Während in der mittleren Generation der Väter und Mütter im Emsland (zwischen 34 und 50 Jahre alt) noch mindestens jeder Zweite fließend platt sprechen kann, beherrschen nur noch 3 von 100 der heute 12-Jährigen diese Sprache auf dem gleichen Kompetenzniveau — ein enormer Rückgang innerhalb einer Generation.
Auch wenn erfahrungsgemäß bisher ein Anwachsen der Mundartkompetenz mit zunehmendem Alter zu verzeichnen ist, etwa beim Eintritt in bestimmte Berufe, wird sich dadurch in naher Zukunft das negative Bild nicht ändern — es sei denn, die eingangs beschriebenen Hindernisse würden in Kürze abgestellt, was bei der konservativen Grundeinstellung vieler Emsländer in diesem zwischenmenschlichen Bereich kaum zu erwarten ist. Daß allerdings in der passiven Sprachkompetenz ein nicht zu unterschätzendes Reservoir für den aktiven Erwerb schlummert, deuten Anfangserfolge in
plattdeutschen Arbeitsgemeinschaften in den Schulen an. Im Umfeld der Familie und der lokalen Sprachgemeinschaft jedoch stehen die beschriebenen Widrigkeiten z.Zt. eindeutig gegen eine Änderung der Verhältnisse.
Unsere erste Frage richtet sich auf die aktive Dialektkompetenz der Schüler, wobei die Einschätzung der Kompetenz durch die Eltern und die Ergebnisse des Tests einander gegenübergestellt werden (vgl. Tab. 1).
Die Testergebnisse und die Werte der Elterneinschätzung liegen im Kreisdurchschnitt erstaunlich nahe beieinander. Untersucht man jedoch die Ergebnisse der einzelnen Gemeinden, so irren sich die Eltern mit der Einschätzung der Fähigkeiten ihrer Kinder zum Teil ganz erheblich, wie noch im Abschnitt 3.6. „Regionale Unterschiede” dargestellt wird.
Daß der Niedergang der niederdeutschen Sprache mit einem Ereignis im Weltall zusammenhängen könnte, mag auf den ersten Blick unwahrscheinlich erscheinen. Als aber im Herbst 1957 die Sowjetunion die beiden Satelliten Sputnik I und II mit der Polarhündin Leika in den Weltraum katapultierte, wurde dieses Ereignis zu einem Wesentlichen Auslöser der bildungs- und gesellschaftspolitischen Diskussionen und Reformen der 60er Jahre. Es entstand die sogenannte „Sputnik-Generation”, die mit Kurzschuljahren in das Bildungssystem eingeführt, mit der Abschaffung der Volksschule und der Zwergschulen weiterbetreut und schließlich, nun schon in den 70er Jahren, mit der Einführung der reformierten Oberstufe beglückt wurde. Mengenlehre, englische Sprache und nicht zuletzt die Popmusik haben das Denken (und Handeln?) dieser Generation geprägt, zu der zu zählen auch ich mich glücklich schätzen darf.
Denn eigentlich, das muß man offen bekennen, fehlte es uns, den Kindern und Jugendlichen der 60er und 70er Jahre, an nichts. Alles konnten wir werden, haben, erreichen, nur eines war verpönt – die plattdeutsche Sprache und die damit verbundene traditionelle Lebenswelt auf dem Lande, die als ein entscheidender Hemmschuh für „fortschrittliche Entwicklung” von Bildung und Gesellschaft und vor allem bei der korrekten Erlernung der schwierigen hochdeutschen Sprache angesehen wurde.
Auch in unserem münsterländischen Landstädtchen vermieden es unsere Eltern ganz bewußt, ihre überlieferte Mundart an uns weiterzugeben. Aus uns sollte schließlich etwas werden: Lehrer, Beamter oder gar Ingenieur. Plattdeutsch konnte bei solchen Bildungszielen nur hinderlich sein.
So plagten wir uns mit „mir” und „mich” oder „wem” und „wen”, wobei den Möglichkeiten zur grammatikalischen Hilfestellung durch unsere Erzieher gelegentlich enge Grenzen gesetzt waren. Nur wer Glück hatte, konnte bei Großeltern, Verwandten oder Nachbarn auch plattdeutsche Grundkenntnisse aufschnappen – und das in der Heimat von Augustin Wibbelt und Karl Wagenfeld, Anton Aulke und Natz Thier.
Aber – ehrlich gesagt – so richtig vermißt haben wir als Kinder und Jugendliche das Plattdeutsche damals nicht. Ganz sang- und klanglos verschwand innerhalb einer Generation das Plattdeutsche aus vielen Familien und aus der Öffentlichkeit.
Irgendwann in den 70er Jahren kam es dann plötzlich wieder – zunächst gezähmt in „plattdeutschen Kursen” und Lesewettbewerben. Als zartes Pflänzchen sollte hier wieder gedeihen, was man zwanzig Jahre vorher noch hatte ausmerzen wollen. Ob diesen pädagogischen Ansätzen zur Erhaltung der plattdeutschen Sprache ein dauerhafter Erfolg beschieden sein wird, mag die Zukunft zeigen.
Auch in einem ganz anderen Bereich tauchte das Plattdeutsche in den 70er Jahren wieder auf: In den beliebten plattdeutschen Theaterkomödien und den sogenannten Sketchen. In ihnen wurde zumeist das traditionelle Leben auf dem Lande auf die Schippe genommen, und durch die derbe Art der Aufführungen wurden auch die Lachmuskeln der (fast) Sprachunkundigen arg strapaziert.
Später dann schwappte das Plattdeutsche im Zuge der Nostalgiewelle noch einmal mit breitem Wellenschlag über das öffentliche Parkett. Überall, besonders auf dem Lande, hörte man nun bei Festreden, Eröffnungen, Jubiläen wieder plattdeutsche Exkurse, zumeist verbunden mit einem flammenden Bekenntnis zur plattdeutschen Kultur und Wesensart, die es auch jungen Menschen zu vermitteln gelte. Peinlich wirkt dies immer dann, wenn es von Rednern vorgetragen wird, die sich beim Plattdeutschen offenbar selber auf nicht ganz sicherem Parkett bewegen…
Und die Jüngeren, denen das Plattdeutsche wieder vermittelt werden soll? Den meisten von „uns Jüngeren”, jedenfalls denen aus der „Sputnik-Generation”, fehlen die dafür notwendigen Voraussetzungen. Das Plattdeutsche, die „Muttersprache” unserer Mütter, ist uns zur Fremdsprache geworden. Den meisten blieb sie ebenso fremd wie das „Vaterland” unserer Väter, das uns durch das „Europa der Zukunft” längst abgelöst schien.
Daß mich meine berufliche Zukunft später einmal sozusagen zum „Profi-Niedersachsen” machen würde, dessen Arbeitgeber die niederdeutsche Tradition einer ganzen Region geradezu verkörpert, habe ich mir damals noch nicht träumen lassen. Erst im Laufe der Berufsausbildung wuchs mein Interesse an der niederdeutschen Kultur, die ich bald eifrig studierte und über die ich auch promovierte. Eines lernte ich dabei nicht – Plattdeutsch.
Oft schon habe ich mich dann in den letzten Jahren, hier in der Provinz, gefragt: Kann man eigentlich im Emsland als Museumsleiter tätig sein, ohne die örtliche plattdeutsche Sprache aktiv zu beherrschen? (Und manche werden sich das vielleicht auch schon gefragt haben.) Eine endgültige Antwort darauf habe ich für mich bislang noch nicht gefunden – aber man ist ja noch lernfähig.
Als ich im Jahr 1955 in meinen ersten Schultagen nach Hause kam, habe ich doch allen Ernstes meine Mutter gefragt: „Sind wir auch evangelisch?” Als meine Mutter ganz erstaunt nachfragte, wie ich darauf komme, antwortete ich: „Alle meine Klassenkameraden sprechen in der Pause und nach der Schulzeit plattdeutsch, bis auf zwei. Und diese beiden sind evangelische Flüchtlinge.”
In meiner Kindheit wurde in Lohne fast nur platt gesprochen. So hatten manche ältere Leute mit der hochdeutschen Sprache ihre Probleme. Aus diesem Grunde vermieden meine Eltern es, mit uns platt zu sprechen. So konnte ich bis 1955 nur hochdeutsch sprechen – aber das änderte sich schnell. Ich lernte durch die Schule von meinen Klassenkameraden die plattdeutsche Sprache, während diese in der Schule hochdeutsch lernten. Ein Mitschüler fand das scheinbar sehr frustrierend. Er kam nach den ersten Schultagen mit der Bemerkung nach Hause: „Mama, dat Proaten, wat de dort doot, dat lern ick noit.” Aber auch er spricht heute perfekt hochdeutsch. In meinem Elternhaus wurde weiterhin mit mir und meinen jüngeren Geschwistern hochdeutsch gesprochen. Aber auch diese lernten Plattdeutsch durch ihre Freunde. Heute spreche ich mit meiner Mutter und meinen Geschwistern nur plattdeutsch.
In den 60er und 70er Jahren fing es dann an, daß man vielerorts als „Bauer”, „Dörfler” oder rückständig angesehen wurde, wenn man platt sprach. Es galt auch immer noch das Vorurteil, daß die mit dem Plattdeutschen aufgewachsenen Kinder speziell in weiterführenden Schulen Schwierigkeiten hätten. Im Nachhinein hat sich diese Ansicht nicht bewahrheitet, aber meine Frau und ich sprachen mit unseren Kindern auch nur hochdeutsch.
Versuche, unseren heute erwachsenen Kindern noch Plattdeutsch beizubringen, schlugen meist fehl. Zwar können sie das Gesagte verstehen, da in der Nachbarschaft und Verwandtschaft noch sehr viel plattdeutsch gesprochen wird, jedoch klingt beim Sprechen immer ein nicht üblicher Zungenschlag mit. Aber es wird weiter geübt.
Ich selber spreche heute noch sehr viel platt. In meinem Beruf habe ich es mit vielen Menschen im Altkreis Lingen und der Grafschaft Bentheim im Baugewerbe zu tun. Hier wird noch viel platt gesprochen. Ich habe die Erfahrung gemacht, daß man mit der plattdeutschen Sprache schneller Kontakt mit den Leuten auf dem lande bekommt. In der Grafschaft trifft dieses noch mehr zu als im Landkreis Lingen. Dieser Unterschied ist in den Städten noch größer. In Nordhorn, Bad Bent-heim oder Schüttorf kommt man mit der plattdeutschen Sprache fast immer klar, während man in Lingen schon öfter auf Unverständnis stößt.
Damit unsere schöne plattdeutsche Sprache nicht ganz ausstirbt, ist es wichtig, sie weiterhin zu pflegen. Wir sollten das, was wir bei unseren Kindern versäumt haben, bei den Enkelkindern nachholen und mit ihnen plattdeutsch sprechen. Schaden wird es keinem Kind, zweisprachig aufzuwachsen. Wenn wir uns alle daran halten, wird es auch in hundert Jahren in unserer Region Menschen geben, die plattdeutsch sprechen. Davon bin ich überzeugt.
Im Jahre 1928 habe ich mit fast 15 Jahren mein Heimatdorf auf dem Hümmling verlassen und bin zum Besuch einer weiterführenden Schule in die Ruhrmetropole Essen übergesiedelt. Statt des verträumten Tusku-lum in der Hümmlinger Heide erwarteten mich dort rauchende Schlote und feuerspeiende Hochöfen. Meine Füße, die ich bis dahin entweder unbekleidet gelassen oder in luftigen Holzschuhen untergebracht hatte, mußten sich an ein enges Schuhwerk gewöhnen, und an die Stelle der gewohnten plattdeutschen Sprache trat das Hochdeutsche.
Es vollzog sich bei mir eine Art Metamorphose. Da war es nicht verwunderlich, daß mich bald ein mächtiges Heimweh schüttelte und alles Zurückgelassene mit einer Mandorla und einer Gloriole umgab, deren Glanz bis heute nicht ganz verblaßt ist. Ich mußte lernen, die plattdeutschen Satz- und Wortformen gegen passende hochdeutsche Wendungen auszutauschen. Dies war zugleich auch eine gute Vorübung für das dann folgende Erlernen von Latein und Griechisch.
Mein Hochdeutsch war zunächst sicherlich sehr ungelenk und holperig, aber weil ich in der Dorfschule mit guten theoretischen Kenntnissen der Wortregeln und der Rechtschreibung ausgestattet worden war, konnte ich meine hochdeutsche Sprachfähigkeit recht bald auf den gehörigen Stand bringen. Plattdeutsch und Hochdeutsch nebeneinander und wechselweise denken und sprechen zu können, das war der unschätzbare Gewinn aus eben dieser Zeit. Von dieser Zweisprachigkeit habe ich ein ganzes Leben lang zehren können.
In meinem ärztlichen Beruf ist mir diese Fähigkeit sehr zustatten gekommen. Sie wurde zu einer der Quellen, aus denen sich das Vertrauen gespeist hat, von dem ich mich ein ganzes Arztleben lang durfte getragen fühlen. Das galt von den Patienten aus meiner Heimatregion noch in besonderer Weise. Welche Kraft ich daraus schöpfen konnte und welche Beglückung darin lag, bedarf keiner Erörterung.
Es war darum für mich nur die Abstattung einer Dankesschuld, als ich mich entschlossen habe, nach Beendigung meiner ärztlichen Berufstätigkeit die verbleibende Mußezeit der Betreuung meiner eigentlichen Muttersprache, dem Plattdeutschen, zu widmen. Dabei habe ich über meine bisherigen Kenntnisse hinaus erfahren, welche wertvollen kulturellen und geistigen Schätze sich in unserer so unscheinbar wirkenden plattdeutschen Mundart verborgen halten, und wie weit
In meiner Eigenschaft als Hochschuldozent am Institut für Geschichte und historische Landesforschung an der Universität in Vechta bin ich fast in jedem Jahr an einem Austauschprogramm mit Hochschulen in Te-xas/USA beteiligt. Zumindest stelle ich den in Vechta weilenden Studenten und Kollegen aus Amerika, die selbst überwiegend deutscher Abstammung sind und über einige deutsche Sprachkenntnisse verfügen, in einem Vortrag einige Hauptaspekte der Sozial- und Kulturgeschichte Nordwestdeutschlands vor. Dabei lasse ich es mir nicht nehmen, meinen Zuhörern auch die sprachgeschichtliche Entwicklung des deutschen Nordens zu erläutern.
Zwar haben die texanischen Gäste, die sich in der Regel gründlich auf ihren Aufenthalt in Deutschland vorbereitet haben, zuvor schon gehört oder gelesen, daß auf dem Lande vielfach noch heute ein vom Schriftdeutschen deutlich verschiedener „Dialekt”, das sogenannte Plattdeutsch, gesprochen wird, aber großes Erstaunen löst dann – und das nicht nur bei den Gästen, sondern auch bei anwesenden hochdeutschen Kollegen und Studenten – die Information aus, daß das Niederdeutsche vor Jahrhunderten nicht nur in ganz Norddeutschland Amts- und Schriftsprache, sondern auch die – nach dem Hochdeutschen, aber weit vor dem Englischen – zweitwichtigste germanische Sprache überhaupt war und daß das Englische beziehungsweise das Alt-Angelsächsische vor eineinhalb Jahrtausenden aus derselben altsächsischen Wurzel hervorgegangen ist wie das Niederdeutsche. Eine Art von Solidarisierungseffekt löst dann bei meinen englischsprachigen Zuhörern mein persönliches Bekenntnis aus, daß auch ich das Hochdeutsche erst in der Schule als meine erste Fremdsprache erlernt habe.
In der Tat habe ich bis zu meinem sechsten Lebensjahr nur das Niederdeutsche gesprochen und verstanden. Seitdem lebe ich in einer Situation der Zweisprachigkeit: Niederdeutsch blieb die Sprache des familiären, privaten Bereichs und, als ich später als Fahrschüler das Gymnasium in Meppen besuchte, die Sprache meiner engeren Heimat Rütenbrock. Hochdeutsch dagegen war die Sprache, der ich mich in der Öffentlichkeit, das heißt im Unterricht, in den Geschäften, im kirchlichen Raum und nicht zuletzt in allen schriftlichen Belangen, zu bedienen hatte.
Hochdeutsch war zudem, seit ich das Gymnasium in Meppen besuchte, auch die ausschließliche Sprache des Pausenhofes, während in der Volksschule der Gebrauch des Hochdeutschen ausschließlich auf den eigentlichen Unterricht beschränkt geblieben war und sich die „private” Kommunikation mit den Mitschülern ganz selbstverständlich auf Plattdeutsch abgespielt hatte. Daß dieses auf dem Gymnasium nicht mehr der Fall war, sondern daß das Hochdeutsche nun erstmals in meinem Leben einen Teil meiner „privaten” Sphäre, nämlich den Kontakt zu meinen Mitschülern, beherrschte, habe ich persönlich als weitaus größeren Bruch empfunden als einige Jahre zuvor die Notwendigkeit, das Hochdeutsche als Unterrichtssprache erlernen zu müssen.
In dem Maße, wie die privaten Kontakte mit Gleichaltrigen in meinem Heimatort, so vor allem mit früheren Mitschülern aus der Volksschule, allmählich abnahmen, reduzierte sich in den folgenden Jahren für mich der Bereich des Niederdeutschen immer mehr auf die Kommunikation im Elternhaus sowie innerhalb der Verwandtschaft und Nachbarschaft, während ich in meiner Jugendzeit nach und nach in weitere hochdeutsche Lebensbereiche hineinwuchs. Diese Tendenz verstärkte sich verständlicherweise noch, als nach der Schulzeit die Bindungen an Elternhaus und Heimatort lockerer wurden.
Nach langen Jahren des allmählichen Bedeutungsverlustes der niederdeutschen Sprache in meiner eigenen „Sprachgeschichte” begegnete ich schließlich im Rahmen meiner beruflichen Tätigkeit erstmals der historischen Kultursprache Niederdeutsch. Meine Muttersprache, die in meinem eigenen Leben immer mehr auf den Bereich des Privaten und Familiären beschränkt worden war und in den Augen vieler „Hochdeutscher” als bäurisch und primitiv abgetan wurde, nun als die offizielle Sprache der Hanse, ja als die einst unumstrittene Schrift- und Amtssprache . des gesamten norddeutschen Raumes zwischen Niederrhein und Weichsel, ja selbst der Baltendeutschen wiederentdecken zu dürfen, erfüllt mich mit einer späten Genugtuung, ja sogar mit einem gewissen Kulturstolz. Die niederdeutsche Sprache, so möchte ich abschließend diesem Kulturstolz Ausdruck geben, ist eben nicht nur das sprachliche Gewand dörflich-ländlichen Brauchtums und eines herzhaften bäuerlichen Humors, sondern uraltes kulturelles Erbe, das es, auch wenn die Sprache immer weniger gesprochen wird, ebenso zu bewahren gilt wie andere altehrwürdige Kultursprachen.
In dem Dorf, in dem ich groß geworden bin, wurde damals – vor Jahrzehnten – noch überall plattdeutsch gesprochen. In den Familien, im „Dorfladen”, beim Schuster und beim Bürgermeister… Das war völlig selbstverständlich, niemand nahm Anstoß daran. Im Gegenteil: wer hochdeutsch sprach, galt als affektiert und arrogant, als Städtker, der sich qua Sprache aus der Dorfgemeinschaft ausschloß.
Bei uns im Hause wurde auch plattdeutsch gesprochen – vor allem von den Großeltern -, mit uns Kindern jedoch sprach jedermann hochdeutsch. Daraus resultierte, daß wir Kinder das Plattdeutsche zwar sehr wohl verstanden, es aber nie aktiv sprachen. Bis auf einzelne Worte und Redewendungen. Eines jener plattdeutschen Worte, die wir ganz selbstverständlich in unseren hochdeutschen Wortschatz integriert hatten, brockte mir eine nie vergessene Blamage ein. Das war so: Im Deutschunterricht des Gymnasiums, Klasse 5 – also werde ich so um die zehn Jahre alt gewesen sein – ging es darum, Wörter zu sammeln, die irgendwas mit „Brot” zu tun haben. Brötchen, Semmeln, Zwieback, Kuchen, Kekse… die Wortmeldungen kamen von allen Seiten, die Liste der Synonyme und der bedeutungsverwandten Bezeichnungen wurde lang und länger, bis allmählich keinem Schüler und keiner Schülerin mehr etwas dazu einfiel.
Ich wunderte mich die ganze Zeit, weil niemand das Wort genannt hatte, das mir als allererstes dazu einfiel. Etwas, das bei uns in der Familie täglich auf dem Tisch stand. Insbesondere mein Großvater aß es mit Genuß, indem er es – bevor er es zum Mund führte – in seine warme Milch eintunkte. Beschüte! Ganz klar, Be-schüte gehörte doch wohl auch eindeutig zu den Dingen, die etwas mit Brot zu tun haben! Da also niemand meiner Mitschüler auf diese naheliegende Idee gekommen war, hob ich nun meinen Finger. Der Deutschlehrer blickte mich fragend an und voller Genugtuung, daß ich diejenige war, der das Naheliegendste einfiel, sagte ich: „Beschüte!”
Der Lehrer zog seine Stirn in Falten, blickte mich zweifelnd an und – – – verstand mich offensichtlich nicht! Ich begriff die Welt nicht mehr! Wieso kannte der I.eh rer keine Beschüte, die doch bei uns – ich schwöre – tagtäglich auf dem Tisch stand? Ich wiederholte: „Beschüte.” Ein Mitschüler lachte laut und rief: „Das ist doch plattdeutsch. Beschüte heißt Zwieback!” Klar, daß die ganze Klasse losgrölte, und ich – eines der wenigen Kinder, das aus einem Dorf kam und in der Stadt zur Schule ging – wäre am liebsten vor Scham in den Erdboden versunken.
Ich erinnere mich auch noch daran, wie eines Tages die Großmutter der Nachbar-kinder zu uns kam und meinem Bruder fünf Mark anbot – verbunden mit der Auflage, täglich hochdeutsch mit ihren Enkeln zu sprechen. Denn im Nachbarhaus wurde ausschließlich plattdeutsch gesprochen, und darunter litten die schulischen Leistungen der Kinder.
Vor einiger Zeit bin ich – nachdem ich zwei Jahrzehnte in einer Großstadt gelebt habe – zurückgekehrt ins Emsland. Mein ältester Sohn, damals 8 Jahre alt und eine echte Großstadtpflanze, meldete sich – kaum daß er hier eingeschult war – zur Teilnahme an einem Lesewettbewerb in plattdeutscher Sprache an. Das imponierte mir sehr! Denn Plattdeutsch war für ihn so etwas wie eine Fremdsprache. Den Text, den er von seinem Lehrer zum Üben bekam, mußte ich ihm zunächst übersetzen, damit er den Inhalt überhaupt verstand. Unverdrossen jedoch übte er täglich den plattdeutschen Text – Schwierigkeiten gab es vor allem bei der Artikulation und bei seiner Sprachmelodie, die nichts, aber auch gar nichts gemeinsam hat mit der typisch plattdeutschen. Er erntete denn auch keine Lorbeeren beim schulischen Vorlesewettbewerb!
Sprache und Grammatik meines Sohnes waren bereits so gefestigt, daß das Plattdeutsche ihm nichts mehr anhaben konnte. Anders bei meiner fünfjährigen Tochter, auf deren Sprachstil, fehlerlose Grammatik und reichen Wortschatz ich so stolz war. Innerhalb kürzester Zeit begann sie mit merkwürdigen Pluralbildungen – Onkels, die Lehrers -, verleibte grammatikalische Fehler – unseres Haus – und andere fragwürdige Wendungen in ihre Sprache ein – das bin ich in Schuld. Mit fünf Jahren ist die grammatikalische Sprachstruktur offensichtlich noch nicht so gefestigt, daß sie unanfechtbar ist. Es kostete Mühe und Zeit, die grammatikalischen Irritationen meiner Tochter wieder zu glätten.
Meine nächste Begegnung hier mit der plattdeutschen Sprache war eine Sendereihe für die Ems-Vechte-Welle, dem hiesigen Offenen Kanal. Ich traf mich einmal in der Woche mit Seniorinnen und Senioren, die über frühere Zeiten sprachen, auf Plattdeutsch. „Früher gaft dat nick”- daraus entstanden mehrere einstündige Radiosendungen. Themen waren zum Beispiel: „Schoole in de Hitlertied”, „Kriegsende in’t Emsland”, „Speck för’n Fahrradreifn up`n schwatten Markt in de 40er” und „Brutlöh und Hochtied früher”. Diese Arbeit wuchs mir sehr schnell ans Herz, weil sie viel mit mir und meinen Wurzeln zu tun hatte. Und dazu gehört unabdingbar die plattdeutsche Sprache.
Meine Haltung zur plattdeutschen Sprache heute ist sehr ambivalent: Einerseits ist sie mir vertraut, vertraut im positiven Sinne des Wortes, die Sprache meiner Heimat, in der ich meine Wurzeln habe – andererseits halte ich die plattdeutsche Sprache für sehr hinderlich bei der Ausbildung eines guten Sprachstils.
Das Plattdeutsche hat etwas von einem geschlossenen Code, ist eine Sprache für Eingeweihte, signalisiert Dazugehörigkeit und läßt Fremde erst mal draußen stehen – wie jeder andere Dialekt und jede andere Mundart auch. Wer plattdeutsch spricht, offenbart damit zugleich eine bestimmte Lebens- und Weltsicht, die viel mit Tradition, Althergebrachtem, Abgrenzung und Vereinfachung zu tun hat. In der plattdeutschen Sprache ist kein Raum für großartige Gefühle – wohlgemerkt: ich meine die Sprache, nicht die Menschen. Denn die haben sehr wohl großartige Gefühle, nur sie reden nicht gern darüber. Ick mach di heller lien – ist vermutlich das ausdrücklichste Liebesbekenntnis, das in plattdeutscher Sprache möglich ist. So gesehen paßt sie zu den Emsländern: Sie meiden die großen Worte und fürchten die Sentimentalität oder auch „Gefühlsduselei”.
1928 in Mühlen in Oldenburg geboren, wuchs ich ländlich mit 9 Geschwistern auf. Meine Eltern besaßen einen kleinen Bauernhof. Überall wurde Platt gesprochen, war für uns als Erstsprache selbstverständlich. Ich habe zu keiner Zeit die Sprache als Last empfunden. Die Eltern beherrschten die hochdeutsche Sprache natürlich gut. An unser Ohr drang sie jedoch kaum. Für mich ist es noch heute unglaublich, wie schnell wir mit dem Einschulalter dann hochdeutsch sprechen und schreiben lernten. Unsere Lehrpersonen versuchten oft aus Spaß, bruchstückhaft mit uns Platt zu sprechen. Wir durften dann korrigieren.
Besonders heute weiß ich um die Vorzüge der plattdeutschen Sprache. Sie birgt eine einfache Herzlichkeit in sich, die für das Zusammenleben sehr förderlich ist. Die Naturverbundenheit mit dem lebendigsten Erleben bringt diese Sprache auf den Punkt. Auf dem Schoße der Großeltern erlernten wir Kinder alle möglichen Tierstimmen – lustige Verse, fast auf jedes Tier einen gemünzt. Plattdeutsche Gedichte, Lieder, Dönkes hat man sich, weil es so interessant klang, schnell gemerkt. Geist und Seele konnten sich entfalten.
Das Erleben auf dem Bauernhof sehe ich in dieser Richtung sehr positiv. Wir wurden früh spielerisch und hilfsbereit an kleine Pflichten herangeführt. Das half, früh soziale Kontakte aufzubauen – ein Ansporn für Kreativität. Viele alte Sprichwörter und Bauernregeln bestätigen die sozialen und moralischen Grundsätze. So wurde uns Kindern die spätere Lebenswirklichkeit früh nahegebracht. Ganz selbstverständlich wuchsen wir mit christlichen Sitten und Gebräuchen auf. Diese waren in der plattdeutsch sprechenden Gegend nicht wegzudenken. Dabei war der kleine Wortschatz von Kindern schon von Nutzen und stützte das Bedürfnis der Anerkennung. Noch zu erwähnen sind die alten, nett klingenden Doppelnamen.
Was bei aller Gemütlichkeit auf Platt an Komik überbracht werden kann, ist auf Hochdeutsch gar nicht so locker hinzukriegen. Ein wahrhaft goldener Humor bei aller Realität! Auch derbe Wörter klingen nicht so verletzend. Das Miteinander läßt so leicht keinen Platz für Frust und schlechte Laune. Auch wenn die Welt vor Neuheiten und Techniken fast aus den Fugen gerät, lohnt es sich bestimmt, unser Kulturgut noch wieder aus dem Dornröschenschlaf zu wecken. Nette Menschen älteren Semesters sind sicher gerne bereit, beim Erhalt der plattdeutschen Sprache mitzuwirken. Öfter müßten in Plattdeutsch besprochene Kassetten angeboten werden!
In den Schulen könnte es vielleicht sogar zum Pflichtfach gemacht werden; vielleicht nur einige Stunden im Monat, um sich so der jeweiligen Gegend entsprechend wieder mit dem Plattdeutschen vertraut zu machen. Schön wäre, es gäbe neue Ansätze, gute altbewährte Sitten und Gebräuche – bei aller Herausforderung der Zeit – wieder mehr mit einzubinden. Oft in fröhlicher Gemeinschaft plattsprechende Persönlichkeiten zu Wort kommen lassen, so unseren Nachwuchs für den wertvollen Kulturschatz zu erobern, das wäre der schönste Lohn für alle, denen der Erhalt der plattdeutschen Sprache am Herzen liegt.
Ich habe mit der plattdeutschen Sprache unterschiedliche Erfahrungen gemacht, wobei heute die positiven weit überwiegen, die negativen aus der Kinderzeit aber nicht ohne Wirkung geblieben sind. In meinem Elternhaus in Lorup bin ich mit der plattdeutschen Sprache aufgewachsen. Hochdeutsch habe ich nur dann erfahren, wenn meine gebürtig aus Berlin stammende Tante zu Besuch kam oder ein ehemaliger Ferienjunge aus Recklinghausen seinen Urlaub bei uns verbrachte. Als ich eingeschult wurde, konnte ich kaum einen Gedanken im Hochdeutschen aussprechen. Allen anderen erging es – mit Ausnahme der Flüchtlingskinder – wie mir, und im Nachhinein muß ich sagen, daß wir dank des Einfühlungsvermögens unserer Lehrer – hier möchte ich besonders den späteren Realschulrektor Josef Gieseke hervorheben, der heute Samtgemeindebürgermei-ster in Lathen ist – jeden Tag ein bißchen mehr mit der hochdeutschen Sprache vertraut wurden.
Die kalte Dusche erlebte ich in Werlte, als ich zur dortigen Mittelschule wechselte. Aus dem Staunen kam ich nicht heraus, als ich erkannte, wie umfangreich der hochdeutsche Wortschatz meiner Mitschüler(innen) war. Mich spontan zu melden, traute ich mir in Werlte über eine lange Zeit nicht zu. Einige Male war es passiert, daß mir ein hochdeutsches Wort nicht einfiel, zum Beispiel „Ärmel” für „Maue” und „Schneiderin” für „Neihster”. Ich stand dann da, erhoffte wie in Lorup Hilfe, aber bekam sie nicht, weil meine damalige Lehrerin – ansonsten eine liebevolle Pädagogin – das Plattdeutsche regelrecht verachtete. Allgemeines Gelächter war dann die Folge, und ich beschloß, mich um einen umfangreichen Wortschatz zu bemühen und später mit meinen Kindern hochdeutsch sprechen zu wollen. Aus dieser Zeit resultiert noch heute beim längeren Sprechen die Angst, daß mir nicht spontan die passenden hochdeutschen oder auch plattdeutschen Worte einfallen. Beim Schreiben dagegen fühle ich mich deutlich sicherer.
Zurück zur Schulzeit in Werlte, wo der aus Aschendorf stammende Realschulrektor Heinrich Jungeblut während der letzten Schuljahrgänge mein Deutschlehrer war. Dieser hat in mir die Liebe zur plattdeutschen Sprache geweckt. Erstaunt hörten wir aus seinem Munde, daß Plattdeutsch ein wichtiges, erhaltenswertes Kulturgut sei und wir uns glücklich schätzen sollten, diese Sprache zu beherrschen. Unser Englischlehrer Andreas Rump verstand es, uns mit Beispielen auf die enge Verbindung Englisch/Plattdeutsch aufmerksam zu machen, und so trug auch sein Unterricht erfolgreich dazu bei, daß wir unsere Muttersprache ins Herz schlossen.
Meinen erlernten Beruf als Verwaltungsangestellte habe ich bis zur Geburt unseres ersten Kindes im Jahr 1970 ausgeübt und bin seit 1971 als Mitarbeiterin bei der Ems-Zeitung tätig. Das Aufsatzdeutsch, das ich mühsam erlernt hatte, war nicht mehr gefragt, und ich mußte mich auf Zeitungsdeutsch umstellen. Bei schwierigen Texten habe ich mich an das alte plattdeutsche Sprichwort gehalten, was da heißt: „Doun deit leren”, und mit der Zeit ging mir das Schreiben von Berichten schneller von der Hand.
Meine Zeitungstätigkeit führte mich häufig zu dem bekannten Loruper Heimatforscher Hans Meyer-Wellmann. Ich versorgte ihn gelegentlich mit Bildmaterial und holte mir dort Rat für die Heimatarbeit. Dieser war es dann, der mich regelrecht zum Plattdeutschschreiben drängte. Zweimal habe ich gesagt: „Nein, das kann ich nicht”, beim dritten Mal begriff ich, wie ernst ihm sein Anliegen war. Ich habe ihm daraufhin versprochen, es wenigstens zu versuchen.
Auch dieser Neubeginn war nicht leicht, denn ich stellte fest, daß sich mein Denken und Reden sehr verhochdeutscht hatten. Während der Haus- und Gartenarbeit suchte ich intensiv nach Wörtern aus meiner Kinderzeit und spitzte die Ohren, wenn ältere Menschen sich in ihrem urwüchsigen Platt unterhielten, und schon bald hatte ich die ersten Ideen für kleine Geschichten und Gedichte. Ich brachte sie zu Papier und faßte sie 1990 in meinem Buch „Diene Hand in miene” (Gold-schmidt-Druck Werlte) zusammen. Auch die Zweitauflage war schnell vergriffen.
Inzwischen habe ich solch große Freude am Plattdeutschschreiben gefunden, daß ich mir ein Leben ohne diese Tätigkeit nicht mehr vorstellen kann. Noch heute sind meine Texte umfeldbezogen, wobei sich das Themenfeld aber ständig erweitert. Als der Landkreis Emsland im Jahre 1991 einen plattdeutschen Theaterwettbewerb ausschrieb, habe ich mich nach anfänglichem Zögern doch noch beteiligt und das Dokumentarspiel „Liek moket” eingereicht, welches die traurige Geschichte des Hümmlingdorfes Wahn behandelt, das während des zweiten Weltkrieges dem Kruppschen Schießplatz hat weichen müssen. Daß ich für dieses Stück den ersten Preis zuerkannt bekommen habe, war das schönste Erlebnis, seitdem ich als „Schrieverske” tätig bin. Unter der Regie von Jörg Meyer (Theaterpädagogisches Zentrum Lingen) und unter Mitwirkung hochmotivierter Darstel-ler(innen) aus verschiedenen Orten des Hümmlings hat „Liek moket” 2850 Besucher verzeichnen können.
Mein zweites Dokumentarspiel „Der Bettelpfarrer”, welches Leben und Wirken des einstigen Friedlandpfarrers Monsignore Wilhelm Scheperjans beschreibt, ist überwiegend in hochdeutscher Sprache verfaßt. In den Szenen im Elternhaus wird dagegen plattdeutsch gesprochen. Auch dieses Stück ist unter der Regie von Jörg Meyer erfolgreich aufgeführt worden.
Gelegentlich werde ich zu Lesungen eingeladen. Hierbei stelle ich immer wieder fest, daß das Publikum am liebsten Geschichten und Gedichte hört, mit denen es sich identifizieren kann. Je nach Wunsch trage ich Heiteres oder Besinnliches vor. Der Kontakt ist meistens schnell hergestellt, und so höre ich auch gern zu, wenn mir jemand über seine Schreibtätigkeit berichtet. Ich sporne dann zum Weitermachen an und mache auf unseren Arbeitskreis „Plattdeutsche Sprache” im Emslän-dischen Heimatbund aufmerksam. Zweimal im Jahr treffen sich dort durchschnittlich 12 bis 15 Schrievers, um ihre neuen Texte vorzutragen und sie der Werkkritik zu unterstellen.
Unverzichtbar ist für mich auch die Mitgliedschaft im Schrieverkring Weser-Ems. Hier treffen sich zweimal im Jahr rund vierzig Schrievers aus den unterschiedlichsten Regionen des nordwestdeutschen Raumes zum Gedankenaustausch und auch zur Werkkritik. Mit unseren Unterschriften haben wir uns an der Aktion zur Anerkennung der plattdeutschen Sprache als Minderheitensprache in der Europäischen Sprachencharta eingesetzt und hoffen derzeit, daß das Land Niedersachsen einen Plattdeutschbeauftragten benennt.