdeutsche erfolgt immer noch ansatzlos. Plattdeutsch habe ich hin und wieder zu schreiben versucht. Die Schreibweise und Grammatik ist nicht so exakt definiert, daß das Schreiben flüssig von der Hand geht. Dies beruht wohl auch darauf, daß das Platt­deutsche von Dorf zu Dorf – also auf engstem Raum – variiert. Es ist eine Sprache, die mündlich weitergegeben wird, die sich gleicher schriftlicher Fixierung selbst für eine Region entzieht (Dietrich Ohlmeyer hat dies in „Dat grode Plattdütsch-Book”, Verden/Aller, 1997, sehr plausibel beschrieben)

Als ich aus beruflichen Gründen nach Süddeutschland zog und nach einigen Jah­ren aufgrund regionaler Zuordnung der Aufgaben wieder nach Norddeutschland, insbesondere ins westliche Niedersachsen kam, war das Plattdeutsche nicht selten der Türöffner zum Geschäftspartner. Ich habe das Plattdeutsche dann auch bei of­fiziellen Veranstaltungen für Begrüßungen oder für Grußworte eingesetzt. Die Bausparkasse Schwäbisch Hall in Verbindung mit Plattdeutsch führte direkt zu Nachfragen, Wieso und Warum, und war nicht nur Gesprächsstoff, sondern bot Anknüpfungspunkte für weitere Beziehungen.

Die gute Verbindung zum Plattdeutsch-Fan und Herausgeber des oben erwähnten Buches, Herrn Dietrich Ohlmeyer, den ich beim Genossenschaftsverband Hanno­ver kennenlernte und der später als Wirtschaftsprüfer Jahresabschlüsse der Bausparkasse Schwäbisch Hall testierte, als ich für das Rechnungswesen der Bausparkasse zuständig war, beruht sicher auch auf unserer gemeinsamen Sprache Plattdeutsch.

Auffällig für mich war, daß immer dann, wenn wir uns auf dem Weg von Schwäbisch – Hall ins Emsland Münster näherten oder passiert hatten, wir unbewußt unsere Unterhaltung ins Plattdeutsche wechselten. In Schwäbisch Hall sprechen wir in der Familie nicht plattdeutsch; sind wir im Emsland, fließen schon plattdeutsche Sätze ein. Bestimmte Aussagen lassen sich in Plattdeutsch besser sagen als auf Hochdeutsch.

Plattdeutsch ist zu pflegen, wenn es erhalten bleiben soll. Während meiner Kind­heit war es die Sprache in der Familie und in der Umgebung. Heute spreche ich mit gleichaltrigen Bewohnern in Hesselte plattdeutsch, mit jüngeren ohne Über­gang Hochdeutsch. Plattdeutsch ist selbst in landwirtschaftlichen Haushalten nicht mehr die Tagessprache. Also: Pflege tut Not, wenn die Sprache erhalten bleiben soll. Es ist eben keine Mundart, also ein eingefärbtes Hochdeutsch, sondern eine Sprache, die verlangt: Entweder spreche ich hochdeutsch oder plattdeutsch. Daher st die Pflege der Sprache erforderlich.

Bisherige Veröffentlichungen auf Plattdeutsch und weitere Veröffentlichungen al­lein werden die Sprache nicht erhalten können. Es muß wieder eine mündliche Überlieferung einsetzen! Und es gibt eigentlich keinen Grund, sich dieser Sprache zu schämen. Mit dem wachsenden Selbstbewußtsein über die wirtschaftliche Ent­wicklung in Norddeutschland wird hoffentlich auch das Selbstbewußtsein für das Plattdeutsche wieder wachsen.

Der Niederländer Hennie Engelbertink

 

Beiderseits der Grenze eine Sprache

Als Ausländer – vom deutschen Standpunkt aus gese­hen – bin ich froh, daß auch ich als Autor für dieses Buch angesprochen wurde. Allerdings fühle ich mich in dieser Angelegenheit gar nicht als Ausländer, denn ich spreche die gleiche Sprache, ich gehöre zum gleichen Sprachgebiet: Der Nordosten der Niederlande und der Norden Deutschlands haben im Platt keine Verständi­gungsprobleme.

Ich bin geboren auf einem Bauernhof in Rossum in der Torenter Gegend. Auf dem Lande war es selbstverständlich, daß die Eltern platt mit ihren Kindern sprachen. In den Schulmeisterfamilien wurde allerdings schon niederländisch geredet, denn Terwey hatte 1885 in seiner Grammatik für zukünftige Lehrer geschrieben: „Die Sprache, die von gebildeten Landsleuten gesprochen und geschrieben wird, ist Niederländisch. Die Sprache der ungebildeten Niederländer ist Mundart.” Als Fünf­jähriger kam ich in den Kindergarten und hatte damit die erste Berührung mit dem Niederländischen. Natürlich machte das Schwierigkeiten. In der Schule erlernte ich dann den klaren Unterschied zwischen Niederländisch und Twents.

Als viele Eltern meinten, in dieser Zeit auch niederländisch mit ihren Kindern spre­chen zu müssen, kam dieser klare Unterschied nicht zustande. Was man da hören mußte, war kein Niederländisch und kein Platt, es ging alles durcheinander. Das Ergebnis war, der Dialekt schwindet und das Niederländische wird schlechter.

Als ich 1970 meine Frau heiratete, haben wir überlegt, welche Sprache wir mit un­seren Kindern sprechen sollten. Wir haben uns für Twents entschieden. Mit wel­chen Auswirkungen? Meine Tochter (heute 25) hatte Freundinnen, die schlecht niederländisch sprachen. Ihre Hochsprache leidet noch heute darunter. Sie hat bei ihren Altersgenossinnen Unmut erzeugt, wenn sie das richtige Niederländisch, wie sie es zu Hause und in der Schule erlernt hatte, anwandte. Unser Sohn (22) ist ganz anders, er hat in seiner Freizeit immer twents gesprochen. Die tägliche Wirk­lichkeit zeigt uns, daß Jungen eher platt sprechen als Mädchen.

Meine Frau und ich hatten mit unserer Entscheidung für den Dialekt auch eine bessere Verständigung unserer Kinder im niederländisch-deutschen Grenzraum erwartet. Leider habe ich damit schlechte Erfahrungen gemacht: Als wir einmal auf dem Isterberg waren, sprach mein Sohn einen deutschen Jungen auf Platt an, der konnte jedoch nur hochdeutsch.

Als ich etwa 20 war, wollte ich in Nordhorn auf Hochdeutsch einen Weg erfragen. Der Gefragte antwortete: „Doo mer röstig Platt”. Für mich bedeutete es, als wäre ich in meinem eigenen Land. Deshalb bin ich auch als Niederländer viel in Deutschland, ich würde sogar sagen, daß Deutschland mein zweites Land ist, fast so wie die Niederlande.

Als ich im Lehrerstudium war, bekamen wir die Möglichkeit, die Altendorfer Schule in Nordhorn zu visitieren. Meine besondere Vorliebe galt schon damals dem Fach Heimatkunde. Allerdings war ich in Nordhorn enttäuscht, was die Un­terrichtsinhalte dieses Faches anging. Insbesondere fehlten mir die Behandlung und der Umgang mit dem Dialekt. Ich habe den Kindern an folgendem Tafelsche­ma aufgezeigt, wie verwandt die Regionalsprachen diesseits und jenseits der Gren­zen sind:

Deutsch                 Nordhorns             Rossums                Niederländisch

Maulwurf               Vroot                     Vroot                     mol

Grünkohl               Moos                      Moos                     boerenkool

Raupe                     Rup                        Rup                        rups

Hose                      Boks                      Boks                         broek

manchmal             mangs                    mangs                 soms

Holzbündel           Busche                   Busche                   takkenbos

Gewitter                Grommelschur       Grommelschur       onweer

Iltis                         ülk                         ülk                         bunzing

rauchen                 roakn                     roakn                     roken

Nach meinem Diplom habe ich mich ab 1967 auch der Ahnenkunde zugewandt. Dabei stieß ich auf Namensverwandte auch auf deutscher Seite, wie zum Beispiel im Münsterland, im Artland (Groß Mimmelage), in Suddendorf und Haftenkamp in der Grafschaft. Es ließen sich gemeinsame Vorfahren nachweisen. Ich kam mit diesen Namensvettern in Kontakt, überall konnte ich in der gleichen Sprache mit ihnen sprechen. Das war eine sehr positive Erfahrung: überall dieselbe Mentalität, ruhige, zuverlässige, nette und freundliche Menschen.

Nachdem ich viele Unterlagen gesammelt hatte, haben wir am 7. November 1995 ein Namenstreffen gemacht, an dem Tag, als der Erzbischof Engelbert von Köln in früherer Zeit ermordet wurde. Zu diesem Anlaß habe ich das Buch „Kroniek Engelbertink” vorgestellt. Da ich ein Buch für Deutsche und Niederländer schreiben wollte, habe ich twents Platt gewählt.

Mir ist klar, daß der Dialekt eine Sprechsprache ist, aber ich finde, daß man eine Mundart auch auf eine höhere Ebene bringen kann durch das Schreiben, die Ver­wendung in der Schule und im Radio (geschieht in Friesland und anderen Gegen­den). Allerdings fehlt es bei uns völlig im Fernsehen, und wir sind eifersüchtig auf “Talk up Platt” auf deutscher Seite.

Die Mundart hat meinen Beruf bestimmt. Als ich etwa 11 Jahre alt war, las ein Lehrer aus einem Buch über Sagen und Legenden manchmal Twents vor. Davon War ich jeweils so begeistert, daß ich das später ebenfalls als Lehrer übernommen labe. Unser Grundschulunterrichtsgesetz läßt den Gebrauch der Mundart zu, deshalb habe ich es auch regelmäßig – auch wenn mein Schuldirektor heftig dagegen war – etwa jede Woche eine halbe Unterrichtsstunde praktiziert.

Insgesamt bin ich pessimistisch und denke, daß unser Säksisch (Platt) verlorengeht.

‘Fazit: In Deutschland propagiert man, niederländisch zu sprechen, und in den Niederlanden macht man Werbung für die deutsche Sprache. Wäre es nicht besser, unsere gemeinsame säksische Muttersprache zu fördern?